Dobretsberger | Idole sind weiblich | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Dobretsberger Idole sind weiblich

Starke Frauen und ihre Vorbilder
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-903217-73-7
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Starke Frauen und ihre Vorbilder

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

ISBN: 978-3-903217-73-7
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Von Frauen für Frauen Sie zählen zu den erfolgreichsten, innovativsten und engagiertesten Frauen in Österreich. Sie sind Ausnahmeerscheinungen in ihrem Metier, weibliche Role-Models, die den Weg an die Spitze geschafft haben. Doch von wem wurden sie selbst inspiriert? Wer machte ihnen Mut? Gab es Vorbilder in ihrem Leben? Oder wurde bewusst darauf verzichtet? Christine Dobretsberger präsentiert 18 einfühlsame Porträts von Österreichs Leading Ladies: Frauen, die inspirieren, begeistern und ermutigen. Helga Rabl-Stadler Brigitte Bierlein Emmy Werner Elisabeth Gürtler-Mauthner Uschi Pöttler-Fellner Renate Holm Erika Pluhar Gerda Rogers Petra Kronberger Andrea Jonasson Christina Schwarz Lisl Wagner-Bacher Maria Rauch-Kallat Helene Klaar Lou Lorenz-Dittlbacher Heide Schmidt Dagmar Schratter Helga Kromp-Kolb

Christine Dobretsberger, Mag., geboren in Wien, studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie Philosophie an der Universität Wien. Sie war langjährige Kulturredakteurin der 'Wiener Zeitung', seit 2005 freie Journalistin, Autorin und Geschäftsführerin der Text- und Grafikagentur 'linea.art'.
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Helga Rabl-Stadler


»Ich habe kein Talent zur Frustration«


Die Freude am Tun, an der Realisierung von Zielen und Projekten ist der Motor ihrer Schaffenskraft. Nicht aufzuhören, wenn es am schönsten ist, sondern weiterzumachen. Nicht die Flinte ins Korn zu werfen, wenn sich Probleme auftürmen, sondern sich guten Mutes diesen Herausforderungen zu stellen. Helga Rabl-Stadler kann kämpfen »wie eine Löwin«, wenn sie etwas für richtig und erstrebenswert erkennt, und kalmierend einwirken, wenn es auf zwischenmenschlicher Ebene Wogen zum Glätten gibt. Ihrer starken Persönlichkeit ist es geschuldet, dass sie seit 1995 im Direktorium der Salzburger Festspiele »der Fels in der Brandung« ist, wobei sie speziell in den Anfangsjahren ihrer Präsidentschaft mit heftigem Gegenwind konfrontiert war. Der größte Mutmacher in ihrem Leben war ihr Vater Gerd Bacher. Dank seines motivierenden Zuspruchs »wagte« sie es bereits als junge Frau, tonangebende Positionen anzustreben. Dass es gerade in schwierigen Zeiten gesellschaftspolitisch von großer Bedeutung ist, mit der Kraft von Kunst und Kultur Zeichen zu setzen, zählt ebenso zu ihren innersten Überzeugungen wie ihre positive Grundhaltung, »dass es nie zu spät ist, um glücklich zu sein«.

Ich habe keine Vorbilder und will auch selbst keines sein. Jeder Mensch ist einzigartig. Den Wunsch zu hegen, genauso sein zu wollen wie jemand anderer, finde ich geradezu gefährlich. Er macht sicher nicht glücklich. Aber es gibt Eigenschaften und Verhaltensweisen, die vorgelebt zu bekommen der eigenen Persönlichkeitsentwicklung helfen kann. Ich hatte das große Glück, eine Mutter, einen Stiefvater, einen Vater gehabt zu haben – leider sind alle tot –, die mir durch ihr Verhalten wichtige Leitlinien für mein Leben gegeben haben.

