E-Book, Deutsch, 312 Seiten
DeWinter Albenerbe
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-96089-012-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Blut von Königen
E-Book, Deutsch, 312 Seiten
ISBN: 978-3-96089-012-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Wenn du für deinen Partner alles zurückgelassen hast, was du kennst ... wer bist du dann eigentlich?' Eigentlich schäkert Tankred nur mit dem Gestaltwandler Marron, um herauszufinden, wie wichtig er seinem Gefährten Alea ist. Denn Aleas Familie lehnt ihn ab und zu allem Überfluss gerät er in ein Netz aus Intrigen, weil der Fürst seiner neuen Heimat nach einem magischen Anschlag im Sterben liegt. Welche Rolle spielt der gutaussehende Marron dabei? Zahlreiche Geheimnisse umgeben ihn und könnten Tankred zum Verhängnis werden.
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Weil es wieder nieselte, hatten sich in der Villa alle nach drinnen geflüchtet. Tankred schloss das Tor hinter sich und schlenderte zu dem Schuppen, der jetzt Alea gehörte.
Sein Liebster saß im Halbdunkel auf der Werkbank und arbeitete an einem Blasebalg, dessen Metallteile er offenbar mit einem Zauber versehen wollte. Steile Falten auf seiner Stirn verrieten, dass er wie immer seine liebe Not mit Siegeln hatte. Er sah nicht einmal auf, als Tankred sich zu ihm setzte.
Tankred drückte ihm einen Kuss auf die Schläfe und lehnte sich gegen ihn, vergrub seine Nase in den kurzen Haaren. Wahrscheinlich dankte Tankred den Göttern viel zu selten dafür, wie verflucht stark und zuverlässig dieser Kerl war, den er sich geangelt hatte. „Ich liebe dich.“
Seufzend legte Alea den Blasebalg beiseite. „Du kannst dich auch nicht entscheiden, oder?“
„Hm?“
„Gestern erwartest du, dass ich dir zu Füßen liege, damit du mich nicht betrügst. Und heute das hier.“
Darum war es nicht gegangen. Außerdem würde Alea sich niemals verbiegen – wenn Tankred zu viel forderte, wurde er vor die Tür gesetzt, das bewies die Erfahrung. Insofern lohnte sich die Erklärung. „Es ist manchmal nett zu wissen, dass man Optionen hat und nicht den Rest seines Lebens allein bleiben müsste.“
„Du hast vielleicht Optionen.“
„Mach dich nicht so schlecht.“ Noch ein Kuss auf den Scheitel. „Du hättest auch welche.“
Alea schüttelte den Kopf. „Das meine ich nicht. Ausnahmsweise.“ Irgendetwas fand er daran lustig.
Wagte Tankred nachzufragen?
Sein Liebster kam ihm zuvor. „Wie lange hast du gebraucht, um dich in mich zu verlieben?“
Das war jetzt gute drei Jahre her, und sie hatten nie wirklich darüber gesprochen. „Ein paar Tage.“
Wieder schüttelte Alea den Kopf. „Ich brauche Monate. So viel Geduld hat keiner, der mir davonlaufen kann.“
„Ich weiß nicht, ob das ungewöhnlich ist. Aber auf manche Dinge lohnt es sich zu warten.“ Tankred küsste die empfindliche Stelle unter Aleas Ohr. Weitere tiefschürfende Gespräche mussten auf einen Tag warten, an dem er keine Ablenkung von den gesammelten Unannehmlichkeiten brauchte. „Können wir jetzt das Bad einweihen?“
Später hielten sie auf dem Weg zur Küche im Atrium an, wo Alea die Wandmalereien betrachtete.
„Du siehst nicht aus, als hättest du Hunger.“
Alea zuckte mit den Schultern. „Was hältst du von ihrer Frisur?“ Er deutete auf ein Bild, das wohl Suads Mutter zeigte. Eine Schönheit, die eine Skulptur auf dem Kopf trug. Waren das …?
