Endres | Bis an die Grenze | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 516 Seiten

Endres Bis an die Grenze

Pater Servatius: Mönch - Missionar - Märtyrer
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-3168-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Pater Servatius: Mönch - Missionar - Märtyrer

E-Book, Deutsch, 516 Seiten

ISBN: 978-3-7597-3168-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Bis an die Grenze: Die Lebensgeschichte des Pater Servatius Entdecken Sie die packende Lebensgeschichte von Pater Servatius (Otto Ludwig), dessen außergewöhnliches Leben ihn von einem kleinen saarländischen Dorf bis in die Unruhen Chinas führt. Von dieser Zeit, in der sich das 20. Jahrhundert inmitten von Industrialisierung, politischen Umwälzungen und zwei Weltkriegen entfaltet, erzählt dieses Buch aus der Perspektive der Familie Ludwig und ihres Umfelds. Im Mittelpunkt steht ein Mann, der, getrieben von seiner tiefen religiösen Überzeugung und dem Ruf der weiten Welt, sein Leben in den Dienst der Missionsbenediktiner stellt. Während der Geburt von Otto liest sein Vater in der Zeitung von den politischen Unruhen in China und fragt lapidar: "Was hat das mit uns zu tun?" Drei Jahrzehnte später erlebt Servatius im "Land seiner Sehnsucht" die historischen Umbrüche Chinas, nach der Abdankung des letzten Kaisers und der Gründung der Republik. Doch "Bis an die Grenze" ist mehr als nur die Biografie eines Mannes; es ist eine Erkundung der Grenzen zwischen Kulturen, Religionen, sozialen Schichten und den persönlichen Herausforderungen, die diese Grenzen mit sich bringen und ihn letztlich das Leben kosten. Auf der Grundlage von über zehn Jahren akribischer Forschung, untermauert durch private Briefe, Tagebücher, Klosterarchive und Gespräche mit den letzten Zeitzeugen, bietet dieses Buch nicht nur fundierte historische Einblicke, sondern vermag es auch, den Leser auf eine Reise mitzunehmen - bis an die Grenze.

Paul Endres, geboren 1939, ist ein erfahrener Dolmetscher, Übersetzer und Sprachlehrer. Als Rentner widmet er sich mit großem Engagement der Kultur und Weiterbildung. Seit 1980 leitet er die katholische Erwachsenenbildung in Bous, wo er u.a. Programme zu den Themen Gebärdensprache, Schreibwerkstatt, Rollenwechsel, Kirche im Kino und Literaturcafé organisiert. Sein aktuelles Buch entstand neben diesen vielfältigen Aufgaben und ist das Resultat umfangreicher Recherchen, zahlreicher Gespräche und intensiver Schreibarbeit, die fast zehn Jahre in Anspruch nahmen. So spiegelt das Werk neben der Lebensgeschichte von Pater Servatius auch die Persönlichkeit des Autors wider: eine große Liebe zum Detail, fundiertes Wissen, ein hoher Anspruch an die sprachliche Qualität und ganz viel Herzblut. Paul Endres lebt mit seiner Frau Maria, Nichte von Pater Servatius, in Bous im Saarland.

