E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
Douglass Liebe, Lügen, Leidenschaft
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-3622-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-7515-3622-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als sexy Brandon Danielson ihr im strömenden Regen bei einer Autopanne seine Hilfe anbietet, ist Hotelerbin Arden wie hypnotisiert. Um die Ehrlichkeit ihres unfassbar gut aussehenden Retters zu testen, verschweigt Arden ihm, wer sie wirklich ist. Und das hat fatale Folgen ...
Als Tochter lesebegeisterter Eltern ist Kathy Douglass mit Büchern aufgewachsen und hat schon früh eins nach dem anderen verschlungen. Dann studierte sie Jura und tauschte Liebesgeschichten gegen Gesetzestexte ein. Nach der Geburt ihrer zwei Kinder wurde aus der Liebe zum Lesen eine Liebe zum Schreiben. Jetzt schreibt Kathy die Kleinstadt-Romances, die sie selbst immer gern gelesen hat.
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1. KAPITEL
Arden Wexford schlug mit der flachen Hand auf das Lenkrad, dann drehte sie noch einmal den Zündschlüssel herum.
Nichts. Nicht beim dritten Versuch, beim zehnten und beim neunzehnten ebenso wenig. Schließlich gab sie es auf.
Sie seufzte schwer, stieg aus dem Auto und knallte die Tür hinter sich zu. Dann wagte sie einen Blick unter die Motorhaube, auch wenn sie keinen blassen Schimmer hatte, wonach sie dort überhaupt suchen sollte.
Ihr großes Abenteuer, wie sie dieses Desaster nannte, seit ihr geliebter Beetle liegen geblieben war, entpuppte sich langsam als große Katastrophe.
Immerhin hätte sie längst in Florida sein können – zumindest näher beim Haus ihrer Eltern, wo die Familie oft den Winter verbrachte. Stattdessen war sie hier im Nirgendwo gestrandet. Im Nirgendwo in North Carolina.
Hätte sie doch auf ihre Eltern gehört und den gediegenen, zuverlässigen Mercedes Sedan genommen, den sie ihr vor zwei Jahren zum Collegeabschluss geschenkt hatten.
Doch in diesem kirschroten Käfer zu sitzen fühlte sich jedes Mal an, als würden ihre Brüder sie einmal ganz dick umarmen. Dieses Auto hatte sie immer zum Lächeln gebracht, und vor allem nach der unschönen Geschichte mit Michael-dem-Mistkerl brauchte sie etwas, das ihre Laune hob.
Trotzdem wäre sie jetzt weitergekommen, wenn sie den Alte-Leute-Wagen bevorzugt hätte. Und sie wäre weiter weg von Baltimore, Maryland, und von Männern, die zu ziemlich schmutzigen Tricks griffen, um an ihr Vermögen zu gelangen.
Mit habgierigen Typen war sie fertig, ein für alle Mal.
Sie würde sich in der Winterresidenz ihrer Eltern verschanzen und in Zukunft allen menschlichen Schlangen aus dem Weg gehen – gesetzt den Fall, dass sie es ja aus North Carolina herausschaffte.
Zornig versetzte sie dem Vorderreifen einen Tritt, auch wenn er überhaupt nicht für ihre Misere verantwortlich war. Wenn doch bloß der Motor anspringen würde …
Für einen Augenblick wollte sie sich wieder hinter das Lenkrad klemmen und den Schlüssel zum zwanzigsten Mal herumdrehen, entschied sich aber dann dagegen. Heute würde doch kein Wunder mehr geschehen.
Sie nahm ihre Handtasche aus dem Auto, schloss es ab und suchte nach ihrem Handy.
Kein Empfang.
Ein weiteres lautes Seufzen entrang sich ihrer Brust. Wenn sie sich richtig erinnerte, hatte sie vor Kurzem ein Straßenschild passiert, das den nächstgelegenen Ort ankündigte – Small Briar oder so ähnlich. Das Städtchen sollte in sechs Meilen Entfernung liegen, und sie hatte seither mindestens anderthalb Meilen hinter sich gebracht.
