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E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Ems Schattenseite

Tage der Wahrheit
19002. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8437-2211-7
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Tage der Wahrheit

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

ISBN: 978-3-8437-2211-7
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das neue Buch von SPIEGEL-Bestsellerautor Jonas Ems Corvin, Nola und Seymon stehen kurz vor ihren Abiturprüfungen. Die drei führen ein gewöhnliches Teenagerleben - bis sie und alle ihre Mitschüler eine E-Mail erhalten, in der auf eine Internetseite namens Profil X hingewiesen wird. Diese Website lüftet nach und nach intimste Geheimnisse der Jugendlichen. Alle Versuche, die Seite vom Netz zu nehmen, scheitern. Wer steckt hinter der Seite? Wie können die drei Freunde diesen Wahnsinn stoppen? Und was hat das mit dem Tod von Louis zu tun? Cybermobbing und Hackerangriffe sind besonders für Jugendliche eine zunehmende Bedrohung. Jonas Ems webt diese hochaktuellen Themen ein in eine spannende Kriminalhandlung.

Jonas Ems, 1996 geboren, lebt in Berlin und ist seit 2011 YouTuber. Und er ist ein Multitalent. Auf seinem YouTube-Kanal begeistert er 2,5 Millionen Abonnenten und gehört damit zu den größten deutschen YouTubern. Seine Bücher Peinlich für die Welt und Die andere Verbindung erklommen jeweils die SPIEGEL-Bestsellerliste. Ems ist zudem Schauspieler, schreibt Drehbücher für Kurzfilme und hat im September 2018 im Kinofilm Das schönste Mädchen der Welt mitgespielt.
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Kapitel 3 | Corvin


Bei den Nachbarn

Er ging durch die Straßen von Los Santos, einer Metropole Südkaliforniens, und schoss wie wild auf irgendwelche Passanten. Eigentlich sollte er nur den Drogendealer aufhalten. Aber seine Munition war noch nicht aufgebraucht, also warum sollte er sich diesen Spaß entgehen lassen? Die Polizei musste bereits alarmiert sein, in der Ferne waren Sirenen und ein Helikopter zu hören.

»Wie werde ich die Cops los?«, fragte er.

»Habe ich dir doch gesagt«, antwortete ein zweiter.

»Ich hab’s vergessen, tut mir leid«, entgegnete er wieder.

»Okay, dann zeig ich’s dir ein letztes Mal.« Der andere fackelte nicht lang, und wenige Sekunden später waren die Straßen ruhig – die Passanten beruhigten sich wieder, die Sirenen waren stumm und der Helikopter schien wieder abgezogen zu sein. Also konnte er seine Mission beenden.

»Tommy!« Seine Mutter hatte lautlos die Tür seines Kinderzimmers geöffnet. Wer weiß, wie lange sie die beiden schon beobachtete.

»Ich habe dir doch gesagt, dass du das nicht mehr spielen sollst!«

Tommy wollte antworten, während er parallel mit einer Tastenkombination das PC-Spiel beendete, doch seine Mutter ließ ihm keine Zeit.

»Und Corvin – ich bezahle dir doch nicht zehn Euro die Stunde, damit du Tommy beim Zocken zusiehst!«

Corvin gab nur undeutliches Stottern von sich. Er hasste solche Situationen. Wie vermutlich jeder Mensch.

»Mama, er hat mir mega die krassen Cheats gezeigt. Jetzt komme ich endlich bei der Mission weiter und …«

»Du sollst das aber doch gar nicht mehr spielen, dieses, dieses …«, Frau Albers suchte die richtigen Worte, »dieses gewaltverherrlichende Zeugs. Corvin, entweder du hilfst Tommy wie abgesprochen bei Mathe oder du gehst wieder rüber.«

Corvin bereute es, Tommy von seiner Leidenschaft für PC-Games erzählt zu haben. Klar, Tommy war fünf Jahre jünger als er, aber in seinem Alter hatte er auch schon solche Spiele gespielt. Zusammen mit Linus.

Eigentlich war Corvin gerade bei Tommy, um ihm den Dreisatz näherzubringen, an dem sich Tommy schon seit über einem Schuljahr schwertat und der ihm Fünfen auf dem Zeugnis einbrachte.

