Finn | Der gefallene Stern | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

Reihe: Die Wächter von Astaria

Finn Der gefallene Stern

Die Wächter von Astaria 1
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-944866-07-9
Verlag: MiMe books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Wächter von Astaria 1

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

Reihe: Die Wächter von Astaria

ISBN: 978-3-944866-07-9
Verlag: MiMe books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Unheilvolle Omen erschrecken die Bewohner von Astaria. Gestirne erlöschen und Sternenvampire gelangen auf die Erde. Aber sie sind nur Vorboten ihres Meisters: Der gefallene Erzstellar Astronos plant den Ausbruch aus seinem Sternenkerker. Der Einzige, der ihm Einhalt gebieten könnte, ist der Knappe Fabio, Mitglied eines Paladin-Ordens. Auf der Burg eines mächtigen Barons begegnet er der Sternendeuterin Celeste. Sie erweist sich als seine wertvollste Verbündete im Kampf gegen die Mächte der Finsternis.

Thomas Finn wurde 1967 in Chicago geboren, wuchs in Deutschland auf und lebt heute in Hamburg. Der ausgebildete Werbekaufmann und Diplom-Volkswirt ist preisgekrönter Spiele-und Romanautor und hat einige Jahre als Lektor und Dramaturg in einem Drehbuchverlag sowie als Chefredakteur des führenden deutschen Phantastik-Magazins Nautilus gearbeitet. Im Spielebereich stammen zahlreiche Abenteuer-Publikationen aus seiner Feder, darunter weit über ein Dutzend Titel des beliebten deutschen Fantasy-Rollenspiels 'Das Schwarze Auge', zu dessen Redaktionsstab er zählt. Hauptberuflich arbeitet er heute als Roman-, Spiele-, Theater- und Drehbuchautor. Für seinen bei Ravensburger erschienenen Roman 'Das unendliche Licht' gewann er 2007 die Segeberger Feder, den einzigen Jugendbuchpreis Schleswig Holsteins. Weitere Informationen zum Autor und seinen Büchern gibt es unter www.thomas-finn.de
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Bauernritter


Mond und Sterne, die Stellare am nächtlichen Himmelszelt, spiegelten sich im Wasser des kleinen Flusses, der sich rauschend seinen Weg durch den Laubwald bahnte. Der warme Wind roch nach Blättern und feuchter Erde.

Fabio hockte regungslos im Dickicht der Uferböschung und blickte auf die reißende Strömung, die Zweige und Wurzelwerk mit sich fortriss. Offenbar hatten die starken Regenfälle am Mittag den Fluss stark anschwellen lassen. Doch das war Fabios geringste Sorge. Die Fährte endete hier.

Misstrauisch musterte er noch einmal den Wald am gegenüberliegenden Ufer. Leider konnte er nicht erkennen, ob sich die Spuren drüben fortsetzten. Fabio seufzte und blickte kurz zum Mond auf, der halb von einer Wolkenbank verdeckt war. Doch Molunah, die Mächtigste unter den Erzstellaren, verweigerte ihm heute ihre Gunst.

»Und?«

Hinter sich hörte Fabio das Schnauben eines Pferdes und das leise Klirren eines Kettenhemds.

Er verließ die Deckung und straffte sein Schnürhemd, das er unter dem abgewetzten Umhang trug. »Die Goblins waren hier, Herr.« Er zog sein Kurzschwert und teilte damit das hohe Gras in der Nähe eines verrotteten Baums. In Molunahs Silberlicht wurde ein Fußabdruck sichtbar, der etwas schmaler und kleiner als der eines Menschen war. Ein ungeübter Beobachter hätte die Fährte wohl für die Hinterlassenschaft eines Gnoms halten können, wären da nicht die Vertiefungen gewesen, welche die überlangen Fußnägel im Erdreich hinterlassen hatten. Es bestand also kein Zweifel daran, dass die Spur von einem ihrer Feinde aus dem Osten herrührte.

