Fischer | Die Dresdner Stradivari | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 419 Seiten

Fischer Die Dresdner Stradivari


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7557-5499-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 419 Seiten

ISBN: 978-3-7557-5499-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



"Allmählich erkenne ich, dass nicht der Klang einer Violine ihre Nachfrage und ihren Preis bestimmt, sondern allein der spektakuläre Name des Geigenbauers." Der zauberhafte Klang der Stradivari seiner Mutter hat Wilhelms Ohr nie verlassen. Damit er als Cellist in der Dresdner Hofkapelle bestehen kann, repariert er sein Cello selbst und findet schließlich Gefallen am Instrumentenbau. Bald steht für ihn fest: Er will Violinen bauen, die denen von Stradivari ebenbürtig sind. Von ersten Erfolgen benebelt, stürzt er sich in die Arbeit, macht die Wohnung zur Werkstatt, verschuldet sich hoch. Ehefrau Charlotte und die vier Kinder haben sich dem grandiosen Ziel des Vaters unterzuordnen. Doch jetzt gefährden Wilhelms Visionen, die er fanatisch verfolgt, die Existenz der Familie. Charlotte droht, ihn zu verlassen. Da bekommt Wilhelm ein sensationelles Angebot und begeht den größten Fehler seines Lebens. Der historische Roman "Die Dresdner Stradivari" spielt im 19. Jahrhundert und beruht auf wahren Begebenheiten. Der spannenden Handlung liegen umfangreiche historische Recherchen zur Dresdner Hofkapelle, zum sächsischen Streichinstrumentenbau sowie zu Leben und Wirken des Dresdner Geigenbauers Wilhelm Schlick zugrunde. Seine Geigen haben im 19. Und 20. Jahrhundert wesentlich zum legendären Klang der Dresdner Hofkapelle beigetragen.

Christine Fischer, Jahrgang 1951, ist mit ihrer Heimatstadt Dresden eng verbunden. Sie betreibt in Dresden ein Incoming-Büro und ist selbst als Gästeführerin tätig. Seit 2010 schreibt sie. Neben Reiseführern gilt ihre Liebe besonders historischen Romanen mit regionalem Bezug und authentischen Hintergründen. Bücher von Christine Fischer: 2022 Die Dresdner Stradivari, BoD Norderstedt 2018 Glücksorte in Dresden, Droste Verlag 2017 Attan - Die Drehung des Lebens, BoD Norderstedt 2016 Elisa und das Kind des Meeres, BoD Norderstedt 2016 Elisa und der Schatten Napoleons, BoD Norderstedt, Neuauflage des 2013 im Dresdner Buchverlag erschienen Romans 2015 Die Regenmantelfrau, BoD Norderstedt 2011 Histörchen und andere Wichtigkeiten aus dem Dresdner Altstadtkern, SinneVerlag Näheres über Christine Fischer und ihre aktuellen Buchprojekte finden Sie hier: www.dresdner-autorin.de