„Zöpfe?“
„Männer in Suads Heimat lassen sie meistens verfilzen.“
Hm. Tankred legte den Kopf schräg und versuchte, sich Alea damit vorzustellen. Sein Liebster hatte schöne Haare – wenn er sie denn wachsen ließ. „Im Zweifelsfall ärgere ich dich so lange, bis du sie abrasierst“, drohte er.
Alea seufzte.
Damit hatte Tankred nun nicht gerechnet. Es war erlaubt, über Aleas Zeiten von Lebensmüdigkeit Witze zu reißen – in solchen Fällen waren die Haare das Erste und bislang glücklicherweise Einzige, was daran glauben musste. Wenn Alea das nicht lustig fand, dann dachte er darüber nach, sich eine Glatze zu scheren. Kein gutes Zeichen. Sehr langsam näherte sich Tankred seinem Liebsten und schlang ihm einen Arm um die Schultern. „Es tut mir leid, wenn ich dir solches Kopfzerbrechen bereite.“
„Red keinen Unsinn.“ Alea lehnte sich gegen ihn. „Du merkst schon rechtzeitig, wenn ich mir den Kopf über dich zerbreche.“
Auch wieder wahr. „Wer ist es dann?“
„Suad. Du hast wenigstens ein halbes Jahr gewartet, um mich wegen meiner Vergangenheit auszufragen.“
Anspannung kroch in Tankreds Schultern. „Soll ich mit ihr reden?“ Leider konnte Guntrun nicht einspringen, die ihm oft genug erklärt hatte, was in Alea vorging.
„Nein. Sie glaubt …“ Alea schüttelte den Kopf „Was weiß ich. Irgendwann sagt sie es mir hoffentlich ohne nebelhafte Andeutungen.“
Also gut. Dann würde Tankred eben nicht Suad ansprechen, sondern Yiït.
Tatsächlich gelang das ohne weitere Schwierigkeiten, weil Tankred ja am nächsten Tag etwas zu Essen mit zur Arbeit nehmen wollte und Yiït für solche Dinge zuständig war.
„Wenn ich weiß, dass ich dir morgens einen Imbiss richten soll, dann mache ich das.“ Sie hob die Brauen. „Dafür müssen wir uns nicht unter vier Augen besprechen.“
Tankred grinste. „Erwischt. Alea war heute nicht glücklich mit seiner Großmutter.“
Zur Antwort ließ Yiït sich auf die Sitzbank ihm gegenüber fallen. „Das habe ich gemerkt. Sie meint es gut, aber …“ Eine hilflose Geste.
„Was meint sie gut?“
„Sie glaubt, ihn vor dir beschützen zu müssen.“
Ihm blieb der Mund offen stehen. Wenn sie ihm eins mit dem Schürhaken übergezogen hätte, wäre er ähnlich sprachlos gewesen. „Das ergibt keinen Sinn.“
„Ich weiß. Ich habe ihr versucht zu erklären, dass du ihn beschützt.“ Ein Wink, damit er nicht widersprach. „Aber sie kann sich nicht vorstellen, warum er Schutz vor ihr brauchen sollte.“
Zugegeben, Tankred hatte am Anfang auch nicht geahnt, was man Kindern alles antun konnte, und das völlig ohne magische Foltermethoden. Orso hatte Alea jedes Jahr mindestens einen Knochen gebrochen und ihn so abgeschieden von der Menschheit aufwachsen lassen, dass er nach seiner Flucht nicht einmal mit freundlichen Umarmungen umzugehen wusste. „Ich wollte es trotzdem nicht als beschützen bezeichnen.“ Am ehesten gaben sie sich gegenseitig Deckung. „Aber ich verstehe in etwa, was du meinst. Danke.“
Yiït lächelte. „Gut. Jetzt musst du nur noch Suad von deinen ehrenwerten Absichten überzeugen.“
Ob ihres sanften Spotts verdrehte er die Augen. Als hätte er Marrons wegen nicht schon genug Schwierigkeiten.