»Der Abdruck hier stammt von einem anderen Goblin als die Spur, die uns hierhergeführt hat«, fuhr Fabio fort. »Dieser Fuß weist in der Mitte einen verkümmerten Zeh auf. Ich bin mir daher sicher, dass wir es inzwischen mit zwei dieser Kreaturen zu tun haben.«

»Nun, das wird Baron de Vontafei nicht gerade freuen«, antwortete ihm die tiefe Stimme. »Immerhin gehört der Wald zu seinen Ländereien. Aber ich hoffe doch, das ist nicht alles, was dir die Fährte verrät?«

Fabios Herr Ludovico saß hoch zu Ross im Schatten zweier Kastanien, ein bloßer Schemen im fahlen Mondlicht.

Fabio steckte sein Kurzschwert zurück in die Scheide und strich sich leicht verstimmt eine helle Strähne hinters Ohr. Es wurde Zeit, dass er seine Haare wieder auf Kinnlänge schnitt, doch in den letzten Wochen hatte er für Nebensächlichkeiten wie diese keine Zeit gehabt. Es ärgerte ihn, dass ihn sein Herr Ludovico wie einen Pagen behandelte und nicht wie einen Knappen, der kurz vor dem Ritterschlag stand. Immerhin hatte er sein siebzehntes Lebensjahr fast vollendet. In einem Monat würde auch er ein vollwertiges Ordensmitglied sein. Dann würde er mit seinem Herrn an einem Tisch sitzen.

»Nein, Herr, natürlich ist das nicht alles.« Fabio hob einen Zweig vom Boden auf und stocherte damit vorsichtig im Wasser herum, das sich in dem Abdruck gesammelt hatte.

»Die Spur ist mit Regenwasser gefüllt. Das bedeutet, dass die Goblins vor dem schweren Gewitter heute Mittag hier waren, also bereits vor etwa zehn oder elf Stunden. Ansonsten wäre die Spur trocken.« Fabio prüfte die Tiefe des Abdrucks. »Der Goblin hat sich hinter diesem Baumstumpf verborgen gehalten. Der Fußballen hat sich etwas tiefer eingedrückt als die Ferse. Vermutlich hat er von hier aus den Wald auf der anderen Seite des Flusses ausgespäht.«

»Denkbar«, brummte sein Herr. »Denn das Anwesen von Vittore de Vontafei und seiner Familie ist nicht weit entfernt. Die Männer des Barons sind sicher kaum weniger aufmerksam als wir.«

Ludovico lenkte sein Pferd an die Seite seines Knappen. Seinen Helm hatte der Paladin an den Sattelknauf gehängt. Sein Haar war schütter, in das Gesicht des Alten hatte die Zeit tiefe Furchen gegraben. Darüber konnte auch der dichte Vollbart nicht hinwegtäuschen. Dennoch war Fabios Herr Ludovico eine stattliche Erscheinung. Er stammte aus der Gegend um Firenze. Wie alle Paladine trug er ein schimmerndes, seitlich geschlitztes Kettenhemd, das von einem zinnoberroten Waffenrock geziert wurde. Diesen hatte Fabio – was in der Dunkelheit nicht zu sehen war – bereits mehrfach geflickt. Auf das feine Tuch war das Wappen der Paladine vom Orden der Morgenröte genäht: eine weiße Sonnenscheibe mit vergoldetem Flammenrand, die von fünf Sternen umrahmt wurde. Darin prangte die geflügelte Gestalt Marsakiels. Die Weber hatten den Erzstellar des Krieges als geflügelten Kämpfer mit Schwert und Schild dargestellt. Natürlich ebenfalls in zinnoberrotem Garn, schließlich zeigte sich der Himmlische in manchen Nächten als roter Wandelstern am Himmel. Selbst Ludovicos Streitross war in einen schmückenden Überwurf aus rotem Stoff gehüllt. Bald würde auch Fabio die Farben des Ordens tragen.

»Das ist aber noch nicht alles, Herr.« Fabio erhob sich und zog prüfend die Luft ein. »Sicher habt Ihr es auch schon gerochen?«

Der Paladin richtete sich im Sattel auf. »Ja …«, meinte er zögernd. »Ich war mir nur nicht ganz sicher. Hier stinkt es nach dem Kot von Riesenfledermäusen. So weit im Westen sind wir schon lange nicht mehr auf die Flugtiere der Goblins gestoßen.«

Fabio ärgerte sich einen Moment lang darüber, dass ihn sein Herr nicht schon früher darauf aufmerksam gemacht hatte. Hatte Ludovico beschlossen, ihn zu prüfen?