Corvin dagegen war ein echtes Genie in naturwissenschaftlichen Fächern – vor allem in Mathematik. Für ihn gab es nichts Selbstverständlicheres als die Logik und Regelmäßigkeiten der Zahlen. Und da Corvin der direkte Nachbar von Tommy war und gleichzeitig ein Klassenkamerad von Tommys großer Schwester Sophia, lag für Frau Albers, Tommys Mutter, nichts näher, als Corvin für Nachhilfe zu engagieren.

Jetzt schien sie es zu bereuen.

»Jungs, haben wir uns verstanden?« Tommy und Corvin nickten brav. Wie zwei Freunde aus dem Kindergarten, die aufhören sollen, Bauklotzkrieg zu führen.

»Dann gehe ich mal wieder runter. Und wehe, ich höre irgendwelche Pistolen knallen.« Damit verließ sie den Raum und stapfte hörbar die Treppen hinunter.

»Ich benutze ’ne SMG oder Heavy Sniper, aber doch keine Pistole«, witzelte Tommy, der ansonsten nicht gerade den Anschein erweckte, sich auf die Nachhilfestunde zu freuen.

»Wir bekommen das schon hin. Hast du deiner Lehrerin wie besprochen deine Hausaufgaben mitgegeben?«

Tommy zuckte nur mit den Schultern. »Na ja, was soll das bringen. Ich check es eh nicht.«

»Deswegen bin ich ja hier.«

In diesem Moment klopfte es erneut an der Tür.

»Wir lernen Mathe, Mama!« Tommy schrie in einer Lautstärke, dass es das ganze Haus hatte hören müssen. Inklusive der Nachbarn … Das hatte Corvin schon frustrierend oft feststellen müssen. Sein Zimmer lag direkt neben Tommys Zimmer, getrennt durch eine offenbar nicht ausreichend dicke Hauswand.

Entgegen Tommys Erwartung betrat jedoch nicht seine Mutter den Raum, sondern Sophia.

»Hey Corvin, alles gut?«

Sophia war eine der wenigen Menschen an Corvins Schule, die ihn nicht vollkommen ignorierten. Allerdings war sich Corvin nicht sicher, ob das nicht eine dieser unausgesprochenen Regeln war … den Nachbarsjungen gut zu behandeln. Wobei Corvin damit gar kein großes Problem hätte. Ihm war es lieber, von den meisten ignoriert zu werden, als im Mittelpunkt zu stehen. Denn bisher war das für ihn nie glücklich gelaufen.

Als sein bester Freund Linus im letzten Herbst verstorben war, stand Corvin für einige Tage im Mittelpunkt. Er wurde gefragt, wie es ihm jetzt ging. Ob er damit klarkäme, wenn er »keinen Kollegen zum Zocken«, »keinen Boyfriend«, »keinen Nerd-Zwilling für Schwanzpartys« mehr hätte. Danach wurde er wieder herumgeschubst, und es wurden Posts über ihn verfasst.

Und danach wurde er endlich wieder in Ruhe gelassen, endlich wieder komplett ignoriert, als wäre nichts gewesen.

Corvin wusste selber nicht, wie es dazu gekommen war.

Er hatte nie das Gefühl, zum Außenseiter zu werden. Bis er es dann eines Tages einfach war.

Ob es daran lag, dass er sich nicht für Sport begeistern konnte und nie mit den anderen Fußball spielte? Oder ob es an seinen wuscheligen, braunen Haaren lag, die nicht mit einem zwei Millimeter kurzen Undercut ausgestattet oder zur Seite gestylt waren?

Oder ob es vielleicht seine Liebe zum Programmieren und Zocken war, die andere störte? Oder seine Asthmaanfälle, seine unmodische Kleidung, seine Angst vor Kontrollverlust bei Alkoholkonsum, seine vielen Pickel oder doch das rote Gesicht, das er immer bekam, wenn er Vorträge vor der ganzen Klasse hielt?

Corvin konnte nicht genau benennen, woran es lag. Und trotzdem wusste er, dass die anderen ein gewaltiges Problem mit ihm hatten.

»Corvin?«

Erschrocken fuhr er hoch.

»Sorry, ich wollte eigentlich nur Hallo sagen.« Sie ging auf ihn zu, und er streckte ihr unsicher seine Hand entgegen.

