Escher / Messner | Lernen in der Schule (E-Book) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

Escher / Messner Lernen in der Schule (E-Book)

Studienbuch Lernpsychologie
3. Auflage 2022
ISBN: 978-3-0355-2175-7
Verlag: hep verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Studienbuch Lernpsychologie

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

ISBN: 978-3-0355-2175-7
Verlag: hep verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Dieses E-Book enthält komplexe Grafiken und Tabellen, welche nur auf E-Readern gut lesbar sind, auf denen sich Bilder vergrössern lassen.
Um bei Schüler*innen Lernprozesse anzuregen, zu begleiten, zu unterstützen und zu bewerten, benötigen Lehrpersonen ein solides Grundlagenwissen über die verschiedenen Arten, Prozesse und Bedingungen des Lernens. Das Studienbuch vermittelt in leicht verständlicher Weise lernpsychologische Grundlagen und verortet sie im schulischen Alltagsgeschehen. Der Band richtet sich an alle Stufen. Für die 3. Auflage wurden mehrere Kapitel von Grund auf überarbeitet und inhaltlich erweitert.

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Kapitel 2
Lernen am Erfolg – operante Konditionierung
Änderungen des Verhaltens beruhen vielfach auf elementaren Prozessen der Gewohnheitsbildung. Wiederholte Erfahrungen von angenehmen oder unangenehmen Konsequenzen des spontanen Verhaltens führen dazu, dass wir unser Verhalten sukzessive ändern. Die Lernforschung bezeichnet diesen Vorgang als Lernen am Erfolg oder operante Konditionierung. In diesem Kapitel lernen Sie, verschiedene Faktoren und Bedingungen dieses Konditionierungsprozesses zu unterscheiden sowie im schulischen Alltag zu erkennen und zu berücksichtigen.   Einleitung
Lernen ist ein allgegenwärtiger Anpassungsprozess. Manchmal läuft er absichtsvoll und bewusst ab, manchmal unbewusst und beiläufig – und hin und wieder verläuft er komplett im Widerspruch zu den pädagogischen Absichten der Lehrperson, wie bereits Gerhard Steiner (1996) in seinen Szenarien aus dem Schulalltag deutlich machte. Das mag schon am ersten Schultag beginnen, wie folgendes Beispiel zeigt. Die engagierte neue Lehrerin stellt sich der Klasse vor. Sie ist interessiert, bietet sich den Schülerinnen und Schülern als persönliche Bezugsperson an und will ihre Erlebnisse, Motive und Gefühle kennenlernen. – Die Buben in der Klasse wollen aber eigentlich nur eines wissen: Wie läuft das nun hier drin, wer ist hier der Chef? Während also Laura auf die Fragen der Lehrerin eingeht und über ihre Erlebnisse berichtet, tuschelt Liam mit seinem Tischnachbarn. «Liam, sei bitte ruhig!», mahnt ihn die Lehrerin nach einiger Zeit. Die Mahnung hält nicht lange vor. Bald tuschelt Liam wieder mit seinem Tischnachbarn. «Hör auf zu schwatzen, Liam!», weist ihn die Lehrerin erneut zurecht, diesmal schon etwas ärgerlich. Auch diesmal ist der Erfolg nicht von langer Dauer. Bald schimpft die Lehrerin: «Liam, jetzt hör auf zu schwatzen! Du störst!» Nach einiger Zeit beginnt Liam wieder zu tuscheln. «Gopfridstutz, Liam, wie oft muss ich dir sagen, du sollst deinen Nachbarn nicht mit Schwatzen stören. Wenn du weiterschwatzt, stell ich dich vor die Tür!» Die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler gilt jetzt vor allem Liam und nicht mehr dem Unterricht. Der Unterricht wird zunehmend mühsam. Nach einiger Zeit streckt Liam die Hand hoch. Er schnippt mit den Fingern und fuchtelt mit der Hand in der Luft herum. Dabei unterstreicht er jede Bewegung mit Stöhnen. Die Lehrerin ruft Liam sofort auf: «Liam!» – «Äh, ich muss aufs WC! Darf ich?» – Gelächter in der Klasse. Sogar Nico, der ihn auf dem Pausenplatz noch als Feigling beschimpft hat, lächelt. Liam verlässt den Raum. Unterdessen versucht die Lehrerin, die Klasse wieder zu sammeln. Nach einer Weile kommt Liam ins Klassenzimmer zurück. «Sie!», ruft er der Lehrerin zu, «das WC-Papier ist alle!» Erneutes Gelächter in der Klasse. In diesem Moment knallt die Türe zu, die Liam losgelassen hat. «Donnerwetter, jetzt pass doch auf!», herrscht ihn die Lehrerin an. Liam geht schlurfend an seinen Platz und schaut dabei zu Nico. Der grinst ihm zu. Diese kurze Geschichte führt uns mitten in eine sehr komplexe Lernsituation hinein: in eine Schulstunde. Allerdings handelt die Geschichte nicht vom schulischen Wissenserwerb, sondern von anderen, elementaren Lernvorgängen, die als sogenannte Konditionierungsprozesse ablaufen und zu Gewohnheiten führen. Aber erfolgreicher Wissenserwerb und andere Formen des schulischen Lernens sind auf vielfältige Weise mit günstigen Gewohnheiten verschränkt, die in Konditionierungsprozessen gelernt und verändert werden. Wir wollen in den kommenden Abschnitten die Grundlagen schaffen für ein angemessenes Verständnis dieser Formen des Lernens und Verlernens.   Grundbegriffe der operanten Konditionierung
