Dark John Sinclair - Folge 1682
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-8387-0364-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Blutschiff
E-Book, Deutsch, Band 1682, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-0364-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als die vier Toten an Land gespült wurden, ahnte noch niemand, wer dahintersteckte. Das änderte sich bald, denn man fand das Schiff der Männer, von dem aus sie in die See geworfen wurden. Es war ein alter Segler. Geeignet für nostalgische Törns. Aber nicht für die neuen Besitzer, denn sie gehörten zu den Halbvampiren und waren bereit, das Erbe des Dracula II fortzusetzen.
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(S. 3-4)
Das Unheil näherte sich im zweiten Teil der Nacht, kurz vor Anbruch der Morgendämmerung. Es war in den letzten Minuten feuchter geworden und so hatte sich Nebel bilden können, der wie eine dünne Wattewand das Ufer bedeckte und auch über dem Wasser schwebte. Für die Küste war dieser plötzlich auftauchende Nebel normal. Niemand kümmerte sich darum. Er dämpfte auch das Klatschen der Wellen gegen den Strand und schuf ideale Bedingungen für diejenigen, die vom Meer aus ungesehen an Land gehen wollten. Noch befanden sie sich auf dem Wasser. Der alte Segler war kaum zu sehen, weil er in dieser Küstennebelsuppe steckte. Träge glitt er auf das Ufer zu, ein großer dunkler Schatten, der als Schiff kaum zu erkennen war. Eine Besatzung gab es auch, Personen, die nach Nahrung lechzten. Und die bestand aus einem besonderen Stoff. Es war das Blut der Menschen!
Jetzt war Kathy Lester schon fast achtzig Jahre alt geworden. Sie gehörte zu den Menschen, deren Leben in dem kleinen Küstenort zwar nach festen Regeln ablief, die aber auch ihre Probleme hatte. Je älter sie wurde, umso schlechter konnte sie schlafen. Immer wieder wachte sie in den Nächten auf, lag dann hellwach im Bett, lauschte irgendwelchen Geräuschen oder ging in ein anderes Zimmer, um sich dort zu beschäftigen. So war es auch mal wieder in dieser Nacht, die einen sehr warmen Tag abgelöst hatte. Die alte Frau hatte sogar am späten Abend darüber nachgedacht, sich nicht hinzulegen und die Stunden vor der Glotze zu verbringen.
Dann hatte sie es sich anders überlegt und sich in den breiten Ohrensessel gesetzt, der schräg vor dem Fenster stand. Dieser Platz ermöglichte ihr einen Blick aufs Meer, das sie seit ihrer Kindheit kannte. Sie mochte es mit allen seinen Vor- und Nachteilen, und sie hatte sich immer gewünscht, dass es dieser Blick sein sollte, den sie als letzten in ihrem Leben mit auf die lange Reise ins Jenseits nehmen wollte. Kathy Lester bewohnte die Räume in der unteren Etage des kleinen Hauses.
Oben lebte ihr Sohn mit der Schwiegertochter und dem Jungen, der auch schon fast erwachsen war. Kathy fühlte sich hier wohl. Sie war zwar nicht in dem kleinen Fischerort aufgewachsen, aber schon sehr früh hierher gezogen. Ihr Mann hatte hier gelebt und als Fischer gearbeitet. Mit der Fischerei lief es längst nicht mehr so gut. Es gab nur noch wenige Bewohner, die hinausfuhren, um Fische zu fangen. Die meisten Männer hatten andere Jobs in den modernen Industrien, die sich in der weiten Umgebung angesiedelt hatten. Das wusste Kathy. Darüber machte sie sich keine Gedanken. Das war nicht mehr ihr Ding. Die kurze Zeit, die sie noch zu leben hatte, wollte sie so gut wie möglich verbringen, bevor sie dann ihren letzten Weg antrat. In dieser Nacht wachte sie auf, als es noch dunkel war.




