Fessel | Und wenn schon! | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 126 Seiten

Fessel Und wenn schon!


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-8798-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 126 Seiten

ISBN: 978-3-7534-8798-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wer heißt denn heute noch Manfred? Keiner. Nur ich. Aber Manfred Hannemann hat nicht nur unter seinem altmodischen Namen zu leiden, sondern vor allem darunter, dass er aus einer sehr armen Familie kommt. So arm, dass Manne zum Schwimmunterricht keine neue Badehose bekommt und die seines älteren Bruders Günther anziehen soll - aber das geht natürlich gar nicht. Manne, der Loser? Na, und wenn schon! Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis - endlich im Taschenbuch!

Karen-Susan Fessel wurde 1964 in Lübeck geboren, studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Romanistik und lebt heute als freie Schriftstellerin und Dozentin für Schreibseminare in Berlin. Sie hat bisher über 40 Romane, Erzählbände und Sachbücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschrieben. In ihren Romanen und Erzählungen thematisiert Karen-Susan Fessel realistische und auch schwierige Fragen, z.B. gesellschaftliche Akzeptanz von nicht normativen Identitäten und Lebensentwürfen, aber auch der Umgang mit Minderheiten, Krankheit und Tod stehen immer wieder im Fokus ihrer Literatur. Vor allem Karen-Susan Fessels Kinder- und Jugendbücher wurden vielfach übersetzt und ausgezeichnet: Ihr erstes Kinderbuch Ein Stern namens Mama kam in die Endauswahl zum Astrid-Lindgren-Preis 1999 und wurde auf die Liste der Sieben Besten des Zürcher Kinderbuchpreises La vache qui lit gesetzt. Für Steingesicht erhielt sie im Jahre 2006 den Taiwan Book Award. Für ihr Gesamtwerk wurde sie 2011 mit dem Rosa-Courage-Preis ausgezeichnet. Im Februar 2020 erhielt Karen-Susan Fessel für ihr künstlerisches Schaffen und ihr soziales Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande. In meinen Büchern geht es fast immer um Kinder und Jugendliche, denen es nicht so besonders gut geht oder die es nicht besonders leicht haben. Das Leben ist nicht immer lustig und leicht. Aber Bücher lesen kann helfen! Aus: Oetinger Lesebuch, Almanach 2001/2002

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Autoren/Hrsg.


