Domin | Anderswelt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 458 Seiten

Domin Anderswelt

Sein letzter Auftrag
2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-0489-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sein letzter Auftrag

E-Book, Deutsch, 458 Seiten

ISBN: 978-3-8192-0489-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



John Bark gilt in seiner Branche als einer der Besten und Härtesten. Fast jeder Auftrag endet erfolgreich. Mit eiserner Disziplin und eigenen Regeln verdient er sich als Bodyguard sein Geld. Unbestechlich und zielorientiert löst er scheinbar jedes Problem und jede Aufgabe. Er taucht wie ein Tiger aus dem Nichts auf, versetzt die Menschen in helle Aufruhr und verschwindet anschließend ebenso spurlos, als hätte es ihn nie gegeben. Doch er ist ein Einzelgänger und hadert unbewusst mit seiner tragischen Geschichte. Selbstzweifel an seiner Existenz nehmen zu und die Schatten der Vergangenheit kehren wie ein nicht enden wollendes Martyrium, immer wieder zurück. Die unvorhergesehene Begegnung mit der zauberhaften Michelle und ihrem klugen wie auch weisen Vater erweist sich als ein erster Wendepunkt in seinem bisherigen Leben. Längst verloren geglaubte Gefühle keimen langsam wieder in ihm auf. Diese Begegnung bleibt jedoch nur von kurzer Dauer, denn ein neuer Auftrag führt ihn vorerst nach Rom. Einer Fügung gleich, erweckt eine junge Frau auf dem Forum Romanum auf sonderbarer Weise Johns Aufmerksamkeit. Noemi besitzt eine geheimnisvolle und mysteriöse Anziehungskraft, welcher er sich kaum entziehen kann. Sie bleibt ihm jedoch gegenüber verschlossen und so ahnt John nichts von Noemis dunklem Vorleben. Sie beginnen sich zu nähern und fast scheint es, als würden sie gemeinsam ihrem Schicksal eine Wende geben können. Als in Rom ein weiteres Ereignis eskaliert, muss Noemi wiederholt fliehen. Ibiza erscheint zunächst als idealer und sicherer Zufluchtsort. Aber im Hintergrund bahnt sich schon längst unaufhaltsam eine Tragödie an und das Leben von Noemi ist in Gefahr. John versucht sie mit allen Mitteln zu schützen, doch dann begeht Noemi einen fatalen Fehler.

Domin Anderswelt jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


AM FENSTER


John stand lange Zeit am Fenster. Seine Augen durchleuchteten wie ein Scanner den kleinen Ausblick auf die freie Natur. In unkoordinierter Weise arbeiteten seine Gedanken und Gefühle. Er wollte gleichzeitig das Gesehene verstehen und fühlen und im selben Maß auch sein Herz und seine Seele. Ihm widerstrebte es, seit er denken konnte, wenn er für sich selbst keine Reihenfolge fand, um solche Eindrücke logisch und konsequent abzuarbeiten. Es ist zu viel auf einmal, sagte er zu sich selbst. Und es war auch nicht der richtige Augenblick, um das alles aufzuarbeiten. So drehte er sich um, verließ seinen Fensterplatz und setzte sich wieder auf seinen Stuhl, der ihm seit Jahren sehr vertraut war. Dieser Stuhl hatte in den letzten Jahren viele Räume und Wohnungen gesehen, aber nicht so viele, wie John bereits vor ihm gesehen hatte. Sicherlich war da der Altersunterschied. Der Stuhl war erst acht Jahre alt und John Mitte vierzig. Und trotzdem war John sich sicher, dass sie beide einiges gemeinsam erlebt hatten. Sie hatten viel gesehen und so manchen Sturm überlebt. Doch nach einigen Minuten des Sinnens bemerkte John die Skurrilität seiner Gedanken und verwarf diese schnell.

Es war ein langer Tag gewesen und schon jetzt vermisste er das Gespräch mit Herrn Cremer. Er liebte lange und vor allem inhaltsreich Gespräche. Doch am liebsten philosophierte er mit anderen Menschen.

Der Auftrag war zufriedenstellend erledigt, er hatte sein Geld erhalten und so konnte er sich auf die geplante Reise nach Rom konzentrieren. Das Ticket hatte ihm sein potenzieller Klient bereits zugeschickt und alles war nun organisiert.

