Fedler | Your Story | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Fedler Your Story

Mit autobiografischem Schreiben dich selbst und das Leben besser verstehen
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96121-545-4
Verlag: mvg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mit autobiografischem Schreiben dich selbst und das Leben besser verstehen

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-96121-545-4
Verlag: mvg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Bestsellerautorin Joanne Fedler ist überzeugt davon, dass jeder eine besondere Geschichte hat, die es wert ist, erzählt zu werden. Schreiben hilft, einen klaren Blick zu bekommen und neue Perspektiven zu gewinnen. Und man muss auch nicht mit unglaublichem Talent gesegnet sein, denn es gibt einfache Techniken, die jeder erlernen kann. Joanne Fedler vermittelt diese mit einer unvergleichlichen Energie. Mit inspirierenden Anregungen und Hilfestellungen erklärt sie, wie es jedem gelingt, Selbstzweifel zu überwinden und seine persönliche Story so zu schreiben, dass man sie selber gerne lesen möchte - denn wer seine eigene Geschichte versteht, kann seine Zukunft frei gestalten! Dieses Buch ist genau richtig für alle, die besondere Ereignisse oder die beunruhigende Zeit in der Isolation während der Corona-Krise bewältigen und verarbeiten möchte.

Joanne Fedler engagierte sich in ihrer Heimat Südafrika für Frauenrechte, mit ihrer Familie emigrierte nach Australien, wo sie heute noch lebt. Sie hat bereits mehrere Bücher in verschiedenen Genres veröffentlicht, von denen sieben ins Deutsche übersetzt wurden. Ihre Bücher haben sich weltweit 600.000 Mal verkauft. Joanne Fedler ist eine beliebte Rednerin und leitet renommierte Schreibkurse.
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TEIL III
SCHREIBIMPULSE


Der Anfang ist immer heute.

– Mary Shelley

Wie und wo sollen wir nun beginnen?

Inzwischen weißt du, dass du überall anfangen kannst. Was allerdings keine große Hilfe ist. Die Angabe ist zu vage und in »überall« kann man sich leicht verlieren. Zu viele Wahlmöglichkeiten geben uns merkwürdigerweise keine Freiheit; sie beschneiden uns. Ist dir schon mal aufgefallen, wie eine Deadline oder ein eng gefasstes Thema deine Gedanken und deine Energie fokussiert hat? Mir ist es sehr viel lieber, jemand sagt zu mir: »Schreib über die Geschichte des Tampons« als: »Schreib über irgendetwas.«

An dieser Stelle folgen nun einige Vorschläge, die als Impulse dienen können, Pfade in dein Inneres, die dich zu deiner Geschichte führen.

61
Als wir Kinder waren


Es war einmal eine Zeit, in der blickten wir völlig unvoreingenommen auf die Welt, damals, als unsere Naivität und Ignoranz es uns erlaubten, alles zum ersten Mal zu sehen. Als Kinder glaubten wir, was die Erwachsenen, denen wir vertrauten, sagten. Der Film Das Leben ist schön erzählt die Geschichte von Guido, einem jüdisch-italienischen Buchhändler, der während des Zweiten Weltkriegs zusammen mit seinem kleinen Sohn Giosué in einem Konzentrationslager interniert wird. Er verwandelt ihr Leben in ein magisches Spiel und bewahrt sein Kind so vor den Schrecken der Realität. Kinder vertrauen in blinder Ergebenheit. Bis sie eines Tages damit aufhören.

Kindheitserinnerungen sind stark, was teilweise daher kommt, dass kleine Menschen, wie Carol Shields es in ihrem Roman Die Geschichte der Reta Winters ausdrückt, in »einem verschlossenen Schrank des Unwissens« sitzen. Kinder können nur teilweise verstehen, was vor sich geht, haben Wissenslücken, und diese Leerstellen werden leicht mit Monstern und wilden Kerlen gefüllt.

Wir alle kamen rein und unverdorben zur Welt. Aber vielleicht waren wir dem Gift und den ansteckenden Krankheiten des Lebens schon früh ausgesetzt. Viele von uns hatten eine schmerzvolle Kindheit – wir haben ein Geschwister- oder Elternteil verloren, litten unter Missbrauch, Krankheiten, Mobbing oder Einsamkeit. Als Kinder kannten wir nur diese eine Welt. Sie war unsere »Normalität«. Also entwickelten wir Überlebensstrategien.

Wie hast du deine Kindheit erlebt?