xxx
Nachdem Marron den Eingang des Hospitals eine Weile beobachtet hatte, beschloss er, dass er dort lieber nicht erkannt werden wollte. In der hereinbrechenden Dämmerung suchte er sich eine Nische und tastete nach einer passenden Tarnung: Leopard. So oft er seine Verwandlungskünste als den Grund verfluchte, dass sein Vater ihn zum Spion erzogen hatte, so oft kamen sie ihm doch gelegen.
Kurz darauf sprang er mit einem Satz auf die Mauer, die den Hinterhof des Hospitals von der Gasse abgrenzte. Von einem Schuppen gelangte er auf die Außentreppe eines angrenzenden Wohnhauses und dann weiter auf das Dach des Gebäudes. Tatsächlich schlenderten auf der Galerie unter ihm zwei Frauen.
„Ihm geht es den Umständen entsprechend gut. Außer, dass er sich an nichts erinnert.“
„Was soll ich machen?“
„Nichts. Ich werde ihn morgen früh noch einmal untersuchen. Wenn er weiterhin gesund bleibt, müssen wir ihn vor die Tür setzen. Soll sich der Zoll um ihn kümmern.“
„Sehr wohl, Heilerin.“
Hm. Marron schlich in der Richtung weiter, aus der die beiden gekommen waren. Schließlich wurden unter ihm Stimmen laut.
„Ehrlich? Gar nichts?“, fragte ein Mann.
„Wie leergefegt“, bestätigte ein zweiter mit angenehm tiefer Stimme.
„Aber an irgendetwas musst du dich doch erinnern!“ Noch ein dritter Mann.
„Offensichtlich habe ich weder sprechen noch lesen verlernt“, meinte die zweite Stimme.
Marron hob die Mundwinkel. Das war der Schiffbrüchige? Anscheinend hatte er mit seinem Gedächtnis nicht auch seinen Verstand verloren. Bewundernswert.
Unten wurden mehr Fragen gestellt – wer hatte ihn gefunden, wie sollten sie ihn ansprechen.
„Der Kapitän hat mich Cassius genannt.“
Irgendwer lachte, auch Marron musste grinsen. Es gab da ein magisches Siegel, das als halbwegs zuverlässige Sturmwarnung diente.
„Nach dem Cassius-Zauber?“
„Wie meinst du?“
Nicht ‚wie bitte‘. Hm. Ein Dialekt? Serentesisch. Dazu passte auch das ‚weder noch‘ als ‚nec nec‘ und die Tatsache, dass Cassius seinen neuen Namen ohne weitere Schwierigkeiten aussprechen konnte. Je weiter man in Centerre nach Südosten kam, desto eher bestanden die Leute darauf, dass alle Wörter auf einen Vokal zu enden hatten.
Während die anderen sich über die Ironie des Namens amüsierten, tastete Marron nach der Aura des Schiffbrüchigen: Ein Türkiston, auf dem ein Schatten lag. Unabhängig von diesem seltsamen Schatten, der Marron an die Reste von Tankreds bindendem Eid erinnerte, war die Begabung nicht besonders stark. Genug, um Feuer zu entfachen, Vorräte zu kühlen oder einem handgreiflichen Verehrer den Hintern zu versengen. Nicht genug, um Marron in Tarnung zu bemerken.
Als es völlig dunkel war, verwandelte er sich zurück und senkte sich an der Regenrinne nach unten ab, um in den Schlafsaal zu schauen. Der Schiffbrüchige hatte Schultern. Und Oberarme. Obwohl Marrons Herz Tankred gehörte, hätten ihn diese Oberarme schwach werden lassen können. Cassius trug die schwarzen Haare kurzgeschoren, um seine braunen Augen zeigten sich die ersten...




