Corbett / Ruckh | Preisgegeben | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Corbett / Ruckh Preisgegeben

Kriminalroman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-948392-05-5
Verlag: Polar Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

ISBN: 978-3-948392-05-5
Verlag: Polar Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Während ein junger Baummarkierer eines Nachmittags an der nördlichen Wassescheide arbeitet, macht er eine grausige Entdeckung: In einer Hütte eines Landbesetzers wurde eine Familie ermordet. Detective Frank Yakabuski, ein Armee-Veteran, der nach einem erfolgreichen Wechsel eine Einsatzgruppe anführte, die eine berüchtigte Biker-Bande zerschlagen hat, trifft in Ragged Lake, einem fast verlassenen Dorf, ein. Er soll den Mord an der Familie aufklären. Aber niemand ist bereit zu reden. Bei einem aufkommenden Wintersturm separiert Yakabuski die Einheimischen in einer Lodge, während er mit seinen beiden Junior-Offizieren das Gebiet untersucht. Bald kämpft er nicht nur darum, das Verbrechen aufzuklären, sondern auch, am Leben zu bleiben und die wenigen Unschuldigen zu beschützen, die in den verlassenen Wäldern leben. Ragged Lake ist ein stimmungsvolles Rätsel mit mitreißenden Hintergründen, explosiven Aktionen und unvergesslichen Verbrechern. Ragged Lake wird Sie immer wieder raten lassen - über Gewaltverbrechen, die Besonderheit der Familie und geheime Handlungen, die vor langer Zeit an verlassenen Grenzen begangen wurden.

Ron Corbett ist Autor, Journalist und Rundfunksprecher. Er lebt seit seiner Geburt in Ottawa und reist oft in den Algonquin Park, um zu angeln und zu campen. Zuerst als kleiner Junge und jetzt als Vater von vier Kindern. Er unterrichtete Journalismus an der School of Journalism der Carleton University und gewann zahlreiche Auszeichnungen, darunter zwei National Newspaper Awards. Er gibt zu, ein armer oder konsequent unglücklicher Angler zu sein. Als Autor von sieben Fachbüchern ist dies nun sein erster Roman. 'Ragged Lake', der Erste in der Frank Yakabuski Serie erhielt begeistertes Lob und eine Edgar Allan Poe Nominierung der Mystery Writers of Amerika für das beste Original-Taschenbuch.
Corbett / Ruckh Preisgegeben jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


4


Yakabuski verließ den Highway 7 und kam in die engen Straßen von Cork’s Town, wo Springfield seinen Ursprung hatte, wo sich die ersten Siedler niedergelassen hatten. Jetzt zog jeder von hier weg, sobald er konnte. Was Yakabuski nicht ganz verstand, wenn er sich ansah, wohin die Leute zogen. In Vororte in der Senke des Flusstals, wo bei jedem Frühjahrshochwasser die Häuser überflutet wurden und manche diesen modrigen Geruch im Inneren nie loswurden. In den Sozialwohnungen der Nosoto Projects auf der Flussseite gegenüber. Oder dreißig Kilometer flussabwärts in die streng bewachten schicken Wohntürme, die angespült wirkten wie gestrandete Fische.

Er passierte aufgelassene Lagerhallen und Frachthäuser und fuhr durch eine Straße mit alten Holzfällerhäuschen, die aus unerfindlichem Grund nie abgerissen worden waren. Nach wenigen Minuten hatte er Cork’s Town hinter sich gelassen und kam an eine der breitesten Stellen des Springfield River, wo sich der Schnee führende Fluss in einer langgezogenen Biegung wie eine Rauchfahne durch die Landschaft schlängelte. Mehrere Kilometer lang folgte Yakabuski dem Fluss, dann bog er scharf nach links ab. Er hielt, um das Tor zu einem um diese Jahreszeit geschlossenen Trailerpark aufzusperren, und fuhr auf eine Eisstraße. An der Entrance Bay gab es eine kleine Kolonie von Eisanglerhütten, und wie jedes Jahr hatte Yakabuski die Hütte am Ende der Straße.

