Dueck | Schwarmdumm | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 312 Seiten

Dueck Schwarmdumm

So blöd sind wir nur gemeinsam
2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-593-46263-9
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

So blöd sind wir nur gemeinsam

E-Book, Deutsch, 312 Seiten

ISBN: 978-3-593-46263-9
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im Schwarm sind wir automatisch intelligenter? Arbeitsdruck und Hektik bewirken oft das Gegenteil. Nicht Schwarmintelligenz bestimmt den komplexen Alltag in vielen Unternehmen und Organisationen, sondern vielmehr Schwarmdummheit - heute noch verstärkt von Social Media. Sinnlose Meetings und Videokonferenzen, blinder Aktionismus, schlechte Kompromisse und unausgereifte Ergebnisse sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Deutschlands scharfzüngigster Business-Vordenker Gunter Dueck seziert das kompliziert Dumme im täglichen Arbeitsprozess und zeigt, warum jeder Einzelne oft besser entscheidet als das Team. Gleichzeitig vermittelt er eine Ahnung davon, wie intelligentes Zusammenspiel wieder möglich werden könnte. »Gunter Dueck beschreibt, wie Unternehmen durch den Maximierungswahn verdummen.« Handelsblatt »Dueck ist ein genauer und gnadenloser Beobachter. Mit Leichtigkeit verbindet er mathematische Gesetze, philosophische Diskurse, amerikanische Poeten und bissige Randbemerkungen.« Harvard Business Manager »Die ultimative Anklageschrift gegen das falsche Wir-Gefühl und seine zahlreichen Steigbügelhalter« brand eins

Gunter Dueck war Mathematikprofessor und bis August 2011 Chief Technology Officer bei IBM. Seitdem lebt er im Unruhestand. Er arbeitet als Autor, Blogger, Netzaktivist, Business Angel und Speaker und widmet sich weiterhin unverdrossen der Weltverbesserung. Bei Campus erschienen seine Bücher »Das Neue und seine Feinde« (2013), »Schwarmdumm« (2015), »Flachsinn« (2017), »Heute schon einen Prozess optimiert?« (2020) und »Keine Sinnfragen, bitte!« (2022).
Dueck Schwarmdumm jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 2
Schwarmdummheit recoded – digitale künstliche Dummheit


Künstliche Intelligenzen trainieren bekanntlich mit vorhandenen Daten, so unvollständig sie immer sind. Die neuen digitalen Prozesse sind von Menschen und alter Bürokratie »inspiriert« und daher so schlecht, dass sich alles fortpflanzt. Der Schwarm nutzt die neuen künstlichen schlechten Prozesse, neben denen kein gesunder Menschenverstand standhalten kann …

Kurzinhalt: Digitalisierung kann unser Leben entscheidend verbessern. Kann. Könnte. Müsste. Leider steigt die digitale Bürokratisierungswut. Leider ignorieren die Manager neue Leadership-Konzepte und kommen mit dem möglichen Homeoffice nicht gut klar. Überflüssige Telefonkonferenzen werden durch überflüssige Video-Calls ersetzt. Medien lassen sich Hammerschlagzeilen von einer KI erfinden und nähern sich qualitativ bekannten Boulevardstilen an. Was dabei an »Senf« herauskommt, dient als weiteres Datenmaterial zum Training neuer KI-Generationen. Was wir alles falsch machen, kreiden wir der KI an. Ist KI für uns also doch mehr Fluch als Segen? In den sozialen Medien haben die Ideal-Verkünder Oberhand, aber die Unternehmen nutzen deren Lehren bloß, um damit ihre Außenmauern zu tapezieren. »KI, schreib einen Nachhaltigkeitsbericht und schlage uns einen Purpose vor, der sich flexibel an die Tageslosung aus Washington anschmiegt!«

Schlechte digitale Prozesse und sturer Service


»Digitale Dummheit« gibt es schon lange. Zur Zeit der ersten Auflage dieses Buches vor zehn Jahren fiel sie in der Öffentlichkeit nicht so stark auf, weil die Digitalisierung an sich noch nicht weit fortgeschritten war. Aber alle Experten wussten aus eigener Erfahrung, dass nichts Gutes dabei herauskommt, wenn man Dummes digitalisiert. Diese Erfahrung wird traditionell in derbe Worte gefasst.

