Dare | In den Armen eines Gentlemans | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Dare In den Armen eines Gentlemans

Roman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-641-18094-2
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

ISBN: 978-3-641-18094-2
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nur die Berührung dieser Frau kann ihn vor den Schatten seiner Vergangenheit retten.

Kate Taylor war zeit ihres Lebens auf sich gestellt – doch sie glaubt an die Liebe und sehnt sich nach Romantik und Zweisamkeit. Nie hätte sie dabei an Corporal Thorne gedacht: Er ist eiskalt – aber auch unwiderstehlich attraktiv. Als ein mysteriöser Fremder nach Spindle Cove kommt und nach Kate sucht, gibt Thorne vor, ihr Verlobter zu sein. Er weiß jedoch, dass Kate mit einem Mann wie ihm nicht glücklich würde, und versucht, ihr bezauberndes Lächeln aus seinen Gedanken zu verbannen. Der Kampf mit seinen Gefühlen ist die härteste Schlacht, die Thorne je schlagen musste. Und es sieht aus, als würde er sie verlieren …

Tessa Dare ist halbtags Buchhändlerin und ganztags Mutter. Als Kind ist sie ständig umgezogen und hat schnell gelernt: Egal wie oft sie den Wohnort wechselt, eine bestimmte Sorte von Freunden bleibt ihr immer — die Helden aus den Romanen, die sie gelesen hat. Aus diesem Grund entschied sie eines Tages, sich ihre eigenen Freunde zu schaffen und Romane zu schreiben. Sie lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern und ihrem Hund in Kalifornien.
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1

Sommer 1814

Corporal Thorne konnte eine Frau über die Entfernung eines Raums hinweg erbeben lassen. Ein unliebsames Talent, soweit es Kate Taylors Meinung betraf. Der Mann brauchte sich nicht einmal anzustrengen, stellte sie mit einem Anflug von Bedauern fest. Alles, was er dafür tun musste, war, in das Bull and Blossom zu schreiten, einen Barhocker mit Beschlag zu belegen, finster in einen zinnernen Bierkrug zu starren und seinen breiten, gestählten Rücken dem Schankraum zuzuwenden. Und ohne ein Wort, ohne auch nur einen flüchtigen Blick brachte er die Finger der armen Miss Elliott zum Erzittern, kaum dass sie diese auf die Tasten des Klaviers legte.

»Oh, ich kann nicht«, wisperte das Mädchen. »Ich kann jetzt nicht singen. Nicht solange er hier ist.«

Wieder eine Musikstunde ruiniert. Bis vor einem Jahr hatte Kate dieses Problem nicht gekannt. Davor war Spindle Cove vornehmlich von Damen bewohnt gewesen, und das Bull and Blossom war ein reizender Teesalon gewesen, in dem mit Zuckerglasur verzierte Törtchen und mit Konfitüre gefüllte Biskuittorten serviert wurden. Doch seitdem eine örtliche Miliz eingerichtet worden war, war das Etablissement sowohl Teesalon für die Damen als auch Taverne für die Gentlemen geworden. Sie hatte beileibe nichts dagegen zu teilen, nur dass dies mit Corporal Thorne schlicht unmöglich war. Seine strenge, unnahbare Präsenz schien den gesamten Raum einzunehmen.

»Versuchen wir es noch einmal«, forderte Kate ihre Schülerin auf, beflissen, die Furcht einflößende Silhouette auszublenden, die am Rande ihres Blickfelds aufragte. »Vorhin hatten Sie es beinahe.«

Miss Elliott errötete und rang die Finger im Schoß. »Ich werde es nie vernünftig hinbekommen.«

»Doch, doch, das werden Sie. Es ist lediglich eine Sache der Übung, und Sie werden nicht allein sein. Wir werden weiter an dem Duett arbeiten und uns zu einer Generalprobe auf dem Salon am kommenden Samstag einfinden.«

Bei dem Wort »Generalprobe« nahmen die Wangen des jungen Mädchens eine tiefrote Färbung an. Annabel Elliott war eine hübsche junge Dame, eine zierliche Erscheinung mit hellem Teint, doch das arme Ding errötete viel zu leicht. Wenn sie aufgeregt oder nervlich angespannt war, glühte ihr blasses Gesicht, als hätte man ihr zwei saftige Backpfeifen verpasst. Und unglücklicherweise war sie die allermeiste Zeit aufgeregt oder nervlich angespannt.

