Erdmann | Let’s Jump | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten

Reihe: Let’s Move

Erdmann Let’s Jump

Über alle Hindernisse
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-86327-074-2
Verlag: BlueCat Publishing GbR
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Über alle Hindernisse

E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten

Reihe: Let’s Move

ISBN: 978-3-86327-074-2
Verlag: BlueCat Publishing GbR
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eigentlich hatte die 15-Jährige Lu sich ihre Sommerferien anders vorgestellt, doch um die Deutsch-Nachprüfung zu bestehen, muss sie ein Buch lesen. Viel lieber würde sie für das große Street-Sport-Festival ihre Parkour-Skills trainieren, aber an dem darf sie nur teilnehmen, wenn sie in die 10. Klasse versetzt wird - so lautet die Bedingung ihrer Eltern. Dafür engagieren die sogar extra den zwei Jahre älteren Streber Sam als Nachhilfelehrer. Doch Lu hat ein Geheimnis, von dem nicht einmal ihr bester Freund Matteo weiß: Sie kann nicht richtig lesen. Die Challenge, Sam loszuwerden, bevor er hinter ihr Geheimnis kommt, scheitert an seiner stoischen Ruhe. Schlimmer: Er ist ein Parkour-Läufer aus dem verhassten Konkurrenzteam und mag es, Lu immer wieder herauszufordern. Im Lesen und beim Sport. Als Sam zur Überraschung aller für einen verletzten Teamkollegen beim Festival einspringen soll, ist Lus Gefühlsleben längst aus dem Gleichgewicht geraten.

Sandra-Maria Erdmann, geboren 1980, lebt mit ihrem Mann und drei Teens in Iserlohn. Sie schreibt seit 2010 Geschichten, arbeitet freiberuflich mit Kindern und Jugendlichen im künstlerischen Bereich, spielt Bass-Gitarre und liebt das Reisen, besonders an die bretonische Küste. Nach ''Let's Surf - Mein Sommer in Orange' erscheint mit 'Let's Jump - Über alle Hindernisse' der zweite Teil ihrer sportlichen Jugendbuchreihe.
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Zielgruppe


Mädchen, sportlich interessierte Leser, Menschen, die unter funktionalem Analphabetismus oder anderen Lernschwächen leiden. Teenager mit Interessen an Themen wie Erster Liebe, Selbstfindung, schulische Herausforderungen.


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Feinde wie wir


Später sprinten Matteo und ich die letzten Meter bis zur Bushaltestelle und schaffen es gerade noch in den 358er zu springen. Schnaufend durchqueren wir den überhitzten Bus. Die hinterste Sitzreihe ist frei, als hätte sie auf uns gewartet. Als wir losfahren, sehe ich zwei Jugendliche aus der Einfahrt neben der Bushaltestelle kommen und halte kurz den Atem an. Einer davon trägt Mütze im Sommer. Schlagartig beschleunigt sich mein Puls. Das wäre ein ziemlich seltsamer Zufall, wenn der Typ von vorhin jetzt dort aus der Einfahrt kommen würde. Oder? Hastig werfe ich einen Blick zurück, aber die Jungs sind weg. Erleichtert lehne ich mich an Matteo. Also nur eine Fata Morgana resultierend aus Hitze und Nachprüfungsstress. Ich knubbele meine dicken Haare auf dem Kopf zusammen. Schweißtropfen rinnen kribbelig am Nacken hinunter und werden zwischen den Schulterblättern von meinem Top aufgesaugt.

Plötzlich springt Matteo vom Sitz hoch und schreit: »Er hat mich wieder verlinkt!«

Eine Frau mit knallroten Haaren drei Reihen vor uns dreht sich um. Ich ziehe ihn zurück auf den Sitz. »Wer hat was getan?«

»Hier!« Matteo hält mir das Handy entgegen.

Es zeigt South-City-Juri mit rausgestreckter Zunge beide Mittelfinger in die Kamera haltend. Die Sonne lässt seine strohblonden Haare noch heller erscheinen. Sein Sommersprossengesicht wirkt nicht mal unattraktiv. Aber er ist ein Babaca, weil er Matteo einfach nicht in Ruhe lässt. Seit dem Aufeinandertreffen mit den South-City-Traceurs letzten Herbst auf der Parkouranlage Zollverein stehen die beiden in einer Art YouNet-Battle, um das letzte Wort. Und jeder weiß, wie schön Matteo sich aufregen kann. Doch seit wir für das Street-Sport-Festival auserwählt worden sind, vergeht kaum eine Woche, in der er Matteo nicht per Fotobotschaft einen Kinnhaken verpasst. Matteo springt natürlich darauf an. Kinderkram.

