Düfelmeyer | Septemberwut | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

Reihe: Westfalen-Krimi

Düfelmeyer Septemberwut

Ein Westfalen-Krimi
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8271-9624-8
Verlag: CW Niemeyer
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Ein Westfalen-Krimi

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

Reihe: Westfalen-Krimi

ISBN: 978-3-8271-9624-8
Verlag: CW Niemeyer
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Brandstiftung in einer Herforder Realschule und eine verkohlte, demonstrativ zur Schau gestellte Leiche auf dem Stuhl des Schulleiters - Frank Sommer, der neue Leiter des 11. Kommissariats in Bielefeld, wird gleich am Tage seines Dienstantritts mit einem Fall konfrontiert, der ihn und sein Team an die Belastungsgrenze führt. Denn allein der offenbar psychisch gestörte Täter scheint alles zu bestimmen. Tage später - ein grausiger Leichenfund im Schweinegehege des Tierparks Olderdissen. Die Mordkommission ermittelt auf Hochtouren. Sie muss den Täter beizeiten stoppen, dessen Bühne mittlerweile ganz Ostwestfalen ist. Ihm auf die Spur zu kommen, ist schwer, da er immer einen Schritt voraus ist, überdies extrem gefährlich und mit seinen Taten noch nicht am Ziel. Die zum Fall hinzugezogene Kriminalpsychologin Hanna Hülsmeier wird nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, bis sich die Lage zuspitzt: Die Ermittlungsgruppe selbst gerät, ohne es zu ahnen, in eine gefährliche Nähe zum Täter ...

Rolf Düfelmeyer, geboren 1953 in Herford, war lange Jahre zunächst evangelischer Gemeindepfarrer in Werther und dann über 20 Jahre Schulpfarrer und Religionslehrer am Berufskolleg Lübbecke. Als er 2011 die Möglichkeit bekam, in den Vorruhestand zu wechseln, hat er diese Chance ergriffen, allerdings nicht ohne die Überlegung, was mit der gewonnenen Zeit anzufangen sei. Ziemlich schnell stand für ihn fest: Ein lange im Verborgenen gewachsener Wunsch sollte Wirklichkeit werden. Nach Jahrzehnten der Krimilektüre mutierte er vom Krimileser zum Krimiautor. 2012 legt er mit Septemberwut seinen ersten Kriminalroman vor, der, wie könnte es anders sein, in seiner Heimat Ostwestfalen spielt. Über einen guten Krimi sagt er: Er soll insgesamt ein spannender Roman sein, der dennoch gelegentlich launig zum Schmunzeln anregt, ohne dabei in Satire oder gar Comedy zu verfallen. Es ist und bleibt die spannende Handlung, die im Mittelpunkt steht. Allerdings dürfen nachdenkliche Gedanken das Geschehen durchaus begleiten. Rolf Düfelmeyer ist seit 1976 verheiratet mit Irmela Düfelmeyer, einer gebürtigen Bielefelderin. Zusammen haben sie zwei erwachsene Söhne, von denen einer verheiratet ist, und freuen sich über eine Enkeltochter. Das Ehepaar lebt seit 1980 in Werther bei Bielefeld. Rolf Düfelmeyer ist begeisterter Hobby-Fotograf und ehrenamtlich Bassposaunist im Posaunenchor der Ev. Kirchengemeinde Werther.
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Freitag, 2. September