Die Kenntnisse über diese Grundform des Lernens gehen im Wesentlichen auf die theoretischen und experimentellen Beiträge von Edward L. Thorndike[9] und vor allen Dingen von Burrhus F. Skinner[10] zurück. Diese Lerntheoretiker haben mit ihren bahnbrechenden Untersuchungen die moderne Lernpsychologie begründet. Thorndike hat vor über hundert Jahren mit seiner Formel «Lernen am Erfolg» das Prinzip der Verstärkung entdeckt und damit großen Einfluss auf die Pädagogische Psychologie ausgeübt. Skinner hat dieses Prinzip in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts weiter verfeinert und zu einer behavioristischen Theorie des instrumentellen Lernens erweitert. Burrhus F. Skinner Wie viele andere Psychologen begann auch Burrhus F. Skinner seine Karriere als Biologe und wandte sich unter dem Einfluss der frühen lerntheoretischen Arbeiten von Iwan P. Pawlow[11] und John B. Watson[12] der Psychologie zu. Ihr Ziel war es, das beobachtbare Verhalten mit wissenschaftlichen Methoden vorherzusagen und zu steuern und nicht – wie die meisten Psychologen zu Beginn des Jahrhunderts – die Psyche und das Bewusstsein durch die Schilderung der eigenen, subjektiven Gefühle und Gedanken zu beschreiben und zu erklären. Nachdem Skinner 1931 an der Harvard University promoviert hatte und danach in der Forschung tätig war, veröffentlichte er bereits 1938 sein wichtigstes wissenschaftliches Werk «The Behavior of Organisms». Darin führte er die Grundprinzipien des operanten Konditionierens, d. h. des instrumentellen Lernens, aus. Die fundamentale Annahme Skinners, dass der Aufbau bestimmter Verhaltensweisen vor allem von ihren Folgen, d. h. von den «Reaktionen» der Umwelt auf ein gezeigtes Verhalten, abhänge, war zwar bereits durch die Forschungsergebnisse von Thorndike vorbereitet worden. Skinner verfeinerte aber das Prinzip der Verstärkungstheorie so, dass jede minimale Verhaltensänderung in Richtung des angestrebten Endverhaltens gleich belohnt wurde (Skinner-Box). Mit dieser Form der Verhaltenssteuerung gelangen ihm eindrucksvolle Lernexperimente an Tieren. In der heftig geführten Diskussion um die aufkommenden Lerntheorien wurde er zu einem der markantesten und radikalsten Vertreter der Verhaltenspsychologie («Behaviorismus»). Seine Untersuchungen haben aufgezeigt, wie wichtig die sogenannten Umweltkontingenzen für das Lernen von Verhaltens- und Handlungsweisen sind und wie die Folgen eines Verhaltens über sein künftiges Auftreten entscheiden. Die Bezeichnung für diese elementare Grundform des Lernens ist je nach Autor verschieden. Bis heute hat sich leider keine einheitliche Wortwahl durchgesetzt. Manche Autoren sprechen vom «Lernen am Erfolg», weil der Erfolg eines Verhaltens darüber entscheidet, ob es in Zukunft häufiger auftritt, also gelernt wird. Viele Autoren nennen diese Art des Lernens «operantes Konditionieren», weil unter bestimmten Bedingungen (Konditionen), nämlich je nach Art der Konsequenz, die Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens (operant behavior) erhöht oder gesenkt wird. «Instrumentelles Lernen» wird diese Grundform des Lernens genannt, weil das Verhalten das Instrument oder das Mittel ist, das die entsprechende Konsequenz hervorruft. Oft wird es auch als Versuch-und-Irrtum-Lernen bezeichnet. Instrumentelles Verhalten Skinner unterscheidet klar zwischen Antwort- und Wirkverhalten. Beim Antwortverhalten (responsiv oder respondent behavior) antwortet das Individuum auf vorangegangene Signalreize. Wenn wir zum Beispiel bei einer roten Ampel stoppen, so antworten wir mit unserem Verhalten auf den Signalreiz (Rot). Mit dem Wirkverhalten oder instrumentellen Verhalten übt dagegen das Individuum spontan von sich aus Wirkung auf seine unmittelbare Umwelt aus. Sein Verhalten hat Folgen – angenehme oder unangenehme. Das Verhalten ist somit das Instrument, das die entsprechende Konsequenz hervorruft. Natürlich wirken bei diesem spontanen Verhalten stets auch Reize auf das Verhalten ein, diese spielen aber für das Lernen keine entscheidende Rolle. Der springende Punkt ist das aktive, spontane Tun, das Einwirken auf die Umwelt. Das Tuscheln von Liam in der beschriebenen Schulstunde ist beispielsweise das instrumentelle Verhalten, das die Lehrerin zur Ermahnung und die Mitschüler zur Bewunderung veranlasst. Kontingenz Der Begriff der Kontingenz ist einer der zentralsten Begriffe der Theorie des instrumentellen Lernens. Damit ist die unmittelbare zeitlich-räumliche Verknüpfung eines instrumentellen Verhaltens mit seinen Folgen gemeint. Oder genauer: die Regelmäßigkeit, mit der Ereignisse in der Umwelt von einer bestimmten Verhaltensweise der Person abhängen. Diese Beziehung ist in Abbildung 2.1 schematisch dargestellt. Man könnte die Kontingenz also auch als die Wenn-dann-Beziehung zwischen dem instrumentellen Verhalten und seinen Folgen bezeichnen. Der Aufbau dieser Wenn-dann-Beziehung erhöht oder vermindert die Auftretenswahrscheinlichkeit ebendieses Verhaltens – je nach Art der Konsequenz. Voraussetzung dafür ist eine enge zeitliche und räumliche Verbindung dieser beiden Ereignisse. Schon Verzögerungen in der Größenordnung von 5–30 Sekunden führten in tierexperimentellen Untersuchungen dazu, dass das betreffende Verhalten nicht gelernt wurde. Abb. 2.1: Kontingenz ist die Wenn-dann-Beziehung zwischen einem (instrumentellen) Verhalten und dem nachfolgenden Ereignis (Konsequenz). In einer Schulstunde oder auch in der Familie kommen ganz unterschiedliche und individuelle...