Wahrscheinlich häusliche Gewalt. Das jedenfalls sagte er sich beim Parken. Selbst wenn man nicht den Teufel an die Wand malte und die Situation nüchtern betrachtete, konnte man sagen, dass jemand das Schicksal herausforderte, wenn er in eine kleine Hütte ein paar Kilometer außerhalb eines Geisterstädtchens zog – und nichts anderes war Ragged Lake heute, nachdem vor mehr als zehn Jahren die Holz- und Papiermühle dichtgemacht hatte. Nach zwei Wintern da oben konnte jeder durchdrehen.

Er sperrte die Tür seiner Hütte auf, legte etwas Kleinholz in den Kaminofen und zündete es an. Nachdem er das Brett von dem ins Eis gebohrten Loch gehoben hatte, holte er seine Angelausrüstung, und als das Feuer brannte, steckte er den Schwanz eines Weißfisches auf einen Sechserhaken. Er wickelte die Leine bis zu einer Tiefe von acht Metern ab, nahm eine Handvoll Fischschwänze aus dem Ködereimer und warf sie ins Loch. Beim Sinken blitzten die Schuppen im schwarzen Wasser silbrig schimmernd auf, und für einen Moment kamen sie ihm wie ein kleiner Kometenschauer vor.

Frank Yakabuski war seit zwölf Jahren bei der Springfield Regional Police und seit acht Jahren bei Major Crimes. Er stammte aus High River, wo er mit der halben Stadt verwandt war. High River war die älteste polnische Siedlung in Kanada, auch wenn der Name nicht darauf hindeutete. Die Kleinstadt lag im Upper Springfield Valley nahe dem westlichen Rand der Northern Divide und hieß bereits High River, ehe die Polen kamen.

Wie sein Vater war Yakabuski groß. Schon mit sechzehn maß er einen Meter fünfundneunzig und wog hundertzehn Kilo. Er überragte seine Schulfreunde, seine Cousins – eigentlich alle in High River. Die meisten gingen davon aus, dass er nach der Highschool seinem Vater in den Polizeidienst folgen oder wie seine Onkel bei O’Hearn anheuern würde, wo ihm Körpergröße und Nachname praktisch garantierten, dass er noch vor seinem dreißigsten Geburtstag ein Waldlager leitete.

Doch er tat weder das eine noch das andere. Kaum einen Polnischstämmigen aus dem Upper Springfield Valley überkam die Wanderlust, aber Frank Yakabuski war die berühmte Ausnahme von der Regel. Er wollte etwas von der Welt sehen, deshalb ging er nach der Highschool zur Army und trat einem Bataillon leichter Infanterie im äußersten Westen bei, möglichst weit von der Northern Divide entfernt. Im 3rd Battalion gab es noch immer Offiziere, die behaupteten, er sei der beste Leichtinfanterist gewesen, der unter ihnen gedient hatte. Der geborene Soldat. Sein Durchhaltevermögen war legendär, er gewann jeden Ironman-Wettbewerb in der Garnison. Im Feld konnte er tagelang ohne Wasser und Essen marschieren, jede Fährte lesen und das Wetter fast auf die Minute vorhersagen. Im Kampf Mann gegen Mann konnte es keiner mit ihm aufnehmen. Er war der Erste seines Bataillons, der auf Auslandseinsätze nach Bosnien und Afghanistan geschickt wurde. Dann wurde er in eine schnelle Eingreiftruppe der Vereinten Nationen befördert und erhielt Belobigungen. Wegen seines »Heldenmuts«, was so ziemlich das Höchste der Gefühle in Militärberichten ist, auch wenn keine Einzelheiten angeführt wurden.

Es schien, als würde es Yakabuski in der Army weit bringen. Dennoch schied er nach elf Jahren aus. Seiner Familie gegenüber begründete er diesen Schritt nie richtig. Ein Jahr später lebte er in Springfield und arbeitete bei der Polizei. Wieder wurde er schnell befördert, und dieses Mal kam er zu einer Sondereinheit der Bundesbehörden, die während der Rockerkriege in Quebec eingerichtet worden war. Yakabuski war die perfekte Wahl, da er in Montreal und Buffalo unbekannt war, und als er sich die Haare wachsen ließ, in eine Lederkluft schlüpfte und zu lächeln aufhörte, sah er aus wie aus dem Bilderbuch: ein hünenhafter, Furcht einflößender Biker.

