E-Book, Deutsch, 368 Seiten
Duhm / Temmen Rache
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7407-6037-3
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Vergangenheit spricht mit der Gegenwart
E-Book, Deutsch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-7407-6037-3
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Blick, einige wenige Sekunden. Der Puls rast, ohnmächtiges Verlangen durchströmt uns. Lust. Schon ist der Augenblick vorbei. Nicht die Gedanken, die kreisen noch lange, tagelang, wochenlang, um was sein könnte. Mordlust. Wie man es bewerkstelligen könne, das Gefühl der Lust zurück zu holen. Rache. Dann kommt er, dieser winzige Moment, der Visionen deutlich erscheinen lässt. Es wird wahr, das finale Erlebnis von Lust. In welcher Art auch immer. Tötungen von Menschen sind Verbrechen. Dennoch, manchem bisher unbescholtenem Bürger bereitet Mord aus Rache vermeintlich Macht. Bereitet Lust auf mehr. Immer mehr.
H. Peter Duhm schreibt über sein aufregendes Leben und über Verbrechen aus der Nachkriegszeit. In seiner neuen Heimat, Elten, Ortsteil von Emmerich am Rhein schreibt und recherchiert er. Neue, interessante Themen lassen sich überall finden. Man muss sehen und hören können. Auch am Niederrhein, der ihn seit Jahren begeistert. Sport und Arbeit haben ihn lebenslang motiviert, sich nicht unterkriegen zu lassen. 1942 in Hamburg geboren, überlebte er die Vernichtungsangriffe der britischen und amerikanischen Bombenangriffe. Das Trauma dieser Bombennächte blieb. Vielleicht ist er deshalb jahrzehntelang in der Modebranche tätig gewesen, weil er dort seine Kreativität und Reiselust, seinen Drang nach Neuem, insbesondere während der zahlreichen und ausgedehnten Auslandsreisen, die häufig zu asiatischen Bekleidungsherstellern führten, ausleben konnte. Der Hamburger Modemacher und Professor für Fashion-Management gab nie auf Neues zu entdecken. Sein Schreibstil ist kurz und direkt, sein Auftreten überzeugend. In seinen weiteren Büchern vereint er sorgfältige Recherche und Tatsachen mit einem prägnanten Schreibstil. Das zeichnet alle seine Bücher aus. Er selbst bezeichnet diesen neuesten Roman als ein Feature, als eine Reportage. Elten am Niederrhein im Juli 2020
Autoren/Hrsg.
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Der Mord aus Leidenschaft beginnt hier. Ein Blick, einige wenige Sekunden. Der Puls rast, ohnmächtiges Verlangen durchströmt uns. Schon ist der Augenblick wieder vorbei. Aber nicht die Gedanken, die kreisen noch lange, tagelang, wochenlang was sein könnte. Wie man es bewerkstelligen könne. Dann kommt er, dieser winzige Moment, als klar ist: Es wird wahr, das finale Erlebnis von Lust. In welcher Art auch immer. Tötungen von Menschen sind Verbrechen. Und dennoch, manchem bisher unbescholtenem Bürger bereitet Mord aus Rache Macht. Lust auf mehr... Es ging ihm nicht gut. Er fühlte sich ehrlich gesagt richtig bescheiden. Ihm war übel, sehr übel sogar. „Mensch Happel“, brüllte er seinen jüngeren Kollegen kreideweiß an, „das Kopfsteinpflaster, fahr langsam. Meine Güte!“ Gunnar Hansen, Hauptkommissar der Hamburger Mordkommission war am Dienstag vor zwei Tagen aus Gerlos, im österreichischen Zillertal, nach Hamburg zurückgekommen. Seine langjährige Freundin Marion hatte die ganze Strecke seinen Wagen gefahren, bis Hamburg. Nur zum Pinkeln hatte er sich aus dem Wagen von der Rückbank seines Audi A6 gequält. Diese Fahrt von immerhin eintausendzweihundert Kilometern werde er so leicht nicht vergessen, hatte er seinen Kollegen mitgeteilt. In seinem Büro erwartete man den Chef mit großer Anspannung. Fast täglich hatten sie telefoniert. Wenn sie ihrem Hauptkommissar nicht jeden Tag die Neuigkeiten entweder als SMS oder auf seine Mailbox sprachen, wurde er noch bissiger als sonst schon. „Der Mann im Krankenhaus, sogar im Rollstuhl, die arme Marion. Ich kann mir das richtig vorstellen, so bissig und ungerecht, wie der Mann werden kann. Arme Marion, hoffentlich geht es Gunnar bald besser!