Escher, Daniel
Daniel Escher war im interdisziplinären Gebiet von Entwicklungspsychologie, Ethologie und Pädiatrie Teil verschiedener renommierter Forschungsgruppen in Deutschland, den USA und der Schweiz. Er dozierte Entwicklungspsychologie und Pädagogik des Kindesalters an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Messner, Helmut
Helmut Messner war bis zu seiner Pensionierung Professor für Pädagogische Psychologie und Allgemeinde Didaktik an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er konzentrierte sich in Arbeit und Forschung auf die Bereiche Lehren und Lernen in der Schule, Lehrerüberzeugungen und Lehrerhandeln sowie Professionalisierung.

Daniel Escher war im interdisziplinären Gebiet von Entwicklungspsychologie, Ethologie und Pädiatrie Teil verschiedener renommierter Forschungsgruppen in Deutschland, den USA und der Schweiz. Er dozierte Entwicklungspsychologie und Pädagogik des Kindesalters an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Helmut Messner war bis zu seiner Pensionierung Professor für Pädagogische Psychologie und Allgemeinde Didaktik an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er konzentrierte sich in Arbeit und Forschung auf die Bereiche Lehren und Lernen in der Schule, Lehrerüberzeugungen und Lehrerhandeln sowie Professionalisierung.



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