E-Book, Deutsch, Band 1, 130 Seiten
Reihe: Einzelroman
Fischer Die Dunklen kommen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7549-8360-7
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 130 Seiten
Reihe: Einzelroman
ISBN: 978-3-7549-8360-7
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Beate Fischer, Jahrgang 1985, ist Bloggerin und hat ein Buch mit dem Titel 'Gewissensentscheidung' geschrieben welches als ePubli bei Amazon erschienen ist und das zu einer ganzen Abenteuer-Serie gehört. Die restlichen Romane der Serie sollen nach und nach veröffentlicht werden. Beate F. lebt mit ihrer Tochter im südlichen Baden-Württemberg. Sie arbeitet im EDV und Netzwerk-Support. Sie zeichnet gern mit Tusche ist Technologie begeistert, ein Trekkie und begeisterte Segelfliegerin.
Autoren/Hrsg.
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Besuch bei den Mergern
Die Delegation aus Ginavera hatte den Dampfwagen verlassen und lief im Gänsemarsch, immer zwei nebeneinander, den schmalen Weg hinauf zur Enklave der Merger. Unterwegs trafen sie auf einige hart arbeitende Merger auf ihren Feldern, sie schauten freundlich, aber zurückhaltend zu den Leuten aus der Stadt. Einige Kinder der Merger, allesamt recht hochgewachsen und hellhäutig, sprangen um die Besucher oder rannten vor ihnen her. Keanos und Lirsana, die zum ersten Mal in der Enklave waren, sahen, dass die Menschen hier so helles Haar wie Lirsana hatten. Teils waren sie sogar weißblond und ausnahmslos hochgewachsen. Allmählich schauten auch einige der Kinder aus der Enklave zu Lirsana, niemand sagte ein böses Wort. Je näher sie der Ansammlung der Hütten kamen, desto mehr Merger kamen aus ihren Häusern. Elomar bemerkte, dass eine größere Anzahl der Merger vor einem kleinen abgelegenen Haus standen und offenbar trauerten. Zwei etwa 14 Jahre alte Mädchen kamen zu Lirsana gelaufen und lächelten sie an, dann gaben sie ihr die Hand und zogen sie mit sich. „Kommst du mit uns, wir spielen ein wenig. Das hier ist Ulata und ich bin Marga, wir sind die Ebulda-Zwillinge, wie heißt du?“ Lirsana stelle sich kurz vor und war bereits in den Spielreigen der Mädchen aufgenommen. Keanos schaute zu, wie seine Freundin bei den anderen Mädchen stand und hatte plötzlich ein Problem, seine Lirsana von den Ebulda-Mädchen zu unterscheiden. Lediglich die unterschiedliche Kleidung zeigte, dass das Lirsana ein Mädchen aus der Stadt war. Elomar und zwei Ratsmitgliedern war das auch aufgefallen. „Da schau die kleine Lirsana, die sieht fast genauso aus wie die beiden anderen Mädchen.“ Lirsana lernte schnell das Spiel, das die Mädchen spielten und nur kurze Zeit später spielte sie so, als hätte sie dieses Spiel schon von Kindesbeinen hergekonnt. Da die städtischen Besucher aber weiterzogen, hinauf in die Merger Stadt, lies Lirsana vom Spielen ab, verabschiedete sich und lief zu Keanos, der bereits auf sie wartete. Lirsana winkte den anderen Mädchen freundlich nach und die beiden winkten auch zurück. Bei Keanos angekommen, meinte sie nur leise „Du, Keanos, die sehen ja eigentlich genauso aus wie wir.“ Keanos gab ihr die Hand, drückte Lirsana einen zarten Kuss auf die Stirn und lächelte sie an, dabei dachte er sich: „Die sehen tatsächlich fast genauso aus wie du, Lirsana.“ Oben auf dem kleinen Platz angekommen, grüßte Elomar alle Merger, die sich eingefunden hatten, und bat um eine offizielle Unterredung. Die Merger riefen ihren Anführer und aus einem der Häuser kam ein hoch gewachsener, sportlicher und gutaussehender Mann im besten Alter zu ihnen. Seine gelockten dunkelblonden Haare und der Drei-Tage Bart standen dem Mann gut.
