Cosby | Die Rache der Väter (eBook) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 350 Seiten

Cosby Die Rache der Väter (eBook)

Roman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7472-0441-2
Verlag: ars vivendi
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

ISBN: 978-3-7472-0441-2
Verlag: ars vivendi
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nach Blacktop Wasteland (Platz 2 der Krimibestenliste) der neue Thriller von S. A. Cosby Virginia, USA: Eines Tages klingelt bei Ike Randolph, einem schwarzen Ex-Sträfling, die Polizei - sein Sohn Isiah und dessen weißer Ehemann Derek wurden ermordet. Obwohl Ike seinen Sohn und dessen Homosexualität nie wirklich akzeptiert hat, ist er am Boden zerstört. Dereks Vater Buddy Lee, der ebenfalls mal im Gefängnis saß, ging es mit seinem Sohn nicht anders. Er hat noch immer Kontakte zur Unterwelt und will um jeden Preis herausfinden, wer Derek auf dem Gewissen hat. Also machen sich Ike und Buddy Lee gemeinsam auf die Suche nach den Mördern und den Fehlern der Vergangenheit, immer in der Hoffnung, ihren Söhnen wenigstens im Tod Gerechtigkeit widerfahren zu lassen ...

S. A. COSBY ist Schriftsteller und leidenschaftlicher Schachspieler und lebt im US-Bundesstaat Virginia. 2019 gewann er den Anthony Award für die beste Kurzgeschichte. 2021 erschien sein Roman 'Blacktop Wasteland' bei ars vivendi, der u. a. mit dem LA Times Book Prize ausgezeichnet wurde und der auf Platz 2 der Krimibestenliste stand.
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2


Es war ein schöner Tag für eine Beerdigung.

Schneeweiße Wolken trieben über einen tiefblauen Himmel. Die Luft war immer noch frisch und kühl, obwohl es bereits die erste Aprilwoche war. Doch hier in Virginia konnte es durchaus innerhalb der nächsten zehn Minuten wie aus Eimern regnen und dann eine Stunde später so heiß wie der Hintern des Teufels sein.

Unter einem salbeigrünen Zelt fanden die verbliebenen Trauergäste und die beiden Särge Schutz. Der Geistliche nahm eine Handvoll Erde von einem Haufen unmittelbar neben dem Zelt. Der Haufen war mit einem verwitterten Stück Kunstrasen bedeckt.

Der Geistliche bewegte sich zu den Kopfteilen der Särge. »Erde zu Erde. Asche zu Asche. Staub zu Staub.« Seine Stimme hallte über den Friedhof, während er Erde über die Särge streute. Den Teil über die allgemeine Auferstehung und das Ende aller Tage ließ er aus.

Der Bestattungsunternehmer trat vor. Er war ein kleiner, rundlicher Mann mit einem koksgrauen Teint, der zu seinem Anzug passte. Trotz der milden Witterung glänzte sein Gesicht vor Schweiß, als würde sein Körper auf den Kalender, und nicht auf das Thermometer reagieren. »Damit sind wir am Ende des Trauergottesdienstes für Derek Jenkins und Isiah Randolph. Die Familien bedanken sich für Ihr Kommen. Friede sei mit Ihnen«, sagte er. Seine Stimme hatte nicht die Theatralik der Stimme des Geistlichen. Außerhalb des Zeltes war sie kaum zu hören.

Ike Randolph ließ die Hand seiner Frau los und starrte auf seine Hände hinab. Seine leeren Hände. Die Hände, die seinen Jungen gehalten hatten, als er gerade mal zehn Minuten alt war. Die Hände, die ihm beigebracht hatten, wie man sich die Schuhe zuband. Die Hände, die Salbe auf seine Brust gerieben hatten, als er mit Grippe im Bett gelegen hatte. Die ihm vor Gericht mit eng sitzenden Fesseln an den Gelenken zum Abschied gewinkt hatten. Grobe, schwielige Hände, die er in seinen Taschen vergraben hatte, als Isiahs Mann ihm eine Hand zur Begrüßung entgegengestreckt hatte.