Merksatz

Wenn Sie einen scheiß Prozess digitalisieren, haben Sie einen scheiß digitalen Prozess.

Diese Formulierung fiel vor einem illustren Publikum und vielen Pressevertretern, sie machte eine entsprechend große Runde. Sie stammt von Thorsten Dirks, dem ehemaligen Chef der Telefónica Deutschland. Seitdem ist dieses »Meme« ins IT-Volksgut übergegangen. Es klingt deutscher als »garbage in, garbage out« oder »Mist rein, Mist raus«.

Die neuen Technologien, die neuen Medien und immer besseren Kommunikationsmittel sind digitaler, führen aber nicht zu einer Eindämmung der Schwarmdummheit in Unternehmen. Im Buch hacke ich oft auf den viel zu vielen Meetings herum, auf der schon erwähnten Teilblindheit im Unternehmen, auf der Kompliziertheit aller Geschäftsprozesse und dem dumm Einfachen. Ich will hier am Anfang einen kurzen Abriss geben, was sich seitdem digital getan hat. Es wird deutlich, dass sich die Schwarmdummheit keineswegs eingedämmt hat, sie geht nur den Weg der Digitalisierung mit und vereint sich mit der aufkommenden KI (der künstlichen Intelligenz).

Wenn ich jetzt Dummheiten erwähne, die uns die digitale und künstlich intelligente Welt bescheren, dann muss ich immer den Einwand gelten lassen, dass diese Entwicklungen noch jung sind. Es könnten bloß Kinderkrankheiten sein, die ich vielleicht vorschnell als ernstes Dauerproblem ächte. Insofern ist vieles in diesem Kapitel vorläufig, aber Sie werden (wie ich) erstaunt sein, wie wenig sich in den letzten Jahren verändert hat.

Wenn ich auf eine neue digitale Lösung treffe, seufze ich in der Mehrzahl der Fälle: »Wer hat sich das ausgedacht?« Wir stöhnen heute über bürokratische Hyperkomplexität und sind insbesondere verstört, dass die Formulare Fragen stellen, die wir nicht verstehen oder die in unserem speziellen Fall gar nicht zu beantworten sind. Wir verzweifeln später genauso bei den Online-Fragebögen. Wenn wir im Amt erscheinen, hilft uns wenigstens jemand beim Ausfüllen. Wenn eine Antwort unmöglich ist, streicht der Sachbearbeiter verständnisvoll diese kritische Stelle. »Das betrifft Sie ja nicht.« Ich erinnere mich noch an die Bürokratie für Renten und die Todesfälle meiner Eltern. »Bitte vereinbaren Sie einen Termin vor Ort und planen Sie ca. vier Stunden ein, in denen die Formulare ausgefüllt werden.« Ich antwortete, ob ich das als Akademiker nicht selbst schaffen kann? Warum über 400 km nach Hildesheim anreisen? Die Antwort las sich für mich etwa wie »Ätsch, versuchen Sie es doch!« Als ich vor wenigen Jahren meine Rente selbst antrat, gab es wieder Fragen über Fragen, bei Energiemaßnahmen an unserem Haus in neuester Zeit wieder. Die Ämter lieben es, nur einen Fragebogen für alles zu entwerfen. Der letzte war für Leute, die eine neue Heizung installierten oder Isolierungen/Dämmungen anbrachten oder eine PV-Anlage installierten oder das Dach erneuerten oder die Fenster ersetzten oder etc. etc. »Was soll das?«, schrie ich auf und bekam die Antwort, dass die Sachbearbeiter es auf diese Weise leichter hätten.