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1. TEIL
Die Heimat
Familie, Kindheit und Jugend in Bous. Der erste Weltkrieg und die Folgen. Lena im Kloster. Schulzeit bis zum Abitur in Saarlouis. Das metallische Quietschen von Eisenbahnbremsen ist wohl nicht gerade Musik in seinen Ohren, trotzdem ein sehr vertrautes Geräusch. Mit einem Ruck hält der Zug. "Bous. Hier Bous", ertönt die Stimme des Fahrdienstleiters. Peter Ludwig drückt die Abteiltür auf und springt auf den Bahnsteig. Er schaut sich um. Sein Blick fällt auf die Großbaustelle direkt neben dem Bahnkörper. Hier also entsteht das neue Röhrenwerk von Mannesmann. Davon hat er schon viel gehört. Versonnen blickt er dem abdampfenden Zug nach. Weit hinten erkennt er das Stellwerk. Das ist also ab morgen sein neuer Wirkungsbereich als Weichensteller. Vor fünf Jahren ist er schon einmal hier durchgefahren, zum Militärdienst in der Garnison in Metz einberufen, als Muss-Preuße. Lieber wäre er allerdings zu den Bayern gegangen, denn bei denen ging es gemütlicher zu. Eigentlich fühlt er sich keiner der beiden Seiten zugehörig. Seine Heimat ist das Birkenfelder Ländchen, die Enklave an der Nahe, die zum Fürstentum Oldenburg gehört. Das Gastspiel in der Kaserne war erfreulicherweise nur von kurzer Dauer. Nach gerade mal einem Jahr Dienstzeit verletzte er sich eine Hand und wurde als "Militär-Invalide" entlassen. "Geh doch zur Bahn", riet ihm ein Nachbar daheim in Eiweiler. "Da werden immer noch gute Leute gesucht. Den elterlichen Betrieb kannst du als Nachgeborener ohnehin nicht übernehmen. Und irgendwo einheiraten? Sieh dich doch mal um!" Einen Beruf außerhalb der Landwirtschaft suchen? Nun ja, es bleibt schließlich keine andere Wahl. Und wenn die Eisenbahn für die fertigen wie auch für die neuen Strecken Arbeitskräfte braucht, warum also nicht mal dort das Glück versuchen. Die Bezahlung ist nicht gerade üppig, aber es ist ein sicheres Auskommen. Also schrieb er an einem ruhigen Sonntagmittag vor Weihnachten 1883 ein erstes Gesuch an die Eisenbahn-Direktion in Saarbrücken und erhielt noch vor Jahresende die mit Spannung erwartete Antwort: einen Fragebogen. Obwohl er ihn sofort ausfüllte und zurückschickte, wurde seine Geduld auf eine harte Probe gestellt, denn in Saarbrücken ließ man sich viel Zeit. "Heute ist auch nichts dabei", sagte ihm der Briefträger schon von weitem, wenn er ihm begegnete. So ging das ein halbes Jahr lang. Dann setzte Peter einen Brief auf und erinnerte an sein Gesuch. Diesmal bekam er sofort eine Antwort, die ihm nur ein verständnisloses Kopfschütteln abnötigen konnte: "Bevor wir Ihrem Gesuch vom 10. d. Mts. um Anstellung im diesseitigen Verwaltungsbezirke näher treten…" Ob die auch so reden wie sie schreiben? Das Königliche Eisenbahn-Betriebsamt schickte ihn zunächst zum Bahnarzt und forderte ihn auf, "uns demnächst den mit 1 bezeichneten Fragebogen wieder einzusenden, da wir die bei Ihrer ersten Bewerbung in Rücksicht auf die inzwischen verflossene Zeit als gültig nicht mehr anzuerkennen vermögen." Nun gut, am ersten September 1884 durfte er dann doch seinen Dienst "als Beamter in der Stelle eines Bahnwärter-Diätars für 55 Mark im Monat in St. Wendel" antreten. Im Frühjahr eröffnete man ihm dann: "Wir sind mit Ihrer Leistung zufrieden und können die Probezeit beenden". In dem amtlichen Schreiben war zu lesen: "Sie werden zum 1. April 1885 zur Station Völklingen versetzt und zum etatsmäßigen Weichensteller ernannt mit einem Jahresgehalt von 810 Mark und ist die Königliche Eisenbahn-Betriebs-Kasse hierselbst (Saarbrücken) zur Zahlung dieser Competenzen in vierteljährlichen Raten im Voraus mit Anweisung versehen." Die Arbeit in Völklingen gefiel ihm schon, was ihm aber fehlte, war die Natur. Er konnte einfach nicht in der Stadt leben. Deshalb reichte er schon nach zwei Monaten ein Gesuch um Versetzung nach Bous ein. Trotz seiner ländlichen, landwirtschaftlichen Struktur war Bous ein Eisenbahnknotenpunkt, der an Bedeutung zunahm. So wurde sein Antrag bewilligt und er zum 1. Juni 1886 nach Bous versetzt. Da ist er nun angekommen. Ein Quartier hat er auch schon gefunden. In "Stuffels Haus" hat er ein Zimmer gemietet. „Ja, wir sind froh für jeden Mieter, den wir bekommen“, gestand die Vermieterin. „Vor sechs Jahren ist unser Haus abgebrannt und der Wiederaufbau war sehr teuer. Wir haben das Dach jetzt auch mit Ziegeln gedeckt. Die brennen nicht so leicht wie das Stroh. Ja, und essen können Sie gerade gegenüber im Gasthaus Meyer.