„Ich bin Meralingo Ebualdson“, begann der Hochgewachsene, „und ich bin hier in unserer kleinen Ansiedlung der Talikatipu, so eine Art Bürgermeister und trage die Verantwortung. Mit wem habe ich bitte die Ehre?“ Dabei wusste er ganz genau, wer da vor ihm stand und streckte Elomar zur Begrüßung die Hand hin und war auf die Reaktion von Elomar gespannt. „Ich bin Elomar Junotau, die Matriarchin von Ginavera, sozusagen auch eine Art Bürgermeisterin und auch ich trage in Ginavera zusammen mit meinem Rat die Verantwortung.“ „Ah ja, der Hohe Rat von Ginavera, ich habe bereits viel davon gehört.“ „Einfach nur der Rat, wir brauchen keinen Hohen Rat, denn wenn ein einfacher Rat nicht genügt, dann ist zumeist auch ein noch so Hoher Rat vergeblich.“ Dabei lächelte sie zurückhaltend zu Meralingo. Meralingo nickte leicht und lächelte Elomar gewinnend zu. „Aber bitte kommt doch, auch wenn heute nicht der beste Tag für einen Gastbesuch ist, denn wir befinden uns in Trauer. Trotzdem will ich Gästen die gebotene Gastfreundschaft der Merger nicht vorenthalten, ich bitte euch, nehmt hier Platz“, dabei ging er zu einer größeren Sitzgruppe.
„Hier halten wir unsere großen Palaver ab, leider kann ich keine so schöne Ratshalle wie in Ginavera vorweisen. Wir versuchen aber, mit dem kargen Boden und unseren kläglichen Markterträgen hier einfach zu überleben.“ Einige Frauen und Männer trugen frisches Quellwasser und kleine Köstlichkeiten auf. „Ich wollte euch nicht in eurer Trauer stören, bitte verzeiht, wer ist denn von euch gegangen?“ „Einer unserer jungen, kräftigen Männern, er war vor einer Woche bei euch auf dem Markt und da haben ihm einige euerer Bürger recht heftig zugesetzt.“ „Ja, davon habe ich Kenntnis. Ich möchte mich auch darüber mit euch allen Unterhalten, zuallererst aber möchte ich mich für meine Bürger entschuldigen. Ich wusste nicht, dass die Bürger einen von euch zu Tode geschlagen haben.“ Sowohl Elomar als auch Meralingo Ebualdson sahen, dass die Freundlichkeit von Elomar einigen der Ratsmitglieder und der Freiwilligen, die sie begleiteten, nicht ganz passte, aber Elomar stand einfach nur langsam auf und schaute zu ihren Bürgern. „Bitte lasst uns einen friedlichen Tag erleben, ein friedliches Palaver abhalten. Ich versichere euch, dass meine Begleiter dabei ganz friedlich bleiben werden.“ Dabei sie hob ihre Stimme nur um eine Nuance: „Das ist doch so, oder sollte ich mich getäuscht haben?“ Sofort verschwanden die murmelnden Wortfetzen und die Besucher aus der Stadt waren wieder deutlich freundlicher.