»Aber auch diese Spur ist bereits einige Stunden alt«, meinte Fabio. »Anscheinend hat der Regen den Kot fast ganz fortgespült. Das kann nur eines heißen: Der Goblin, den wir verfolgt haben, hat sich hier mit einem Wolkenreiter aus seinem Volk getroffen. Und das wiederum deutet darauf hin, dass es sich bei den beiden um Späher handelte. Wo aber Späher sind …«

»… ist eine ganze Horde Goblins nicht fern«, beendete der Paladin den Satz. »Am Ende hatten die Himmlischen doch noch ein Einsehen mit mir. Aus dem frechen kleinen Rotzlöffel, den ich damals aufgenommen habe, ist ein besserer Fährtenleser geworden, als ich je zu hoffen gewagt hätte. Ich gebe zu, ich habe deine Fähigkeiten unterschätzt.«

»Danke, Herr.« Es kam nur selten vor, dass Ludovico ihn lobte.

»Dann lass uns jetzt zum Anwesen der de Vontafeis reiten.« Ludovico griff nach den Zügeln. Das alte Streitross schnaubte, gehorchte seinem Besitzer aber sofort. »Der Baron muss umgehend von den bedrohlichen Ereignissen in seinem Wald in Kenntnis gesetzt werden.«

Fabio schnalzte mit der Zunge. Langsam trottete Gino, sein Esel, zwischen den Bäumen hervor. Das Grautier war mit Packtaschen und Waffen beladen. Fabio trat ein paar Schritte auf Gino zu und ergriff die Zügel, was dieser mit einem gelangweilten Zucken der Ohren quittierte.

»Und wie sollen wir nun über den Fluss kommen, Herr?«

»Wir werden ihn überqueren, Knappe. Ganz einfach.« Ludovico ritt zum Uferrand.

»Das Wasser scheint mir an manchen Stellen aber recht tief. Wir werden schwimmen müssen. Soll ich Euch beim Ablegen der Rüstung helfen?« Mit dem schweren Kettenhemd würde sein Herr unweigerlich ertrinken.

»Nein, zu umständlich.« Ludovico bedachte Fabio mit einem düsteren Blick. »Wir werden es etwas weiter flussabwärts versuchen. Dort befindet sich eine alte Brücke.«

»Ihr wart schon einmal in diesem Wald?«

»Frag mir keine Löcher in den Bauch, sondern tu einfach, was ich dir aufgetragen habe!« Mit diesen Worten ritt Ludovico in Richtung Unterholz. Das Knacken der Zweige war trotz des Wasserrauschens weithin zu hören. Sollten sich doch noch Feinde in der Nähe befinden, würden diese sie spätestens jetzt bemerken.

Gino hinter sich herziehend, folgte Fabio den Windungen des Flusses, bis sich zu seiner Überraschung eine altersschwache Holzkonstruktion aus dem Dunkel schälte. Das, was eine Brücke hätte sein sollen, entpuppte sich als Stegkonstruktion, die sich wie der gebrochene Flügel eines großen Vogels von Ufer zu Ufer spannte.

»Das Ding hier wirkt aber nicht sehr vertrauenerweckend«, bemerkte Fabio zögernd.

»Ich gebe zu, es ist schon eine Weile her, dass ich die Brücke zum letzten Mal benutzt habe.« Ludovico schwang sich mühevoll von seinem Ross, trat an einen der Pfeiler heran und musterte das Holzgefüge. »Sie wurde errichtet, damit Jagdgesellschaften auch bei Hochwasser über den Fluss gelangen können. Aber offenbar hat Vittore de Vontafei keine Freude mehr an solchen Lustbarkeiten.«

»Lasst mich prüfen, ob sie uns überhaupt tragen kann, Herr.«

Der Paladin nickte und machte seinem Knappen den Weg frei.

Das Holz schien bereits an einigen Stellen verrottet, die Bohlen waren moosbedeckt, dazwischen klafften immer wieder breite Löcher. Fabio seufzte.

»Komm, Gino!« Fabio fasste die Zügel des Tieres und setzte behutsam einen Fuß auf den Brückensteg. Der Esel schrie laut und folgte ihm nur widerwillig. Die Holzkonstruktion knarzte und knarrte, hielt dem Gewicht der beiden jedoch stand. Fabio machte einen zweiten Schritt, dann einen dritten....



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