E-Book, Deutsch, 128 Seiten
Eichner Imperium ohne Rätsel
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-360-51031-0
Verlag: edition ost
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Was bereits die DDR-Aufklärung über die NSA wusste
E-Book, Deutsch, 128 Seiten
ISBN: 978-3-360-51031-0
Verlag: edition ost
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Klaus Eichner, Jahrgang 1939, war Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit von 1957 bis 1990. Zunächst in der Spionageabwehr tätig, war er in der Hauptverwaltung Aufklärung ab 1974 auf die Geheimdienste der USA spezialisiert.
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Was ist die »NSA«?
Die korrekte Bezeichnung lautet National Security Agency/ Central Security Service (NSA/CSS), umgangssprachlich NSA, es ist der zentrale Geheimdienst der USA für die fernmelde-/elektronische Aufklärung.
Die NSA wurde am 24. Oktober 1952 durch Präsidenten-Erlass (»Communications Intelligence Activities«) zunächst als Geheimdienst des Verteidigungsministeriums gebildet. Präzisierungen seiner Aufgaben erfolgten mittels mehrerer Direktiven des Nationalen Sicherheitsrates, des National Security Council (NSC), darunter jene vom 17. Februar 1972 für die elektronische Aufklärung Signals Intelligence (SIGINT), mit der die zweite Hauptrichtung des Einsatzes der NSA – die zentrale Verantwortung für die Sicherheit der Kommunikationslinien der Regierung durch die Errichtung des Central Security Service – festgelegt worden war.
Die NSA war in den ersten Jahrzehnten ihrer Existenz so geheim, dass Publizisten sarkastisch die Abkürzung NSA in »No Such Agency« (frei übersetzt: »Keine solche Behörde«) umdeuteten. Die Mitarbeiter selbst definierten das Kürzel NSA als »Never Say Anything« (»Sag nie irgendetwas«).
Der Direktor der NSA und Chef des CSS, Kürzel: DIRNSA/CHCSS, wurde dem Verteidigungsminister direkt unterstellt. In allen entscheidenden Fragen bestimmen die Organe des Nationalen Sicherheitsrates (NSC) und des Chefs aller US-Geheimdienste (Director of Central Intelligence, DCI) den Einsatz des Dienstes.
Das Hauptquartier der NSA befindet sich in Fort George Meade im US-Staat Maryland. Der Personalbestand wird mit rund 40.000 Mitarbeitern in der Zentrale und etwa 150.000 Mitarbeitern im weltweiten Einsatz angegeben; das Jahresbudget schätzen Experten auf rund zehn Milliarden US-Dollar.
Seit 2010 leitet der Direktor der NSA außerdem das Cyber Command der US-Streitkräfte, in welchem die elektronische Kriegführung des US-Militärs konzipiert und geleitet wird.
Für Zusammenfassung und Verarbeitung von Massendaten der US-Aufklärung wurde 2013 das Utah Data Center (im Original: Comprehensive National Cybersecurity Initiative Data Center) im Camp Williams bei Bluffdale im Utah eingeweiht. Geschätzte Baukosten: 1,7 Milliarden US-Dollar.
Die grundlegenden Aufgaben der NSA wurden in der zentralen Verwaltungsanordnung des Präsidenten der USA über die Intelligence Community (Executive Order 12333 vom 4. Dezember 1981) in 13 Punkten definiert. Darin aufgelistet sind die Zentralfunktion der NSA für einheitliche und effektive SIGINT-Aktivitäten, für Koordinierungsaufgaben, die Verantwortung für die Weiterleitung erarbeiteter Informationen an die Regierung und an andere Geheimdienste (etwa für die Aufgaben der Gegenspionage), für das Zusammenwirken der NSA mit militärischen Führungsstellen bei militärischen Handlungen, die Aufgaben bei der Sicherung der Kommunikationslinien der USA-Regierung und andere Verantwortlichkeiten. Die NSA-Zentrale unterhält ein Europakommando NCEUR (NSA/CSS European Representative Office) mit einem Stab im Europakommando der U.S.-Streitkräfte (USEUCOM) in Stuttgart-Vaihingen. Außenstellen des Europakommandos des NCEUR operierten bis zum Beginn der 90er Jahre in den Großstationen in Augsburg-Gablingen und in Westberlin.
Ein Schlüsseldokument der NSA: das für die elektronische Aufklärung Signals Intelligence (SIGINT), 1987 (Archiv Klaus Eichner)
Geheimdienst-Strukturen der Teilstreitkräfte
Bis Mitte der 70er Jahre war die Army Security Agency (ASA) als Teilstruktur des Geheimdienstes der Landstreitkräfte für die fernmelde-/elektronische Spionage im Auftrag des US-Heeres zuständig. Danach erfolgte eine umfassende Umstrukturierung und Modernisierung des militärischen Geheimdienstes der Landstreitkräfte. Die Komponenten für elektronische Aufklärung Signal Intelligence (SIGINT), Aufklärung mit menschlichen Quellen Human Intelligence (HUMINT) und der Spionageabwehr wurden in einem zentralen Dienst Intelligence and Security Command (INSCOM) zusammengefasst.
INSCOM übernahm die Verantwortung für die großen Field Stations weltweit, insbesondere für die U.S. Army Field Station Augsburg (FSA), genauer: in Gablingen bei Augsburg, die Station in Bad Aibling und die U.S. Army Field Station Berlin (FSB)3 auf dem Teufelsberg in Westberlin.
