Dillard Star Trek VI: Das unentdeckte Land
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11482-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11482-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Innerer Druck, wahnwitzige Rüstungsausgaben und die Zerstörung der wichtigsten Energieressourcen haben das klingonische Imperium an den Rande des Zusammenbruchs geführt. Um die Katastrophe abzuwenden, strebt Gorkon, der Kanzler des klingonischen Rats, Friedensverhandlungen mit der Föderation an. Captain James T. Kirk wird beauftragt, den Kanzler an Bord der Enterprise sicher durch das Föderationsgebiet zu bringen. Doch ein heimtückischer Mordanschlag vereitelt die Friedensbemühungen. Kirk und McCoy fallen in die Hände der Klingonen. Währenddessen bemühen sich Spock und die Crew der Enterprise, den Verschwörern auf die Spur zu kommen.
Die Autorin schrieb mehrere sehr erfolgreiche STAR TREK-Romane, darunter "Die verlorenen Jahre" und die Romanfassungen der beiden Kinofilme "Star Trek V - Am Rande des Universums" und "Star Trek VI - Das unentdeckte Land", sowie die Romanfassung des Pilotfilms "Der Botschafter" von DEEP SPACE NINE. Sie lebt mit ihrem Mann in einer kalifornischen Kleinstadt.
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Prolog
»Captain Kirk?« Die zierliche, besorgt wirkende Frau vor der Tür von Carol Marcus' Krankenzimmer lächelte. »Ich bin Kwan-mei Suarez, die Mathematikerin vom Themis-Projekt.«
Kirk trat vor und ergriff ihre Hände. Kwan-mei drückte fest zu und sprach ruhig, aber in ihren Augen leuchtete Schmerz. Der Anblick beruhigte den Captain, lenkte ihn von seiner eigenen Pein ab.
Während der letzten vierundzwanzig Stunden – erst die Nachricht über Carol, dann der lange Shuttleflug zur Starbase Dreiundzwanzig – war es ihm sehr schwergefallen, die Beherrschung zu wahren. Er hatte sich nicht gestattet, nachzudenken und sich vorzustellen, wie für ihn das Leben sein mochte, wenn Carol vor seiner Ankunft starb.
Er verdrängte die Erinnerung an seinen Landurlaub auf der Erde, den ersten seit sechs Jahren, den sie nicht zusammen verbrachten. Wie üblich hatte sie in erster Linie an die Arbeit gedacht und darauf bestanden, nach Themis zu fliegen und dort die Einrichtung der Forschungsstation zu beaufsichtigen. Jims behutsam vorgebrachte Einwände nützten nichts. Lieber Himmel, es drohte keine Gefahr: Der Planet war viele Lichtjahre von Kudao und der klingonischen Neutralen Zone entfernt. Außerdem befand er sich in der Nähe einer gut geschützten Starbase. Der Blitz schlug nicht zweimal zu.
Kirk hatte angedeutet, Carol zu begleiten, als sei allein seine Präsenz eine Garantie für Sicherheit, aber es ergab überhaupt keinen Sinn: Bestimmt war sie sehr beschäftigt, und er würde seinen ganzen Urlaub damit verbringen, mit einem Shuttle zwischen Themis und der Starbase hin und her zu pendeln. Hinzu kam, dass er in einigen Monaten auf Dauer zu ihr zurückkehren würde.
Trotzdem verblieb eine vage, abergläubische Ahnung in ihm. Aus irgendeinem Grund fühlte er sich schuldig, weil er das übliche Muster durchbrochen hatte.