»Ich kenne die Stelle«, sage ich. »Der war an der Uni.«

»Was? Zeig her!« Matteo zieht das Bild größer. »Du hast voll recht. Die kleine helle Ecke ist das Audimax. Was hat der hier zu suchen? Gibt’s in Essen keine krassen Spots? Ich meine … weißt du, was ich meine?«

»Ich verstehe nicht, warum du ihn nicht einfach blockierst«, sage ich. Mit beiden Händen fächere mir Luft zu, doch sobald ich stoppe, setzen die Schweißtropfen ihren Weg fort.

»Hab‘ ich schon versucht«, entgegnet Matteo. »Später habe ich dann über drei Ecken erfahren, dass er hinter meinem Rücken darüber lästert.«

»Ignorieren. Reden lassen oder zum Gegenschlag ausholen«, fällt mir spontan dazu ein.

Matteo springt von Sitz hoch und ballt die Fäuste. »Ich will einfach, dass er damit aufhört!«

Ich ziehe ihn zurück auf den Platz neben mich. »Hast du ihm das schon mal deutlich gesagt?«

»Natürlich! Ständig.«

»Auch deutlich genug?«

Matteo tippt mir gegen die Stirn. »Spinnst du jetzt völlig? Der Typ ist ein absoluter Freak … ein Psychopath … «

»Vielleicht verlinkt er dich in seinen Beiträgen, weil er dein größter Fan ist«, sage ich schulterzuckend.

Matteo lacht auf. »Ja nee, is‘ klar. Von Fans kriegst du Teddybären oder Telefonnummern, aber keine verlinkten Mittelfinger oder miese Kommentare unter deinen Bildern.«

Ich zwinkre Matteo zu. »Möglicherweise ist er ja auch verknallt und traut sich nicht, es dir zu sagen.« Möglich ist alles. Dank meines harten Überlebenstrainings hat er sich aus seiner schüchternen Schale gekämpft und wird nun von allen umschwärmt.

»Dein Ernst? Ich steh nicht auf Blondinen!«

»Vorurteile«, sage ich und muss mir das Lachen verkneifen. »Juri ist zeitweise echt kreativ.«

»Was bitte ist an ›Wachs-mal-Stift‹ kreativ?«

»›Entlaufener Zwerg aus dem Schneewitzchenwald‹ fand ich auch originell.«

»Das nervt tierisch! Ich hasse es, wenn sich Leute über meine Größe lustig machen.«

»Dabei bist du auf das Beste reduziert, wie meine Mutter immer sagt.« Ich hake mich bei ihm unter, lege den Kopf an seine Schulter. Wenn Matteo eins hasst, dann, dass er zu langsam wächst. Aber noch mehr als das hasst er, dass Juri es unter jedem zweiten Bild im Netz erwähnen muss. »Du bist der tollste, wunderbarste und stärkste Mensch, den ich kenne. Wieso lässt du dich von einem Hater so runterziehen? Das hast du gar nicht nötig. For real.« Ich halte Matteo eine Faust entgegen, die er abschlägt. Sein Zahnlückenlächeln wirkt trotzdem zerknirscht.

Als der Bus 20 Minuten später hält, stürmen wir los, vorbei an Plattenhäusern und über den Grünstreifen. Mit einem zielgenauen Sprung lande ich auf dem hüfthohen Metallzaun, der die Straße vom Grünstreifen trennt. Die Vibration lässt mich kurz schwanken. Ich visiere einen Punkt hinter der Motorhaube eines Corsas an. Eine Fußbreite von der Mittellinie entfernt. Körper anspannen. Blick auf die Stelle, auf der ich landen will. Dann reiße ich die Arme in die Luft, setze zum Sprung an und lande … genau auf der weißen Linie. Na ja, knapp verschätzt. Zwei Schritte später erreiche ich einen der Betonpoller vor der Kita. Sie haben genau den richtigen Abstand, um mit weiten Ausfallschritten darüber zu fliegen. Ich springe auf die rot-weiße Absperrung … ah Mist … ich kann mich nicht halten. In großer Höhe hätte das mein Aus bedeuten können. Irgendwie bin ich nicht in Form heute. Es ist zu viel passiert. Schnell drehe ich mich zu Matteo um.

Er steht auf dem hüfthohen Zaun und schüttelt den Kopf. »Zehn Liegestütze, weil du abgestürzt bist«, ruft er. Dabei grinst er so frech wie immer und landet nach einem Vorwärtssalto direkt zwischen zwei parkenden Autos.

»War ein Versehen«, sage ich. Mit Anlauf greife ich nach dem Laternenmast, schwinge mich auf den Fußweg Richtung Kessingplatz. Matteo folgt mir, balanciert über die niedrige Mauer entlang des Kindergartenzauns.

Der Kessingplatz – oder Kessel, wie wir ihn nennen – ist ein grauer Innenhof. Die verwitterten grauen Terrassenhäuser auf der einen Seite werden von den Studentenwohnheimen ringsherum sogar noch überragt. Die Sonne muss ziemlich hoch wandern, um im Kessel das Licht anzuknipsen. Aber wir lieben die Betonlandschaft. Die verwandelt sich unter den Füßen nicht so schnell in Wackelpudding.

