Esch | Bergkristall - Folge 248 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 248, 64 Seiten

Reihe: Bergkristall

Esch Bergkristall - Folge 248

Sie träumte schon vom Hochzeitskleid
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-2243-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sie träumte schon vom Hochzeitskleid

E-Book, Deutsch, Band 248, 64 Seiten

Reihe: Bergkristall

ISBN: 978-3-7325-2243-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dass man so glücklich sein kann! Sophie hätte das nicht geglaubt, aber seit Xaver Leitner auf dem Hof ist, singt und springt ihr Herz, dass es eine wahre Freude ist. Sonst jedenfalls. Aber in letzter Zeit ist Sophies süßes Gesicht umwölkt, und ihre schönen Augen blicken finster drein.

Kein Wunder - so wie der Xaver sich aufführt! Wie er um den neuen Logiergast herumscharwenzelt Wie er sich spreizt und dreht! Ein rechter Pfau - und nix dahinter! Und wie diese Marika zu ihm aufschaut und ihn anhimmelt! Welches Mannsbild kann da schon widerstehen, wenn eine so schöne Frau es derart um den Finger wickelt, ein bekanntes Mannequin noch dazu!

Der Xaver ganz offensichtlich nicht. Rein närrisch möchte man da werden! Nur mit Mühe kann Sophie die Tränen vor ihm verstecken. Hat der fesche Bursch denn alles vergessen, was er ihr versprochen hat?

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„Mutter, Mutter, wein doch net so!“, flehte Sophie unglücklich und schlang die Arme um ihre Mutter, die an dem großen Holztisch unter dem Herrgottswinkel in der Stube saß, den Kopf in den Armen verborgen hatte und deren schlanke Gestalt vom Schluchzen nur so geschüttelt wurde.

„Schau, der Vater ist jetzt droben im Himmel, der hat keine Sorgen mehr“, versuchte Sophie sie zu trösten.

Aber offensichtlich war das auch nicht das Richtige gewesen, denn die Bäuerin weinte nur noch mehr.

Sophie wurde ganz anders. Sie hatte ihren Vater ja auch gerngehabt. Und als er vor drei Wochen bei der Arbeit im Holz tödlich verunglückt war, hatte sie auch geglaubt, das Herz würde ihr brechen vor lauter Schmerz und Kummer.

Aber es half ja nix! Es musste irgendwie weitergehen. Und bei der Bauernarbeit war es net so, dass man die Kühe über den Winter einmotten konnte. Ganz zu schweigen von all den anderen Dingen, die über den Winter gemacht werden mussten, weil während der Sommermonate keine Zeit dazu blieb.

„Mutterl“, versuchte Sophie es wieder liebevoll, „schau, ich bin ja auch noch da! Und der Hansl-Bauer, der dabei gewesen ist, hat doch versichert, dass es ganz schnell gegangen ist, dass der Vater net leiden musste, dass er keine Schmerzen gehabt hat.“

Aber die Bäuerin weinte nur noch mehr, und Sophie wusste nicht, was sie noch sagen konnte. So saß sie neben ihrer Mutter, legte ihr bloß den Arm um die zuckenden Schultern und sah bittend zum Herrn Jesus hinauf, der über ihnen im Herrgottswinkel am Kreuz hing und so milde und verständig auf sie herunterschaute.

Ob die Mutter vielleicht auch weinte, weil sie mit ihren sechsundvierzig Jahren jetzt plötzlich allein war? Aber sie war doch noch immer eine hübsche Frau, mit ihren dichten, dunklen Haaren, in die sich kaum ein paar silberne Fäden mischten! Manchmal beneidete Sophie ihre Mutter um den bräunlichen Teint und die dunklen Augen – wie schwarze Kirschen, hatte der Vater immer gesagt und sie dabei ganz verliebt angeschaut. Ja, es war eine gute Ehe gewesen, und sicher weinte die Mutter auch deshalb so viel!

Auch um die schlanke Gestalt beneidete Sophie ihre Mutter gelegentlich. Wenn sie so daherkam, konnte man sie beinahe für ein junges Madel halten, so geschmeidig war die Figur und so leicht die Bewegungen.

