Cotoloni | Taxi Milano25 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 160 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 210 mm

Cotoloni Taxi Milano25

Wie Tante Caterina den Himmel auf die Erde bringt
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-429-06595-9
Verlag: Echter
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie Tante Caterina den Himmel auf die Erde bringt

E-Book, Deutsch, 160 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 210 mm

ISBN: 978-3-429-06595-9
Verlag: Echter
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In Florenz und ganz Italien kennt jeder das bunte Taxi Milano 25 mit seiner Fahrerin 'Zia Caterina'. Sie sieht aus, als sei sie direkt einem Märchen entstiegen: blonde Locken, einen Blumenhut so groß wie ein Wagenrad auf dem Kopf, wehender Umhang, witzige Brille, Schirmchen. Die Schriftstellerin Alessandra Cotoloni steigt in dieses seltsame Taxi ein. Sie nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise zwischen Erde und Himmel, Tod und Leben. Einfühlsam beschreibt sie, wie aus Caterina Bellandi Stück für Stück die Kunstfigur 'Zia Caterina' - Tante Caterina wurde: aus einer Taxifahrerin eine märchenhafte Verwandte. Zia Caterina fährt kranke Kinder kostenlos zur Krebstherapie, erfüllt ihnen Wünsche, hört zu. Nach dem Tod eines Kindes hält sie auf besondere Weise die Erinnerung lebendig. So hilft sie Eltern, mit dem Schmerz zu leben. Es lohnt sich, geistig ins Taxi Milano 25 einzusteigen und mit Hilfe von Alessandra Cotoloni den Weisheiten der besonderen Fahrerin zu lauschen.

Alessandra Cotoloni lebt und arbeitet in Siena, wo sie als Architektin bei der Stadtverwaltung arbeitet. Seit April 2005 gehört sie der Gruppe 'The Sienese Writers' an, mit der sie an verschiedenen Veranstaltungen und Wettbewerben teilgenommen hat und mehrfach als Gewinnerin oder Gewinnerin gemeldet wurde.
Cotoloni Taxi Milano25 jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Das Vorwort sollte einen kleinen Vorgeschmack auf Caterinas Magie vermitteln. Sie zu treffen bedeutet, eine Sphäre zu betreten, in der die strengen Gesetze des Alltäglichen und der Normalität außer Kraft gesetzt werden. In Caterinas Nähe übersteigen wir all die Grenzen, innerhalb derer wir uns gewöhnlich bewegen. Wir lassen uns tragen vom Strom der Energie, die Caterina großzügig und in Überfülle um sich herum verbreitet.

Dieses Buch ist keine gewöhnliche Biographie, es kann keine Lebensbeschreibung sein, wie ich sie normalerweise schreibe – nein, das ist unmöglich. Wer jemals Caterina – und sei es flüchtig – kennengelernt hat, versteht das, genauso wie er oder sie versteht, dass es nur schwer möglich ist, einen roten Faden in der Geschichte von Caterina Bellandi nachzuzeichnen. Es ist wirklich ein kompliziertes Unterfangen, dessen bin ich mir voll bewusst. Doch soll ihre Geschichte keine nur oberflächlich wahrgenommene Randerscheinung im Bewusstsein der Allgemeinheit bleiben. Nein, ich will Menschen erklären, wer Caterina Bellandi ist, damit alle, die sie sehen, sich nicht allein aufgrund der Art ihrer Kleidung ein vorschnelles Urteil bilden, sondern sie wirklich verstehen. Ja, es ist nicht leicht, etwas über Caterina zu erzählen, denn sie ist kein gewöhnlicher Mensch. Doch genau die Tatsache, dass sie in kein Schema passt, macht ihre Stärke aus.

Um über sie sprechen zu können, muss man ihr auf dem Weg folgen, den sie jetzt seit Jahren geht, ihr beim Reden zuhören, die Botschaft ihrer Gebärden erfassen und – sooft sie es erlaubt – in die hintersten Winkel ihrer Seele schauen im Wissen darum, dass es einem selbst so niemals gelingen wird, sie mit den vielfältigen Nuancen ihrer Persönlichkeit umfassend kennen zu lernen. Deswegen mag die hier folgende Erzählung stellenweise konfus erscheinen, genauso wie Zia Caterina auch selbst ist. Sie wird eine Mischung sein aus Gegenwart und Vergangenheit, aus Erinnerungen und Reflexionen, in die Caterina unversehens immer wieder ihr Gegenüber mit einbezieht. Es wird eine Geschichte sein von Teilen eines Lebens oder besser von . So bezeichnet es jedenfalls Padre Bernardo, der ein wichtiger Begleiter von Zia Caterina ist. Das heißt, es wird die Geschichte all derer sein, die ihren eigenen Lebensweg mit dem von Caterina verknüpft haben. Mit den Geschichten dieser Menschen drückt sie sich selbst aus.