Meralingo lächelte. Elomar hatte ihr Volk offenbar im Griff und es reichten ihr Kleinigkeiten, um eine Sache klar zu stellen. Dabei konnte er keinerlei Angst bei einem der Begleiter erkennen. Er gewann mehr Achtung vor Elomar. Jetzt hatten alle Besucher ein gefülltes Glas in den Händen. Meralingo erhob sein Glas mit frischem Wasser und prostete den Besuchern zu. „Ich erhebe das Glas frischen Wassers und stoße mit Euch uns an, es ist nur einfaches Wasser, aber so klar und ehrlich wie wir.“ Dann trank er aus seinem Glas. „Nun gut, was ist bitte der Grund eures Besuchs?“
Elomar setzte sich wieder. „Mir und allen im Rat ist aufgefallen, dass ihr den Markt von Ginavera nicht mehr besucht. Wir müssen leider feststellen, dass da einiges nicht so gelaufen ist, wie ich es mir bei anständigen Bürgern gewünscht hätte!“ Einige der Freiwilligen schauten dabei schuldbewusst zu Boden, die Worte von Elomar hatten ihre Wirkung. „Bitte versteht,“ sprach Elomar weiter, „auch wir liegen in Trauer, seit einiger Zeit haben wir merkwürdige Trauerfälle und können uns diese nicht erklären.“ „Genau wie bei uns!“, sprach eines der Mädchen mit einem Wasserkrug und begann zu zittern: „Ganz genau wie bei uns.“ Meralingo Ebualdson hob die Hand leicht an, sah das Mädchen an und das Mädchen schwieg auf der Stelle. „Ja, Varino Ulfadsor, wir haben auch merkwürdige Sterbefälle, seit meine Freunde bei euch auf dem Marktplatz waren. Wir glaubten anfangs, man habe unseren Leuten einen schlechten Trunk gegeben, aber unsere Heiler fanden nichts.“ Elomar war sprachlos, schaute Meralingo fragend an und sie schien sich dabei zu konzentrieren, dann lächelte sie ihm wieder zu. „Wir haben nicht die Angewohnheit, unseren Gästen und Handelspartnern einen schlechten Trunk zu geben oder sie zu vergiften, das kann ich hier versichern.“ Meralingo Ebualdson nickte zufrieden und schaute nun Elomar prüfend an „Wie verläuft diese unbekannte Krankheit denn bei euch?“ Eine Frau mittleren Alters trat dazu und stellte sie sich vor: „Ich bin Villi Musadenka, die erste Heilerin. Zuerst wirken die Kranken erschöpft, das geht dann mehrere Tage, dann werden sie bettlägerig und es ist, als würde ihnen etwas die Kraft aussaugen. Dann dauert das Leiden höchstens noch einen Tag und der Kranke verstirbt. Wir finden kein Gift, keine Gebrechen und keine Verletzungen. Einzig und allein auf dem Rücken findet sich bei den Verstorbenen ein Abdruck zwischen den Schulterblättern. Dieser Abdruck hat die Form eines dreiblättrigen, aufrechtstehenden spitz zulaufenden Blattes, die Ränder sehen zerfranst aus, etwa so wie die Blätter der Marabuspflanze. Kennt ihr diese Pflanze, die müsste hier auch am Wasser wachsen?“ Ein Schrei des Mädchens mit dem Wasserkrug durchlief die Versammlung und das junge Mädchen rannte weinend weg. Zwei andere Mädchen, die bereitgestanden hatten, liefen ihr nach und schienen sie zu trösten. Elomar sah verwirrt zu Meralingo. „Bitte verzeiht, Varino ist noch jung und ihr Bruder wurde uns gestern genommen, sie ist in Trauer und muss sich erst noch erholen.“ Meralingo stand auf und gab Elomar die Hand. „Bitte begleitet mich, ihr anderen verbleibt bitte, wir kommen gleich wieder zurück.“ Damit führte Meralingo Elomar vor das kleine Haus, bei dem mehrere Merger standen und weinten. Es kamen weitere Merger aus dem Haus, stellten sich davor auf und sangen leise irgendwelche Trauerlieder, die Elomar weder kannte noch richtig verstehen konnte.
„Das hier ist unser verehrter Gorocktava Ulfadsor, der Bruder des Mädchens von eben. Er ist, wie ich sagte, diese Nacht gestorben und dieses schwarze Mal fanden wir auf seinem Rücken.“ Mit diesen Worten drehten zwei Merger die Leiche des Mannes um und man konnte deutlich das dreieckige, schwarze Mal sehen. Es war genau so groß und so schwarz wie bei den Toten in Ginavera. Elomar schlug die Hände vor ihren Mund und begann leise zu weinen. Dann schaute sie zu Meralingo. „Gestattest du mir, dass ich für den Mann bete und weine?“ Meralingo schaute zum ersten Mal Elomar mit anderen Augen an, lächelte kurz und ging dann aus dem kleinen Haus. Vor der Tür blieb er stehen und wartete eine Weile, bis Elomar wieder zu ihm kam. „Danke, dass ich das sehen durfte, das ergibt ein ganz anderes Bild und wir müssen uns unbedingt unterhalten!“ Die anderen Merger erkannten, dass Elomar geweint hatte,...




