Fahnert | Im Visier des Wolfs | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten

Reihe: European Crime Unit

Fahnert Im Visier des Wolfs

Ein Fall für die European Crime Unit | Authentischer Thriller
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-492-60448-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Fall für die European Crime Unit | Authentischer Thriller

E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten

Reihe: European Crime Unit

ISBN: 978-3-492-60448-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der erste Fall für die European Crime Unit Verbrechen machen vor Grenzen keinen Halt. Die Gerechtigkeit nun auch nicht mehr: Mit der European Crime Unit gibt es endlich eine Polizei, die grenzübergreifend in allen Ländern der EU ermittelt. Katrin Lesage wird zur Führungsoffizierin befördert und bekommt ausgerechnet Lafdan Sadiku zugeteilt, der bekannt ist für seine unkonventionellen Methoden. Gemeinsam müssen sie den Mord an einem türkischen Botschaftsmitarbeiter aufklären - und geraten zwischen die Fronten der türkischen und der italienischen Mafia, die ihre Kämpfe auf deutschem Boden ausfechten.

Mark Fahnert, Jahrgang 1973, ist seit 1990 bei der Polizei. Mehrere Jahre ermittelte er verdeckt als szenekundiger Beamter, bevor er bei der Autobahnpolizei im rasanten Einsatz seinen Dienst versah. Heute befasst er sich mit politisch und religiös motivierten Delikten. Durch seine lange und vielseitige Polizeilaufbahn ist er mit den Mechanismen der deutschen Sicherheitsbehörden bestens vertraut. Er lebt mit seiner Familie im Sauerland.
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Prolog


Al-Azraq, Jordanien, vor drei Wochen

Er blickte auf das Zifferblatt seiner Armbanduhr. Zwanzig vor vier. Er war spät dran. Auf dem Souk pulsierte das Leben. Frauen und Männer wuselten zwischen den bunten Ständen und sandfarbenen Häusern umher, dazwischen Esel und Ziegen und Hühner. Es war laut, und es roch nach Gewürzen und gebratenem Fleisch. Hinter einem Stand aus trockenem Holz, das an vielen Stellen von der Sonne ausgebleicht war, sah er den alten Mann auf einem klapprigen Stuhl. Eine silberne Kanne dampfte auf einem Stövchen. Darunter glühte Holzkohle.

Er trat an den Stand und deutete auf die Kanne.

»Shay«, sagte er.

Der alte Mann nickte knapp, erhob sich und goss Flüssigkeit in ein kleines Glas.

»Tafabdal«, sagte der Alte und zeigte auf ein Pöttchen mit Zucker. Der andere schüttelte den Kopf und legte ein paar Münzen auf die Theke. Wahrscheinlich zu viel für den Tee. Mit einer Handbewegung bedeutete er dem alten Mann, dass er kein Wechselgeld wollte.

»Shukran«, sagte der Alte mit einem knappen Lächeln. »Shukran djasiran.«

Der Tee löschte den Durst und schmeckte darüber hinaus ziemlich gut, nach Zimt, Kardamom und Nelke. Viele glauben, dass kalte Getränke an einem heißen Tag den Durst löschen, aber das stimmt nicht. Der plötzliche Temperaturunterschied regte das Schwitzen an, sodass man noch mehr Flüssigkeit verliert. Deswegen tranken die Araber lauwarmen Tee, um ihren Durst zu löschen. Seit jeher. Und das war eine sehr kluge Entscheidung.

Wieder ein Blick auf die Uhr. Er konnte gar nicht pünktlich sein. Na und? Das hier war verdammt noch mal Jordanien und nicht München, Hamburg oder Berlin. Hier wurde die Zeit anders gelebt. Weder besser noch schlechter. Nur anders.

Assr – das war der Zeitpunkt seines Treffens mit dem Kontaktmann. Nicht halb vier, sondern dann, wenn der Muezzin seinen dritten Gebetsruf des Tages vom Minarett auf die Gläubigen niederschmettern ließ. Unpräziser ging es kaum, denn anscheinend waren die Gebetszeiten der Willkür des örtlichen Imans unterworfen. Laut einer Tabelle im Internet hätte das Gebet hier um 15:24 Uhr beginnen sollen. Jetzt war es 15:42. Die Lautsprecher blieben stumm. Wieder schaute er auf die Armbanduhr und runzelte die Stirn. Irgendetwas stimmte nicht. Aber was? Er ließ seinen Blick über die Menschen um ihn herum wandern, suchte nach Auffälligkeiten. Jemanden, der an einer Hauswand lehnte, der verstohlen zu ihm herüberblickte, vielleicht in ein Mobiltelefon sprach. Oder eine Person, die wie zufällig an ihm vorbeiging, einen Moment zögerte. Hatte man ihn womöglich entdeckt? Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen? Die Tickets für den Flug von KölnBonn-Airport nach Adana hatte er unter falschem Namen gebucht. Thomas Schmidt. Einen beliebigeren Namen konnte er sich kaum vorstellen. In Adana hatte er die Identität gewechselt, bevor er einen Last-Minute-Flug nach Jordanien genommen hatte. Hier nannte er sich nun Intikam.

Er blickte zur Veranda des Cafés. Das war der vereinbarte Treffpunkt. Sein Kontaktmann saß ruhig unter einem Baldachin aus verblichenem rotem Stoff. Sein Blick war auf das Minarett gerichtet. Intikam war sich nicht mehr sicher, ob die Willkür der Gebetszeiten am Imam oder an seinem Kontakt lag. Aber warum das ganze Theater? Warum hatte er so lange die Zeit totschlagen müssen? Um Demut zu beweisen?

