Dark | John Sinclair - Folge 0612 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 612, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 0612

Eine Nacht im Hexenschloß
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3392-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Nacht im Hexenschloß

E-Book, Deutsch, Band 612, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-3392-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989! Eine Nacht im Hexenschloss. Der Mann schreckte hoch, als plötzlich die Tür seines Schlafzimmers aufgestoßen wurde, und er die Gestalt der Frau erkannte. »Aber ... aber ... du bist doch tot, Orania!« Sie kicherte und sagte: »Ich werde dir zeigen, wie tot ich bin! Ich werde es dir zeigen!« Sie warf sich aufs Bett. Etwas blitzte. Blut spritzte, und Orania beendete ihre fürchterliche Tat mit den Worten: »Das war erst der Anfang ...« John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Dark John Sinclair - Folge 0612 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Eine Nacht im Hexenschloss


Die Tür fiel zu, und es klang wie ein Schuss!

Ronald Archer, der vor dem Stehpult gestanden und in Unterlagen geblättert hatte, zuckte zusammen. Sein erschreckter Blick glitt zur Tür, wo die zweite Stehlampe ihren Schein gegen das dunkle Holz warf, das von dem heftigen Aufprall her noch zitterte.

Archer war irritiert. Er strich durch seinen graublonden Kinnbart. Dieser Mann gehörte zu den Menschen, die erst nachdachten und dann handelten. Als Historiker und Bibliothekar war er es gewohnt, über Probleme zu grübeln.

Weshalb war die Tür zugefallen?

Kein Fenster stand offen, also hatte auch kein Durchzug entstehen können. Das war schon seltsam. Archer hatte sie bewusst offengelassen, um in den Flur schauen zu können, wo die alten Rüstungen standen, die Gemälde an den Wänden hingen und die Holzbohlen des Fußbodens bei jedem Schritt knarrten.

Er hätte es demnach gehört, wenn jemand über den Gang in Richtung Tür geschlichen wäre.

Archer griff zur Brille. Ein randloses Gestell mit zwei kreisrunden Gläsern.

Der Mann bewegte sich auf das Fenster zu. Es war groß und breit, wie es sich für ein Schloss wie dieses gehörte. Vielleicht stand es doch etwas offen …

Nein, es war geschlossen. Kein Hauch der kalten Novemberluft drang durch die Ritzen. Sein Blick fiel in den Schlossgarten, ein verwildertes Gelände. Er sah auch den Wassergraben, dessen Oberfläche dunkelgrün schimmerte. Er schaute weiter bis zu den Hügeln, wo die meisten Bäume ihre Blätter längst verloren hatten.

Archer hob die Schultern und drehte sich wieder um. Er war Wissenschaftler, kein Detektiv und hatte von einer Firma die Aufgabe übernommen, das Schloss zu durchforsten, abzusuchen nach irgendwelchen bibliophilen oder historischen Kostbarkeiten, die möglicherweise Museen zur Verfügung gestellt oder für viel Geld verkauft werden konnten. Das war seine Arbeit seit zwanzig Jahren, die er stets gewissenhaft durchführte. Bei ihm hatte es noch nie Peinlichkeiten oder Pannen gegeben.

Eine stille Welt umgab ihn. Das Schloss und der Garten wurden von dieser Ruhe umfangen, zu der auch die grauen Schleier gehörten, denn vom Boden her stieg der dünne Nebel wie Fahnen.

Allein in einem Schloss, das war nicht jedermanns Sache, doch Archer spürte keine Furcht. Oft genug hatte er die alten Gemäuer durchforscht, und ein Geist war ihm dabei noch nie begegnet, obwohl viele seiner Landsleute an Geister glaubten.

Ihm war auch klar, dass es kein Geist gewesen war, der die Tür ins Schloss geschmettert hatte. Sie musste einfach von selbst zugefallen sein, obwohl er sich da nicht so sicher war. Deshalb ging er hin.