“ Mit der gleichen Herzlichkeit, mit der ihn vorgestern noch seine Kollegen in Völklingen verabschiedeten, begrüßen ihn nun seine neuen Kameraden auf dem Stellwerk in Bous. Einer nach dem andern schüttelt ihm kräftig die Hand. "Willkommen bei uns." Ein fester Druck schwieliger Hände, die gewöhnt sind, zuzupacken. Er war in den Kreis zuverlässiger Kameraden aufgenommen, dessen ist er sich sicher. "Wir können eine Verstärkung unserer Truppe hier gut gebrauchen." Jakob heißt er und ist vermutlich der Leiter des Stellwerks. Nicht wenig stolz schildert er dem Neuen die wachsende Bedeutung des Eisenbahn-Knotenpunktes. "Bous war vor dreißig Jahren noch ein völlig unbedeutendes Bauerndorf mit nicht einmal tausend Einwohnern. Jetzt sind es schon über zweitausend. Und wenn das Röhrenwerk von Mannesmann da drüben" – er machte eine Handbewegung zu der Großbaustelle neben dem Bahngleis – "erst einmal in Betrieb ist, wird sich auch der Charakter des Dorfes wandeln. Im Frühjahr bekommt das Werk auch einen eigenen Gleisanschluss. 1859 fuhr hier der erste Zug durch, von Saarbrücken bis Merzig, jetzt geht es schon bis Trier und weiter. Röhrenwerk (1914) Damit haben wir Anschluss an das deutsche Schienennetz. Und auf der anderen Saarseite fahren seit 1880 die Züge von hier aus über Wadgassen und Teterchen bis nach Metz.“ "Ja, diese Strecke habe ich schon erlebt", denkt Peter, "damals als Wehrpflichtiger auf dem Weg in die Garnison Metz." Er schaut sich aufmerksam um. Das Sonnenlicht bahnt sich einen Weg auf die langen Hebel, mit denen von hier drinnen aus die Weichen verstellt werden. Früher mussten draußen die vielen Weichen von Hand bedient werden. Bei jedem Wetter. Diese neue Technik ist ihm von Völklingen her vertraut. Auch die übrigen Arbeitsabläufe im Stellwerk kennt er gründlich. Er braucht nicht umzulernen. Die Fahrpläne kann er sich leicht einprägen, zudem hängen sie ja vor ihm an der Wand. In einer abgeschlossenen Schublade liegt auch der versiegelte Umschlag, der in keinem Stellwerk fehlt. Er ist zu öffnen, wenn eine allgemeine Mobilmachung ausgerufen wird und enthält ganz klare Anweisungen. Die bestehenden Fahrpläne werden in diesem Augenblick außer Kraft gesetzt und neue treten an ihre Stelle. "Hoffentlich brauche ich den nie zu öffnen", geht es Peter durch den Sinn. Seine Hemden kauft Peter bei Meyers Lenchen. Sie wohnt in der Gräth gegenüber von "Stuffels" und betreibt mit ihrem Mann, einem Schneider, ein Konfektionsgeschäft. Ihr gefallen das "feine" Benehmen und das Hochdeutsch des neuen Nachbarn. Von ihr erfährt er auch etwas mehr über die Landwirtschaft zwei Häuser oberhalb. Von den drei Söhnen dort waren zwei im Kindesalter gestorben und der dritte, Anton, ist erst 13 Jahre alt. Also müssen auch die Mädchen beim Füttern oder Anspannen helfen. Genovefa ist 24 Jahre alt, Angela 21 und Barbara 18. Angela, allgemein Engel genannt, kann mit den Pferden umgehen. Die Art, wie sie mit den Tieren spricht, freundlich aber bestimmt, das war ihm aufgefallen und weckte seine Neugier. Auch Engel scheint den neuen Mieter in der Nachbarschaft bemerkt zu haben. "Er arbeitet bei der Bahn", vertraut Frau Meyer ihr an, bei der sich ja auch schon Peter nach Engel erkundigt hatte. Es dauert auch nicht lange, bis ihm der Zufall zu Hilfe kommt. Peter kontrolliert gerade eine schwergängige Weiche neben dem Bahnübergang, als Engel mit ihres Vaters Füchsen auf dem Weg in die Saarwiesen hier die Eisenbahngleise überquert. Es ist ihm schon aufgefallen, dass nur immer sie und nie eine ihrer Schwestern diesen Weg nimmt. Ob das auch nur Zufall ist? Peter fasst sich ein Herz: "Prächtige Pferde. Es muss doch auch Freude machen, mit denen zu arbeiten." "Was versteht denn ein Eisenbahner schon von Pferden?“, wirft sie ihm über die Schulter zu. "Eine Menge, wenn er selber aus einer Bauernfamilie kommt und mit Leib und Seele Bauer ist." Sie horcht auf. "Oh, wir könnten gelegentlich Hilfe gut gebrauchen." Damit ist das Eis gebrochen. Und Engel ist klug genug, seine Zuneigung zu erkennen. Auch Engels Vater ist der Helfer willkommen. In den wenigen freien Stunden hilft "der Ludwig", wie ihn alle nennen, nun bei "Haases" aus, wo es immer genug Bauernarbeit gibt. Haases, das ist der Hausname, denn eigentlich heißen sie Fery. "Die Engel muss mal meine Frau werden", sagte er zu seinen Kollegen, als er ihr und ihren Pferden wieder mal die Schranken...



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