Er berührte Kwan-meis Arm, um ihr den Trost zu spenden, den er selbst dringend gebraucht hätte. »Bitte nennen Sie mich Jim. Carol hat mir von Ihnen erzählt. Ich weiß, dass Sie gute Freunde sind.«
»Ich möchte nicht stören«, sagte Kwan-mei und blickte unsicher zur Tür. Kirk gewann den Eindruck, dass sie normalerweise reserviert war, eine Frau, die man nur allmählich kennenlernte. Doch die Umstände zwangen sie jetzt, ihre natürliche Zurückhaltung aufzugeben. »Wahrscheinlich wollen Sie allein zu ihr«, fuhr sie fort. »Nun, ich weiß, was geschehen ist. Wenn Sie irgendwelche Fragen haben … Ich warte hier draußen.«
»Ist sie wach?«
Kwan-mei schüttelte den Kopf. Ihr kinnlanges schwarzes Haar schwang hin und her; Jim entdeckte einige kastanienbraune Strähnen darin. »Sie liegt noch immer im Koma. Hat man Sie nicht auf ihren Zustand hingewiesen? Ist Ihnen nicht klar, dass sie …«
»Ich weiß Bescheid, wenn es in den letzten vierundzwanzig Stunden zu keinen Veränderungen kam.« Kirk zögerte, und als die Mathematikerin schwieg, fügte er hinzu: »Ich bin gleich wieder da.« Es sollte freundlich klingen, aber er brachte diese Worte gepresst hervor.
Kwan-mei nickte verständnisvoll.
Diffuses Halbdunkel herrschte in dem kleinen Zimmer, aber das Fenster gewährte einen Blick auf den großen botanischen Garten der Starbase, und dort glänzte künstliches Sonnenlicht. Carol lag im Bett, die Lippen geöffnet. Ihre Brust hob und senkte sich im Rhythmus des Beatmungsgeräts. Als Kirk näher trat, betrachtete er ihr Profil. Sie wirkte unwirklich schön und blutleer, wie eine Statue aus poliertem Elfenbein; goldenes Haar ruhte schleierartig auf dem Kissen. Doch als sich Jim vorbeugte, um ihr einen Kuss zu geben, bemerkte er die Narben auf der linken Gesichtshälfte: Rosarote Synthohaut bedeckte sie und leitete schon nach einem Tag die Rekonvaleszenz ein.
Carol war aufgrund von Verletzungen des Hirnstamms an den Respirator angeschlossen. Die Ärzte injizierten ihr geklonte Zellen und spezielle Präparate, um die Selbstheilung zu stimulieren. Aber sie hatten Kirk auch mitgeteilt, dass es Tage dauern würde, bis sich herausstellte, ob die Behandlung den gewünschten Erfolg erzielte.
Jim nahm auf einem Stuhl neben dem Bett Platz und griff nach Carols Hand. Ihre Finger fühlten sich kühl und trocken an. Während der langen Stunden an Bord des Shuttles hatte er sich eine bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Carol vorgestellt.
Doch so war es noch schlimmer. Er strich ihr das Haar aus der glatten Stirn und glaubte fast, dass er sie mit dieser Berührung wecken könnte, so wie früher.
Im Verlauf der letzten Jahre hatte er praktisch jeden Urlaubstag mit ihr verbracht, und allmählich wuchs die Gewissheit, dass er nach der Rückkehr von seiner letzten Mission mit ihr zusammenleben würde. Sie hatte ihre Forschungsgruppe, die immer mehr und wichtigere Aufträge bekam, und Jim verfügte über umfangreiche Erfahrungen im All. Wenn er sich in den Ruhestand zurückzog, so meinte Carol, konnten die Marcus-Laboratorien seine Hilfe gebrauchen, Kirks Fähigkeiten und sein diplomatisches Geschick. Er gewöhnte sich an die Vorstellung, dass Carol auf ihn wartete, wenn er die Enterprise aufgeben musste.
Inzwischen erhoben sie keine Vorwürfe mehr gegeneinander, weil sie sich zu sehr ähnelten und so großen Wert auf ihre Unabhängigkeit legten. Sie verzichteten auch darauf, sich für andere Dinge die Schuld zu geben, zum Beispiel den Verlust ihres Sohns.
Davids Tod hätte sie eigentlich voneinander trennen und eine unüberbrückbare Distanz zwischen ihnen schaffen müssen. Statt dessen führte er sie wieder zueinander.
Vor einem Jahrzehnt hatte Kirk im Flur vor Carol Marcus' Wohnung im vorstädtischen Virginia gestanden und nur kurz gezögert, bevor er den Türmelder betätigte.
Fast ein Jahr war seit Davids Tod vergangen. Während dieser zwölf Monate hatte Jim immer wieder versucht, sich mit Carol in Verbindung zu setzen. Er bedauerte es, dass ihn damals die Umstände daran gehindert hatten, ihr als erster die schreckliche Nachricht zu überbringen. Jetzt wollte er nur mit ihr darüber reden, ihr die Hintergründe schildern, ihren Schmerz teilen.
