E-Book, Deutsch, 144 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 210 mm
Foraboschi / Massimo / Moroder Tabuthema Sterben
1. Auflage 2025
ISBN: 978-88-6839-758-6
Verlag: Athesia-Tappeiner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein umfassender Leitfaden für die Begleitung auf der letzten Reise
E-Book, Deutsch, 144 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 210 mm
ISBN: 978-88-6839-758-6
Verlag: Athesia-Tappeiner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Leben ist endlich, und das für alle. Dennoch bleibt der Tod nach wie vor ein Tabuthema in der Gesellschaft: Über das Sterben spricht man nicht und die Endlichkeit des Lebens wird automatisch mit negativen Gedanken in Verbindung gebracht. Während für die Autorin und Krankenschwester auf einer inneren medizinischen Abteilung der Tod zum Arbeitsalltag gehört, erlebt sie regelmäßig, wie sich Angehörige eines sterbenden Mitmenschen in ihrer Rolle gänzlich überfordert fühlen. Ob Betroffene mit Diagnose und kurzer Lebenserwartung, Angehörige von Palliativpatienten oder Menschen, die sich mit dem eigenen Ableben auseinandersetzen – dieser Ratgeber soll Quelle der Erkenntnis, der Verbindung und des Trostes sein. Beiträge von Expertinnen und Experten aus Südtirol schildern, warum so viele Menschen Angst vor dem Tod haben und welche Sterbephasen es gibt, beschreiben, wie der Weg von einer Diagnose bis zum letzten Atemzug aussehen kann und welche Stationen und Möglichkeiten relevant sind. Sie erklären, welche Rituale die Menschheit kennt, inwiefern Spiritualität helfen kann und was man vor dem eigenen Tod noch regeln sollte. Dieses Buch macht es leichter, sich mit dem schweren, aber unvermeidlichen Thema auseinanderzusetzen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Leben und sterben
Tabuthema Sterben
Die Menschen fliegen zum Mond und wohl bald auch zum Mars. Wissenschaftler tüfteln an Medikamenten, die ein längeres Leben ermöglichen. Die steigende Lebenserwartung von Männern und Frauen ist für viele ein Hoffnungsschimmer auf ein Leben jenseits des 100. Geburtstages. Aber über das Sterben spricht man nicht. Wer sich damit befasst, wird nicht selten als Pessimist abgestempelt. Die Endlichkeit des Lebens wird automatisch mit negativen Gedanken in Verbindung gebracht. Dabei gehört der Tod ebenso zum Leben wie die Geburt. Vielleicht ist es die Angst, sich dem Unvermeidbaren zu stellen. Ein absolutes „No-Go“ in einer Gesellschaft, in der Schönheit, ewige Jugend und Perfektionismus einen hohen Stellenwert einnehmen. Ein Zeichen von vermeintlicher Schwäche – zeigt uns der Tod doch deutliche Grenzen auf in einer Welt, in der fast alles möglich und machbar scheint. Wer sich mit dem Tod beschäftigt, wird nicht selten mit Fragen konfrontiert. Solche, die wir als unangenehm empfi nden und die wir am liebsten gleich wieder aus unseren Gedanken verbannen würden. Fragen, die uns aus unserer vermeintlich „heilen Welt“ herausholen und uns zwingen, den Blick auf unsere Ängste zu richten, jenseits unserer inneren Scheuklappen. Zugegeben, es gibt Schöneres, als sich mit dem eigenen Lebensende zu befassen. Der nächste Urlaub, die anstehende Gehaltserhöhung oder die Verwirklichung eines lang ersehnten Traums. Wir sind Meister im Verdrängen von unangenehmen Gedanken. Der Umgang mit dem Tod ist vor allem kulturell geprägt. Religion, Rituale und auch die eigenen Erfahrungen