Zunächst dämpfte der dicke Teppich seine Schritte. Als er ihn verließ, knarrten die Bohlen. Sie lagen als breite Scheite nebeneinander, waren hell und an einigen Stellen schon gesplittert. Wer das Schloss kaufte, hätte es auch renovieren müssen.

Dann hörte er das Geräusch.

Die Hand, die schon fast die Klinke berührte, blieb in der Bewegung stehen und sah aus, als würde sie in der Luft hängen. Das Geräusch wurde zwar durch die dicken Schlossmauern gedämpft, aber der Wissenschaftler hatte es trotzdem identifiziert.

So weltfremd war er nicht, als dass er einen Hubschrauber nicht herausgehört hätte.

In dieser einsamen Gegend hatte er einen Hubschrauber oder ein Flugzeug noch nicht gehört. Rasch drehte er sich um, eilte zum Fenster, konnte die Maschine aber nicht sehen, deshalb öffnete er es, um sich hinauszulehnen.

Die Luft war kalt und drückte. Wie ein Paket presste sie sich in sein Gesicht und stach in die Lungen, wenn er tief durchatmete. Auf den Bäumen lag noch der hell schimmernde Rauhreif wie eine glitzernde Schicht. Der Himmel war trüb und wolkengrau.

Er hörte das Geräusch viel lauter als zuvor, nur sah er den Hubschrauber nicht.

Das wollte Ronald Archer nicht in den Kopf. »Verdammt, den habe ich mir doch nicht eingebildet!«, beschwerte er sich, »der muss doch irgendwo herumfliegen.«

Er konnte sich nicht einmal auf eine bestimmte Richtung konzentrieren, weil ihm das Geräusch, von allen Seiten kommend, irritierte. Schließlich blickte er in die Höhe und gleichzeitig etwas nach rechts.

Da sah er den Schatten.

Er war mächtig und dunkel. Über ihm bewegten sich die Rotorblätter und bildeten einen in der Luft stehenden Kreis, der permanent den dünnen Dunst zerschnitt, ohne allerdings richtige Lücken schaffen zu können.

Das Herz klopfte ihm schneller, als er den Hubschrauber sah. Er glitt nahe an der Schlosswand entlang, zu nahe. Jeden Moment konnten die Rotorblätter das Mauerwerk berühren und die Maschine zum Absturz bringen …

Seine Gedanken stockten.

Als hätte die Maschine einen Schlag bekommen, so drehte sie von der Hauswand ab. Wie ein Ungeheuer kam sie Archer vor. Er wurde jedoch nicht gefressen, sondern glotzte wie unter Zwang auf die Kanzel. Dahinter hätte sich eigentlich die Gestalt des Piloten abzeichnen müssen, aber da war niemand zu sehen. Der Hubschrauber schien ferngesteuert zu sein.

Archer bekam große Augen. Was man ihm da präsentierte, war irre, einfach Wahnsinn: Ein Hubschrauber, der ohne Pilot flog und vor der Schlosswand noch so etwas wie einen Tanz aufführte, als wollte er den einsamen Zuschauer verhöhnen.

Abwehrend streckte Archer einen Arm vor und ging gleichzeitig tiefer in das Zimmer zurück. Über seine Wangen huschte ein Zucken. Er klimperte mit den Augenlidern und sah plötzlich, wie die Maschine wegsackte, wie ein Stein.

Sie stürzte ab!

Ronald Archer schrie auf. Er sprang wieder vor, beugte sich aus dem Fenster, weil er sehen wollte, ob die Maschine im Wassergraben gelandet war. Das hätte er auch hören müssen, nur war von dem Hubschrauber nichts mehr zu sehen. Spiegelglatt lag die Fläche unter ihm. Keine Wellen kräuselten die Oberfläche, das Wasser schimmerte weiterhin in einem dunklen Grün, und auf der Oberfläche schwammen kleine Teppiche aus Algen und Wasserpflanzen.

Er ging rückwärts in das Zimmer hinein und schlug mehrere Male die Hände vor das Gesicht. »Ich bin verrückt«, flüsterte er. »Ich bin verrückt. – Oder bin ich es doch nicht?«

Er war durcheinander. Die Realität hatte sich verändert, war für ihn so fremd geworden, und er stoppte erst, als er mit dem Rücken gegen das Stehpult stieß.