Während Yakabuski den Haken im Wasser tanzen ließ und in der Hütte umherblickte, belustigte ihn die Vorstellung, dass Papa Paquette hier neben ihm saß und Quappen angelte. Papa hatte für die Natur nicht das Geringste übrig. Wie die meisten Biker. Er nannte Yakabuski immer Waldkauz und Yakabuski ihn Asphalt-Dandy. Aber nur bis Yakabuski gegen ihn aussagte. Von da an bedachte der Anführer der Popeyes seinen früheren Kumpel mit anderen Namen. Fast drei Jahre hatte Yakabuski undercover gearbeitet. Bei seiner Rückkehr nach Springfield wurde er zu Major Crimes versetzt und zum Senior Detective befördert.

In Springfield würde er wohl nie richtig heimisch werden. Es war eine Stadt des Nordens mit knapp einer Million Einwohnern, gegründet am Zusammenfluss dreier Flüsse in einem weiten Mäandertal, in dem alles Treibgut, jeder irrlaufende Baumstamm und jede verlorene Seele aus einem Umkreis von siebenhundert Kilometern stranden musste. Springfield, der tiefste Punkt des Tales, war das Sammelbecken für alles und jeden. Ein chaotischer, aufgekratzter, gewalttrunkener Schmelztiegel am Rande des riesigen nordamerikanischen Nadelwaldgürtels. Inzwischen empfand Yakabuski eine Hassliebe zu der Stadt.

Kurz vor Mitternacht holte er die Leine ein und verschloss das Loch mit dem Brett. Nicht ein Fisch hatte angebissen. Erst zwei Nächte zuvor hatten die Quappen wie wild gebissen, und er hatte mehr als ein Dutzend rausgezogen. Er dachte kurz nach, dann schüttelte er den Kopf über sich selbst. Es war dummer Aberglaube, dass ein schlechter Fang unmittelbar vor einer Reise ein ungünstiges Vorzeichen sein sollte. Anglerlatein. Und selbst wenn es früher einmal richtig gewesen sein mochte, so glaubte heute niemand mehr an Omen und Zeichen.

Der Anruf ging an ein Wegwerfhandy fast viertausend Kilometer von Springfield entfernt. Der Mann, der ihn entgegennahm, saß auf einem Liegestuhl neben einem Infinity Pool mit Blick auf den Golf von Mexiko. Er war mittleren Alters, gutaussehend, mit kräftigen, muskulösen, von Tätowierungen bedeckten Armen und spindeldürren Beinen. Er hatte viele Namen, wurde jedoch meist Cambio genannt. Er wartete, bis nach einer kurzen Pause eine Stimme sagte: »Wir könnten ein Problem kriegen.«

Cambio erwiderte nichts, sondern starrte weiter auf ein Kreuzfahrtschiff, das in der kleinen Bucht vor Anker ging, und betrachtete die Touristen in bunter Urlaubskleidung, die das Vordeck sprenkelten. In seiner Kindheit hatte es an diesem Ort kein einziges Hotel gegeben. Er hielt sich nicht für alt, begann aber schon, wie ein alter Mann zu denken und das Vergangene zu vermissen.

Der Mann am anderen Ende der Leitung räusperte sich. »Jemand hat mehrere Leute umgebracht. Squatter, die im Wald eine Hütte gebaut hatten. Die Cops sind schon unterwegs.«

Cambio verlagerte seine Position und verfolgte, wie ein Beiboot den ersten Trupp Touristen an Land brachte.

»Wart ihr das?«, fragte er.

»Was? Scheiße, nein. Wir haben nichts damit zu tun.« Eine längere Pause folgte. Wieder räusperte sich der Anrufer. Holte mehrmals tief Luft, ehe er fortfuhr. »Wir waren das nicht. Ehrlich. Wir wissen überhaupt nicht, was passiert ist. Die Leute waren irgendwelche Squatter. Wir kannten die gar nicht. Hatten nur von ihnen gehört. Jetzt kommen morgen die Cops.«

Das Beiboot näherte sich der Anlegestelle. Cambio stellte sich vor, wie er mit einem Granatwerfer den Bug beschoss, und sah die Explosion vor sich, die darauf folgende Rauchwolke. Alle Touristen futsch. Ein Klacks.

»Squatter?«

»Ja, so illegale Siedler. Haben sich in einem verlassenen Camp ein paar Kilometer vor Ragged Lake niedergelassen.«

»Und ihr wart es nicht?«

»Nein, ich...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.