Der spezielle Geheimdienstzweig der amerikanischen Luftwaffe für die fernmelde-/elektronische Aufklärung trug lange Zeit die Bezeichnung Air Force Security Service (AFSS) und wurde später in Electronic Security Command (ESC) umbenannt. Auch das ESC unterhielt in der BRD ein Europakommando, es arbeitet unverändert auf dem Flughafen Ramstein. Die in Berlin-Marienfelde im Diedersdorfer Weg tätige Einheit des AFSS/ESC (690th Electronic Security Wing) war bis weit in die 90er Jahre aktiv. Heute ist das Objekt verschwunden. Hingegen spielten und spielen Einheiten der fernmelde-/elektronischen Aufklärung der US-Marine Naval Security Group (NSG) in Deutschland eine geringe Rolle.
Zum System der Geheimdienststrukturen der technischen Spionage der USA gehört ferner das Nationale Büro für die Entwicklung und den Betrieb von Aufklärungssatelliten National Reconnaissance Office (NRO). Die Institution entstand bei den gemeinsamen Versuchen der CIA und der US-Luftwaffe in den späten 50er Jahren, ein Spionagesatelliten-Programm zu entwickeln. Die offizielle Gründung erfolgte 1961. Erst 1992 jedoch räumte das Pentagon öffentlich ein, dass das NRO zum US-Verteidigungsministerium gehört. Über dreißig Jahre, also während des Kalten Krieges, wurde die Tatsache verschleiert. Warum wohl?
Beziehungen der Geheimdienste der USA und der BRD
Die Geheimdienste der USA und der BRD kooperieren seit Beginn ihrer Existenz. Der Bundesnachrichtendienst, aus der Organisation Gehlen hervorgegangen und diese wiederum aus der Spionageorganisation der faschistischen deutschen Wehrmacht Fremde Heere Ost, ist Hauptpartner der amerikanischen Nachrichtendienste auf dem Kontinent. Das war im Kalten Krieg so, als es gegen den alten-neuen Feind im Osten ging. Und das ist auch heute noch so.
Über Jahre waren aber auch spezielle Einheiten aller Teilstreitkräfte der Bundeswehr in dieses System der Zusammenarbeit eingebunden.
Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und bei Beginn des Kalten Krieges gegen die Sowjetunion liefen in den westlichen Besatzungszonen erste abgestimmte Maßnahmen der elektronischen Ausforschung der potentiellen Gegner an. Der amerikanische militärische Nachrichtendienst Counter Intelligence Corps (CIC) akquirierte 1946 Experten des Horchdienstes der faschistischen Wehrmacht. In Bad Vilbel ließen sich die Amerikaner beim Aufbau von Aufklärungsstationen vom einstigen Gegner beraten. Man kann sagen: Dieser machte nahezu bruchlos weiter, wo er im Vorjahr aufgehört hatte.
Im Jahre 1948 bekam im Zusammenhang mit der Berlin-Blockade diese Beziehung einen weiteren Schub. Die inzwischen von Alt-Nazis gebildete Organisation Gehlen installierte auf Schloss Kransberg im hessischen Hochtaunuskreis eine Station zur Erfassung der Sprechfunk-Verbindungen sowjetischer Truppen und lieferte die Roh-Informationen an US-General LeMay in Wiesbaden und US-General Hall in Westberlin. Diese Informationen bestärkten absichtsvoll Annahmen eines bevorstehenden Angriff sowjetischer Truppen, von dem insbesondere der US-Hochkommissar, General Lucius Clay, ausging.4
1950 erarbeitete der Ex-Wehrmachtgeneral Adolf Heusinger, zu jener Zeit Leiter der Auswertung der Organisation Gehlen, ein Dokument unter dem Titel »Gedanken über eine zukünftige deutsche Funkaufklärung«. Darin machte er deutlich, dass die Frontstellung des im Vorjahr gegründeten westdeutschen Separatstaates an seiner Ostgrenze sowohl eine intensive Nahaufklärung der militärischen Komponenten der Sowjetunion und ihrer Verbündeten als auch strategische Aufklärung tief im Hinterland des potentiellen Gegners ermöglichte. Daran war die Hauptmacht des Westens, die USA, besonders interessiert. Und für die Bundesrepublik war dies eine Art Morgengabe für die angestrebte Aufnahme in den 1949 gegründeten Nordatlantikpakt (NATO).
Die im Laufe der Jahrzehnte in der Bundesrepublik installierten Einrichtungen der Funkaufklärung und deren Ausspähergebnis wurden gemeinsam vom Bundesnachrichtendienst und den westlichen Partnerdiensten genutzt. Auch wenn nach Herstellung der staatlichen deutschen Einheit, dem Ende des östlichen Verteidigungspaktes, dem Warschauer Vertrag, und dem Rückzug der Nachfolgetruppen der Sowjetarmee aus Zentraleuropa einige Anlagen stillgelegt oder demontiert wurden, änderte sich deren Auftrag kaum.
Unter den SPD-geführten Regierungen von Willy Brandt und Helmut Schmidt in den 70er Jahren nahm die nationale und internationale Kooperation des BND auf dem Gebiet der elektronischen Aufklärung, insbesondere unter BND-Präsident Gerhard Wessel (1968 bis 1979), einen großen Aufschwung. Am 18. Oktober 1969 wurden »Richtlinien für die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Bundesnachrichtendienst auf dem Gebiet der Fernmeldeaufklärung und Elektronischen Aufklärung« (intern als ZUGVOGEL-Vereinbarung bezeichnet) in Kraft gesetzt. Nach diesen Richtlinien war der Präsident des BND im nationalen Maßstab für die Gesamtplanung, die Aufgabenverteilung und die Koordinierung der fernmelde-/elektronischen Aufklärung zuständig. Damit hielt der BND alle...