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Teil 1
wer heißt denn heute noch Manfred? Keiner. Nur ich. Ist echt nicht gerade der Kracher, der Name. Ich mein, so übel ist er ja eigentlich gar nicht. Ein Name eben, nicht besser oder schlechter als andere Namen auch. An sich jedenfalls. Früher war er sogar mal richtig modern. Gab ziemlich coole Typen, die so geheißen haben, ’n Jagdflieger gab’s mal, der hieß Manfred von Richthofen, und ’n Rennfahrer auch, aber da hab ich den Namen vergessen. War auch was mit von vorm Nachnamen. Alter Adel, die beiden. Genau wie ich. Haha. Also, früher war mein Name mal richtig modern, aber heute heißt keiner mehr Manfred. Jedenfalls keiner in meinem Alter. Nur so ein paar alte Knacker und ich. Hat Ma dran Schuld. Die wollte unbedingt, dass ich so heiße. Ma hat ’ne Vorliebe für altmodische Namen. Wir heißen nämlich alle so komisch: Werner, Günther, Jochen, Dieter und Manfred. Also echt! Und dann noch Hannemann hintendran. Kein Wunder, dass ich ständig verarscht und blöd angemacht werd. Obwohl, alleine am Namen liegt’s ja wohl auch nicht. »He, Manne! Manne Mannomann, Feigling! Traust du dich nicht, oder was?« Das ist Finn. Der schon wieder! Ich hab gar nicht gewusst, dass der auch hier ist, am Badesee, aber jetzt kann ich ihn sehen. Er steht da drüben am Steilhang, mit Basti und Timon, und grinst fies zu mir rüber. »Schnauze!«, schrei ich ihm zu. »Mannomann! Ist mal wieder hintendran!« »Ach, leck mich doch!«, brüll ich zurück. »Hör gar nicht hin«, sagt Amal, schwingt die Arme über den Kopf und springt ab. Fast ohne Spritzer taucht er ins Wasser ein. Amal ist echt gut in Köpper. Ich nicht. Ich steh zitternd in meiner Shorts auf dem Grasbüschel am Uferrand und hab die Arme um meinen Oberkörper geschlungen, weil mir so kalt ist. Oder vielleicht auch, weil ich tatsächlich ein bisschen Angst hab. Schwimmen kann ich, na klar, nicht besonders gut, aber ich kann’s. Ich spring nur nicht gerne ins Wasser von so weit oben. »Feigling!«, brüllt Finn, und Basti und Timon lachen laut. Ein Stück weiter weg taucht Amal gerade wieder auf. Er schüttelt sich prustend das Wasser aus den Locken, spuckt ’ne halbe Fontäne in die Luft und winkt mir zu. »Komm!«, ruft er. »Das Wasser ist super!« »Komm!«, äfft Finn ihn nach. »Na, komm schon, du Niete! Die Fische beißen dich nicht, ist eh nichts an dir dran!« Ich seh zu Amal, der mich angrinst, und geh vorsichtig einen Schritt nach hinten, ohne auf Finns wieherndes Lachen zu hören. Dann kletter ich den Abhang wieder runter, bis unten zum Ufer, wo die Wellen gegen den Sand lecken. »Ich fass es nicht!«, schreit Basti. »Der traut sich nicht zu springen, der Penner!« Vorsichtig stecke ich einen Fuß rein. Das Wasser ist wirklich super, nicht zu warm und nicht zu kalt, genau richtig. Ich beiß die Zähne zusammen und geh einfach los. Als ich bis zur Brust drinstehe, lasse ich mich nach vorne fallen. Das Letzte, was ich höre, bevor ich untertauche, ist Finns höhnische Stimme: »Oh Mannomann!«, brüllt er. »Maaaanfred, du Penner!« Als wir aus dem Wasser kommen, sind die anderen weg. Nur gut so, finde ich. Amal natürlich auch. »Finn ist echt ein Fiesling«, sagt er und trocknet sich ab. »Voll die Bestrafung, dass wir den jetzt wieder jeden Tag sehen müssen.« »Aber hallo«, sage ich. Seit letztem Jahr schon sind Finn und die anderen mit uns in einer Klasse. Basti und Timon gehen ja noch irgendwie, jedenfalls, wenn sie nicht mit Finn zusammen sind, aber Finn nervt total. Der schiebt einen Spruch nach dem anderen, und mich hat er besonders auf dem Kieker. »Einfach nicht hinhören. Musst einfach nicht hinhören, was der quatscht.« Amal wirft die nasse Badehose über den Lenker von seinem Fahrrad und zieht sein T-Shirt über. »Interessiert doch auch gar nicht, was Finn zu sagen hat. Oder?« Amals Augen sind braun, mit kleinen goldenen Sprenkeln drin, die in der Sonne glitzern, als er mich ansieht. Wie er so dasteht und die letzten Tropfen aus seinen dunklen Locken schüttelt, fällt mir wieder ein, was Maike neulich auf dem Pausenhof gesagt hat: »Voll süß ist der«, hat sie zu Sarah gesagt, als ich gerade vorbeikam. »Der einzige gute Junge aus unserer Klasse. Die andern sind doch alle blöd. Aber Amal, der hat ein voll süßes Lachen, und dem seine Locken sind richtig niedlich.