Docherty | Die dunklen Herzens sind | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 420 Seiten

Docherty Die dunklen Herzens sind

Thriller
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96655-139-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, 420 Seiten

ISBN: 978-3-96655-139-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wenn die Gier keine Grenzen kennt: Der eiskalte Thriller »Die dunklen Herzens sind« von David Docherty jetzt als eBook bei dotbooks. Der Ex-Polizist Harry Yeats glaubt, dass er in der abgeschiedenen Idylle des nordenglischen Doon-Tals endlich Ruhe finden kann - bis er Zeuge eines brutalen Mordes wird: Einer Frau wird die Kehle aufgeschlitzt, ihre Leiche wird im nahegelegenen Stausee entsorgt. Harry weiß ganz genau, was er gesehen hat. Doch am nächsten Tag berichtet die BBC über einen angeblich vereitelten Anschlag auf die Staumauer, bei dem eine Terroristin ums Leben gekommen sein soll. Was wird hier vertuscht und wer hat so viel Macht und Einfluss, der ganzen Welt ins Gesicht zu lügen? Harry muss der Wahrheit auf den Grund gehen - und läuft schon bald Gefahr, in einem unerbittlichen Mahlstrom der Gewalt und des Hasses unterzugehen ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der gnadenlose Thriller »Die dunklen Herzens sind« von David Docherty. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

David Docherty ist englischer Journalist, TV-Produzent und Autor mehrerer Bücher, die weltweit erschienen sind. Nach einer Karriere beim britischen Rundfunk, zuletzt als Deputy Director of Television der BBC, konzentrierte er sich auf das Schreiben von Sachbüchern und Thrillern, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Bei dotbooks veröffentlichte David Docherty seine Thriller »Die dunklen Herzens sind«, »Die ohne Reue sterben« und »Die ohne Sünde leben«.
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Kapitel 2


Harry gähnte, als er aus dem Haupttor des Doon-Komplexes fuhr. Eine lange Nacht voller Verdächtigungen und Vernehmungen lag hinter ihm. Harry und die örtliche Polizei kannten einander lange Zeit, schon seit er vor mehr als zehn Jahren die Wildtiere in dieser Gegend studiert und fotografiert hatte. Dann aber war das Verhältnis zwischen Harry und der Polizei merklich abgekühlt, als er vier Jahre lang einer der führenden Köpfe von DREAD gewesen war, einer Bürgerinitiative, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, den Bau des Doon-Staudamms zu verhindern. Seit der Einweihung des Damms vor drei Jahren hatten sich die Beziehungen zwischen Harry – der nun hauptberuflich als Tierfotograf arbeitete – und der Obrigkeit wieder entspannt, und die gegenseitigen Verdächtigungen hatten nachgelassen.

Inspector Frommer jedoch, der in dieser Nacht als Erster am Schauplatz des Verbrechens erschien, zeigte sich misstrauisch und wollte genau wissen, was Harry am Staudamm zu suchen hatte. Harry erklärte, er habe die Erlaubnis der McLean-Platinmine, Fotos von einer Familie wild lebender Nerze für einen Zeitungsartikel zu schießen. Schließlich aber musste um zwei Uhr früh ein mürrischer Bildredakteur angerufen werden, der Harrys Geschichte bestätigte. Dennoch verlangte Frommer den Memorystick aus Harrys Digitalkamera, der dann in einen der Computer der McLean-Mine eingelesen wurde. Dabei zeigte sich, was auf den Blitzlichtfotos zu sehen war, die Harry in der Nacht von der Staumauer aus gemacht hatte: Die schwarz gekleidete Person in dem Boot hatte ein Schwert in den Doon River geworfen – offenbar die Waffe, mit der Sally Harper getötet worden war. In der Morgendämmerung machten Polizeitaucher sich auf die Suche nach dem Schwert, doch wegen der starken Strömung des Flusses hatten sie keine Chance, die Waffe zu finden.