“ Stefanie Gentz, die Mitarbeiterin im Büro K3, hatte ihren Oberkommissar Gerd Happel fragend angesehen. Endlich war der Chefermittler zurück, wenn auch im Rollstuhl. Und sofort wieder einen Außentermin. „Solche Fahrt, mit dem Bein, prägt einen“, hatte er lächelnd hinzugefügt, wenn er überhaupt etwas von seinem Missgeschick im Urlaub erzählte. Irgendwie war er Marion dankbar. Die Fahrt nach Hamburg, die Pflege in Österreich, ihre Fürsorge im Krankenhaus, ja selbst für ihre Hand, wenn diese ihn streichelte. Blumen wollte er ihr besorgen. Noch heute, Happel musste ihm dabei helfen. Ausgerechnet am letzten Tag, ausgerechnet ihm musste das passieren. Er wusste, dass er gut Ski fahren konnte. Nur einen Schritt hatte er aus seinem Hotel, dem Jägerhof, gemacht. Andere Gäste, die bereits vor dem Haus entweder auf den Bus warteten oder zu ihren Fahrzeugen wollten, betrachteten den fliegenden Hamburger mit lautem Lachen: „Mensch Gunnar, fliegen können die Vögel besser...“ Erst als sich ihr Hamburger Kumpel nicht aufrichten konnte, sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an sein Bein fasste, packten zwei kräftige Männerhände zu, stellten ihn wieder auf die Füße. Vorsichtig balancierte er auf einem Bein Richtung Hoteleingang. Die neuen weiß-blauen Skischuhe gaben ihm zwar Halt. Trotzdem, unsicher setzte er einen Schritt vor den anderen. Eine dieser kleinen Eispfützen, die immer über Nacht entstanden, wenn es fror, war ihm zur Falle geworden. Einen Handschuh hatte er verloren, suchend blickte er sich um. Als sich Hauptkommissar Gunnar Hansen den Schnee von seiner blauen, mit allerlei bunten Abzeichen versehenen Jacke schütteln wollte, riss ihn ein fürchterlicher Schmerz erneut auf den Boden. Im Fallen verschwammen die Lüftlmalereien an den Wänden um den Hoteleingang vor seinen Augen zu einem verwaschenen Farbnebel. Ein unglaublicher Eishauch durchfuhr den auf dem Rücken liegenden Mann. Sein Kopf lag in einem kleinen Hügel aus Schnee. Unwirkliche blasse Haut, geschlossene Augen, dieser vollkommen unbeweglich auf dem Rücken liegende Verletzte löste bei den vor dem Hotel wartenden Gästen Sprachlosigkeit aus, die alle morgendliche Fröhlichkeit wie eine unerwartete Lawine überdeckte. Vom großen, bunt bemalten First-Class-Hotel Gaspingerhof, auf der anderen Straßenseite, drängten ebenfalls morgendliche Skifahrer über die verschneite, teilweise vereiste Dorfstraße. „Deckt den Mann zu. Wir brauchen Decken, verdammt noch mal. Macht zu, holt Decken. In der Halle, schnell.“ Die Frau im rot-weiß-blauen Anorak schrie die herumstehenden Männer an. Aus dem Jägerhof stürmte Marion nach Draußen, sie hatte schnell eine ihrer Strickjacken übergeworfen, ihre leichten Fellhausschuhe versanken im Schnee. Zu ihrem immer noch auf dem Boden liegenden Freund gebeugt rief sie: „Gunnar, was ist los?“ Sie sah in die Runde. „Erst ist er ausgerutscht, dann nochmals hingefallen. Wir wissen auch nichts!“ Der Holländer und seine Frau sahen Marion an: „Wir müssen ihn warmhalten, wo sind die Decken?