« Dann hat sie mich gesehen und sofort war sie still. Und dann hat sie die Nase gerümpft und mir die Zunge rausgestreckt. Manche Mädchen sind einfach bescheuert. Amal guckt auf seine Uhr. »Ich muss los. Ist schon halb sieben.« »Wollen wir nicht noch eben unten an der Radde ’n Wettrennen machen?«, frag ich, aber Amal schüttelt den Kopf. »Nee, meine Mutter schlachtet mich, wenn ich Viertel vor nicht da bin. Kennst doch Bea.« Bea, Amals Mutter, ist zwar ziemlich locker drauf, aber zu spät kommen ist bei ihr nicht drin. Da wird sie stinkig. »Du hast alle Freiheiten, Amal, aber ’ne Verabredung ist ’ne Verabredung. Zum Abendbrot bist du pünktlich und basta.« Amal hält sich lieber dran. Würde ich auch, an seiner Stelle. Aber muss ich ja nicht. Bei mir guckt keiner groß drauf, wann ich komm. »Ciao, Amigo, bis morgen früh im feindlichen Lager«, sagt Amal und schwingt sich auf sein Rad. »Zieh Leine.« Ich steck mir mein zusammengerolltes Handtuch hinten in die Shorts, die mächtig durchhängt, weil sie so nass ist. Badehose hab ich keine, macht aber nichts. Die Shorts tut’s ja auch. Als ich hochguck, ist Amal schon weg. Ich fahr auch. Ich hab Hunger. Auf der Straße vom See in die Stadt sind so ein paar Huckel, zur Verkehrsberuhigung, damit die Leute langsam fahren. Aber ich geh hier immer auf Vollgas. Wenn ich mich ganz nach vorne beuge, die Arme steif mache und richtig gut Anlauf nehme, komm ich glatt zweieinhalb Meter weit durch die Luft. Amal mit seiner alten Hollandgurke muss da immer passen, aber mein BMX-Rad hält das aus. Auch wenn’s nicht danach aussieht. Irgendwann schaff ich mal vier, garantiert. Ich bretter über die drei Huckel hinweg, voll der Überflieger. Beim vierten kommt mir ein Auto entgegen. Ich kann gerade noch ausweichen, aber der Fahrer muss trotzdem hart in die Bremsen. Er guckt total sauer. Ich streck ihm die Zunge raus und steige in die Pedale. Der kommt mir eh nicht hinterher, und da, wo ich langfahr, schon gar nicht. Vor der Kossenmühle biege ich rechts ab und fahr im Stehen den kleinen Pfad neben dem Bach, der Radde, entlang. Die Brombeerbüsche sind höher als ich und schon leer gepflückt, aber die Hagebutten ein Stückchen weiter hängen noch alle dran. Hier mach ich sonst mit Amal Wettrennen, immer die Radde entlang bis zur Holzbrücke, da rüber und auf der anderen Seite wieder zurück. Macht totalen Spaß, außer wenn da welche rumlaufen und meckern, Muttis mit Kinderwagen oder Leute mit Hunden. Kommt leider oft vor. Einen Moment überleg ich, ob ich mal kurz über die Holzbrücke fahren soll, das macht immer so ein irres Geräusch, so ein ganz lautes Rumpeln. Oder vielleicht die Kruppstraße hoch, am Haus von Greta vorbei. Aber dann fahre ich doch geradeaus weiter, den kleinen Weg bis zur Jahnstraße unten am Stadion. Mit einem Satz bin ich auf der Straße, und dann kann ich schon unser Haus sehen. Klein und irgendwie schrumpelig steht es da, auf der anderen Seite der Ausfallstraße, die zur Bundesstraße 70 hochführt, wo es nach Holland geht und zum Meer und überhaupt überallhin. Irgendwann stell ich mich mal dahin und halt den Daumen raus, wie Bea, Amals Mutter, das früher immer gemacht hat. Und dann nimmt mich einer mit und dann fahr ich da hoch, auf die B 70 und los, irgendwohin. Irgendwann mach ich das mal. Die Gartenpforte ist offen, wie immer. Ich rausch durch, um die Hausecke rum und spring ab. Werner sitzt auf der Hintertreppe und raucht. »Hej, Werner.« Ich lass mein Rad gegen die Mauer fallen. »Nimm deine Karre da weg«, sagt Werner statt einer Begrüßung. Ich tu so, als hätte ich nichts gehört, aber Werner hält mich am Bein fest, als ich vorbeiwill. »Tu die Karre da weg, ej.« »Mann«, maul ich vor mich hin, aber ich stell mein Fahrrad doch lieber an den nächstbesten Baum. Ich hab keine Lust zu riskieren, dass es im Gebüsch landet. Und damit muss man rechnen, wenn Werner genervt ist. Und das ist er meistens, seit er vom Bund wieder zurück ist. »Siehste«, sagt er. »Geht doch, du Arsch.« Drinnen läuft die Glotze, wie immer. Ich bieg gleich rechts ab, zur Waschküche, Shorts aus, aber zu spät. Ma hat mich aus der Küche gesehen. »Manfred!«, schreit sie. »Die Hosen! Spinnst du?« »Zieh sie schon aus!«, ruf ich zurück, aber sie kommt mir hinterher. Da hab ich die Shorts schon aus und...



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