Ike ließ das Kinn auf die Brust sinken und sah das kleine Mädchen auf Myas Schoß an. Eine Hautfarbe wie Honig mit dazu passenden Haaren. Arianna war in der Woche vor dem Tod ihrer Eltern drei Jahre alt geworden. Hatte sie eine Ahnung, was hier gerade passierte? Als Mya ihr gesagt hatte, dass ihre Daddys schliefen, schien sie das anstandslos zu akzeptieren. Er beneidete sie um die Flexibilität ihres Verstands. Sie konnte mit alldem hier auf eine Art umgehen, die ihm unmöglich war.

»Ike, da drin liegt dein Junge. Das ist unser Baby«, schluchzte Mya.

Er zuckte zusammen. Ihre Worte hörten sich an wie die Schreie eines Hasen, der in eine Falle geraten war. Ike vernahm das Quietschen und Schrammen der Klappstühle, als die Leute aufstanden und zum Parkplatz gingen. Er spürte Hände auf Schultern und Rücken. Hörte ermutigende Worte, die mit halbherziger Ehrlichkeit gemurmelt wurden. Es war nicht so, dass es die Leute nicht berührte. Es war vielmehr so, dass sie wussten, wie wenig diese Worte die Wunde in seiner Seele lindern konnten. Diese Plattitüden und klischeehaften Predigten auszusprechen schien unaufrichtig, aber was blieb ihnen sonst? Das machte man eben so, wenn jemand starb.

Es war eine kleine Trauergemeinde, und es dauerte nicht lange, bis sich die Stuhlreihen leerten. Keine fünf Minuten später waren Ike, Mya, Arianna, die Totengräber und ein Mann, den Ike vage als Dereks Vater erkannte, die einzigen Menschen auf dem Friedhof. Viele aus Ikes Familie waren nicht erschienen. Und soweit er es sagen konnte, waren nur wenige von Dereks Leuten gekommen. Die meisten Trauergäste waren Isiahs und Dereks Freunde gewesen. Ike bemerkte Dereks Familienangehörige. Sie fielen auf unter all den bärtigen Hipstern und androgynen Ladys, die Dereks und Isiahs soziales Umfeld ausgemacht hatten. Schlanke, drahtige Männer und Frauen mit harten, gefühllosen Augen und sonnengebräunten Gesichtern. Sie trugen blaue Kragen um ihre geröteten Hälse. Eine knappe halbe Stunde nach Beginn der Predigt hatte er bemerkt, wie ihre Gesichter langsam hochrot wurden. Das war, als der Geistliche erwähnte, dass es keine unverzeihliche Sünde gab. Dass selbst widerwärtige Sünden von einem gütigen Gott vergeben werden könnten.

Arianna zog an einem von Myas Zöpfen.

»Lass das, Mädchen!«, sagte Mya scharf.

Und Arianna schwieg einen Augenblick. Ike wusste, was als Nächstes kam. Diese bedeutungsschwangere Pause war das Vorspiel für das große Weinen. Isiah hatte es auch immer so gemacht.

Arianna begann zu heulen. Ihre Schreie durchbohrten die Stille der Beerdigung und klingelten Ike in den Ohren. Mya versuchte sie zu beruhigen. Sie entschuldigte sich und strich ihr über die Stirn. Arianna holte tief Luft, begann dann aber nur noch lauter zu schreien.

»Bring sie ins Auto. Ich komme gleich nach«, sagte Ike.

»Ike, ich gehe nirgendwohin. Noch nicht«, fauchte Mya.

Ike stand auf. »Bitte, Mya. Bring sie zum Auto. Gib mir nur ein paar Minuten, dann komme ich und passe auf sie auf, und du kannst hierher zurückkommen.« Seine Stimme versagte beinahe.

Mya erhob sich und zog Arianna dicht an ihre Brust. »Gut, wenn du es sagst.« Sie drehte sich um und ging zum Wagen. Als sie sich entfernten, verebbte Ariannas Heulen zu einem Wimmern. Ike legte seine Hand auf den schwarzen Sarg mit dem goldenen Rand. Sein Sohn befand sich in diesem rechteckigen Behälter. Verpackt und konserviert wie ein Stück haltbar gemachtes Fleisch. Der Wind frischte auf und ließ die Troddeln am Rand des Zeltes wie die Flügel eines sterbenden Vogels flattern. Derek lag daneben in dem silbernen Sarg mit der schwarzen Bordüre. Isiah würde neben seinem Ehemann begraben werden. Sie waren zusammen gestorben, und jetzt würden sie zusammen ruhen.