Meine Mutter hat mir zum Beispiel unbegrenzte Belastbarkeit vorgelebt. Bei uns zu Hause wurde das Leistungsprinzip ganz großgeschrieben. Mir wurde vermittelt, wenn man etwas wirklich will, schafft man es. Wie schrieb der Gründer der Salzburger Festspiele Hugo von Hofmannsthal: »Wenn der Wille nur erwacht, ist schon fast etwas erreicht.«

Meine Mutter hat in Salzburg ein Geschäft aufgebaut, das zu einer der ersten Modeadressen Europas wurde. Man wusste in Paris ebenso wie in Düsseldorf oder Rom, wer die Frau Resmann ist. Als Kind kam mir überhaupt nie in den Sinn, dass Familie und Beruf nicht miteinander zu vereinbaren sein könnten. Erst als ich selbst mein erstes Kind hatte, merkte ich, welche Arbeit meine Mutter geleistet hat. Wir hatten eine Haushaltshilfe, aber selbstverständlich gab es trotzdem noch unzählige Dinge, die sie für uns erledigen musste. Die Frage, ob ihre eigenen Bedürfnisse nicht zu kurz kamen, hat sie sich nicht gestellt, weil sie einfach rund um die Uhr gefordert war. Gott sei Dank hatte sie eine gute Kondition, die ich offensichtlich geerbt habe.

MUTMACHER GERD BACHERDer größte Mutmacher in meinem Leben war allerdings mein Vater Gerd Bacher. Ohne ihn hätte ich nie den Mut gehabt, zu allen beruflichen Herausforderungen, die mir reizvoll und interessant erschienen, Ja zu sagen, denn ich bin sehr bescheiden erzogen worden. Dass Gerd Bacher mein leiblicher Vater ist, erfuhr ich erst mit 21 Jahren, aber als wir uns kennenlernten, war das auf beiden Seiten Liebe auf den ersten Blick. Er hat sich sicherlich in sein Spiegelbild verliebt und ich mich in mein großes Ziel.

Ich hatte eine wunderschöne Kindheit, ein sehr harmonisches Elternhaus und zwei sehr liebe jüngere Geschwister. Mein Bruder Wilfried ist Banker und meine Schwester Susi Architektin in Amerika. Wir drei sind nicht nur verwandt, wir sind auch sehr befreundet. Ich bekam eine tolle seelische Ausstattung von zu Hause mit, aber dass ich beruflich einmal etwas Besonderes werden würde, auf diese Idee wäre ich nie gekommen, weil es von daheim nicht gewünscht war, dass man auffällt oder gar sich vordrängt.

Ich war immer ein auf Vermeidung und Ausgleich von Konflikten gerichteter Mensch. Das bin ich heute noch, und das hat seine Ursprünge wohl ebenfalls in der Kindheit. Sowohl meine Mutter als auch mein Großvater waren ziemlich cholerisch, und es war eher gefragt, ausgleichend einzuwirken. Dann lernte ich meinen Vater kennen, der des Öfteren den Kampf bereits aufgenommen hatte, bevor er notwendig war. Er hat mir bis zum Schluss meine Harmoniesucht vorgeworfen. Noch im hohen Alter sagte er: »Ich weiß nicht, von wem du das hast. Die Rosl war eine Kämpferin, ich bin ein Kämpfer, und du mit deiner Harmoniesucht!« Ich selbst würde mich weder als kampfeslustig noch als harmoniesüchtig bezeichnen. Aber wenn ich etwas als richtig und wichtig erkenne, dann setze ich dieses Vorhaben sehr konsequent durch und kämpfe für diese Sache. »Wie eine Löwin«, stand in den Zeitungen über mich, als ich die Festspiele trotz Corona durchkämpfte. Aber ich bin doch sehr anders als mein Vater, dessen Lebensmotto schon auch war: »Viel Feind, viel Ehr.« Er war auch der Einzige, der mit Kreisky »gerauft« hat.

TRAUMBERUF JOURNALISMUSNach unserem Kennenlernen »prüfte« mich mein Vater ein bisschen ab, nach dem Motto: Was weiß meine Tochter, die in Salzburg aufgewachsen ist und nicht in Wien? Gerd Bacher war ein Riesen-Wien-Fan. Ob ich Edmund Husserl kenne, fragte er mich beispielsweise, und dann diskutierten wir über dessen Buch , das damals diskursbestimmend war. Das gefiel ihm. Es war charakteristisch für ihn, dass er in seinem Umfeld großen Wert auf gebildete Menschen legte. Er sagte immer: »Erstklassige Chefs holen sich erstklassige Leute, zweitklassige holen sich drittklassige Mitarbeiter.« Ein Rat, den ich im Laufe meines Berufslebens immer zu beherzigen versuchte. Denn man muss gefordert sein durch seine unmittelbare Umgebung!