Ein großer Teil des Schmerzes in unserem Erwachsenenleben hat damit zu tun, dass wir dem Kind, das wir einst waren, nicht gerecht wurden; dass wir unsere Träume ignorierten, unsere Bedürfnisse nicht beachteten, wir das Kind dazu zwangen, erwachsen zu werden und gemäß den Entscheidungen und Erwartungen anderer zu leben. Beinahe jede Geschichte aus unserer Kindheit ist interessant, wenn wir unseren Blick aufmerksam und liebevoll auf unsere Vergangenheit richten: das erste Mal, als wir Schnee sahen; wie wir unsere Schwester am Fuß kitzelten; bei wem wir Trost suchten; was uns Furcht einflößte; was uns glücklich machte.

Wenn du deine Lebensgeschichte in Angriff nimmst, schreibe über:

  • Erinnerungen an Geräusche, Gerüche und Geschmäcker aus deiner frühen Kindheit;
  • Dinge aus der Vergangenheit – was du gernhattest und womit du gespielt hast;
  • deine Mutter und deinen Vater und andere wichtige Erwachsene in deinem Leben, wie sie für dich da waren und wie sie dich im Stich gelassen haben;
  • deine Geschwister – das Gute, das Schlechte und das Schmerzhafte;
  • das Haus, in dem du aufgewachsen bist;
  • deine Haustiere, dein Lieblingsspielzeug, Hobbys und was du als Kind getan hast, wenn keiner hingeschaut hat;
  • wer für dich da und wer abwesend war;
  • deine Freunde, nicht nur die menschlichen, sondern auch Tiere, Pflanzen, imaginäre Freunde und geheime Orte;
  • was dir Angst bereitete;
  • an welche Art von Magie du geglaubt hast;
  • euer Familiengeheimnis und wie du davon erfahren hast oder einfach intuitiv darüber Bescheid wusstest;
  • was du über das Erwachsensein gedacht hast und was du werden wolltest, wenn du groß bist;
  • deinen Lieblingslehrer;
  • was deine Mutter immer zu dir gesagt hat;
  • deine Großeltern;
  • die Regeln bei euch zu Hause;
  • dein Lieblingsbuch;
  • deine Helden – vielleicht ein älterer Bruder, die Großmutter, ein Onkel oder ein besonderer Lehrer;
  • die Tyrannen – vielleicht eine ältere Schwester, ein Lehrer, ein Nachbar oder Elternteil;
  • die Küche deiner Mutter oder Großmutter;
  • deine Traumata und Ängste;
  • wie andere in deiner Familie bezeichnet wurden (das schwarze Schaf, das schwierige Sandwichkind, das Eigenartige, das hässliche Entlein, die Prinzessin, die Heulsuse, das Weichei, die Rechthaberische, das Sensibelchen, das Faultier, das Unverantwortliche).

Stöbere in alten Fotos, wenn du welche hast. Fang damit an, unvollständige Sätze zu ergänzen, wie: »Ich erinnere mich …« oder: »Als ich ein Kind war …«, und warte ab, was in dir hochsteigt. Eine Erinnerung wird die nächste an die Oberfläche bringen und bald schon wirst du dich an Momente erinnern, die du vergessen glaubtest. Bewerte sie nicht, schreibe sie einfach nur auf. Lass sie zu dir zurückkommen.

Öffnen wir erst einmal die Tür und rufen die Erinnerungen zu uns, nehmen sie unsere Einladung gerne an. Sie kehren zu uns zurück wie verlorene Kinder. Sie kommen nach Hause.

62
Nicht mehr naiv


Doch dann brach eine andere Zeit an, und wir erwachten mit einem neuen Bewusstsein. Wir begannen, die Welt nicht mehr durch die Augen und mit den Überzeugungen der Erwachsenen um uns herum zu sehen, sondern durch unsere eigenen. Unsere Unschuld war entweder langsam ausgehöhlt worden oder durch eine brutale Erkenntnis mit einem Mal in sich zusammengefallen: durch den Tod eines lieben Menschen, die Scheidung der Eltern, den abwesenden Vater, die depressive Mutter – niemand lebt glücklich bis an sein Ende, das Leben ist nicht fair. Wir hörten von Gaskammern. Wir sahen einen brennenden Mönch. Da war Blut in unserem Wohnzimmer. Terroristen schlugen erneut zu. Und dann, einfach so, war die Magie unserer Kindertage verflogen.