Auf der einzigen Rutsche in diesem grauen Innenhof macht Basti gerade einen Handstand und wird von ein paar Kindern laut jubelnd gefeiert. Wir kennen Basti aus dem Turnverein, in den uns unsere Eltern gestopft haben, als wir anfingen, auf Dächer zu klettern.

»Kannst du Backflip? Mach ma‘ Backflip«, ruft ein Junge mit Fußballtrikot zu Basti hinauf.

Wie in Zeitlupe löst er den Handstand auf. Im Sommer ist seine Haut noch dunkler als sonst und mit dem gelben Shirt sieht er aus wie Kobe Bryant mit Afro.

»Jetzt mach schon«, ruft Matteo. »Oder soll Lu einen machen?«

Der Kurze im Fußballtrikot sieht mich schräg von der Seite an, als könne er nicht glauben, dass Mädchen dazu in der Lage sind. »Jetzt guck nicht so!« Ich hole Schwung, gehe in die Knie, springe ab und drehe mich in der Luft, bevor ich wieder auf den Füßen lande. »Ich kann auch Backflip«, sage ich mit gespieltem Ernst.

»WOW!«

»Mach noch ma‘«, kräht ein Junge mit fehlenden Schneidezähnen.

»Hey Leute!« Tessas Stimme lässt uns herumfahren. Sie und Ella stehen winkend im Schatten des Studentenwohnheims.

»Sorry, wir müssen«, sage ich.

Die Jungs laufen hinter uns her. »Was? Wohin?«

Ich sehe mich unauffällig um und beuge mich zu den Dreien. »Wir sind eigentlich Ninjas, unterwegs in geheimer Mission. Inkognito … wenn ihr versteht. Also ihr habt uns nie gesehen. Alles klar?« Ich halte den Jungs meine Faust hin, die sie hintereinander abschlagen. Einen Zeigefinger über dem Mund, zwinkere ich ihnen zu. Und kann mir ein Kichern nicht verkneifen. Als Matteo und ich in der Grundschule gewesen sind, haben wir uns nicht getraut, ältere Jugendliche einfach so anzuquatschen.

»Ich habe die Pullis dabei.« Aus einer riesigen Papiertüte holt Tessa einen weißen Pullover mit schwarzen Ohren.

»Wild.« Ich halte ihn bewundernd in die Höhe, drücke ihn fest an mich. Er ist zu groß, riecht nach chinesischer Massenware, fühlt sich aber wunderbar flauschig an. Ich schwitze schon, bevor ich den Pulli überhaupt anhabe. Wer ist gleich auf die Idee gekommen, in Panda-Pullovern beim Street-Sport-Festival aufzutreten? Manchmal verfluche ich meine seltsamen Einfälle. Aber was muss, das muss. Die Sponsoren sollen sofort wissen, mit wem sie es zu tun haben. Ich schlüpfe hinein, ziehe die Kapuze über den Kopf und kontrolliere das Ergebnis mit der Frontkamera.

»Der ist mega süß«, sage ich.

»Als ob.« Matteo streift sein Exemplar über und dreht sich im Kreis. »Darin sehe ich peinlich aus«, mault er.

»Quatsch. Der steht dir.« Tessas Gesicht leuchtet plötzlich mit der Sommersonne um die Wette. Seit sie ihre Haare für Matteo schwarz gefärbt hat, wirkt sie mit ihrer hellen Haut immer krank. Außer, wenn Matteo ihr ein Kompliment macht. Dann färben sich Tessas Wangen blitzartig rosa und ihre blauen Augen bekommen diesen glanzvollen Ausdruck. Blöd nur, dass Matteo die Zeichen nicht zu deuten weiß.

Schnell mache ich ein Foto mit dem Wohnheim im Hintergrund und lade es in meine Story.

»Sollen wir?« Ella hält den Schlüssel in die Höhe. Der gehört Freddy, Ellas Freundin. Sie hat dort ein billiges Einzimmerapartment mit Kochnische und bis auf Tessa weiß niemand in der Familie, dass Freddy nicht die Abkürzung für Frederik ist.

Ich lege den Kopf in den Nacken. Zwölf Stockwerke. Beim letzten Mal ist der Aufzug kaputt gewesen. Aber das...


Erdmann, Sandra-Maria
Sandra-Maria Erdmann, geboren 1980, lebt mit ihrem Mann und drei Teens in Iserlohn. Sie schreibt seit 2010 Geschichten, arbeitet freiberuflich mit Kindern und Jugendlichen im künstlerischen Bereich, spielt Bass-Gitarre und liebt das Reisen, besonders an die bretonische Küste. Nach "Let’s Surf – Mein Sommer in Orange" erscheint mit "Let’s Jump – Über alle Hindernisse" der zweite Teil ihrer sportlichen Jugendbuchreihe.



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