Noch einmal widmete er Herrn Cremer seine Gedanken. Er war in Johns Augen ein sehr angenehmer Zeitgenosse und bekundete John gegenüber auch ein persönliches Interesse. John war darüber nicht überrascht. Es war in den letzten Jahren schon zur Regel geworden, dass Menschen, die John begegneten, seine Freundschaft oder zumindest seine Nähe suchten. Und allesamt überhäuften ihn anfangs förmlich mit schönen Worten. Die Menschen attestierten ihm Attribute von Einzigartigkeit, Ungewöhnlichkeit oder auch profaneren Synonymen. Man bezeichnete ihn als unglaublich, intelligent oder gar anziehend und sexy. Doch wo waren all die Menschen geblieben, die ihn offenbar für so wichtig betrachteten?

Und noch etwas war ihm signifikant aufgefallen! Ohne Ausnahme wurde er von jedem gefragt, warum er keine Frau an seiner Seite hätte oder warum sich die Frauen von ihm abgewandt hätten. Immer und immer wieder derselbe Ablauf und dieselben Fragen. Und egal, was er auch tat oder sagte, nichts veränderte sich und er blieb allein. So musste es Bill Murray als Phil Connors im Film »Und ewig grüßt das Murmeltier« ergangen sein. Nichts wollte sich ändern!

John machte es schon seit vielen Jahren müde, fast immer gleiche Fragen gestellt zu bekommen und fast gleiche Gespräche führen zu müssen. Er beschied sich selbst keinerlei Arroganz, aber wenn die anderen Menschen recht hatten, warum blieb nie jemand bei ihm? Und von all diesen vielen Menschen wusste niemand, weder wann er Geburtstag hat, noch was er an Feiertagen machte oder auch in der Weihnachtszeit.

Er blickte bereits seit vielen Minuten auf den Computerbildschirm, der vor ihm auf der Arbeitsfläche seines Schreibtisches thronte wie ein König. Er hat Macht, sagte sich John. Der komische Kasten mit den bunten Pixeln darin hatte Macht über ihn selbst und mit Sicherheit auch über viele andere Leidensgenossen. Dieser neue Gedanke machte ihm Angst. War er kurz davor, verrückt zu werden, oder gar in eine Abhängigkeit von Drähten, Chips und Transistoren zu geraten? Lauthals brüllte er: »Nein, ich werde heute keine Mails mehr abrufen oder sonst was!« Er erhob sich verärgert von seinem Stuhl und vergaß dabei nicht, zumindest den Bildschirm auszuschalten. Das wäre ja noch schöner, wenn ich selbst zu einem Spielball der Erfinder der menschlichen Armseligkeit degenerieren würde. Niemand außer mir selbst darf Macht über mich ergreifen.

John spürte, dass er wieder einmal Selbstgespräche führte. In den letzten Jahren war diese Gewohnheit zur Marotte geworden. Seine feuchten Hände legten Zeugnis von seiner inneren Angst ab. Bin ich auf dem Weg nach unten oder befinde ich mich bereits am Abgrund? Er suchte nach einer Antwort und entschied letztendlich, wie so oft in letzter Zeit, sich diese wichtige Frage zu einem späteren Zeitraum zu beantworten.

Sein Spiel zur Zerstreuung seiner selbst nahm in gewohnter Bahn seinen Lauf. Er steckte sich eine Zigarette an und ging zu seiner überdimensionierten Musikanlage. Der Sender war fest einprogrammiert und so musste er nur noch die Powertaste drücken. Wie auf Befehl beschallten große Boxen den kalten Raum seines Wohnzimmers und Chillmusik durchdrang jeden einzelnen Winkel des kühl gestalteten Zimmers. Doch auch die Musik konnte dem trist wirkenden Raum keine Wärme verleihen. John war sich darüber bewusst, dass jeder den Wert des Mobiliars einschätzen konnte. Doch im selben Maß konnte auch jeder die Kälte spüren, die von diesen Dingen ausging. War er selbst kalt oder musste man erst kalt werden, um sich zwischen diesen Möbelstücken ohne erkennbaren Schaden bewegen zu können? Ohne dass er es wollte, begannen wieder viele Fragen auf ihn einzustürmen. Schon lange waren Fragen ein elementarer Bestandteil seines Seins geworden. Es gab kaum noch Menschen, Ereignisse und sogar Gefühle, die er einfach annehmen konnte, ohne dabei viele neue Fragen in seiner Seele aufzuwerfen. Den Begriff Schicksal gab es nicht für ihn. Es existierten nur Zufälle oder Fakten.