Am nächsten Morgen galt mein erster Blick der Zeitung. Ich besorgte mir beide Lokalblätter. Was würde dort stehen? Wie würde berichtet werden? Beide Zeitungen nahmen sich der Sache in ähnlicher Aufmachung an. Auf der ersten Seite nur ein kurzer, enttäuschender Hinweis und weiter hinten ein größerer Artikel. Aber auch der konnte mich nicht zufriedenstellen. Ein großes Bild und zwei kleinere. Ein knapper sachlicher Bericht, es sei zu einem Brand in der Lise-Meitner-Schule gekommen. Vermutlich Brandstiftung. Der Schaden sei aber geringer als zunächst befürchtet. Und dann: Kein einziges Wort über einen Leichenfund! Der Major a.D. wurde mit keinem Wort erwähnt. Ich sprang auf und rannte durch die Wohnung. Mit einem wütenden Schwung schob ich die Gardinen vor dem Fenster zur Seite und schaute nach draußen. Die Autos und Fußgänger unten auf der Straße nahm ich nur durch einen Schleier wahr, ebenso auch das strahlende Spätsommerwetter. Zurück am Küchentisch las ich die Artikel erneut. Vielleicht hatte ich etwas übersehen. Nein! Der Tote auf dem Direktorenstuhl wurde tatsächlich nicht erwähnt. Nicht einmal der klitzekleinste Hinweis. Ich hätte schreien können vor Wut und Enttäuschung. Mit einer einzigen Bewegung fegte ich die Zeitungen vom Tisch. So ein Mist! So ein elender Mist!

Es war ziemlich früh, als Sommer aufwachte. Angelika neben ihm schlief ruhig und offenbar auch fest. Sie hatte noch ein paar Tage Zeit, bis der Unterricht an ihrer neuen Schule, der Peter-August-Böckstiegel-Schule in Werther, begann. Allerdings war sie schon mehrmals dort gewesen, um das eine oder andere vorzubereiten und sich am neuen Arbeitsplatz ein wenig umzuschauen. Das war nicht ungewöhnlich. In der letzten Woche vor Ende der großen Ferien war immer schon eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen da, um Vorbereitungen für das neue Schuljahr zu treffen.

Sommer blickte auf die Uhr. Es war kurz vor sechs. Er beschloss aufzustehen, da seine Gedanken ohnehin anfingen, um die Ereignisse des gestrigen Tages zu kreisen. In der Küche goss er sich ein Glas Orangensaft ein und blickte aus dem Fenster auf den Kamm des Teutoburger Waldes. Es versprach erneut ein schöner Tag zu werden. Die Sonne war zwar noch nicht aufgegangen, aber der Himmel war wolkenlos. Herrlich so ein Morgen. Allerdings drängten sich bald wieder die Gedanken um den Brand in Herford und den Toten nach vorn. Würde es an diesem Tag bereits einen Durchbruch geben? Würde es ihnen gelingen, die Leiche aus dem verbrannten Zimmer des Schulleiters zu identifizieren? War er der vermisste Major aus Senne? Aber selbst wenn sie herausfänden, dass der Tote nicht mit dem Vermissten identisch war, wäre das ein wichtiges Resultat. Wie dem auch sei, die Identifizierung war ihre erste und wichtigste Aufgabe. Darum musste er sich als Erstes kümmern. Er stellte das leere Glas auf die Spüle und ging ins Badezimmer. Nachdem er sich gewaschen und angezogen hatte, bereitete er in der Küche das Frühstück für sich, Angelika und Fabian vor. Auch Fabian hatte gestern seinen ersten Arbeitstag im freiwilligen sozialen Jahr in Bethel gehabt. Daran musste Sommer jetzt denken. Und es gab noch gar keine Gelegenheit, ausführlich mit seinem Sohn darüber zu sprechen. Bethel – in Ostwestfalen eine Institution. Seit über 120 Jahren gab es diese evangelische diakonische Einrichtung, die sich vor allem auf die Betreuung von behinderten Menschen konzentrierte. Sommer erinnerte sich noch gut daran, wie er als Jugendlicher zum ersten Mal Bethel mit seiner Jugendgruppe besucht hatte. Eine Kleinstadt für sich innerhalb der Großstadt Bielefeld, eingebettet, teilweise auch eingezwängt zwischen zwei Höhenzügen des Teutoburger Waldes. Dort in einem der Pflegeheime für Behinderte hatte Fabian gestern seinen Dienst angetreten.

In Gedanken versunken hatte er gerade die Espressomaschine in Gang gesetzt, die lärmend die erste Tasse zu füllen begann, da hörte er hinter sich Angelika noch im Schlafanzug die Küche betreten.