Dereks Vater erhob sich von seinem Platz. Er war ein magerer, wettergegerbter Kerl mit schulterlangen, grau melierten Haaren. Er ging zu den Fußenden der Särge und blieb neben Ike stehen. Die Totengräber inspizierten ihre Schaufeln, während sie darauf warteten, dass diese beiden Männer als Letzte der Trauergäste gingen.

Der magere Mann kratzte sich am Kinn. Der graue Schatten eines Barts bedeckte die untere Hälfte seines Gesichts. Er hustete, räusperte sich, hustete wieder. Als er sich gesammelt hatte, wandte er sich Ike zu. »Buddy Lee Jenkins. Dereks Vater. Ich glaube, wir haben uns noch nicht kennengelernt.« Er streckte eine Hand aus.

»Ike Randolph.« Ike nahm Buddy Lees Hand, schüttelte sie zweimal und ließ sie dann los. Stumm wie Steine standen sie vor den Särgen.

Buddy Lee hustete wieder. »Waren Sie beim Hochzeitsempfang?«

Ike schüttelte den Kopf.

»Ich auch nicht«, sagte Buddy Lee.

»Ich glaub, ich hab Sie letztes Jahr auf der Geburtstagsparty von ihrem Mädchen gesehen«, sagte Ike.

»Ja, ich war da, bin aber nicht lange geblieben.« Buddy Lee zupfte an seinem Sakko. »Derek hat sich für mich geschämt. Kann’s ihm aber nicht verübeln.«

Ike wusste nicht, was er dazu sagen sollte, also sagte er nichts.

»Ich wollt mich nur bei Ihnen und Ihrer Frau bedanken, dass Sie alles geregelt haben. Ich hätt’s mir nicht leisten können, ihnen so eine schöne Beerdigung auszurichten. Und Dereks Mama hat’s sowieso nicht interessiert«, sagte Buddy Lee.

»Wir haben nichts damit zu tun. Sie hatten sich schon um alles gekümmert. Sie hatten wohl so was wie ein vorab bezahltes Beerdigungspaket gebucht. Wir mussten nur noch ein paar Papiere unterschreiben«, sagte Ike.

»Mann. Haben Sie mit siebenundzwanzig schon Ihre Beerdigung geplant? Ich todsicher nicht. Scheiße, ich hatte mit siebenundzwanzig ja nicht mal nen Plan für nen Job«, sagte Buddy Lee.

Ike strich mit der Hand über den Sarg seines Sohnes. Was immer er sich für diesen Augenblick vorgestellt haben mochte, war jetzt ruiniert.

»Das Tattoo auf Ihrer Hand, das ist von den Black Gods, stimmt’s?«, fragte Buddy Lee.

Ike betrachtete seine Hände. Die undeutliche Zeichnung eines Löwen mit zwei gekreuzten Krummsäbeln über dem Kopf auf seiner rechten Hand und das Wort RIOT auf der linken waren seit seinem zweiten Jahr im Coldwater State Penitentiary seine stummen Begleiter. Er schob die Hände in die Taschen. »Ist lange her.«

Buddy Lee saugte an seinen Zähnen. »Wo haben Sie gesessen? Ich hab fünf Jahre in Red Onion abgerissen. Ziemlich harte Typen da unten. Hab da auch ein paar Black-God-Jungs kennengelernt.«

»Ist jetzt nicht böse gemeint, aber ich rede wirklich nicht gern darüber«, sagte Ike.

»Hey, ich hab’s ja auch nicht böse...


S. A. COSBY ist Schriftsteller und leidenschaftlicher
Schachspieler und lebt im US-Bundesstaat Virginia. 2019 gewann er den Anthony Award für die beste Kurzgeschichte.
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