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Weitere Infos & Material


Zeit der Hoffnung
Dresden im Sommer 1823 1
Dresden empfing seinen neuen Bürger mit kaltem, nicht enden wollenden Regen. Statt in dünne Kleider und Hemden schlüpften die Menschen in warme Jacken, setzten Hüte mit breiten Krempen auf, spannten Schirme auf oder huschten, wenn sie unaufschiebbare Besorgungen zu erledigen hatten, einfach unter dem Regen hinweg. Bis auf wenige warme Tage drohte auch dieser Sommer, wie schon die letzten beiden, im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser zu fallen. Das miese Wetter vermochte Wilhelms Hochstimmung nicht zu trüben. Voller Zuversicht machte er sich auf die Suche nach einer kleinen, preiswerten Wohnung und fand sie im Dachgeschoss eines fünfstöckigen Bürgerhauses an der Westseite des Dresdner Altmarktes. Von hier aus konnte er den gesamten Platz überblicken. Rechts ragte stolz der Turm der Kreuzkirche empor, links, etwas ferner, die steinerne Kuppel der Frauenkirche. Zum Großen Opernhaus am Zwinger und zum Morettischen Opernhaus, dem kleineren der beiden Spielstätten der Hofkapelle, waren es nur wenige Minuten Fußweg. Besser hätte Wilhelm es nicht treffen können. Die beiden, durch eine Tür miteinander verbundenen Zimmer waren zwar winzig, aber erfreulich hell. Sie hatten je ein Ostfenster und waren mit allem ausgestattet, was der Mensch zum Wohnen brauchte, wenn er gezwungen war, sich zu bescheiden: In dem kleineren der beiden Zimmer standen ein Bett, ein schmaler Kleiderschrank und ein Waschtisch mit Schüssel und Kanne. Das größere Zimmer diente gleichermaßen als Wohnzimmer und Küche. Neben dem Herd stand ein schmaler Tisch mit drei Stühlen, an der gegenüberliegenden Wand eine Vitrine und neben ihr eine kleine Anrichte.   Wilhelms erster Besuch in Dresden galt dem Königlichen Kapellmeister Carl Maria von Weber. Dafür putzte er sich ordentlich heraus. Zu den schwarzen Pantalons trug er ein weißes Hemd, darüber eine kurze zweireihige graue Weste und ein weißes, mehrfach um den Hals geschlungenes, unterm Kinn zweifach verknotetes Krawattentuch. Weber wohnte mit seiner Ehefrau Caroline, einer gefeierten 28jährigen Sängerin, und dem einjährigen Sohn Max-Maria in einer pompös eingerichteten Wohnung in der Frauengasse. Das Künstlerpaar empfing den jungen Mann überaus freundlich. In heiterer Runde trank man gemeinsam Kaffee, plauderte angeregt über das Dresdner Musikleben und ermunterte Wilhelm, sich großzügig von der frisch gebackenen, herrlich duftenden Eierschecke zu nehmen, was er sich nicht zweimal sagen ließ. Inzwischen war Wilhelms anfängliche Aufregung dem beruhigenden Gefühl gewichen, bei den Webers herzlich willkommen zu sein. Höflich bedankte er sich für die vermittelte Stelle und versicherte Weber, er werde sein Spiel weiter perfektionieren und neue Stücke einstudieren, um der Kapelle jederzeit als hervorragender Cellist zur Verfügung zu stehen. Weber nahm die euphorische Versicherung lächelnd zur Kenntnis und ermutigte Wilhelm, auch weiterhin solistisch tätig zu sein. „Machen Sie sich mit Ihren Auftritten in Dresden einen Namen. Die Mitglieder der Kapelle werden das zu schätzen wissen.“ Nach einer halben Stunde stand Caroline Weber auf und entschuldigte sich. „Ich gehe mit Max ein wenig spazieren. Gewiss habt ihr zwei einiges miteinander zu besprechen und könnt auf meine Anwesenheit verzichten.“ Kaum, dass sie aus dem Zimmer war, schlug Weber einen lockeren, gelösteren Ton an. „Wie geht es Ihrer Frau Mutter und der reizenden Schwester? Beide, und natürlich auch Ihr Vater, waren mir bei meinen Aufenthalten in Gotha die fürsorglichsten Begleiter, die ich mir hätte wünschen können. Ein großes Glück für mich, für das ich Ihrer Familie noch heute dankbar bin.“ „Beiden geht es bestens“, versicherte Wilhelm. „Meine Mutter lebt mittlerweile im Haus meiner Schwester, die sich einer Anstellung als Gesangssolistin in der Gothaer Hofkapelle erfreut. Caroline hat einen angesehenen Arzt geheiratet. Sie kann mit ihrem Leben sehr zufrieden sein.“ „Das freut mich“, sagte Weber in sich gekehrt, als versinke er für einen Moment in der Erinnerung. Plötzlich besann er sich, schlug die langen dünnen Beine übereinander und wandte sich wieder seinem Gast zur. „Nun zu Ihnen und Ihrer Verwendung in der Kapelle.“ In kurzen, klaren Sätzen erklärte er Wilhelm das Prozedere, das er bis zu seiner Festeinstellung, deren Zeitpunkt niemand voraussagen könne, zu beachten habe. „Kommen Sie übermorgen zur Nachmittagsprobe ins Morettische Opernhaus. Es ist der mächtige Bau im italienischen Dörfchen. Ich stelle Sie den Kapellmitgliedern vor. Zudem möchte ich, dass Sie uns eine Probe Ihres Könnens geben. Ich dachte an einen Satz aus einer furiosen Serenade. Aber was rede ich. Sie werden schon das Richtige finden.