Die restlichen Meilen würde sie also laufen müssen. Dies stellte kein Problem dar, immerhin ging sie regelmäßig joggen. Zum Joggen trug sie allerdings keine niedlichen Sandalen mit hohem Absatz.
Die Sandalen wären perfekt gewesen für den Flug, der ihr ursprünglich vorgeschwebt hatte – hätte ihr Bruder nicht im letzten Augenblick den Privatjet nach Monte Carlo geschickt, um ein Meeting in einem der Wexford Luxury Hotels abzuhalten.
Er hatte ihr angeboten, mitzukommen und sich etwas zu erholen, während er dort arbeitete, aber sie hatte dankend abgelehnt. Ihren Brüdern mochte es nichts ausmachen, in Klatschspalten aufzutauchen und regelmäßig auf Fotos der vermeintlich Reichen und Schönen abgebildet zu sein, doch darauf konnte Arden gut und gerne verzichten. Stattdessen hatte sie sich selbst ins Auto gesetzt.
Und das hatte sie nun davon. Der Highway entrollte sich vor ihr wie ein endloses graues Band, und keines der wenigen Autos, das an ihr vorbeifuhr, drosselte auch nur geringfügig die Geschwindigkeit.
Wurde nicht immer die Freundlichkeit der Südstaatler angepriesen? Allerdings hätte Arden auch keinen Fremden auf dem Highway aufgelesen. Und sie war sich nicht einmal sicher, ob sie selbst zu jemandem ins Auto steigen würde.
Bisher hatte sich der Tag freundlich gezeigt – warm mit einer angenehmen sanften Brise. Dementsprechend war Arden gekleidet: Mit dem leichten T-Shirt und dem farbenfrohen Rock glaubte sie sich gut für den Roadtrip gerüstet.
Das änderte sich jetzt, da sich am Horizont schwarze Wolken bedrohlich zusammenballten. Die Temperatur war während der vergangenen halben Stunde dramatisch gefallen, und sie sehnte sich nach einem warmen Pullover.
Schon lag der Geruch von Regen in der Luft und erinnerte sie an den Wetterbericht, den sie vorhin im Radio gehört hatte: Ein Sturm war erwähnt worden. Allerdings hatte sie die Worte nicht weiter beachtet, weil sie zu diesem Zeitpunkt längst im nächsten Bundesstaat sein wollte.
Arden beschleunigte ihre Schritte. Hoffentlich konnte sie sich zumindest irgendwo unterstellen, sobald der Regen einsetzte. Etwa eine Meile hatte sie bereits hinter sich gebracht. Immer wieder warf sie einen Blick auf das Display ihres Telefons, doch es zeigte keinen Empfang.
Erstaunlich, ihr guter alter Käfer hatte sie also direkt ins Mittelalter geschleudert – irgendwo zwischen Baltimore und Tampa.
Nun, es half alles nichts: Sie musste tapfer weitergehen, bis sich zum wiederholten Mal ein Steinchen in ihre Sandale verirrte und sich schmerzhaft in ihre Fußsohle bohrte.
Kopfschüttelnd blieb sie stehen, streifte den Schuh ab und schüttelte den Stein heraus. Von einem Paar Sandalen, das etwa eintausend Dollar gekostet hatte, konnte sie wohl nicht erwarten, dass es auch noch bequem war. Dafür waren die Schuhe wirklich hübsch anzuschauen.
Sobald sie die Zivilisation erreichte, würde sie ausgiebig ihre geschundenen Fußsohlen massieren, nahm sie sich vor, und versuchte sich zu neuer Kraft anzuspornen.
Sie war nur wenige Schritte gegangen, als sie hörte, wie ein Wagen seine Fahrt verlangsamte. Einige Meter vor ihr kam er zum Stehen. Es handelte sich um einen großen silberfarbenen Pick-up-Truck – ein neueres Modell in gut gepflegtem Zustand.