Tief atmete er durch. Ein Schnauben drang aus seinem Mund. Er schüttelte sich, als hätte man ihn mit Wasser übergossen. Als er auf seine Hände schaute, zitterten sie.

Schlossgeschichten fielen ihm ein, von Geistern und Gespenstern, die angeblich in den alten Mauern hausen sollten. Aber daran hatte er nie geglaubt.

Die von draußen hereindringende Kälte brachte ihn wieder zur Besinnung. Der Raum besaß zwar einen Kamin, nur hatte er kein Holz angezündet, weil er sich doch nicht so lange hier aufhalten wollte.

Plötzlich sprang Archer vor, knallte das Fenster zu und wirkte in diesen Momenten sehr erleichtert. Archer senkte den Kopf, starrte auf seine Schuhspitzen und strich sich mit beiden Händen durch das Haar.

Was hatte er gesehen?

Einen Hubschrauber, ferngesteuert möglicherweise. Nur konnte er sich nicht vorstellen, dass Maschinen dieser Größe per Fernbedienung fliegen konnten. Nein, so etwas wollte ihm als Nichttechniker nicht in den Kopf.

Was tun?

Ronald Archer war ein Mensch, der sich in Schlössern und Burgen, die ja zu seinen Arbeitsstätten gehörten, stets wohl gefühlt hatte. In diesem Schloss nicht mehr, denn er glaubte auf einmal, ein Gefangener zu sein, den unsichtbare Kräfte kontrollierten.

Also doch Geister?

Nein, um Himmels willen, nein! Das wollte ihm einfach nicht in den Kopf. Keine Geister, keine Wesen, die feinstofflich waren. Kein Besuch aus einer anderen Welt. Das waren alles nur dumme Sprüche irgendwelcher Menschen, die sich selbst etwas vormachten, die …

Seine Gedanken bewegten sich nicht mehr weiter, denn er hatte etwas gehört, das ihn störte.

Die Haut in seinem Nacken zog sich zusammen, denn das Geräusch war über ihm erklungen. Er schaute hoch, sah die Decke, die im Laufe der Jahre eine graue Farbe bekommen hatte, an einigen Stellen sogar große Flecken zeigte, weil sich dort die Reste von Kerzenqualm abgesetzt hatten. Der Lüster funktionierte nicht, er war nur mehr Dekoration.

Aber das Geräusch schien direkt aus ihm hervorzuströmen. Und es hörte sich schrecklich an.

Wie ein tiefes, grausames Atmen, ein lang gezogenes Stöhnen und Ächzen, als stünde eine Kreatur unter einem mörderischen Druck, der sie letztendlich zerstörte.

Ronald Archer war einen Schritt zur Seite gegangen und hatte sich geduckt hingestellt. Die drückende Furcht wollte nicht weichen. Wie ein Dieb hatte sie sich in seinen Körper hineingeschlichen.

Bewegte sich der Lüster?

Nein, er hing ruhig unter der Decke, aber die verfluchten Geräusche waren nach wie vor zu hören. Als wäre dort oben jemand eingeschlossen, und er glaubte auch, Risse zu sehen.

Nun war Archer völlig durcheinander. Er nahm die Brille ab und putzte die wegen der Kühle leicht beschlagenen Gläser. Als er die Brille wieder aufsetzte, waren die Risse deutlicher zu sehen. Fast so breit wie ein Finger, und auch das Stöhnen hatte an Intensität zugenommen. Dann wehte ein kühler Hauch durch den Raum. Auf den Bohlen erklangen Tritte, ohne dass jemand zu sehen war. Und einen Moment später vernahm er vom Stehpult her ein Rascheln.

Ronald Archer drehte sich um und hatte das Gefühl, einen erneuten Schlag zu bekommen. Seine Unterlagen schwebten dicht über dem Stehpult, und die...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.