Duhm / Temmen | Anmaßung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 324 Seiten

Duhm / Temmen Anmaßung

Eiskalter Kriminalroman vom Eltener Berg
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7407-2360-6
Verlag: TWENTYSIX CRIME
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eiskalter Kriminalroman vom Eltener Berg

E-Book, Deutsch, 324 Seiten

ISBN: 978-3-7407-2360-6
Verlag: TWENTYSIX CRIME
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es gilt als nahezu sicher, dass der Leichenfund im Eltener Berghang und der Fund der Frauenleichen in Kiel in einem gewissen Zusammenhang stehen. Die Mordkommissionen in Kleve und Kiel gehen davon aus, dass es nicht die einzigen Mordopfer bleiben werden. Ein vor zwei Jahren verstorbener auf St. Pauli bekannter Zuhälter und Bandenführer, steht laut Ermittlern im Zusammenhang mit mindestens fünf bis zehn weiteren Tötungsdelikten. Das Tatmuster dieser bislang ungelösten Fälle soll Parallelen mit dem der jetzt entdeckten toten Prostituierten aufweisen. Das gaben die Ermittler gestern bekannt. Und auch vier weitere Fälle in Hannover haben ihnen zufolge zumindest einzelne Ähnlichkeiten mit dem derzeitig untersuchten Fällen. Zu dem oder den Serientätern können wir noch nichts bekannt geben. Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Tätergruppe. Gesucht werden Dr. H. H. Trabes, die Staatsanwältin Dr. Krüss. Der oben genannte Mann aus Hamburg, derzeit am Niederrhein lebend, hat sich einer Festnahme entzogen. Er wird steckbrieflich gesucht. Wir fanden vier Frauen lebend in den unterirdischen Verließen am Eltener Berg. Diese Frauen konnten geborgen werden. Sie befinden sich in medizinischer Behandlung und in Sicherheit.

H. Peter Duhm schreibt über sein aufregendes Leben und über Verbrechen aus der Nachkriegszeit. In seiner neuen Heimat, Elten, Ortsteil von Emmerich am Rhein schreibt und recherchiert er. Neue, interessante Themen lassen sich überall finden. Man muss sehen und hören können. Auch am Niederrhein, der ihn seit Jahren begeistert. Sport und Arbeit haben ihn lebenslang motiviert, sich nicht unterkriegen zu lassen. 1942 in Hamburg geboren, überlebte er die Vernichtungsangriffe der britischen und amerikanischen Bombenangriffe. Das Trauma dieser Bombennächte blieb. Vielleicht ist er deshalb jahrzehntelang in der Modebranche tätig gewesen, weil er dort seine Kreativität und Reiselust, seinen Drang nach Neuem, insbesondere während der zahlreichen und ausgedehnten Auslandsreisen, die häufig zu asiatischen Bekleidungsherstellern führten, ausleben konnte. Der Hamburger Modemacher und Professor für Fashion-Management gab nie auf Neues zu entdecken. Sein Schreibstil ist kurz und direkt, sein Auftreten überzeugend. In seinen weiteren Büchern vereint er sorgfältige Recherche und Tatsachen mit einem prägnanten Schreibstil. Das zeichnet alle seine Bücher aus. Er selbst bezeichnet diesen neuesten Roman als ein Feature, als eine Reportage.