Dabei war Sophie keineswegs unzufrieden mit sich. Sie hatte dazu wirklich auch keinen Grund. Ein bisserl molliger als die Katharina, schlug sie mehr dem kräftigen Vater nach, mit dem seidigen blonden Haar und den großen, vergissmeinnichtblauen Augen. Im Sommer hatte sie auf ihrer kecken Nase ein paar lustige Sommersprossen, was gut zu ihren frischen Wangen und dem roten Kirschmund passte, der gerne und oft lachte und dabei die weißen Zähne zeigte.

Jetzt freilich war Sophies Nase rot und ein bisserl verschwollen vom Weinen, und die Augen schienen trüb von den vergossenen Tränen. Wenn ihr doch nur einfallen würde‚ wie sie die Mutter trösten könnte! Es war ja so schon alles traurig genug.

„Mutter, schau!“, begann sie erneut. „Der Vater würde bestimmt net wollen, dass du so traurig bist. Er hat doch so gern gelacht!“

Ein neuer, wilder Tränenausbruch war der Erfolg dieses zaghaften Trostversuchs. Da fing Sophie auch wieder zu weinen an, weil ihr nix mehr einfiel und weil halt gar nix half, den Kummer der Mutter zu lindern.

Aber gerade so, als würden die Tränen ihrer Tochter die Katharina zur Besinnung bringen, hörte die jetzt mit dem Weinen auf und setzte sich gerade hin.

„Recht hast du, Sopherl“, sagte sie. „Es hilft wirklich net, wenn wir dasitzen und jammern. Der Vater würde auch sagen: Jetzt denkt lieber mal nach, wie es weitergehen soll!“

Sophie hatte auch aufgehört zu weinen und sich die Nase geputzt. Jetzt schaute sie ihre Mutter fragend an.

„Und, was meinst du, wie es weitergehen soll, Mutter?“

„Tja“, antwortete Katharina Lochhammer und unterdrückte tapfer, dass ihr hübscher Mund gleich wieder zu zittern anfangen wollte, „der Vater und ich – wir haben bisher net mit dir darüber geredet, aber weißt du, jetzt ist er nimmer da und …“

„Und ich bin schon vierundzwanzig, und ganz dumm bin ich auch net! Jetzt bereden eben wir zwei alles. Mutter, meinst du wirklich, ich hab net gemerkt, dass der Vater und du Sorgen hattet?“

Katharina schaute ihre Tochter ganz erstaunt an. Dann lachte sie kurz auf und schüttelte, über sich selbst verwundert, den Kopf.

„Ja, mei, für den Vater und mich bist du halt immer unser kleines Sopherl gewesen. Obwohl wir schon längst gemerkt haben, dass du ein großes, hübsches Sopherl geworden bist – so oft, wie die Burschen aus der Gegend hier anrufen!“, meinte sie und strich der Tochter liebevoll ein paar blonde Strähnen aus der Stirn. „Soso, du hast es also auch gemerkt.“

„Aber Mutter!“ Fast wurde Sophie ungeduldig. „Man kann es doch in jeder Zeitung nachlesen und in allen Nachrichten hören, wie schwer es der Bauernstand heutzutage hat.“

„Ja“, meinte Katharina bekümmert, „das stimmt! Und es stimmt auch, dass es schwer ist, jemanden zu finden, der einem bei der Hofarbeit hilft!“

Jetzt schaute Sophie aber doch überrascht.

„Aber Mutter, der Hansl-Bauer hat doch mit seinen Buben die Holzarbeit für uns erledigt. Und der Sepp Mühlenhofer war auch schon da und hat sich angeboten, auszuhelfen. Und der Anrainer-Maxl.“

„Oh, mei, Sopherl! Du bist halt doch noch ein Kind!“ Katharina lachte bitter auf. „Hast du denn net gemerkt, was die alle wollten?“

„Was wollten sie denn?“, fragte Sophie fassungslos.

Was konnte man denn schon wollen, wenn man half, wo es nötig war? Natürlich Geld!

„Der Hansl-Bauer hat gemeint, wir sollten unsere Besitztümer zusammentun“, erwiderte die Katharina ärgerlich.