»Ähm, guten Tag«, stotterte er.

»Sag mal, bist du in meine Schwester verknallt oder warum bist du so rot?«

, dachte sich Corvin, stotterte aber wieder nur rum.

»Er ist rot, weil er nicht fassen kann, wie schlecht du in Mathe bist.«

Jetzt war Tommy beleidigt.

»Warum gibst ihm eigentlich keine Nachhilfe?« Endlich hatte Corvin etwas Sinnvolles gesagt. Beruhigt spürte er, wie das überflüssige Blut langsam wieder aus seinem Kopf sackte.

»Tja … Ich denke, ich habe einfach keinen Bock.« Sie zupfte ihren BH durch ihr T-Shirt zurecht. Corvin fand Sophia ziemlich attraktiv. Die meisten würden vermutlich über ihn denken, dass er jedes Mädchen attraktiv finden müsste. So wie er aussah. »Nerds wie er würden alles nehmen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.« So hatte sein Mitschüler Seymon ihn letzten Sommer ihrer neuen Mitschülerin vorgestellt. Corvin hatte in der Situation gelacht. Gelacht, weil er mitlachen wollte. Weil er deutlich machen wollte, dass er das auch witzig fand. Dass er dazugehörte. Es verkraften konnte. Aber dem war nicht so. Eigentlich hasste er es. Er hasste seine Mitschüler. Und er hasste die Art, wie sie mit ihm umgingen.

Corvin fand ganz und gar nicht jedes Mädchen attraktiv. Er würde auch nicht von einem Beuteschema reden. Aber es gab doch einen ganz bestimmten Typ Mädchen, den er anziehend fand.

Sophia zum Beispiel. Sie war etwa so groß wie er, hatte lange Beine und einen mächtigen Brustumfang. Auf ihren Armen und Händen waren immer bunte Muster skizziert, die, so wie es Corvin schon öfter beobachtet hatte, in langweiligen Unterrichtsstunden entstanden. Sie trug seit etwa einem Jahr eine Zahnspange, die sie ein gutes Stück jünger wirken ließ. Dazu ein freches Grinsen, niedliche Ohren, die zwischen ihren langen, braun gelockten Haaren hervorlugten, zwei kugelrunde Teddyaugen und kleine Grübchen auf den Wangen.

Manchmal trug sie Wimperntusche oder Lidschatten. Und Lippenstift, aber eher selten. Für ihn brauchte sie das aber alles nicht – ihr Gesicht war natürlich am schönsten.

»O-kay.«

Wieder wurde Corvin aus seinen Tagträumereien gerissen.

»Ich denke, ich gehe dann mal«, sagte sie. Ein Winken, dann war sie auch schon aus dem Raum verschwunden.

»Du bist doch sicher in sie verliebt, nicht wahr?« Tommy und sein freches Mundwerk.

»Kommen wir zum Dreisatz.«

Zwei bescheidene Stunden später hatte es Tommy gecheckt. Nicht so gecheckt, dass er damit Einsen schreiben würde, aber immerhin bekam er nun keine Schweißausbrüche mehr, wenn er berechnen musste, wie viele Kekse Max Mustermann in einer Stunde essen konnte, wenn er in einer Minute genau zwei Keks verzehrte.

Klar, Max würde um einen Krankenhausbesuch nicht herumkommen, aber Tommy könnte wenigstens sagen, wie viele Kekse nun aus Max’ Bauch herausoperiert werden müssten.

»Hat Spaß gemacht! Wenn’s mal wieder was gibt, sag Bescheid.« Corvin packte seinen Block und seinen Kugelschreiber wieder ein. Irgendein...


Ems, Jonas
Jonas Ems, 1996 geboren, lebt in Berlin und ist seit 2011 YouTuber. Und er ist ein Multitalent. Auf seinem YouTube-Kanal begeistert er 2,5 Millionen Abonnenten und gehört damit zu den größten deutschen YouTubern. Seine Bücher „Peinlich für die Welt“ und „Die andere Verbindung“ erklommen jeweils die SPIEGEL-Bestsellerliste. Ems ist zudem Schauspieler, schreibt Drehbücher für Kurzfilme und hat im September 2018 im Kinofilm "Das schönste Mädchen der Welt" mitgespielt.



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