Ähnelte unsere Kindheit dem ersten Teil des Titels von William Blakes Gedichtsammlung Lieder der Unschuld, so wäre der passende Titel für unsere Jugend der zweite Teil des Titels, Lieder der Erfahrung. Gefahr, Angst und Scham kamen Seite an Seite mit Periodenblutungen, Brüsten, feuchten Träumen und Pickeln. Wir fingen an, die Regeln zu hinterfragen, und wiesen die Vorschriften, nicht zu nahe an die Kante zu gehen, nicht mit Fremden zu reden, nicht mit dem Feuer zu spielen, sich keine Ohrringe stechen zu lassen, nicht zu widersprechen, nicht zu masturbieren, nicht mit illegalen Substanzen zu experimentieren, zurück.

Dann erwachte unsere Sexualität. Oder doch zumindest das Verlangen danach. Und die Fantasien kamen, zusammen mit Beklemmungen.

Wir lehnten alles ab, rebellierten, suchten uns unsere eigenen Abenteuer, gingen unseren eigenen Weg. Wir wandten uns von unserem emotionalen, sozialen und weltanschaulichen Erbe ab. Wir begaben uns auf die Suche nach unseren eigenen Werten.

Du könntest also über Folgendes schreiben:

  • den Moment, den du mit dem »Verlust deiner Unschuld« assoziierst, oder den, als dir die Magie geraubt wurde;
  • Treuebrüche deiner Kindheit – wer oder was dich enttäuscht hat;
  • Einsamkeit;
  • deinen ersten Kuss;
  • deine erste sexuelle Erfahrung;
  • deine erste ernst zu nehmende sexuelle Erfahrung;
  • nicht dazuzugehören;
  • das erste Mal, als du deinen Eltern nicht gehorcht oder gegen sie rebelliert hast;
  • das Spiel mit dem Feuer;
  • als du als Akt der Selbstermächtigung etwas hinter dir gelassen hast (wie beispielsweise deine Eltern oder Erwartungen und wie das Ich aussah, das dir für dich vorschwebte);
  • das erste Mal, als du »experimentiert« hast (sexuell, mit Drogen, Alkohol, Pornos, Zigaretten, Waffen oder irgendetwas anderem, wovon du dich hättest fernhalten sollen);
  • als du dir Piercings oder Tätowierungen hast machen lassen;
  • wie du dich mit den »falschen Leuten« eingelassen hast;
  • Risiken, die du eingegangen bist;
  • Risiken, von denen du dir wünschst, du wärst sie eingegangen;
  • was es für dich bedeutete, »erwachsen zu werden«;
  • Trotzmomente;
  • eine Person, die großen Einfluss auf dein Leben hatte, wie ein Lehrer, Trainer, Freund, Mobber oder Mentor (was haben sie dir erzählt, was haben sie in dir gesehen?);
  • wie du rebelliert hast.

Wenn du diese Anregungen liest und denkst: Das und das und das hab ich nie getan, dann rate mal, was das bedeutet? Du hast so einiges verpasst. Schreibe also darüber, wie du während deiner Pubertät zu kurz gekommen bist und wie sich das heute auf dein Leben auswirkt.

63
Eigentlich wollten sie nur unser Bestes …


In Philip Larkins witzigem, aber ernüchterndem Gedicht Dies sei der Vers erinnert er uns daran, dass unsere Eltern uns verkorksen, auch wenn das eigentlich nicht ihre Absicht ist. Das mag für diejenigen, die das Gefühl haben, in der Glückliche-Familien-Abteilung zu kurz gekommen zu sein, eine Erleichterung sein. Mein Eindruck ist, dass Menschen aus glücklichen Familien Erzieherinnen oder Lachtherapeuten werden. Um Schriftstellerin zu werden, braucht man wahrscheinlich ein bisschen Unglück in der Familienhistorie, du weißt schon, etwas, woran man sich abarbeiten kann. Die ersten Zeilen aus Tolstois Anna Karenina rufen uns genau das ins Gedächtnis: Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede...


Joanne Fedler engagierte sich in ihrer Heimat Südafrika für Frauenrechte, mit ihrer Familie emigrierte nach Australien, wo sie heute noch lebt. Sie hat bereits mehrere Bücher in verschiedenen Genres veröffentlicht, von denen sieben ins Deutsche übersetzt wurden. Ihre Bücher haben sich weltweit 600.000 Mal verkauft. Joanne Fedler ist eine beliebte Rednerin und leitet renommierte Schreibkurse.



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