„Was?“ Sophie riss die Augen auf und begann dann zu lachen. „Du meinst, der hat gemeint – so ein alter Depp!“

Auch Katharina musste lachen.

„Ja, genau. Mehr als zwanzig Jahre älter als ich ist er! Außerdem ist er doch längst im Austrag und hat gar keine Besitztümer mehr. Dem würde es bei uns freilich besser gefallen als bei seinen beiden grauslichen Schwiegertöchtern.“

„Er kann einem fast leidtun“, sagte Sophie und musste immer noch lachen.

„Ja, schon. Aber was meinst du, wie leid ich mir tun würde, wenn wir ihn bei uns aufnähmen?“

Auch Katharina lachte. Und dieses Mal waren es Lachtränen, die sie sich aus den dunkelbraunen Augen wischte.

„Aber der Sepp? Und der Maxl?“

„Na ja, die sind für mich zu jung. Aber die haben ganz eindeutig angefragt, ob du schon gebunden bist.“

Nun war Sophie Lochhammer keineswegs gebunden, aber nicht, weil sich keiner gefunden hätte, sondern bloß, weil ihr noch keiner gefallen hatte.

„Ich?“, rief sie deshalb ganz empört. „Ja, was bilden die sich denn ein? Die Tochter der Bäuerin im Lohn inbegriffen – das würde denen so passen. Aber da geht gar nix. Dem Sepp hab ich das schon mindestens dreimal gesagt. Und der Maxl, na ja, der ist ganz nett – aber heiraten, nein, da ist er mir einfach net gescheit genug. Der ist so ein bisserl langsam.“ Sie kicherte. „Wahrscheinlich hat er es deshalb auch noch net verstanden, dass er bei mir keine Chancen hat.“

Die zwei Frauen amüsierten sich noch eine Weile über das dumme Mannsvolk, aber dann wurde Katharina wieder ernst.

„Wir kriegen keinen Knecht“, sagte sie, „darüber müssen wir uns im Klaren sein. Alle, die herkommen, wollen einheiraten. Doch wenn sie merken, dass da nix geht, ist es aus. Und den Hof ohne eine männliche Kraft – Sopherl, da brauchen wir Frauenzimmer uns nix vorzumachen, das geht net – weil wir net so kräftig gebaut sind.“

Sophie nickte gedankenvoll. Das war alles richtig, ein Mann musste auf den Hof. Nur woher sollte man einen nehmen, der außer dem Lohn nix erwartete?

„Und wenn wir umstellen?“, überlegte Sophie.

„Umstellen? Ja, auf was denn? Das hab ich mir auch schon überlegt. Mit der Milchwirtschaft aufhören – aber was dann? Was fangen wir mit den Weiden an und mit den leer stehenden Gebäuden? Und womit verdienen wir unseren Lebensunterhalt? Wir können doch net einfach so alles verkaufen. Das wäre dem Toni bestimmt net recht gewesen“, schluchzte Katharina zuletzt.

„Das schöne Anwesen verkaufen? Nein, das will ich ganz sicher net“, meinte Sophie. „Aber vielleicht könnte man etwas anderes daraus machen. Irgendwas mit Urlaubern …“

„Gästezimmer, das ginge schon“, erwiderte Katharina. „Früher waren drei Mägde und vier Knechte auf dem Hof – früher, als es noch net so viele Maschinen zur Hilfe gab. Und dann gibt es doch auch noch den Anbau, der der Austrag meiner Schwiegereltern gewesen ist. Das sind auch noch mal drei schöne Stuben.“

„Das sind mehr Zimmer als drei, Mutter, denn eine Küche würde man da drüben ja net brauchen.“

„Da hast du recht. Nur investieren müsste man trotzdem noch, da heute alle so verwöhnt sind und zu jedem Zimmer mindestens eine Dusche haben wollen und was sonst noch dazugehört.“

„Ja, schon, aber die Zimmer sind doch alle groß genug, sodass man leicht eine Duschkabine reinstellen könnte“, überlegten die beiden Frauen, die sich immer mehr mit dem Gedanken, eine Art Pension zu eröffnen, anfreundeten.

„Es gibt doch auch die Ferien auf dem Bauernhof für Stadtleute“, fiel Sophie ein. „Die Gäste helfen dann auch bei de...



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