E-Book, Deutsch, 80 Seiten
Flörken C.M.Kneisel: Schriften
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7504-9162-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
1814-1837
E-Book, Deutsch, 80 Seiten
ISBN: 978-3-7504-9162-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Carl Moritz Kneisel schreibt Gedichte und verfasst eine Geschichte der Bonner Lese- und Erholungsgesellschaft.
Autoren/Hrsg.
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1837 C. M. Kneisel: »Geschichte der Lese- und Erholungs-Gesellschaft in Bonn«6
Eine Gesellschaft, die bereits ein halbes Jahrhundert fortbesteht, einen dreifachen Wechsel der Landesherrschaft erlebte und sich trotz aller Stürme der Zeit dem ursprünglichen Zwecke ihrer Stiftung nicht nur treu erhielt, sondern denselben mehr und mehr und mit dem glücklichsten Erfolg erweiterte und vervollkommnete, — eine solche Gesellschaft hat schon eine eigene Geschichte, wenigstens Chronik, die sich durch mündliche Ueberlieferung allein nicht mehr gehörig fortzupflanzen vermag. Von den Stiftern unserer Gesellschaft lebt nur noch Einer, und die Mitglieder, deren Eintritt bald nach der Begründung der Gesellschaft erfolgt ist, hat uns bis auf Wenige der Tod oder Wechsel des Wohnorts entzogen.
Wir versuchen daher dem Wunsche zu entsprechen, dass bei der gegenwärtigen halbhundertjährigen Jubelfeier eine Geschichte der Gesellschaft in ihren Hauptmomenten, gedrängt und in chronologischer Ordnung aus den Protokollen und sonstigen Aktenstücken des Gesellschafts-Archivs entworfen werde, zum Gedächtniss für Zeitgenossen und Nachkommen.
Am einfachsten theilt sich die Geschichte der Gesellschaft nach dem dreifachen Landes-Regierungswechsel in drei Perioden: I. unter der kurfürstlich-kölnischen, II. der französischen und III. der preussischen Herrschaft. <2>
I. Periode: Die Lese-Gesellschaft unter der kurfürstlich-kölnischen Herrschaft von 1787 bis 1791.
Am ersten December 1787 traten dreizehn, durch Bildung und Stand ausgezeichnete Männer, zu einem Leseverein zusammen, aus welchem unsere Gesellschaft allmählich erwachsen ist. Noch in demselben Monat schlossen sich ihnen so viele Theilnehmer an, dass die Gesellschaft beim Jahresschluss 1787 bereits 35 Mitglieder zählte. Dankbar haben wir ihre Namen an die Spitze des beigefügten Namenverzeichnisses gestellt [siehe Seite 51 ff].
Nachdem die Gesellschaft sich gehörig constituiert, ein passendes Lokal zu ihren Versammlungen in dem damaligen Eggelmeier'schen Hause – dem Schloss gegenüber – gemiethet, die ersten Statuten entworfen und festgestellt hatte, begann sie am 2ten Januar 1788, mit welchem Tage erst die vorhandenen regelmässigen Sitzungsprotokolle anheben, ihre eigentliche Wirksamkeit nach den eingeführten Gesetzen.
Der ursprünglichen Einrichtung zufolge sollte jedes Mitglied eine oder mehrere Zeitschriften, Zeitungen und auch ganze Werke, oder statt dessen einen jährlichen Beitrag von zwei Kronenthalern liefern; welche Vergünstigung in der Folge nur den allen 35 ersten Mitgliedern zustand; späterhin hatte jedes Mitglied ein Journal oder eine gelehrte Zeitung zu stellen, überdies einen halbjährlichen Beitrag von zwei Reichsthalern kölnisch und endlich noch ein Aufnahmegeld von vier Kronenthalern zu entrichten. Die Zeitschriften sollten nach einer gewissen Zeit wieder an die Mitglieder, welche dieselben hingegeben, zurückfallen; regelmässig aber wurden sie der Gesellschaft zum Geschenk gemacht. Mit rühmlichem Eifer bestrebten sich die Mitglieder auf eigene Kosten die Lesetische mit unterhaltenden und belehrenden Zeitschriften zu versehen und die gesellschaftliche Bibliothek mit gehaltvollen und schätzbaren Werken zu bereichern. So rechtfertigten sie die wahre Bedeutung des gewählten und noch fortbestehenden Symbols der Gesellschaft: eines von arbeitsamen, zu- und abfliegenden Bienen umschwirrten Bienenkorbes, dessen Anblick auch uns auffordert zu gleich emsiger Beförderung des gesellschaftlichen Zweckes. <3> Von den Gesellschaftszimmern war eines zum Lesen, das andere zur Ausstellung der Bibliothek, das dritte zu freundschaftlichen und stillen Unterhaltungen bestimmt, wobei der Genuss von Erfrischungen, mit Ausnahme berauschender Getränke, und gesellschaftliche Spiele, – Karten und Würfel ausgeschlossen – gestattet waren.
Anfangs wurden alle geselligen Angelegenheiten in allgemeiner Versammlung berathen und entschieden; doch hatte die Gesellschaft einen Direktor, der alle Monate wechselte, einen Sekretär und Kassierer. Aber schon im April 1788 setzte man zu besserer Handhabung der Verwaltung, einen eignen Ausschuss ein, bestehend aus dem Direktor, Sekretär und Kassierer, welche von nun an für die Dauer eines Jahres gewählt wurden, und sechs Mitgliedern der Gesellschaft, wechselnd nach der Reihefolge der Aufnahme, so dass mit jedem Monat das älteste abging und das zunächst folgende an dessen Stelle trat. Diese sechs Ausschussmitglieder führten, gleichfalls der Reihe nach, die Aussicht über das Lesezimmer und die Bibliothek, bis 1789 ein eigner Bibliothekar dem Ausschuss beigesellt ward.