Harry hielt auf einer Hügelkuppe und schaute zurück auf die Platinmine und das riesige Minenbecken. Das Bild, das sich unter ihm ausbreitete, erschien ihm wie eine moderne Version eines Gemäldes von Hieronymus Bosch: zerfurchte Fahrrillen tonnenschwerer Planierraupen; riesige achträdrige Laster, die ihre unbekannte Fracht an unbekannte Ziele transportierten; hunderte von Arbeitern mit gelben und roten Schutzhelmen, die rastlos über das Gelände eilten oder in dem fünf Meilen langen Stollen verschwanden, in dem sich die Platinader befand. Die Staumauer des Minenbeckens war grauschwarz im hellen Sonnenlicht, gigantisch und düster. Das Wasser im Becken enthielt giftige Rückstände: Schlamm aus zermalmtem Felsgestein und die Reste von Chemikalien, die beim Abbau verwendet wurden.

Auf der rechten Seite des Doon-Komplexes breitete sich eine Mondlandschaft aus, beherrscht vom riesigen Krater eines alten Schieferbruchs, anderthalb Kilometer breit und hundert Meter tief. Die Gebäude waren verfallen; verrostende Maschinen standen auf dem Gelände. Die McLean International Mining – nunmehr Betreiberin der Platinmine und Besitzerin des Staudamms – hatte den Schieferbruch ein halbes Jahrhundert lang ausgebeutet und dann dem Verfall preisgegeben.

Harry ließ den Lärm und Staub des hundert Morgen großen Komplexes aus Verwaltungsgebäuden, Kantinen, Parkplätzen und dem Besucherzentrum hinter sich. Er fuhr eine steil abfallende, gewundene Straße hinunter, die erst vor kurzem verbreitert worden war; die Sträucher zu beiden Seiten hatte man kurzerhand abgeholzt. Die Straße führte in die Minenstadt Doonside.

Noch wenige Jahre vor Entdeckung der Platinader hatte die Hauptstraße des Ortes aus zwei Secondhand-Läden bestanden, einem Gemischtwarenladen, einem Pfandhaus, einer kleinen privaten Wettannahmestelle, die ständig von Männern besucht zu sein schien, die billige Zigaretten rauchten, sowie einer Kneipe mit zugemauerten Fenstern. Alle diese Läden hatten einer nach dem anderen die Besitzer gewechselt. Das Wettbüro war von einem großen Buchmacher übernommen worden, die Kneipe von einem Bierverlag, und die Geschäfte waren verkauft und dienten nun anderen Zwecken: Der einstige Gemischtwarenladen beherbergte ein exklusives indisches Restaurant, und aus den Secondhand-Läden waren eine Verkaufsstelle für Handys, ein Internet-Café und ein Bistro geworden. Doch diese Geschäfte wurden von dem neuen großen Einkaufszentrum, das am Stadtrand aus dem Boden gestampft worden war, weit in den Schatten gestellt.

In der Nähe des Einkaufszentrums befand sich auch das ausgedehnte Grundstück, auf dem Häuser für tausende Familien entstehen sollten, die vom wirtschaftlichen Erfolg der Platinmine in diese Gegend gelockt wurden. Fred Cunningham, der Farmer, der das Land verkauft hatte, war von dem Erlös ins sonnige Florida ausgewandert und führte ein sorgenfreies Leben. Harry neidete es ihm nicht; der arme alte Fred hatte ein halbes Jahrhundert mehr schlecht als recht von dem Wenigen gelebt, was der karge Boden hergab. Die Schafherden hatten das Schicksal des Schieferbruchs geteilt; die letzten Tiere waren verschwunden, als die McLean International mit fetten Schecks und dem Versprechen auf Baugenehmigungen auf der Bildfläche erschienen war.

Harry verspürte Erleichterung, als er gut einen Kilometer außerhalb Doonsides von der vierspurigen Schnellstraße auf eine schmale, einspurige Nebenstraße abbog, die am Doon entlang in eine 90.000 Morgen große, wild- und wasserreiche Waldgegend führte, die zum Naturschutzgebiet Doon Valley gehörte – ein Tal, in dem sich nur einige verstreut liegende Dörfer und Weiler befanden. Dieses Tal war seit nunmehr drei Jahren Harrys Zuhause; zuvor schon hatten er und seine Familie jeden Urlaub damit verbracht, diese Gegend zu Fuß und zu Pferde zu durchstreifen. Harry lebte im Wohngebäude einer alten Mühle unweit der Mündung des Doon. Von seinem Schlafzimmer aus konnte er den Staudamm sehen, der sich unmittelbar an der Grenze zum Naturschutzgebiet befand.