Sofern es tatsächlich ein Schicksal gäbe, so sagte er sich, musste es ihn hart bestraft haben, indem es ihn dazu verdammte, sich selbst ständig infrage zu stellen oder andere Dinge zu sezieren. Eine gesunde Oberflächlichkeit war seiner Erkenntnis nach das Privileg von normalen Menschen. Da er sich selbst für etwas ungewöhnlich hielt, musste dieser Umstand der permanenten Hinterfragung eine logische Konsequenz der Andersartigkeit sein. Er zündete sich erneut eine Zigarette an, in der Hoffnung, dass ihn deren Genuss von seinen Gedanken ablenken könnte. Er rauchte seiner Einschätzung nach viel. Er tat es als eine vertretbare Schwäche ab, denn zu seiner Entlastung bzw. Rechtfertigung konnte er zumindest behaupten, dass ihm Alkohol nichts anhaben konnte, denn er lebte in fast völliger Abstinenz. Trotzdem gestand er sich ein, dass er sich des Öfteren schon gewünscht hatte, sich mit irgendetwas seinen Kopf freizumachen. Doch zu diesen Dingen zählten weder Alkohol noch Drogen oder Tabletten. Für ihn wäre deren Konsum ein Zeichen der Schwäche und der Ergebenheit. Und keines dieser Attribute sollte ihn belasten oder etwa angreifbar machen können.

Er hatte lernen müssen, dass man in der Gesellschaft zwar Schwächen kannte und öffentlich zuließ, jedoch sah die Wirklichkeit anders aus. Die Menschen um ihn herum waren immer froh, wenn sie bei John Schwächen fanden. Dann konnte man ihn kritisieren, bloßstellen, anfeinden oder gar versuchen, ihn niederzumachen. Die ersten Jahre konnte John nicht nachvollziehen, was die Menschen dazu bewog, nach seinen Schwächen zu suchen, um diese früher oder später gegen ihn zu verwenden. Er verstand erst viel später, dass die Ursache mit ihm selbst sehr eng verbunden war. In der Öffentlichkeit kannte man ihn als rhetorischen Meister ohne Ecken und Kanten, der rigoros seinen Zielen nachging. Viele hielten ihn für unantastbar, für manche als arrogant, andere bezeichneten ihn als berechnend und andere gar als egoistisch.

Er selbst beschied sich keine dieser Eigenschaften. Er hatte eine harte Vergangenheit und intuitiv baute er sich über die Jahre erfolgreiche Abwehrmaßnahmen auf, um den Hyänen der Gesellschaft zu trotzen. Er gab zu, dass er völlig anders war als viele Mitmenschen. Er war nicht besonders stolz oder froh über diese Feststellung. Nein, es machte ihn einsam. Viele, insbesondere Frauen, hielten ihn für interessant. Er bildete sich jedoch darauf nichts ein. Im Gegenteil, er wusste zu genau, dass es niemand lange bei ihm aushielt. Er war den meisten nach kurzer Zeit zu anstrengend und zu abstrakt. Viel zu viele nicht zueinanderpassende Facetten erschwerten den Umgang mit ihm als Mensch. Seine damalige Ehefrau Corinna schien es jedoch zu können, obwohl sie nicht immer gut zu ihm war. Doch nach der Scheidung erfuhr er den Grund für ihre scheinbar ungewöhnliche Fähigkeit. In einem Gespräch teilte sie ihm mit, dass sie ihn während der Ehe öfter betrogen hatte. Er konnte sich noch gut an das Gespräch erinnern. Emotionslos nahm er die Nachricht damals auf. Der Grund seiner Regungslosigkeit lag nicht nur darin begründet, dass er es bereits seit vielen Jahren wusste. Er hatte es damals fühlen können, ohne jemals sichtbare Beweise vorliegen zu haben. Ebenso wusste er auch schon seit langer Zeit, dass ihn Corinna nur als begehrenswertes Objekt betrachtete und nicht als einen Menschen, für den ein Zuhause mit Gefühlen, Ehrlichkeit und Loyalität zum lebenswichtigen Elixier gehörte. Es war seine untrügliche Intuition, die ihn sein Leben lang begleitet hatte, Dinge fühlen und ahnen...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.