Caterina kleidet sich mit ihrem flippigen Outfit in das Gefühl, das sie mit all ihren Kindern und Jugendlichen verbindet. Wer sie trifft, fragt sich unweigerlich, woher all das kommt – und spürt zugleich, dass es auf diese Frage keine befriedigende Antwort geben kann. Man versteht nur, dass all diese Energie schon in Caterina war, noch ehe sie zu der Persönlichkeit wurde, die in Italien alle kennen oder zu kennen glauben. So antwortet sie zum Beispiel auf die Frage: „Wer warst du denn vor all diesem?“ – „Ich war im Ungefähren.“ Diese Antwort verunsichert zunächst, doch dann erklärt sie selbst, was das bedeutet – nämlich jahrelang zu leben, ohne um die eigene Existenz zu wissen. Ja, in diesem Unwissen lebte sie, bis der Tod ihres Lebensgefährten Stefano bei ihr etwas auslöste. Sie wurde sich bewusst, was es heißt zu leben. Während sie das erklärt, lacht sie, fast bitter, verstellt ein wenig die Stimme und nimmt so diesem Gedanken ein bisschen seine Tiefe.

In einfachen Worten spricht sie über eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit: darüber, nur annäherungsweise zu leben, so lange bis uns etwas plötzlich aus dieser Art Erstarrung löst, in der wir gefangen sind. Dann beginnen die einzelnen Augenblicke zu leben, zu atmen. Man erkennt jeder Minute einen genauen Wert zu. Die „Begabung“ von Caterina Bellandi besteht darin, jeden Augenblick ihrer Existenz mit Leben erfüllt zu haben. Doch es lässt sich nur schwer festmachen, an welchem Punkt die Verwandlung von Caterina in Zia Caterina angefangen hat, weil sie so ein außergewöhnlicher Mensch ist.

Ihre Freundin Kris hilft uns, Caterinas erste Schritte hin zu der Person, die sie jetzt ist, nachzuzeichnen. Kris stammt aus Russland. Sie kannte Caterina bereits, als diese noch keine Strohhüte aufsetzte und noch nicht ihre wehenden Umhänge trug, sondern in einem Unternehmen in Prato arbeitete. Damals war Caterina so wie viele andere auch. Eine Frau aus wohlhabender Familie, die gerne den Feierabend mit Freundinnen und Freunden verbrachte. Kris und Caterina hatten sich über die Arbeit kennengelernt. Ihre Freundschaft begann zufällig. Dann trafen sie sich häufiger. Kris merkte als eine der ersten, dass sich Caterina und Stefano ineinander verliebt hatten, dass sie glücklich zusammen waren, dass da eine Liebesgeschichte gelebt wurde. Kris bekam aber auch die tragische Zeit mit, die sehr bald Caterinas Leben überschattete: Stefano wurde krank und starb. Nach seinem Tod war Caterina lange Zeit sehr verletzlich. Sie hatte die Orientierung verloren.

In dieser so bedeutsamen Zeit ihres Lebens wurde für Caterina die Nähe zu Kris besonders wichtig. Noch heute spricht Caterina sichtbar bewegt und voller Dankbarkeit von ihrer Freundin, denn Kris streckte die Hand aus, bot Hilfe an, als Caterinas Schmerz über den Tod ihres Lebensgefährten so stark wurde, dass er sie fast erdrückte. In den Jahren direkt nach Stefanos Tod ließ die junge russische Freundin sie nicht alleine. Zwei Jahre nach seinem Ableben organisierte sie eine Reise nach Russland. So führte sie Caterina langsam ins Leben zurück. Mit leiser Ironie bezeichnet diese das Abenteuer als „die Reise der Klöster und Friedhöfe“. Denn die beiden Freundinnen besichtigten vor allem Klöster und Friedhöfe. Für beide war diese Reise eine wichtige, ja einzigartige Erfahrung, ein Zeichen der Liebe, die Kris gegenüber ihrer Freundin empfand. Sie war aber auch eine Art Abschied, denn die junge Russin erwartete damals ihren ersten Sohn. Kris wusste genau, dass sie nach dessen Geburt nicht mehr so intensiv wie bisher Caterinas Leben würde teilen können.