Sie kennen sich sicher auch mit solchen Befragungskatastrophen aus. »Welchen Winkel hat Ihr Dach und aus welcher Himmelsrichtung scheint die Sonne um 12 Uhr?« Bei der neuen Grundsteuerberechnung wurde ich nach der Grundstücksgröße gefragt … hm: ich dachte, die wäre dem Amt bekannt?« Als ich eine Herz-OP hatte, wurde ich vier- oder fünfmal befragt, welche Medikamente ich nähme. Die Oberschwester, die Anästhesistin, der Chirurg, eine Apothekerin, die Physiologin wollten es ganz genau wissen und notierten alles sehr sorgfältig auf Papier – für ihre Akten. Als ich nach der OP vor Schmerzen fast schrie, erläuterte mir die Nachtschwester, dass sie nicht autorisiert sei, mir etwas zu geben. Ich müsse bis Punkt sechs Uhr warten und hoffen, dass die Frühschicht Zeit für mich hätte.

Kurz: Die Prozesse sind generell nicht mit den Bürgern, Patienten oder Kunden angelegt. Niemand stört sich im Hildesheimer Bürgerbüro daran, Tag für Tag jeweils für vier Stunden sinnlos komplizierte Formsachen zu erledigen. Denn das ist ein angesehener Beruf, denke ich. Nur wenige werden den ausfüllen können.

Als dies kennen Sie sicher aus eigener Erfahrung. Es ist sinnlos, immer wieder zu kritisieren. Die Bürokraten reagieren auf unser Schimpfen wie ein Zugbegleiter bei der Bahn bei einer Klage über Verspätungen. Es ist, wie es ist. Die Bahn verdient immerhin den Respekt, dass sie sich unermüdlich entschuldigt. So nett sind Finanzbeamte oder Firmen-Compliance-Manager ja nicht.

Und jetzt komme ich zum Punkt: Das »Mindset«, so sagt man heute wohl, hinter dieser Bürokratie wird gnadenlos digitalisiert. Alles Digitalisierte ist so kompliziert wie das Papiergebundene. Aber wir, die wir nun mit dem Digitalen umgehen sollen, sind nun ohne die geduldigen Berater in Firmen und Ämtern hilflos. Wir sind allein und verzweifelt. Gerade frisch: »Schicken Sie Ihre Einkommensteuererklärung nicht ans Finanzamt München, sondern an das für Ihre Steuernummer zuständige.« Da hat jemand über eine Stunde gesucht, wie man das herausfindet. Anrufen? Warteschleife. Was tun? Nach München schicken, egal. Wir werden nun von dem Mindset der Prozessdesign-Dummheit allein gelassen.

Ich sitze in der Bahn in die Schweiz, kein Internet mehr. Ich bekam früher eine SMS. »Geben Sie DATA500 ein, dann bekommen Sie für 7 Tage 500 MB Volumen für xx Euro.« Die kam nicht, stattdessen: »Wenn Sie Internet buchen wollen, rufen Sie den Kundenservice an.« Ich rief an, wahrscheinlich sehr teuer aus der Schweiz. »Bitte nennen Sie mir Ihre SIM-Karten- Vertragsnummer.« Die hatte ich nicht. Ich erkläre besserwisserisch: »Sie sehen doch, auf welchem Handy ich anrufe, dann wissen Sie doch alles.« – »Ich sehe das hier nicht, ich bin nur im allgemeinen Callcenter. Hier rufen Leute wegen neuer Tarife an. Für Schweiz-Internet muss ich sie weiterverbinden.« Ich legte auf. Schrieb eine Beschwerde-Mail, wurde Tage später angerufen, schilderte mein Problem. Die Dame nahm »meinen Fall« auf und kommentierte trocken, dass sie sehr sicher sei, dass da nichts passieren würde. Mein Problem sei zu speziell. »Wollen Sie immer noch, ...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.