„Ganz schön früh“, sagte sie mit einem verschlafenen Gähnen. „Kann mich ja schon mal dran gewöhnen. Mittwoch ist es ohnehin vorbei mit der Herrlichkeit.“ Das war für sie das schönste an den Ferien, dass kein Wecker sie im Dunkeln aus dem Schlaf riss. Sie war nicht unbedingt eine Frühaufsteherin. Darin waren Sie und ihr Mann sich einig. Erstaunt fragte sie deshalb: „Du hast schon Frühstück vorbereitet? Bist du schon lange auf?“ Dann nahm sie sich die erste Tasse Kaffee, die noch unter dem Automaten stand und probierte sie auf der Stelle. Sommer, der sich diese Tasse selbst zugedacht hatte, sah seine Frau nicht wirklich erstaunt an und nahm sich wortlos eine neue Tasse, um sich darin ein zweites Mal Kaffee für sich zu machen. Dann setzten sich beide an den Küchentisch, um zu frühstücken. Wenn es sich irgendwie einrichten ließ, machten sie das jeden Morgen so. Das gemeinsame Frühstück war ihnen wichtig. Bevor sie in ihren Arbeitstag aufbrachen, brauchten sie einen Moment der Ruhe, ein erstes Gespräch und einen ersten Blick in die Tageszeitung.

Angelika hatte sich zuerst an den Tisch gesetzt und hatte demzufolge auch den ersten Blick in die Tageszeitung riskiert. Aufmacher auf Seite eins war zum wiederholten Male die Eurokrise. Auch Italien geriet offenbar zunehmend unter Druck. Bundeskanzlerin Merkel und der französische Staatspräsident Sarkozy verhandelten wieder einmal und kamen wieder einmal zu keinem Durchbruch. Dann aber blieb ihr Blick an einer Notiz am Rand der ersten Seite hängen, die von einem Brand in einer Herforder Schule berichtete und einen längeren Artikel auf der Seite „Ostwestfalen“ ankündigte. Als sie ihn gelesen hatte, wandte sie sich sofort an ihren Mann.

„Dein Fall? Gleich am ersten Tag passiert so etwas? Routine oder mehr?“

Sommer wurde sofort neugierig und ließ sich den Artikel geben. Nachdem er ihn überflogen hatte, stellte er zufrieden fest, dass er sehr sachlich gehalten war, und vor allem, dass der Tote mit keinem Wort erwähnt worden war. Bringsmeier hatte sich am Vortag noch darum gekümmert. Er war davon ausgegangen, dass es den Presseleuten bestimmt gelungen war herauszufinden, dass es einen Todesfall gegeben hatte. Aber offenbar konnte er sie davon überzeugen, eben diesen Todesfall noch zurückzuhalten. Das war ganz in Sommers Sinn. Der Tote war noch nicht identifiziert und er wollte die Öffentlichkeit weder beunruhigen noch in Hysterie versetzen. Beides konnte man bei einer Mordermittlung nicht gebrauchen. Aber natürlich konnte das Feuer nicht verheimlicht werden. Es war ja sozusagen ein öffentliches Ereignis, das eine große Zahl von Menschen ohnehin mitbekommen hatte.

„Ja“, sagte er dann zu Angelika, „ja, das ist mein Fall und ich fürchte, er wird mich und die ganze Abteilung noch eine Weile beschäftigen. Es gibt Begleitumstände, die mich das befürchten lassen. Vor allem, und das steht glücklicherweise nicht in dem Artikel, vor allem, weil es einen Toten gegeben hat. Kein direktes Brandopfer, sondern ein vorher Ermordeter wurde an den Brandort geschleppt und auf den Stuhl des Schulleiters gesetzt. Er ist dann bei dem Brand weithin verkohlt. Das Ganze ist irgendwie merkwürdig. Da ist irgendetwas im Spiel, was mir Angst macht. Irgendetwas Psychopathisches oder wie ich das sonst nennen soll. Jedenfalls ist das nicht normal.“

Angelika sah ihn entsetzt an.