“ Nach einer guten Stunde brach Wilhelm auf. Er dankte Weber nochmals für die vermittelte Stelle und betonte, wie sehr er sich auf die Arbeit in der Kapelle freue. Auf dem Heimweg hätte er sein Glück am liebsten laut herausgeschrien und jeden, der ihm begegnete, umarmt. Endlich sah er sein Ziel vor Augen. Endlich ging es mit ihm bergauf.   Weit vor der Zeit stand Wilhelm etwas abseits im Foyer des Morettischen Opernhauses und verfolgte, wie die Musiker nacheinander den Saal betraten, auf ihren Stühlen Platz nahmen, die Notenhefte auf die Ständer legten und jeder sein Instrument stimmte. Das klangliche Durcheinander glich dem Summen eines aufgescheuchten Bienenschwarms. Kurz vor drei Uhr kam Weber, die Partitur für die heutige Probe unter dem Arm, auf Wilhelm zu und begrüßte ihn freundlich. Gemeinsam betraten sie den Saal. Schlagartig verstummte das Summen. Die Musiker erhoben sich. Alle Augen richteten sich auf den Kapellmeister und den jungen Mann, der mit seinem Cello neben ihm stand. „Einen wunderschönen Nachmittag, meine Herren, bitte setzen Sie sich.“ Webers Aufforderung galt auch Wilhelm. Er setzte sich auf den Stuhl, den man neben dem Kapellmeister für ihn bereitgestellt hatte. „Ich darf Ihnen heute einen erfreulichen Zuwachs unseres Orchesters vorstellen: Wilhelm Schlick, Solocellist aus Gotha. Sohn des namhaften Musikerehepaares Schlick-Strinasacchi. Herr Schlick steht uns von nun an als Akzessist zur Verfügung. Auf Abruf wird er Lücken in unserer Cellisten-Riege schließen, was heute bereits der Fall ist. Wie man mir sagte, hüten die Herren Schmiedel und Holler, die an Typhus erkrankt sind, noch immer das Bett und werden so bald nicht zu den Proben erscheinen. Es war mein und selbstredend auch Herrn Schlicks Wunsch, Ihnen eine Kostprobe seines Könnens zu geben. Bitte Herr Schlick, was werden wir von Ihnen hören?“ Wilhelm erhob sich mit leichter Verbeugung und sagte so gelassen wie möglich: „Ich spiele den 2. Satz, Adagio, aus dem 1. Cellokonzert in C-Dur von Joseph Haydn. Ein Raunen ging durch die Reihen. Einige Herren nickten anerkennend, andere hoben erstaunt die Brauen. Man lehnte sich zurück und war gespannt. Die knisternde Spannung im Raum spürte Wilhelm beinahe körperlich. Bemüht, seine Aufregung im Zaum zu halten, sagte er sich: Jetzt oder nie! Das hier war weder die konzertante Unterhaltung einer privaten Gesellschaft in Schlesien noch ein Winterkonzert im Gothaer „Mohrensaal“. Das war eine Prüfung ersten Grades. Diese Augen und Ohren gehörten dem fachkundigsten und kritischsten Publikum, das er sich denken konnte. Er machte sich nichts vor, unter den Musikern waren nicht nur freundliche, ihm wohlgesonnene Kollegen, sondern auch Konkurrenten, Neider, Argwöhner, die jeden Ton seines Cellos chirurgisch sezieren würden. Er hob den Kopf, schloss für einen Moment die Augen und besann sich der inneren Triebkraft, die ihm noch immer wie ein Zauberstab jede Aufregung und jede Ablenkung genommen hatte: Er sah den Vater vor sich und hörte sein göttliches Spiel. Jetzt öffnete Wilhelm die Augen, hielt den Bogen über die Saiten, begann zu spielen und war von nun an ganz eins mit seinem Cello und Haydns Musik. Er spielte ohne den kleinsten Fehler. Spielte, als ginge es nicht um das Wohlwollen Webers und dieser Musiker, sondern um das Lob des Vaters. In dieser Vorstellung spielte er hingebungsvoll bis zum letzten Ton. Gediegener Beifall des Orchesters belohnte den Vortrag. Bei den zwei Cellisten, die wie alle Streicher mit der Holzseite ihrer Bögen auf die Notenständer klopften, hielt sich die Zustimmung allerdings in Grenzen. Lediglich der dritte Cellist, ein Herr mittleren Alters mit vollem, an den Schläfen ergrautem Haar, klemmte den Bogen unter den Arm und klatschte, ungeachtet der brüskierten Blicke seiner Nachbarn, laut in die Hände. Weber bedankte sich bei Wilhelm, verharrte einen Moment und sagte dann im Ton eines besorgten Vaters: „Herr Schlick, kann es sein, dass Ihr Cello mit Ihrer spielerischen Meisterschaft überfordert ist?“ Lachen im Orchester. „Lassen Sie sich vor der nächsten Probe aus der Instrumentenkammer ein Dienstinstrument geben. Sie werden den Unterschied merken. Und dieses Instrument“, er wies mit den Augen auf Wilhelms Cello, „wäre Ihnen für eine fachmännische Überholung gewiss dankbar.“ Man lachte noch lauter als vorhin. Es war ein schadenfreudiges Lachen, das hörte Wilhelm heraus. Sogleich wandte Weber sich wieder der Kapelle zu und rief in scharfem Ton: „Attention, meine Herren! Lassen Sie uns mit der Probe beginnen. Herr Schlick, Sie nehmen auf dem freien Stuhl neben unserem verehrten Herrn Ritschel Platz.“ Wilhelm fiel ein Stein vom Herzen. Der...



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