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Teil 1
Endlich war es so weit, er konnte sich seinen lang gehegten Wunsch erfüllen. Schließlich wurde er im Dezember fünfundsechzig Jahre alt. Dieses Haus am Eltener Berg direkt an der Grenze zu den Niederlanden, seiner Meinung nach, eine der besten Adressen am gesamten Niederrhein, schenkte er sich selbst. Seinen Geburtstag, den Hauskauf, seine Freude über den Erwerb galt es zu feiern. Aufwendig, mit außergewöhnlichem Buffet, erlesenen Getränken, einer Striptease-Liveshow, einer bekannten Rockband und einem Feuerwerk plante er dieses Event. Er würde es ausrichten lassen. Selbstverständlich mit Freunden und Bekannten, mit einiger Prominenz aus Emmerich und Kleve, aus dem nahen Ruhrgebiet und Köln, sowie aus den umliegenden kleineren Orten. Mit der bunten, immer für eine Überraschung guten Halbwelt aus den unterschiedlichen Rotlichtvierteln, mit den Berlinern vom dortigen Kiez, die durch immer jüngere Damen jeden Gast nervös machten. Den Wienern und ihren hellblonden, kurzberockten Madeln, mit den Bordellbesitzern aus Köln, Duisburg und Nimwegen in den Niederlanden. Mit all denjenigen aus der feinen Ruhrpott-Gesellschaft, die meinten, dazugehören zu müssen, wollte er an seinem Jahrestag und zur Hausfertigstellung feiern. Er wollte sie bei sich versammeln, schockieren und provozieren. Nur vergessen durfte er niemanden, das konnte unerfreuliche Folgen haben. Diese Halbwelt und die feine Gesellschaft verhalfen ihm schließlich zu Wohlstand, wenn auch nicht zu Ansehen. Wie seine Freunde empfahlen, mietete er das Hotel am Markt in Elten. Ungestört, laut und freizügig, eben nach dem Geschmack der bunten Gesellschaft sollte diese Feier ablaufen. Auf der riesigen Terrasse über dem Tal, mit dem Blick über den gesamten Wald würden seine Gäste begeistert alle Konventionen vergessen. Sie würden standesgemäß feiern. Nicht zuletzt deshalb ließ er diverse bunte Laternen, viele Palmen, Kübelpflanzen und die zu später Stunde beliebten Hollywoodschaukeln aufstellen. Seine Gäste würden die mit den jungen Damen zu nutzen wissen. Neunzehnhundertfünfundachtzig, nach zwölf Monaten Bauzeit strahlten Haus, Praxis und Gartenanlagen perfekt in neuem Glanz. Geld spielte für ihn keine Rolle. Seinen Rotlichtfreunden war er für jede Summe gut. Schließlich behandelte er jede, der für sie arbeitenden Damen zu jeder Tages- und Nachtzeit, klammerte oder nähte alle Wunden, linderte Hämatome, untersuchte und kurierte ansteckende Krankheiten oder setzte das eine oder andere Jungfernhäutchen bei den ganz jungen Teens wieder ein, wenn seine Freunde ihn darum baten. Und, was sich besonders für ihn auszahlte, seine Verschwiegenheit, sein geschlossener Mund hatte ihm den Ruf des zuverlässigen Frauenarztes und Chirurgen eingebracht. Wie ein Schneeball, der zur Lawine wird, verbreitete sich sein Ansehen weit über Hamburg hinaus. Endlich war er der riesigen Stadt entkommen. Der Niederrhein, der Eltener Berg würde seine neue Heimat werden. Da war er sich ganz sicher. Vorsichtige, nervöse Terminanfragen von Damen der feineren Gesellschaft beantworteten seine Sprechstundenhelferinnen stets diskret, überaus diskret. Ohne Fragen zu stellen. Diese Untersuchungstermine legten sie stets in die Abendstunden oder auf das Wochenende. Die Taxis der Damen warteten oft stundenlang einige Straßen abseits. Oft ließ er sie von einem privaten Fahrdienst chauffieren. Nur er wussten, woher und wohin die edlere Kundschaft kam und gebracht wurde. Durch diese Besuche baute er sich ein Netzwerk von Namen und Beziehungen auf, von dem niemand wusste, dass irgendwann es für ihn von Nutzen sein konnte. Das war jedenfalls seine feste Überzeugung. Sein Leben mit einem zweiten, dunklen, immer verborgenen Gesicht, wie er es selbst bezeichnete, begann damals, vor über zwanzig Jahren, als am Fischmarkt statt der Hure, dieser breitschultrige Mann, der seine Sonnenbrille nie abnahm, plötzlich aus der Dunkelheit des alten Kühlhauses, mit dem überstehenden Dach, hervortretend, die rechte Tür seines VW aufriss, in seinen alten nachtblauen Käfer stieg: „Fahr los Mann, geradeaus bis Teufelsbrück.