Nach dieser Reise trennten sich die Wege von Caterina und Kris. Auch wenn es ihnen nicht mehr gelingt, sich so häufig zu sehen und zu treffen, wie damals, bleibt Kris bis heute ein wichtiger Bestandteil des Lebens von Tante Caterina. Zwischen beiden ist in den Jahren der großen Nähe und des Mit-Aushaltens von Caterinas Trauer eine starke, unauflösliche Bindung entstanden, der ein zeitlicher und räumlicher Abstand nichts anhaben kann. Kris bewundert Caterina, ihr Engagement, die Leidenschaft und Energie, mit der sie sich für die Kinder der Meyer-Kinderklinik in Florenz einsetzt. Doch gerade weil Kris jetzt selbst Mutter ist, spürt sie auch ihre eigenen Grenzen. Es ist ihr nicht möglich, Caterina ständig zur Seite zu stehen, ohne selbst zu sehr von einem Leid ergriffen zu werden, das sie nicht verarbeiten kann. Deswegen hält sie Abstand. Sie beobachtet Caterina und bleibt trotzdem ihre Freundin. Caterina versteht das. Sie verlangt nicht, dass Kris sich anders verhält. Weil jede die Entscheidung der anderen respektierte, führte die Tatsache, dass beide andere Lebenswege einschlugen, nicht zu einem Bruch ihrer tiefen Bindung.

Man kann von Caterina nicht verlangen, zusammenhängend ihr Leben zu erzählen. Sie verknüpft Erinnerungen mit plötzlichen Reflexionen und unterbricht so ständig den roten Faden der Ereignisse. Man hört ihr also einfach zu, lässt sich einfangen von jenen Gedanken, die sie leicht, aus dem Stegreif heraus entwickelt. Diese Reflexionen sind das Ergebnis innerer Umwandlungsprozesse, immer tiefgründig, mögen sie nun Jahre oder auch nur Minuten lang gedauert haben. So tiefgründig, dass man unweigerlich selbst darüber nachdenken muss. Unsere Treffen habe ich immer so gestaltet, dass sich Caterina völlig frei äußern konnte. Konkrete Fragen habe ich nicht gestellt. Das wäre so gewesen, als wollte ich einen Vogel in einen Käfig einsperren, ihn daran hindern zu fliegen. Der Respekt vor Caterina, vor ihrer Persönlichkeit legte diese Vorgehensweise nahe.

Ihre Reflexionen, die immer wieder den Gang der Erzählung ihres Lebensweges unterbrachen, helfen auch, besser den Charakter von Zia Caterina zu verstehen, zum Beispiel das Nachdenken über die „unruhigen Seelen“: Caterina sagt, wir seien alle „unruhige Seelen“. Unermüdlich zermartern wir uns den Kopf bei der Suche nach Antworten auf drängende Fragen. Doch auf diese Fragen gebe es hier auf der Erde keine Antworten. Immer wieder greift sie dieses Thema auf. Es prägt grundlegend ihre innere Entwicklung. Caterina lächelt, wenn sie davon spricht. Denn sie erinnert sich daran, wie sie sich selbst vor vielen Jahren fühlte. Dann fügt sie hinzu, dass einen das verbiesterte Suchen nach Antworten, die man hier auf Erden nicht finden kann, krank macht. Diesen Gedanken begleitet sie mit einer Handbewegung: schnell, wie verrückt klopfen die Spitzen ihrer Zeigefinger aneinander. Caterinas Gebärden zeichnen nach, wie es ihrer Meinung nach in unserem Inneren aussieht. „Genau an der Stelle, an der wir geistig nicht weiterkommen, entsteht ein Hindernis. So wird die Energie blockiert und wir...


Alessandra Cotoloni lebt und arbeitet in Siena, wo sie als Architektin bei der Stadtverwaltung arbeitet. Seit April 2005 gehört sie der Gruppe „The Sienese Writers“ an, mit der sie an verschiedenen Veranstaltungen und Wettbewerben teilgenommen hat und mehrfach als Gewinnerin oder Gewinnerin gemeldet wurde.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.