Welchen Grund es auch immer gab, es war das Land des Kontaktmanns, und Intikam musste nach dessen Regeln spielen. Also hatte er geduldig sein müssen. Viel zu früh zu einem Treffen zu erscheinen, war unhöflich, ja, hätte ihm sogar als Schwäche ausgelegt werden können. Er bewegte sich jedoch in Kreisen, in denen das kleinste Anzeichen von Schwäche den Tod bedeuten konnte. Deshalb musste man Stärke zeigen. Und was war ein besserer Beweis dafür als Geduld? Geduld, die in einer staubigen, lauten und glühend heißen Umgebung auf die Probe gestellt wurde.

Endlich erklang der Ruf des Muezzins. Allahu Akbar. Gott ist größer und mit nichts zu vergleichen.

Intikam zog den dunklen Stoff des Turbans fester um seinen Kopf. Es war so heiß, dass die Luft flirrte, und so trocken, dass bei jedem Schritt der dunkle Sand aufgewirbelt wurde. Nun war endlich die Zeit gekommen, sich mit dem Kontaktmann zu treffen. Er stieg die zwei Stufen zur Veranda hoch. Der sonnengebleichte rote Baldachin spendete zwar Schatten, aber kühler war es darunter trotzdem nicht. Die Luft bewegte sich keinen Millimeter und roch wie ein Gemisch aus Pfefferminztee, Kaffee, lang getragener Kleidung und Schweiß. Trotzdem war die Terrasse gut besucht. Zumeist saßen Männer dort und tranken Tee. Er setzte sich an den Tisch, an dem sein Kontaktmann saß und an seinem Mokka nippte. »A Salam Aleikum.«

Im Aschenbecher glühte eine Zigarette. Vier zerdrückte Filter deuteten an, wie lange der elegante Mann mit den grauen Schläfen hier schon saß. Ohne Intikam zu beachten, zog er am Glimmstängel und blies den blaugrauen Rauch aus.

»Ich dachte, Rauchen wäre haram.«

Der Graumelierte neigte den Kopf. »Vieles ist haram, passiert aber trotzdem.«

»Auch, dass Sie gegen Vereinbarungen verstoßen?«, fragte Intikam. »Und ich möchte Sie daran erinnern, dass diese Bedingung von Ihnen kam.«

»Ich weiß nicht, was Sie meinen.«

»Keine Begleitung bei dem Treffen.« Ihm war die Frau längst aufgefallen. Sie saß zwei Tische weiter und blickte uninteressiert dem Treiben auf dem Souk zu. Aber sie hatte auch in seine Richtung geblickt, als er bei dem alten Mann den Tee getrunken hatte. Wie zufällig zwar, aber zu lange, als dass es das hätte sein können. Ihr Gesicht verbarg sie hinter einem blauen Seidenschleier, den sie wie eine orientalische Schönheit trug, die sie wahrscheinlich auch war. Im Vorbeigehen hatte er nur ihre mandelbraunen Augen wahrgenommen und ihr schwarzes Haar, das unter dem Stoff hervorlugte.

»Sie sind ein guter Beobachter. Belassen wir es dabei.« Er sagte dies in einem Tonfall, der jede weitere Frage zu diesem Thema nicht nur im Keim erstickte, sondern zu einer tödlichen Gefahr machte. Dann blickte er ihm direkt ins Gesicht. »Warum Jordanien?«

Intikam war auf diese Frage vorbereitet. Den ganzen Flug über hatte er sich die Worte zurechtgelegt. Worte, die einerseits schmeichelten und umwarben, aber andererseits nicht zu sehr. Denn wenn ein Mann wie der Graumelierte die Oberhand gewann, würde er sich alles nehmen, ohne etwas zu geben. Viel schlimmer wäre es allerdings, wenn er die Worte nicht ernst nehmen würde. Dann war der folgende Satz genauso wie Fragen zur Begleitung des Mannes ein selbst ausgesprochenes Todesurteil. Intikam hielt kurz die Luft an, bevor er sagte: »Weil es hier die besten Spione gibt.«

Ein knappes Lächeln huschte über das Gesicht des Mannes. Es war aber kein Ausdruck des Geschmeicheltseins. Es war ein wissendes und tiefgründiges Lächeln.

Das Lächeln eines Spions.

»Wissen Sie eigentlich, mit wem Sie hier spielen?«

Intikam antwortete nicht. Der jordanische Geheimdienst Da’irat al-Muchabarat al-Amma, kurz GID, gehörte für die westlichen Mächte zum wichtigsten Partner im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. Sie waren verdammt gut darin, eigene Leute in die Organisationen des Schreckens einzuschleusen, sei es in den Islamischen Staat Khorasan, die Ahrar al-Sham, oder wie sie alle hießen. Sie schafften das, weil sie gut darin waren, Informationen zu beschaffen.

Der GID gehörte jedoch auch zu den unverlässlichsten und gefährlichsten Partnern der westlichen Mächte. Aber was hatte ein großer Mann einmal gesagt? Wenn du gegen Löwen kämpfen willst, kommst du nicht mit einem Hamster als Freund vorbei. Wenn du gegen einen Löwen kämpfen willst, nimmst du dir einen Tiger als Freund.

Und der Da’irat al-Muchabarat al-Amma war ein Tiger.

Sie scherten sich nicht um Menschenrechtskonventionen oder Folterverbote, waren sich nicht zu fein für das dreckigste Geschäft. Intikam war das alles egal, sowohl der Ruf des Muchabarat als auch die Quelle der Informationen, die er für das, was er vorhatte, benötigte. Dafür war seine Mission zu wichtig. Er selbst war kein Spion und hatte auch nicht vor, einer zu werden. Er wusste nur, dass jordanische Spione nicht nur verdammt gut darin waren, Informationen zu beschaffen, sie waren darüber hinaus auch noch in der Lage, die weitreichenden...



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