Dark John Sinclair - Folge 0672
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-8387-0277-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das teuflische Ultimatum
E-Book, Deutsch, Band 672, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-0277-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989! Das teuflische Ultimatum (1. Teil). Die leichte Metallbrücke ächzte im Nachtwind wie ein angeschossenes Tier. Unter ihr kräuselte sich eine teerschwarze Fläche, ein dunkler, stillgelegter Kanal, ein Wasserarm, auf dem noch vor sich hinrostende Schiffe lagen oder flache Kähne stumm vor sich hindümpelten. Die Brücke war an den Ufern durch Trossen befestigt, sie galt mehr als Provisorium, und ausgerechnet sie war für Suko wichtig, denn man hatte sie ihm als Treffpunkt genannt. Er sah den Kerl und sah sein boshaftes Grinsen. Suko wusste nicht genau, ob man ihn in eine Falle locken wollte, er ging allerdings davon aus, auch wenn es Landsleute gewesen waren, die zu diesem Treffen »gebeten« hatten. John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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* * * (S. 32-33)
Suko konnte sich selbst nicht mehr riechen. Der Gestank der vergangenen Nacht hing in seiner Kleidung. Das Kanalwasser hatte Kloakenqualität, und Reste davon klebten als krümeliger Schlamm an seinen Klamotten. Als Kleidung sah er es nicht mehr an, und selbst sein heißgeliebter BMW hatte diesen widerlichen Geruch angenommen.
Aber diese Probleme waren klein im Gegensatz zu dem einzig großen, dem Diebstahl des Stabs. Wenn Suko ehrlich gegen sich selbst war, dann mußte er zugeben, daß es hatte einmal so kommen müssen. Diese Waffe war mächtig und für seine Gegner einfach zu interessant, als daß sie davon hätten ihre Finger lassen können. Wer sie beherrschte und zur richtigen Zeit einsetzte, der konnte zu einem kleinen König aufsteigen.
Suko rechnete auch damit, daß sich die Bande der Triaden möglicherweise nicht nur auf ihre Waffen verlassen würde, wenn sie die Stadt unter ihre Kontrolle brachten. Sie erinnerten sich bestimmt auch an die magische Vergangenheit ihrer Heimat, denn da schlummerten Kräfte, die erst noch geweckt werden mußten. Dunkle Mächte, die Jahrtausende überlebt hatten, nicht grundlos zählte die chinesische Kultur zu einer der ältesten der Welt. Ihn schauderte, wenn er daran dachte, denn das hatte der Erfinder des Stabs – Buddha – sicherlich nicht gewollt.
Und Suko schämte sich in seinem Namen. Wie immer war London ziemlich verstopft. Zwar herrschte kaum Berufsverkehr, trotzdem kam er nur stockend voran. Kleine Staus und rote Ampeln hielten ihn auf. Er sah die Menschen, schaute in ihre Gesichter, auf denen er einen Film von Gefühlen ablas, doch keiner der von ihm beobachtenden Menschen ahnte, welch eine Bedrohung sich zusammenbraute. Er fuhr noch langsamer, als er den Rand von Soho erreicht hatte.
Hier stand das Hochhaus, in dem er und sein Freund John Sinclair wohnten. Es besaß eine Tiefgarage, deren Tor offenstand. Der dunkle, rechteckige Schlund lockte den Inspektor an. Der BMW rollte sehr langsam in die Kurve und später in die schummrige Notbeleuchtung der Garage hinein. Es war ein Weg, den Suko oft genug gefahren war. Beim Hineinrollen dachte er auch daran, daß er schon manch harten Strauß hier unten ausgefochten hatte und manchmal nur knapp mit dem eigenen Leben davongekommen war.
Um diese Zeit hielt sich kaum ein Mensch in der Garage auf. Die meisten Stellplätze waren verwaist, denn die Fahrzeughalter waren mit ihren Autos zu den Arbeitsstellen gefahren. Suko schaltete die Scheinwerfer ein. Er nahm den schlechten Geruch wahr, denn die Abgase hingen überall. Sie schienen wie Spinnweben an der Decke und den Wänden zu kleben. Der Wagen ließ sich leicht bewegen. Sukos Parktasche befand sich nicht weit vom Licht entfernt, einer grau gestrichenen Tür, die nicht einmal ein Fenster besaß.
Er rollte in das abgetrennte Gebiet, sah die Kreise der Scheinwerfer an der Mauer und besaß genau die Distanz, die er immer einnahm. Dann stieg er aus. Obwohl seine Kleidung mittlerweile getrocknet war, hatte er noch immer das Gefühl, sie würde an ihm kleben. Er schloß den Wagen ab, schaute sich dabei um und stellte fest, daß sich außer ihm niemand in dem unterirdischen Komplex aufhielt. Bis zur Lifttür waren es nur wenige Schritte.
Auf der Skala erkannte er, daß die Kabine sich bereits unten befand. Er brauchte nur die Tür aufzuziehen. Nichts warnte Suko, als er die rechte Hand um den Griff legte. Ein geringer Ruck reichte, die Tür schwang auf, sein Blick wurde frei – und er sah die Bescherung. Sie waren zu viert, sie waren bewaffnet, und sie grinsten ihn kalt an. Zwei hielten Pistolen mit aufgeschraubten Schalldämpfern in den Händen. Der dritte, es war Knife, hatte seinen Schlagring übergestreift, und der vierte Chinese besaß den Stab. Sie sagten nichts, ihre Waffen redeten eine deutliche Sprache.
Die Mündungen schauten Suko an wie leere Augenhöhlen, aus denen jeden Augenblick der Tod hervorspringen konnte. Es waren die Sekunden des Begreifens, die Suko erzittern ließen und ihm das kalte Gefühl gaben. Dabei empfand er den Anblick der Waffe nicht einmal als so schlimm. Ihn regte es auf, daß und wie man ihm seinen Stab präsentierte. Die gesamte Haltung ließ auf einen großen Triumph schließen. »Du bist spät gekommen, Vetter!«