Gemächlich fuhr er über die Straße und genoss den Anblick des strahlenden Sonnenlichts auf dem gelben Stechginster, den Schlüsselblumen und den Ästen der Buchen, die sich wie ein Baldachin über die schmale Straße spannten und Schattenmuster auf die Wildblumen am Fahrbahnrand warfen. Harry schaltete das Autoradio an, stellte den Lokalsender ein und verfolgte eine Diskussion zwischen zwei Anruferinnen.

»Ich kann nicht begreifen, wie jemand sich über die Mine beklagen kann. Im Westen Englands werden seit über fünfhundert Jahren Erze und Kohle abgebaut. Diese Protestierer sind verrückt. Tausende Jobs stehen auf dem Spiel!« Die Anruferin sprach mit dem harten Akzent dieser Gegend.

»Sie wollen es offenbar nicht verstehen.« Auch die andere Stimme gehörte einer Frau, die jedoch nicht aus dem North County stammte, dafür sprach sie zu kultiviert. »Die Mine muss verschwinden. Um dreißig Gramm Platin zu gewinnen, müssen zehn Tonnen Fels abgebaut werden, und die Chemikalien, die beim Abbau ins Wasser geleitet werden, vergiften es auf Generationen hinaus. Was die Minengesellschaft tut, ist unverantwortlich und gefährlich.«

»Es war eine Entscheidung des North County für die Menschen des North County!«, widersprach die Befürworterin. »Es gab ein ... wie heißt es gleich? ... ein Referendum in sämtlichen Stadt- und Gemeinderäten des Bezirks, und wir haben den Bau des Dammes unterstützt. Das ist unser Land.« Die Stimme der Frau war voller Zorn und Verzweiflung.

Ihre Widersacherin entgegnete: »Es war eine Entscheidung aus Gewinnsucht, von der kurzsichtige Menschen wie Sie sich blenden ließen ...«

»Ich danke Ihnen für die interessante Diskussion«, schaltete der Moderator sich ein, dem die Sache offenbar zu heiß zu werden drohte. »Kommen wir nun wieder zu unserem Musikprogramm mit Ike und Tinas ›River Deep and Mountain High‹, ...«

Harry bog auf eine lange, zerfurchte Zufahrt ab, die zu einer stillvollen georgianischen Villa führte, die jedoch schon bessere Zeiten gesehen hatte. Einst hatte diese Villa den Namen »Eliot House« getragen – von den Bewohnern der Gegend wurde sie noch immer »die Villa« genannt –, doch ihr neuer Verwendungszweck ging aus einem großen blauen Schild hervor:

DIE ARCHE
Musiktherapeutisches Zentrum für Kinder

Ein anderes Schild auf einer kleinen Erhöhung warnte:

Langsam fahren. Es könnten deine Kinder sein,
die dir vors Auto laufen.

Als Harry die Geschwindigkeit auf Schritttempo verlangsamte, konnte er spüren, wie Douglas auf dem Beifahrersitz lebhafter wurde. Der Border Collie hatte die dichten Wälder dieser Gegend regelmäßig durchstreift und kannte jeden Kaninchenbau. Hinter den Bäumen war auf der linken Seite der träge, im Sonnenlicht funkelnde Lauf des Doon zu sehen, der hier einen Bogen beschrieb; rechts war der Tarn zu sehen, ein Nebenfluss, der hinter der Villa in den Doon mündete, sodass die »Arche« auf einer Halbinsel stand, die von den beiden Flüssen gebildet wurde. Harry betrachtete die eleganten Schiebefenster des großen Eingangszimmers; die Farbe war abgeblättert, die Schnitzereien verwittert, und statt der Seiden- und Brokatvorhänge befand sich nun das prosaische, in nüchternem Weiß gestrichene Verwaltungsbüro hinter diesen Fenstern. Die zwanzig Zimmer in den beiden Etagen darüber hatten verschiedene Verwendungszwecke: Sie dienten als Musik-, Spiel- und Schlafzimmer.

Die Eliots, die ursprünglichen Besitzer der Mine, hatten dreihundert Jahre lang in dieser Villa gewohnt. Im Zuge der Verstaatlichung der Minen im Jahre 1947 wurde die Familie von der Regierung abgefunden und begab sich in ein luxuriöses Exil nach London.

Für das North County brachen magere Zeiten an.

Dann aber hatte Sir Anthony Eliot, der Enkel des letzten Besitzers von Eliot House, die Tochter von Graham McLean geheiratet, dem...



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