Namhafter Zuwachs neuer Mitgliedern ward der Gesellschaft fortwährend zu Theil, und sie erfreute sich nicht minder des Besuches vieler werthen Gäste, unter welchen vor allen des Landes Herrscher, Kurfürst und Erzbischof Max Franz7 hervorragt: er ehrte die Gesellschaft zuerst am 22ten Januar 1788, und in der Folge nicht selten als schlichter Privatmann, durch seinen Besuch, und zeichnete seinen Namen eigenhändig in das noch vorhandene Fremdenbuch ein, erklärte sich zum Beschützer der Gesellschaft, und liess ihr auch bis ans Ende seiner Regierung seinen wohlwollenden Schutz in reichlichem Maasse angedeihen.
Bei solcher Theilnahme ward das bisherige Lokal der geselligen Versammlungen bald zu enge; schon den 9. April 1788 bezog die Gesellschaft ihr neues, vom Stadtmagistrat angemiethetes, auf dem zweiten Stocke des Rathhauses, welches der Kurfürst auf eigne Kosten mit allen nothwendigen Möbeln auf das reichlichste und bequemste ausgestattet hatte8; es wurde bei ihrer ersten <4> Versammlung durch eine gehaltvolle Rede von Schücking feierlichst eingeweiht.
Aus schuldigem Danke gegen ihren grossmüthigen Protektor schaffte die Gesellschaft aus ihrer Kasse dessen wohlgetroffenes lebensgrosses Bildniss9 an und stellte es am 2. December 1789 feierlich, in Gegenwart der kurfürstlichen Herren Commissarien, Ihrer Excellenzen des Staatsministers Reichsfreiherrn von Waldenfels und des Landcomthurs Reichsfreiherrn von Zobel und mehrerer anderen hohen Standespersonen und Fremden in dem grossen Gesellschaftssaale auf; Hr. Sekretär von Mastiaux sprach einen Prolog und las eine von einem Ungenannten eingereichte Festrede ab, Hr. Professor [Eulogius] Schneider deklamierte eine Ode10 und Hr. Professor [Peter Joseph] van der Schuren hielt eine philosophische Rede über den Einfluss der Wissenschaften auf den Staat und schloss das Fest mit einem Epilog. Diese Vorträge wurden gedruckt unter die Anwesenden vertheilt. Mit diesen Feierlichkeit ward zugleich die Austheilung der gedruckten neuen, in den Hauptpunkten zwar auf die alten gegründeten, jedoch mannichfaltig erweiterten und vermehrten Statuten der Gesellschaft verbunden.
Im Jahre 1790 veranstaltete die Gesellschaft, auf allgemeinen Wunsch ihrer Mitglieder, eine Trauerfeier auf den kurz vorher erfolgten Tod des grossen deutschen Kaisers Joseph11, welcher der Kurfürst selbst, die Landtags-Deputierten des Erzstiftes, der Staatsminister von Waldenfels und mehrere ausgezeichnete Fremden beiderlei Geschlechts beiwohnten; Hr. Professor Schneider hielt eine – später gedruckte – Lobrede12 auf den Verewigten, welche der Trauer um des Reiches Oberhaupt Worte lieh, die mit allgemeinem Beifall und Rührung vernommen wurden. <5>
Im Jahre 1791 erfreute sich die Gesellschaft des hohen Besuches Ihrer königlichen Hoheit Maria Christina13, Erzherzogin von Oesterreich, Statthalterin von Brabant, Schwester des Kurfürsten, und Ihres Gemahls, Seiner hochfürstlichen Durchlaucht Albrecht Casimir von Sachsen-Teschen, welche beide gleichfalls ihre Namen in das gesellschaftliche Fremdenbuch einschrieben.
In demselben Jahre legte die Gesellschaft gewissermassen den Grundstein zu ihrer jetzt nicht mehr unbedeutenden Kunstsammlung von Gemälden und Bildnissen berühmter Männer, die entweder in Bonn selbst geboren oder durch einen langem Aufenthalt hierselbst eingebürgert sind, indem sie von den beiden jungen Künstlern, Gebrüdern Kügelgen14, die, in Bacherach geboren, hier ihre erste Bildung erhielten, und sich späterhin als Historien- und Porträtmaler Ruhm erwarben, zwei Gemälde, und zwar ein Landschaftsstück des einen und das Porträt des anderen – im Hintergründe ist zugleich das Bild seines geliebten Bruders als Büste angebracht – auf einstimmigen Beschluss ankaufte. Auch ward von diesem Jahre an der französische gehalten, der sich von da an bis zum Jahr 1814 noch fast vollständig in der Gesellschaftsbibliothek vorfindet.
Die Jahre 1792 und 93 bieten nichts besonders Merkwürdiges dar: die Gesellschaft verfolgte ruhig ihren ursprünglichen Zweck, die Bibliothek wurde mit mehrern kostbaren Werken, unter andern mit Buffon's16 bereichert. Mit Uebergehung einiger unwesentlichen...