Als ich Anfang der 1970er-Jahre beschloss, Journalistin zu werden, war mein Vater überzeugt davon, dass ich es einmal schaffen würde, Chefredakteurin zu werden. Dank seines motivierenden Zuspruchs fand ich es plötzlich auch »normal«, tonangebende Positionen anzustreben. Diesen Mut und die Leidenschaft für eine Sache hat er mir gegeben. Einer meiner Lieblingssprüche von ihm lautet: »Aufhören, wenn es am schönsten ist, ist spießig. Man muss weitertun, wenn es am schönsten ist!«

Die Journalistik war mein Traumberuf. Allerdings musste ich 1983 der Familie zuliebe nach Salzburg zurück, weil es meiner Mutter gesundheitlich nicht gut ging und sie meine Unterstützung im Geschäft benötigte. Diesen Schritt setzte ich ungern. Weil ich im Journalismus so glücklich war und mich die Mode nicht wirklich interessierte. Und weil ich die richtige Vorahnung hatte, dass die räumliche Trennung, Wien–Salzburg, unserer jungen Ehe, nicht guttun würde. »Braves Kindverhalten« nenne ich dieses Verhaltensmuster aus meiner Kindheit. Ich ging nach Salzburg zurück, um meine Mutter nicht zu kränken. Mein Vater nannte das Harmoniesucht. Zum Glück habe ich die Gabe, mein Interesse und meine Leidenschaft für eine Sache zu wecken, sobald ich mich näher mit ihr befasse. So war es auch mit der Mode und der Kauffrau.

TALENT ZUM GLÜCKLICHSEINDass ich Familie und Karriere unter einen Hut bringen konnte, verdanke ich zwei Frauen: meiner Mutter, denn ohne ihre Unterstützung hätte ich mir, wie meine beiden Söhne klein waren, keine Wirtschafterin leisten können. Dafür reichte damals mein Einkommen nicht aus. Und der wunderbaren Elfriede, die 17 Jahre die kompetente, liebevolle, aber auch selbstbewusste Herrscherin im Haus war. Deshalb will ich auch nicht, dass ich in Sachen Kinder und Karriere als Vorbild für andere Frauen bezeichnet werde, denn mir wurde finanziell geholfen. Ich glaube, vielen Frauen ist heute gar nicht bewusst, welchen Vorteil sie haben, dass Kinderkrippen und Kindertagesstätten nicht nur zur Verfügung stehen, sondern mittlerweile auch gesellschaftlich akzeptiert sind. Wir wären damals öffentlich hingerichtet worden, hätten wir ein eineinhalbjähriges Kind in eine Kita gegeben.

Je älter ich werde, desto mehr Freude bereitet es mir, anderen Frauen Mut zu machen. Den Jungen, aber auch den Älteren. Es ist nie zu spät, um glücklich zu sein. Ich bin sicher auch dahingehend eine Mutmacherin, dass ich vorzeige, Frau kann auch mit 70 noch mitgestalten, muss nicht von der Bildfläche verschwinden.

Das Alter wird meiner Meinung nach völlig falsch diskutiert. »Sexy mit 60« wird vorgegaukelt. Das Leben kann Sinn ergeben, gleich welches Alter ich habe, wenn ich daran arbeite. Natürlich wäre ich immer noch gerne 50, aber es bringt nichts, sich über Unabänderliches Gedanken zu machen. Ich hadere nicht mit dem Älterwerden, ich bin einfach so alt, wie ich bin, und fühle mich wohl in meiner Haut. Das ist etwas, das ich gerne den Frauen vermitteln würde: Versucht euch in eurer Haut wohlzufühlen, nicht zu überlegen,...


Christine Dobretsberger, Mag., geboren in Wien, studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie Philosophie an der Universität Wien. Sie war langjährige Kulturredakteurin der "Wiener Zeitung", seit 2005 freie Journalistin, Autorin und Geschäftsführerin der Text- und Grafikagentur "linea.art".



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