Einige junge Damen kamen nach Spindle Cove, um von Schüchternheit zu genesen, von Skandalen oder einem schwächenden Fieber. Miss Elliott war in der Hoffnung auf anders geartete Heilung hergeschickt worden: einem Auskurieren des Lampenfiebers. Kate unterrichtete sie lange genug, um zu wissen, dass Miss Elliotts Problem keinesfalls mit einem Mangel an Begabung oder Vorbereitung zu tun hatte. Ihr fehlte es einzig an Selbstvertrauen.

»Vielleicht wären einige neue Notenblätter hilfreich«, schlug Kate vor. »Ich für meinen Teil empfinde einen Folianten mit raschelnden, duftenden Musikbögen um einiges aufbauender für meine Gemütsverfassung als eine neue Haube.« Ihr kam ein Gedanke. »Ich werde diese Woche einen Abstecher nach Hastings unternehmen und sehen, was ich finden kann.« In Wahrheit hatte sie geplant, Hastings aus einem völlig anders gearteten Anlass aufzusuchen. Sie hatte dort einen Höflichkeitsbesuch abzustatten, den sie bislang aufgeschoben hatte. Der Erwerb neuer Partituren bot einen exzellenten Vorwand dafür.

»Ich weiß nicht, wie es sein kann, dass ich so töricht bin«, jammerte das immer noch glühende Mädchen. »Ich habe über Jahre hinweg hervorragenden Unterricht genossen. Und ich liebe es zu spielen. Wahrhaftig, das tue ich. Aber sobald andere zuhören, fühle ich mich wie gelähmt. Ich bin hoffnungslos.«

»Sie sind nicht hoffnungslos. Keine Situation ist jemals hoff…«

»Meine Eltern …«

»Ihre Eltern glauben gleichfalls nicht, dass Sie es nicht schaffen können, ansonsten hätten sie Sie nicht hergeschickt«, befand Kate.

»Meinen Eltern ist daran gelegen, dass meine Saison von Gelingen begleitet wird. Und Sie wissen mitnichten um den Druck, den meine Familie auf mich ausübt, Miss Taylor. Sie vermögen wahrlich nicht zu verstehen, wie das ist.«

»Nein«, räumte Kate ein, »ich vermute, das kann ich tatsächlich nicht.«

Miss Elliott blickte sie betroffen an. »Es tut mir aufrichtig leid. Ich habe das nicht so gemeint. Wie gedankenlos von mir.«

Kate winkte ab. »Seien Sie nicht töricht. Es ist eine Tatsache. Ich bin eine Waise. Sie haben absolut recht, ich weiß am allerwenigsten, wie es ist, Eltern mit solch großen Erwartungen und hochfliegenden Hoffnungen zu haben.« Obschon ich alles dafür geben würde, darum zu erfahren, und sei es nur für einen einzigen Tag. »Aber ich weiß sehr wohl, was für einen Unterschied es macht, dass Sie unter Freunden sind. Dies ist Spindle Cove. Wir alle hier sind ein wenig außergewöhnlich. Bringen Sie sich schlicht in Erinnerung, dass jeder im Dorf auf Ihrer Seite steht.«

»Jeder?« Miss Elliotts Blick glitt zaghaft zu dem hünenhaften, einzelgängerischen Mann, der an der Theke thronte. »Er ist so groß«, wisperte sie. »Und so Furcht einflößend. Jedes Mal, wenn ich zu spielen anfange, kann ich sehen, wie er zusammenzuckt.«

»Sie dürfen das nicht persönlich nehmen. Er ist ein Soldat, und wie Sie sicherlich wissen, sind diese allesamt seelisch von den vielen Bombenexplosionen in Mitleidenschaft gezogen.« Kate tätschelte Miss Elliott begütigend den Arm. »Beachten Sie ihn nicht. Kopf hoch, meine Liebe. Zaubern Sie ein Lächeln auf Ihr Gesicht, und setzen Sie Ihr Spiel fort.«

»Ich werde es versuchen, aber er ist … er ist recht schwierig zu ignorieren.«

Jawohl, das war er. Als hätte Kate das nicht selber gewusst. Auch wenn Corporal Thorne sich darin auszeichnete, sie zu ignorieren, konnte sie seine Wirkung auf ihre eigene Person nicht leugnen. Ihre Haut prickelte, wann immer er in der Nähe war, und bei dem seltenen Zufall, dass er in ihre Richtung sah, hatte sein starrender Blick eine Art, sie aufzuschlitzen wie ein Seziermesser. Doch um Miss Elliotts Selbstvertrauen willen stellte Kate ihre persönlichen Befindlichkeiten hintenan. »Das Kinn hochgereckt«, ermahnte sie Miss Elliott und sich selbst leise. »Lächeln Sie.«

Kate begann, die tiefere Stimme des Duetts zu spielen. Doch als die Zeit für Miss Elliotts Einsatz kam, stockte die jüngere Dame schon nach wenigen Takten.