„So eine Sache gleich am Anfang hier in Bielefeld. Du hast recht. Das macht in der Tat einen merkwürdigen Eindruck. Ein Mensch wird ermordet und dann an einen anderen Ort transportiert, um dort verbrannt zu werden, und das bei einem Brand, den jemand in einer Schule gelegt hat. Das hat etwas Krankes. Habt ihr hier eigentlich auch einen Polizeipsychologen? So etwas wird es doch bestimmt auch in OWL geben.“

„Ja, daran habe ich auch schon gedacht. Ich werde mich gleich heute Morgen darum kümmern. Ich hab mich nachher um neun mit den Kollegen in Herford verabredet. Vorher will ich aber hier noch ins Präsidium. Da ist noch einiges zu erledigen, war schließlich gestern erst mein erster Arbeitstag. Bei der Gelegenheit werde ich mich auch um den Psychologen kümmern. Bei diesem Fall könnte psychologischer Rat gefragt sein. Da hast du recht. – Und was hast du heute so vor“, Sommer sah seine Frau aufmunternd an.

Bevor sie jedoch antworten konnte, machte sich Fabian an der Tür bemerkbar. Auch ihn führte der erste Weg zum Kühlschrank. Er goss sich, genau wie Sommer selbst, zuerst einen Orangensaft ein. Dann kam er verschlafen an den Küchentisch.

„Schon so früh auf?“, fragte er.

„Na ja, die Pflicht ruft“, gab Sommer zurück.

„Und was macht deine Pflicht. Gestern haben wir uns ja gar nicht gesehen. Wie war dein erster Tag in Bethel?“

„Kann ich noch nicht sagen. Schon gar nicht um diese nachtschlafende Uhrzeit. War schließlich auch der erste Tag.“

„Klingt nicht sonderlich begeistert!“

„Ach ja – nein, so nun auch wieder nicht. War halt irgendwie neu. Ich bin da in einem Haus, in dem langjährige Patienten, äh, Bewohner sagen die da, also Menschen, die zum Teil schon ihr ganzes Leben in Bethel leben, in den verschiedensten Pflegeheimen, naja, die verbringen da ihren Lebensabend. Ein Altenheim zuzusagen. Die waren alle ganz nett zu mir. Gingen direkt auf mich zu und taten dabei so, als ob ich schon ewig dort gewesen wäre. Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, es sind überwiegend Frauen, also, die haben mir gesagt, das sei ganz normal und eben total typisch für Behinderte. Völlig offen und ungezwungen. Einer fragte mich als Erstes, ob ich mit ihnen Bingo spiele. Ich hatte nicht den blassesten Schimmer, was das ist. Zum Glück kam eine Pflegekraft vorbei und klärte die Situation....


Rolf Düfelmeyer, geboren 1953 in Herford, war lange Jahre zunächst evangelischer Gemeindepfarrer in Werther und dann über 20 Jahre Schulpfarrer und Religionslehrer am Berufskolleg Lübbecke. Als er 2011 die Möglichkeit bekam, in den Vorruhestand zu wechseln, hat er diese Chance ergriffen, allerdings nicht ohne die Überlegung, was mit der gewonnenen Zeit anzufangen sei. Ziemlich schnell stand für ihn fest: Ein lange im Verborgenen gewachsener Wunsch sollte Wirklichkeit werden. Nach Jahrzehnten der Krimilektüre mutierte er vom Krimileser zum Krimiautor. 2012 legt er mit Septemberwut seinen ersten Kriminalroman vor, der, wie könnte es anders sein, in seiner Heimat Ostwestfalen spielt. Über einen guten Krimi sagt er: Er soll insgesamt ein spannender Roman sein, der dennoch gelegentlich launig zum Schmunzeln anregt, ohne dabei in Satire oder gar Comedy zu verfallen. Es ist und bleibt die spannende Handlung, die im Mittelpunkt steht. Allerdings dürfen nachdenkliche Gedanken das Geschehen durchaus begleiten. Rolf Düfelmeyer ist seit 1976 verheiratet mit Irmela Düfelmeyer, einer gebürtigen Bielefelderin. Zusammen haben sie zwei erwachsene Söhne, von denen einer verheiratet ist, und freuen sich über eine Enkeltochter. Das Ehepaar lebt seit 1980 in Werther bei Bielefeld.
Rolf Düfelmeyer ist begeisterter Hobby-Fotograf und ehrenamtlich Bassposaunist im Posaunenchor der Ev. Kirchengemeinde Werther.



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