Gleich darauf wurde die Fahrertür geöffnet, und ein Mann stieg aus. Er war so groß, dass sein Kopf sogar über die Fahrerkabine des riesigen Trucks ragte.
Mit lässigen Schritten ging er um den Pick-up herum. Er trug das Haar zu Dreadlocks gedreht, die mit einem Gummiband zusammengefasst waren und bis auf die Mitte seines Rückens fielen.
Seine Schultern waren so breit, dass sich Arden unwillkürlich fragte, ob der Typ im Flugzeug wohl zwei Sitze benötigte. Und sie waren so breit, dass dadurch seine schmalen Hüften und der flache Bauch besonders gut zur Geltung kamen.
Er sah wirklich gut aus, mit Haut in der Farbe von dunkler Schokolade und einem ausgeprägten, charakterstarken Kinn. Seine Augen leuchteten beinahe schwarz und musterten sie mit einem schnellen, forschenden Blick von Kopf bis Fuß.
Ein Schauer lief über ihre Haut, doch dieses Mal hatte es nichts mit der Außentemperatur zu tun.
Auch wenn er sich nicht im Entferntesten bedrohlich verhielt, hallten in ihrem Kopf sämtliche Warnungen, die sie je von ihren Eltern und Brüdern gehört hatte. Und waren reiche Töchter nicht auch eine beliebte Beute für Entführer, um Lösegeld zu erpressen?
Ardens Blick huschte in alle Richtungen. Weit und breit sah sie keinen weiteren Wagen. Sie war hier draußen ganz allein – allein mit einem Fremden, der langsam auf sie zukam.
Hektisch machte sie einen Schritt rückwärts und wäre beinahe gestolpert.
Der Mann schien ihre Gedanken zu erraten. Sofort hob er die Hände und wich zurück, bis sein Rücken die Ladefläche des Trucks berührte. „Ich will Ihnen nichts tun. Ich will bloß helfen. Ich habe Ihr Auto am Straßenrand gesehen, das heißt, falls Sie einen roten Beetle fahren.“
Seine Stimme war angenehm tief und dunkel, außerdem redete er so sanft auf sie ein, als wolle er ein ängstliches Kind beruhigen. Arden nickte.
„Dann sind Sie bereits ganz schön weit gelaufen, aber bis nach Sweet Briar sind es immer noch zwei Meilen.“ Er blickte auf zum sich verfinsternden Himmel. „Für diese Gegend gab es eine ernst zu nehmende Sturmwarnung. Springen Sie in meinen Wagen, und ich nehme Sie mit in die Stadt.“
Er machte einen harmlosen Eindruck, aber die jahrelangen Ermahnungen vor Fremden hatten sich zu tief in ihr eingebrannt, als dass sie sie einfach zu ignorieren vermochte. Selbst seine samtweiche Stimme konnte sie nicht umstimmen.
Arden schüttelte den Kopf. „Danke. Das ist wirklich nett, aber ich laufe lieber. Ein bisschen Regen hat noch niemandem geschadet. Und noch ist es ja nicht so weit.“
Wie aufs Stichwort zerriss in diesem Augenblick ein lang gezogener Blitz den dunklen Himmel, gleich darauf grollte der Donner, und es begann zu regnen.
„Es macht mir wirklich nichts aus, Sie mitzunehmen.“
Arden legte den Kopf zur Seite und starrte ihn an. Irgendetwas war seltsam. Er klang aufrichtig, und seine Körperhaltung wirkte nicht gefährlich, dennoch schien er nicht sonderlich begeistert von dem Gedanken zu sein, sie tatsächlich mitzunehmen.
Er schien sich vielmehr zwingen zu müssen, das Angebot auszusprechen. In diesem Moment erinnerte er Arden an einen zwölfjährigen Jungen, der von seiner Mutter gezwungen wurde, ein Mädchen zum Tanzen aufzufordern.
Nicht gerade vertrauenerweckend.
„Nein, danke. Ich riskiere es, nass zu werden.“ Mit jeder Sekunde...