“ Aus dem Hoteleingang warf ihnen Christel, die Dame von der Rezeption, mehrere rote Decken, die sonst auf den Terrassenstühlen lagen, zu. Die junge Frau verschwand sofort wieder im Haus. Sie schrie Männernamen in die Hotelhalle. Einige Gäste, die ihren Morgenkaffee in der Lobby nahmen, drehten sich irritiert zur Eingangstür um. Männer zogen ihre Augenbrauen hoch, Frauen stellten ihre Tassen vorsichtig zurück auf den Tisch. Sepp Ehammer, der Wirt und Inhaber des Hotels, stürmte mit großen Schritten aus dem Haus. Mit wuchtigen Armbewegungen bahnte er sich einen Weg zu seinem Gast Gunnar Hansen, der immer noch reglos im Schnee lag. Noch im Laufen riss er sich seine dicke, handgearbeitete Strickjacke vom Körper: „Hier, die ist warm, deckt ihn zu.“ Dabei riss er die Decken von Gunnars Körper. „Louis, die Trage. Schnell!“ Sepp Ehammer sah nur kurz hoch. Mit beiden Händen grub er sich kniend unter den Körper des leblosen Mannes, drehte ihn auf die Seite, riss seinem Hausmann Louis die Trage aus der Hand, schob diese an den Verletzten heran, packte ihn an der Schulter, um ihn auf die Notfalltrage zu ziehen. „Rein ins Haus, legt ihn an den Kamin. Und ihr bleibt draußen, wer auf sein Zimmer will, bitte gehen Sie durch den Seiteneingang.“ Ohne zu zögern, drängte er die umher stehenden Gäste zurück. Schnell griff er sich eine große Hand voll Schnee, rannte hinter Marion, Louis und einem Gast, der die Trage mit dem Verletzten bereits durch die Eingangstür bugsierte, her. „Ruf den Pfister an, der soll den Florian mitbringen und die Rettung.“ Neben der Trage hockend hatte er seine Anweisungen in Richtung Rezeption gerufen. Mit dem Schnee in der rechten Hand massierte er vorsichtig das Gesicht des Ohnmächtigen. „Gunnar, hallo, aufwachen, alles wird gut. Gunnar!“ Plötzlich schüttelte der seinen Kopf: „Was ist denn? Mensch ist mir kalt.“ Er wischte sich mit einer Hand über die schneenassen Augen. „Bleib liegen, nicht bewegen.“ „Was willst du denn, lass mich hoch.“ Hansen stützte sich auf seinen linken Arm, sah seine langjährige Freundin verwundert an: „Was habt ihr denn, ich bin hingefallen, na und? Hilf mir hoch, Sepp.“ Er streckte dem Hotelier seine rechte Hand entgegen. Kaum bewegte er sein rechtes Bein, durchfuhr ihn ein solcher Schmerz, dass es ihn sofort wieder zurück auf die Trage warf. „Mein Bein, was ist das denn. Ich komme nicht hoch, Mensch.“ Er betastete seinen Oberschenkel. „Warte, bleib ruhig liegen, die Rettung kommt gleich, dann sehen wir weiter.“ „Mir ist heiß, nimm die Jacke und die Decken weg. Ich will hoch.“ Erneut versuchte der Hamburger Hauptkommissar, sich zu erheben. Vergeblich, mit verzerrtem Gesicht, unter lautem Stöhnen fiel er zurück auf die Trage. In der Universitätsklinik für Orthopädie in Innsbruck stellte der Diensthabende Oberarzt den Abriss des rechten Quadrizeps fest. „Wissen Sie, so etwas haben selbst wir selten gehabt. “ „Was denn Doc?“, unterbrach Gunnar Hansen den Arzt. „Ihr Oberschenkelstrecker, ihr Oberschenkelmuskel ist vom Knie abgerissen.“ Der Arzt hielt das Röntgenbild gegen das Licht. Marion und ihr Freund sahen sich an: „Und weiter, was bedeutet das?“ „Schnellstmöglich operieren und einige Monate im Rollstuhl!“ „Na, prost, das geht gar nicht! Wann kann ich wieder laufen?“ „In vier Monaten, wenn sie so fragen. Ohne Operation nie wieder!“ Das hatte gesessen. Mit geschlossenen Augen sank der sonst so starke Hauptkommissar in sein Kissen zurück. „Sie müssen sich schnellstmöglich entscheiden. Operation hier oder bei Ihnen in Hamburg. Denken Sie an die Fahrt! In Ihrem Zustand kein Vergnügen. Es tut mir leid, bessere Nachrichten habe ich nicht. Überlegen und besprechen Sie das bis abends. Ich schaue wieder nach Ihnen. Bitte bleiben Sie möglichst ruhig liegen.“ Der Arzt sah seinen Patienten nachdenklich an: „Nehmen Sie die Krücken, wenn Sie zur Toilette gehen. Das Bein auf keinen Fall belasten oder beugen.“ Der Arzt wandte sich an Marion: „Bitte begleiten Sie Ihren Mann, wenn er aufsteht. Auf keinen Fall darf er das Bein belasten.“ Bereits an...




