Dark John Sinclair - Folge 0649
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-8387-0199-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Junge von Stonehenge
E-Book, Deutsch, Band 649, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-0199-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Der Junge von Stonehenge.
Das Geräusch war nicht mehr als ein dünner Hauch, kaum zu hören, dennoch wachte Kara auf.
Es war bei ihr wohl mehr das Unterbewusstsein gewesen, das die Gefahr gemeldet und Kara mitten in der Nacht hellwach gemacht hatte. Sie blieb für einen Augenblick starr liegen, konzentrierte sich und dachte auch darüber nach, ob der Laut von einem Tier hätte stammen können. Das kam nicht infrage, ein Tier hätte sie nicht gestört oder beunruhigt.
Myxin, der kleine Magier, der das einfache Haus zusammen mit Kara teilte, schlief weiter. Auch er gehörte zu den außergewöhnlichen Personen, die mit besonderen Fähigkeiten ausgerüstet waren. Von ihm sah Kara nur den Schatten.
Möglicherweise hatte sie sich getäuscht. Ein anderer wäre mit dieser Vorstellung wieder eingeschlafen, nicht so Kara, die immer alles sehr genau wissen wollte ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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* * * (S. 33-34)
Er hatte alles vergessen und war der Faszination dieser gewaltigen Steine erlegen. Er hatte sie nicht aus- und nachmessen wollen, das war längst geschehen, nein, er wollte ihre Geheimnisse erforschen und hatte dafür die Genehmigung bekommen. Dann war er gegangen. Tagelang hatte er sich auf die Lauer gelegt, verborgen in einem kleinen Zelt. Nur in der Nacht war er aufgestanden. Dann standen die Steine vor ihm wie gewaltige Türme, die in den ebenfalls dunklen Himmel ragten. Es war für ihn einmalig gewesen, als er den inneren Kreis betreten hatte. Und dort wollte er sich auch weiterhin aufhalten.
Denn er wußte, daß es hier ein Zentrum geben mußte. Einige Schriften hatten darauf hingewiesen. Sechs Nächte vergingen, ohne daß etwas geschah. Zwar war ihm bewußt geworden, daß dort etwas vorhanden sein mußte, aber er hatte es nicht greifen können. Es war nicht konkret gewesen, und Conrad hatte es nur als Strömung bezeichnen können. Es gab nicht nur die Steine. Wer sich näher mit ihnen beschäftigte, konnte erkennen, daß sie bestimmte Formen besaßen, aber nie glatt und geschliffen an der Oberfläche waren, sondern an vielen Stellen Kerben und Einbuchtungen zeigten, wo sich selbst ein Mensch verbergen konnte.
Dort hatte er auch die Höhle im Stein entdeckt. Ein schmaler Spalt nur, in den er sich hatte hineinschieben müssen. Wenig später hatte er sich in einer Höhle im Innern des Steins befunden, die ihm sogar noch genügend Platz ließ. Eine Höhle, von der er geträumt hatte. Durch seine Studien, durch sein Lesen und Nachforschen war er an bestimmte Informationen gelangt. Daß diese Theorien jedoch jemals wahr werden konnten, hatte er in seinen kühnsten Träumen nicht erwartet. In der Höhle lag die Tafel.
Eingraviert mit zahlreichen Buchstaben, die sich über den Stein hinweg verteilten und ein regelrechtes Puzzle bildeten, das weder von links nach rechts, noch von oben nach unten gelesen werden konnte. Zwei Tage und eine Nacht hatte es ihn gekostet, um das Rätsel zu lösen. Dann aber war es ihm gelungen, die Buchstaben in die richtige Reihenfolge zu bringen. In der folgenden Nacht war er wieder in die Höhle gegangen, hatte Kerzen mitgenommen, die Tafel gegen eine Wand gelehnt und sich im flackernden Kerzenschein vor sie gehockt. Die Lösung des Rätsels hatte er sich notiert, weil er beim Aussprechen der Formel nichts falsch machen wollte.
Dann hatte er die Worte gesagt. In einer alten Sprache, wie sie die Kelten auch nicht gesprochen hatten. Es mußte ein Dialekt gewesen sein, nur von den Druiden zur Verständigung benutzt, aber er hatte auch nach vielen Jahren noch seine Gültigkeit nicht verloren. Vor den Augen des Wissenschaftlers hatte sich die Tafel verändert. Intervallweise war sie zu einem Spiegel geworden, der ihm einen Blick in die Vergangenheit ermöglichte. Und er hatte gesehen! Bilder der Zerstörung, Bilder des Kampfes, aber auch Szenen einer tiefen Liebe und Reinheit. Mittelpunkt dieses Weltenausschnitts der Vergangenheit waren zwei Personen gewesen: Ein bärtiger Mann und ein Junge, ein Halbwüchsiger, der sich oft in der Nähe des Mannes aufhielt.
Auf den neutralen Beobachter hatten die beiden einen sehr positiven Eindruck vermittelt, bis zu dem Augenblick, als der Junge vor ein Gericht gestellt wurde. Ein weißhaariger Richter urteilte ihn sehr schnell ab. Der alte Mann trug eine ebenfalls helle Kutte und verdammte den Jungen zum Tode durch die Garrotte. Man tötete ihn mit einer Waffe, die von den Druiden erfunden worden war, und der Wissenschaftler schaute zu. Aber er sah auch, wie die Gestalt des Jungen kurz nach dem Tod – es mochten nur Sekunden vergangen sein – einen grünlichen Umriß bekommen hatte.
Er zitterte noch einige Zeit nach, und als er verschwand, da war auch der Tote verschwunden. Danach verlöschte das Bild. Frank Conrad war wie aus einem tiefen Traum erwacht. Lange hatte er in der Höhle gesessen, fast bis zum Hellwerden. Erst dann war er aufgestanden und ins Freie getreten, wo ihn zum zweitenmal der Schock traf, denn direkt vor ihm stand der Junge, dessen Tod er im Spiegel miterlebt hatte. Conrad wollte es nicht glauben. Er faßte schließlich hin und strich über das Gesicht des Jungen. »Du lebst?« »Ja, ich lebe.« Der Junge nickte ungewöhnlich kantig und schief. »Und zwar durch dich.
Du hast die aibonische Lebensformel gerufen und mich in deine Welt geholt. Mag auch noch soviel Zeit vergangen sein, jetzt bin ich wieder da.« Frank war sprachlos gewesen. »Und… und was willst du von mir?« hatte er nach einer Weile gefragt. »Ganz einfach, mein Freund. Ich möchte bei dir bleiben. Ebenso wie ich bei dem Mann geblieben bin, den du gesehen hast. Wie gehören jetzt zusammen, und es wird unser Geheimnis bleiben. Rede mit niemandem darüber, sonst müßte ich dich töten.«