»Verzeihen Sie, ich war soeben …« Miss Elliott brach ab.

»Ist er wieder zusammengezuckt?«

»Nein, schlimmer«, stöhnte sie. »Dieses Mal ist er wahrlich erschaudert.«

Mit einem kleinen Seufzer der Empörung reckte Kate den Hals, um zum Tresen zu blicken. »Nein. Das tat er nicht.«

Miss Elliott nickte heftig. »Doch. Es war entsetzlich.«

Dies war die Krönung. Dass er ihre Schüler mit Nichtachtung strafte, war eine Sache. Zusammenzucken war eine andere. Aber für Schaudern gab es keine Entschuldigung. Das war jenseits der Grenzen des Erlaubten. »Ich werde mit ihm reden.« Kate erhob sich von der Klavierbank.

»Oh, tun Sie das nicht. Ich bitte Sie.«

»Keine Sorge«, versicherte Kate. »Ich fürchte mich nicht vor ihm. Er mag ein unzivilisierter Grobian sein, aber ich glaube nicht, dass er beißt.« Sie durchquerte den Schankraum und blieb direkt hinter Corporal Thorne stehen. Fast hätte sie sogar den Mut gefunden, auf das quastengeschmückte Schulterstück seiner roten Uniform zu tippen. Fast. Stattdessen räusperte sie sich jedoch nur. »Corporal Thorne?«

Er drehte sich um.

Zeit ihres jungen Lebens hatte Kate keinen Mann kennengelernt, der einen so harten Ausdruck in den Augen hatte. Sein Gesicht war steinern – geformt aus scharf geschnittenen Kanten und frostig starren Flächen. Sein schroffes Terrain bot ihr keinerlei Schutz, nirgends ein Versteck. Sein Mund war lediglich ein grimmiger Strich, die dunklen Brauen hatte er missbilligend zusammengezogen. Und seine Augen … seine Augen hatten das Blau von Flusseis in der kältesten, harschesten Winternacht.

Kopf hoch. Lächle!

»Wie Sie vielleicht bemerkt haben«, sagte Kate leichthin, »befinde ich mich mitten in einer Musikstunde.«

Keine Antwort.

»Wissen Sie, Miss Elliott ist ängstlich, wenn sie vor Fremden spielen muss.«

»Sie wünschen, dass ich aufbreche.«

»Nein.« Ihre eigene Antwort überraschte Kate. »Nein, ich wünsche nicht, dass Sie aufbrechen.«

Das würde ihn zu leicht davonkommen lassen. Er brach jedes Mal auf. Das war ihre übliche Unterredung. Kate sammelte ihren Mut zusammen und versuchte, freundlich zu bleiben. Er fand immer irgendeinen Vorwand, spontan den Raum zu verlassen. Es war ein lächerliches Spiel, und sie war dessen müde. »Ich ersuche Sie nicht darum zu gehen«, erklärte sie. »Miss Elliott bedarf der Übung. Meine Schülerin und ich werden ein Duett spielen. Ich lade Sie ein, uns Ihre Aufmerksamkeit zu schenken.«

Er starrte sie an.

Kate war befremdlichen Blickkontakt gewöhnt. Wann immer sie neue Bekanntschaften machte, wurde sie sich schmerzlich bewusst, dass die Leute nur den auffälligen portweinfarbenen Fleck an ihrer Schläfe sahen. Jahrelang hatte sie versucht, ihr Geburtsmal mit breitkrempigen Hauben oder kunstvoll drapierten Kringellöckchen zu kaschieren, indes ohne Erfolg. Die Leute starrten geradewegs hindurch. Sie hatte gelernt, den anfänglichen Schmerz zu ignorieren. Mit der Zeit wurde sie, die...


Dare, Tessa
Tessa Dare ist halbtags Buchhändlerin und ganztags Mutter. Als Kind ist sie ständig umgezogen und hat schnell gelernt: Egal wie oft sie den Wohnort wechselt, eine bestimmte Sorte von Freunden bleibt ihr immer — die Helden aus den Romanen, die sie gelesen hat. Aus diesem Grund entschied sie eines Tages, sich ihre eigenen Freunde zu schaffen und Romane zu schreiben. Sie lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern und ihrem Hund in Kalifornien.



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