“ Die sehr junge Prostituierte, die ihn bereits einige Nächte bedient hatte, wusste sehr genau, dass er donnerstags um diese Zeit vorbeikommen würde, sprang in ihren, über die Knie reichenden Stiefeln, zwei, drei Schritte zurück. Der Mann mit der Sonnenbrille hatte sie brutal an der Schulter zurück gezerrt, ihr noch einen kräftigen Stoß versetzt. Stolpernd verschwand sie in der Dunkelheit. Damals kroch Angst an ihm bis zum Haaransatz hoch, versammelte sich dort als glitzernde Schweißperlen. Seine Gedanken flogen wie Sturmwolken in die hintersten Winkel seines Hirns. Hatte er mit einer der Huren etwas falsch gemacht? Er bezahlte korrekt die geforderten paar Mark für deren Liebesdienst. Er hatte keine Idee warum dieser Mann, den er an seinem brutalen Gesicht als einen der Macher von St. Pauli erkannte, in seinen Wagen gestiegen war. Als sein unfreiwilliger Mitfahrer ihn in der Dunkelheit des Elbhanges halten ließ, ahnte er, dass es eng für ihn werden könnte. Er drehte sich zu seinem Gast zur Beifahrerseite. „Schalt das Licht aus und hör nur zu! Klar, halt dein Maul, nichts fragen, nichts antworten, klar? Du studierst doch Medizin. Ab sofort machst du, was ich sage, klar? Meine Kollegen und ich wissen alles von dir, Mann. Von den Trümmern, da wo du verschüttet warst. Den blöden Tick in deinem Kopp,“ er lachte durch die Zähne gepresst: „Das mit der Luft, nach der du nachts wie ein halbtoter, stinkender Fisch schnappst. Mann bist du fertig.“ Jetzt lachte er laut auf: „Das große Judenhaus am Weiher in Eimsbüttel kenn ich in und auswendig. Ab jetzt nutzt du das Behandlungszimmer deines Nazi-Opas.“ Er drehte sich zur Fahrerseite, schob seine Sonnenbrille hoch, griff zum Lichtschalter über dem Innenspiegel: „Für unsere Frauen. Klar, Kohle genug liegt nächsten Dienstag in deinem Briefkasten. Heute schreibst du auf, was du an Sachen zur Behandlung von Nutten brauchst.“ Wieder entstand eine winzige Pause, weil sich sein Fahrgast eine Zigarette aus der Jackentasche fummelte, anzündete und Heinrich-Hermann Trabes den Rauch des ersten tiefen Zuges direkt ins Gesicht blies: „Und du spezialisierst dich auf Weibermedizin. Klar?“ Wieder nahm er einen tiefen Lungenzug, blies den Rauch zur Fahrerseite. H. H. Trabes musste husten, beugte sich zum Seitenfenster, fasste zur Drehkurbel als sein Fahrgast ihn heftig an der Schulter herumriss. „Lass das Fenster zu, Mann! Bei mir hört niemand zu, kapiert? Eins kann ich dir sagen,“ drohend leise kam er ganz dicht an den jungen Mann heran. Der spürte den rauchigen Atem in seinem Gesicht: „Gehst du zur Polizei oder bist unvorsichtig, sabbelst zu viel, landest du wieder irgendwo als Verschütteter und schnappst wie damals als Fisch an Land nach Luft, bis du erstickt bist. Fahr zurück, du hörst von uns.“ Im nächtlichen Schatten des Kühlhauses am Hamburger Fischmarkt riss der unheimliche Fahrgast die Beifahrertür auf, zog die Handbremse des alten VW so schnell an, dass der alte Wagen stotternd stehen blieb. Der Motor blubberte noch einmal, dann herrschte völlige Stille, nur aus dem Hafen drangen leise Schiffsgeräusche wie Nebelhörner herüber. Er stand wieder im pechschwarzen Schatten des Altonaer Kühlhauses. Genau dort, wo sie diese unheimliche Fahrt begonnen hatten. Er presste sich damals tief in den durchgesessenen Sitz seines alten Wagens, versuchte mit zittrigen Fingern den Motor zu starten. Erst beim dritten Mal gelang es ihm. „Bloß weg von hier,“ schoss es ihm durch den Kopf: „Woher weiß der was von mir?“ Kurz vor dem alten Elbtunnel ließ er den Wagen ausrollen, reihte sich rechts vor der Kaimauer zur Elbseite hin in die parkenden Autos ein, sackte in sich zusammen. Schwer und tief die kalte, leicht fischige Hafenluft in sich hineinsaugend, kurbelte er das Fenster bis zum Anschlag herunter. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wer sein Mitfahrer gewesen war. In den Zeitungen wurde im Zusammenhang mit St. Pauli, der Reeperbahn und der sich mehr und mehr ausufernden Prostitution von „Der Araber“ geschrieben. Er fragte sich, woher kannte dieser Mann, dieser Zuhälter, Einzelheiten aus seinem Leben, die Zusammenhänge zwischen seinem Großvater, den er Nazi-Opa genannt hatte, dem großen Wohnhaus mit den beiden Arztpraxen, das bis 1938 den sehr angesehenen jüdischen Ärzten Dror Adler und Isaak Morgentau gehört hatte? Sein Großvater und sein Vater arbeiteten vor 1933 im benachbarten Krankenhaus als Chirurg und Internist. Als sich die Gelegenheit damals bot, das Haus zu kaufen, weil die jüdischen Ärzte die Ausreisegenehmigung nach Amerika bekommen hatten, ließen Opa Willi und Vater Kurt ihre Verbindungen zur NS-Partei spielen, kauften das Haus, angeblich zu einem fairen Preis, übernahmen dort die voll eingerichteten Arztpraxen ganz offiziell und legal. Schweißnass drückte er sich in den verschlissenen Autositz. Wie ein Film begann sich sein bisheriges Leben abzuspulen. In der Windschutzscheibe spiegelten...



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