E-Book, Deutsch, 1060 Seiten
Conradi Gesammelte Werke
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-0767-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 1060 Seiten
ISBN: 978-3-8496-0767-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dieser Band beinhaltet neben der Gedichtsammlung 'Lieder eines Sünders' auch die Aufsätze aus 'Ich bin der Sohn der Zeit' und den Roman 'Adam Mensch'.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Ich wußte nicht ein, ich wußte nicht aus –
Da ging ich verzweiflungszermalmt nach Haus ...
Ich wußte nicht aus, ich wußte nicht ein –
Da ließ ich die Sünde – Sünde sein.
E la Mania di cercar perle al lezzo.
Emilio Praga.
Das war ein lust'ges Feiern
Das war ein lust'ges Feiern –
Ein Schwärmen bei Nacht und bei Tag!
Nun liegt's auf mir so felsenhart –
Jach sind mir Freud und Lust erstarrt:
Nun liegt's auf mir so bleiern
Nach all dem lust'gen Feiern –
Dem Schwärmen bei Nacht und bei Tag! ...
Das war ein tolles Zechen –
Wir wurden's schier nicht satt! ...
Jach starb mir da der blüh'nde Scherz –
Nun liegt's auf mir wie schweres Erz:
Als wollte das Hirn mir zerbrechen
Nach all dem lust'gen Zechen –
Dem Schwärmen bei Nacht und bei Tag! ...
Das war ein keck Erfassen
Des Lebens in jauchzender Lust! ...
Nun liegt's mir vor Augen so tot und so fahl –
Nun liegt mir die Welt so namenlos schal: –
Als sollte ich sie nun hassen:
So ward mir nach all dem Erfassen
Des Lebens in jauchzender Lust! ...
Heimkehr
Du warst so brav, da ich dich einst verlassen, –
Da ich die Heimat mied.
Heut kehr' ich heim ... Der Sturm durchgellt die Gassen,
Jauchzt sein Rebellenlied ...
Doch durch das Windgeheul dröhnt mir entgegen
Ein rüdes Zechgebrüll ...
Ich geh' ihm nach auf den verschneiten Wegen
Und lausche still ...
Da plötzlich stößt sich siedendheiß zum Herzen
Mein stürmisch Blut ...
Ich sehe dich ... im Blutlicht flackernder Kerzen
Inmitten Bubenbrut ...
Maria, du? ... Zurück nun, Heimatskehrer!
Was zögerst du?
Die Welt, die weite Welt ist nirgends leerer –
Schreit' zu – schreit' zu! ...
Einem Kinde der Sünde
Ob's deine Augen auch verneinen
Mit ihrem hellen, klaren Licht;
Ob auch auf deinem zarten, feinen,
Madonnenschönen Angesicht
Es liegt, als wäre deine Seele
Ein seltner Kelch, der niemals trog,
Drin Keuschheit sich und Kraft vermähle:
Ein Kind der Sünde bist du doch! ...
Ob deine Augen drohend blitzen –
Ob du auch zitternd, zornbewehrt,
Dich vor dem Frechen suchst zu schützen,
Den deiner Schönheit Reiz betört, –
Der deines Nackens holde Fülle
Umspannen will mit engem Joch –
Ein Bild der lieblichsten Idylle! –
Ein Kind der Sünde bist du doch!...
Ob du auch sittsam deine frommen
Blauaugen niederschlägst, wenn jach,
Wie's just passiert, ein Wort gekommen –
Ein Wort von bravem, derbem Schlag –
Es fährt heraus – die andern kichern:
»Ein Witz, der nicht zum feinsten roch!«
Ob du auch kalt sie's läßt versichern –
Ein Kind der Sünde bist du doch! ...
Denn ich, Madonna, muß es wissen –
Du hast es selbst mir ungesäumt
Gebeichtet, da auf weichen Kissen
Ich manche Nacht bei dir verträumt ...
Dein schöner Leib ist so gesellig
Und Kosen dünkt ihn wunderfein –
Drum bist du heimlich gern gefällig:
Du sollst ein »Kind der Sünde« sein? ...
Das verlorene Paradies
Es hat die Dirne mich geküßt:
Da ward ich von süßem Taumel trunken, –
Und als ob es Frau Venus selber wär',
Bin ich ihr an die wildwogenden Brüste gesunken ...
Es hat die Dirne mich geküßt, –
Ihre reifroten Lippen auf den meinen erblühten –
Da vergaß ich die harte Not und den Tod
Und meiner Mutter liebfrommes Behüten ...
Es hat die Dirne mich geküßt –
Da war's mir, als quöllen Flammenbäche
Wie der Hölle Sengstrom durch meinen Leib, –
Als ob bacchantische Brunst mir den Schädel zerbreche! ...
Es hat die Dirne mich geküßt –
Schluchzend lag ich vor ihr im Staube –
Da war's mir, als stürbe der Gott in mir,
Als stürb' an sündloser Lieb' mir der Glaube ...
Es hat die Dirne mich geküßt –
Da wußt' ich, daß ich die Seele verloren –
Da wußt' ich, daß ich dem Schächer gleich
Meine Seele der Hölle zugeschworen! ...
Es hat die Dirne mich geküßt –
Wohl trink' ich in ihren Armen Wonne – –
In meinem Herzen aber ist Finsternis,
Und verdorrt ist mir des Glückes Bronne! ...
Verdorrt ist mir der lebendige Mut,
Für meine Brüder die Gasse zu bahnen, –
Zerbrochen hab' ich die blitzende Wehr,
Zerbrochen die wurfzerfetzten Fahnen ...
Seitdem die Dirne mich geküßt,
Kann ich nur ihr gehören zu eigen ...
In Brünsten umklammre ich den weißen Leib
Und küsse sie – und der Rest ist Schweigen ...
Gericht der Nacht
(Olga.)
Es flog der Staub, und die Enge zwang –
Und alles so grau, verschwommen und kalt! –
Du sprachest: Wo blieb dein stolzer Drang –
Deiner Seele glühender Ueberschwang –
Deiner Liebe todtrotzige Flammengewalt?
Und ich hieß dich gehen! – Die Enge zwang –
Und des Tages bleiches Larvenspiel ...
Ich war so müde ... der Vorhang fiel –
Und mich umdünstete Fäulnisgestank ...
Und ich hieß dich gehen! – Und nun kam die Nacht.
Weit wichen die Schranken – die Einsamkeit
Gebar mir ein großes, stolzstilles Leid,
Das trug triumphierender Freiheit Fracht! ...
Du gingst! Was bist du nicht bei mir geblieben?
Kanntest du nicht mein grenzenlos Lieben?
Zu Tag fliegt der Staub – nur die Enge zwingt,
Bis sie den Trotzigsten zerrieben –
Du gingst! Was bist du nicht bei mir geblieben?
Kanntest du nicht mein grenzenlos Lieben?
Das wandelte sich in der Einsamkeit
Zu heißem, brünstig mahnendem Leid,
Das flehend vor dir niedersinkt!
Du gingst! Was bist du nicht bei mir geblieben?
Kanntest du nicht mein grenzenlos Lieben?
Das brandet zur Nacht, da die Engnis zerbrach!
Es hieß dich gehen der staubgraue Tag
Und die blöde Sprache des Lichts!
Ich liege schlaflos. Und es ergreift mich tief,
Daß meiner Liebe Gewalt dich nicht heimwärts rief –
Meine...