Darüber hinaus ging es ihm darum, den Grund für ihr Schweigen in Erfahrung zu bringen. Er interpretierte die Stille als stumme Anklage. Zunächst fühlte er sich indirekt für den Tod seines Sohnes verantwortlich, aber die Monate brachten eine subtile Veränderung der Perspektive und entlasteten sein Gewissen.
Wenn sich die Enterprise der Erde weit genug näherte, um in Kommunikationsreichweite zu sein, hatte sich Kirk mehrmals bemüht, einen Kontakt mit Carol herzustellen, aber sie antwortete nie. Er hielt an der Entschlossenheit fest, mit ihr zu sprechen, auch wenn es bedeutete, auf den nächsten Landurlaub zu warten und ihr persönlich gegenüberzutreten.
Er wusste nicht, wie er sich verhalten sollte, wenn die Wohnungstür geschlossen blieb.
Der Bildschirm neben dem Melder erhellte sich – Carol überprüfte die Identität des Besuchers.
Ihre Züge erschienen auf dem Monitor und verschwanden sofort wieder, bevor Kirk Gelegenheit bekam, den Gesichtsausdruck zu erkennen. Kein Wort des Grußes … Aber sie zeigte sich ihm kurz. Ein gutes oder schlechtes Zeichen?
Die Tür schwang auf. Jim holte tief Luft und trat ein. Ein leeres Foyer, dahinter ein großes Wohnzimmer, in dem Carol neben einigen Kisten mit Antigrav-Vorrichtungen stand. Die meisten Möbel waren zur Seite geschoben, an eine Wand. Kirk musterte die blasse, erschöpfte Frau, und sie erschien ihm so leer wie der Raum. Sorge erfasste ihn.
»Komm herein«, sagte Carol. Die Einladung klang nicht herzlich, sondern müde, wie die Kapitulation eines besiegten Gegners. »Ich schätze, wir müssen diese Sache hinter uns bringen. Weißt du, wenn du einen Tag später gekommen wärst, hättest du mich nicht mehr angetroffen.«
Jim versuchte zu lächeln. »Also habe ich Glück.«
»Das bezweifle ich. Setz dich.« Sie deutete auf den einzigen freien Stuhl.
Kirk schüttelte den Kopf. »Ich stehe lieber. Aber du siehst aus, als solltest du besser Platz nehmen.«
»Wie du meinst.« Carol seufzte und ließ sich auf den Stuhl sinken.
Jim wartete unsicher. Er verspürte den Wunsch, sie zu berühren – sie zu umarmen und zu trösten –, aber dies war nicht die Carol, die er als junger Mann geliebt hatte, jene Carol Marcus, die er später, während der Genesis-Mission, als Freundin und Mutter seines Sohnes kannte. Diese Frau wirkte älter, schlanker, gehüllt in eine Aura aus Zorn und Kummer. Er wahrte einen gewissen Abstand zu ihr.
»Nach Davids Tod habe ich versucht, mich mit dir in Verbindung zu setzen«, sagte er nach einer Weile.
Carol sah an ihm vorbei, starrte an die weißen Wände. »Als ich die Nachricht bekam, blieb ich eine Zeitlang auf Delta. Später, nach meiner Rückkehr zur Erde, hatte für dich eine neue Mission begonnen.«
»Ich hinterließ dir einige Mitteilungen …«
»Die ich auch bekommen habe. Aber damals konnte ich mich nicht damit auseinandersetzen. Es fällt mir selbst heute noch schwer, nach all der Zeit.«
Jim sah Carol an. Nach all der Zeit … Er hatte sie damit verbracht, nach den richtigen Worten zu suchen, doch jetzt fehlten sie ihm erneut.
»Carol …«, begann er, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. »Ich wollte der erste sein, der dir von Davids Tod berichtete.«
»Warum?« Monoton und gleichzeitig verärgert. Ein Vorwurf.
»Weil er unser Sohn war. Und weil ich weiß, wie er starb …«
»Klingonen haben ihn umgebracht. Genügt das nicht?«
Jim gab keine Antwort.
»Du klingst so besorgt. Aber wenn dir wirklich etwas an meinen Gefühlen liegt, hättest du daran...