mit dem Thema Sterben prägen unsere Sichtweise auf den Tod. In der westlichen Welt unterliegen die religiösen Rituale dabei vor allem der christlichen Religion. Der Verstorbene wird auferstehen und der Körper begraben oder eingeäschert (mehr dazu ab S. ?). WUSSTEN SIE, … … dass das Volk der Toraja auf der indonesischen Insel Sulawesi regelmäßig zusammen mit seinen Verstorbenen feiert? Für die sogenannte „Ma’Nene“, die Totenreinigung, werden in manchen Orten jedes Jahr, in anderen alle zehn Jahre die Toten ausgegraben und die Särge geöffnet. Die verstorbenen Angehörigen werden für die Feierlichkeiten von Insekten befreit und neu eingekleidet. Für die Toraja ist das Leben nur eine Station, wirklich wichtig ist das Puja, das Jenseits. (Mehr über den Tod in anderen Kulturen siehe ab S. ?.) Der Sterbeprozess erfordert von allen Beteiligten viel Mut. Den Mut, sich dem Unvermeidbaren zu öffnen. Und vor allem: den Tod als Teil unseres Lebens zu erkennen, um den Sterbenden begleiten und selbst den inneren Frieden finden zu können. Wer sich eingesteht, dass das Leben endlich ist, schärft den Blick für das Wesentliche, für das, was ihm im Leben wirklich wichtig ist. Für jene Aufgaben, die wir noch erfüllen wollen oder sollten, bevor wir aus dem Leben scheiden. Um irgendwann, wenn unsere letzte Stunde schlägt, mit einem Gefühl des inneren Friedens gehen zu können. Die Angst vor dem Tod
„Hast du Angst vor dem Tod?“, fragte der kleine Prinz die Rose. Darauf antwortete sie: „Aber nein. Ich habe doch gelebt, ich habe geliebt, ich habe geblüht und meine Kräfte eingesetzt, so viel ich konnte. Und Liebe tausendfach verschenkt, kehrt wieder zu dem zurück, der sie gegeben. So will ich warten auf das neue Leben und ohne Angst und Verzagen verblühen.“ Warum haben wir Angst vor dem Tod? Für einen Großteil der Menschen ist der Gedanke, dass unser Leben endlich ist, kein erfreulicher. Demnach kommt es zur Verdrängung des Unausweichlichen, da wir ja alle wissen, dass wir irgendwann sterben müssen. Dieses Phänomen wird auch als „Sterbeparadoxon“ bezeichnet. Jene Personen, die sich bewusst mit ihrer eigenen Sterblichkeit befassen, sind nachgewiesen besser imstande, ihr Leben bewusster zu erfahren und zu gestalten. Zudem fällt diesen Menschen der Umgang mit sterbenden Angehörigen leichter. Statistisch gesehen haben Frauen häufiger Angst vor dem Tod als Männer, jüngere stärker als ältere. Das rührt daher, dass mit dem Alter die soziale Verbundenheit zunimmt – angenehme Emotionen haben eine stärkere Resonanz, was sich positiv auf die Angst vor dem Tod auswirkt. Auch die Dankbarkeit über ein langes und erfülltes Leben mildert bei älteren Menschen die Angst vor dem Tod. Die Angst vor dem „Nichts“
Auch der Gedanke, was nach dem Sterben auf uns zukommt, hat Einfluss auf die Angst vor dem Tod. Weiter hinten im Buch (ab S. 117) erläutere ich die verschiedenen Theorien des Weiterlebens – hier möchte ich dafür kurz den Zusammenhang zwischen der Angst vor dem Tod und dem Leben vor der Geburt ansprechen: Einigen Personen hilft der Gedanke, dass es vor dem Leben auf der Erde nichts gab, keine Form von Leben in einer anderen Dimension. Für andere ist diese Sichtweise schwer zu ertragen, sehen sie dies doch als Beweis dafür, dass es auch nach dem Tod nichts gibt, kein Weiterleben in irgendeiner Form irgendwo. Die weiter hinten beschriebenen Erklärungsmodelle sind ein Versuch, die Hoffnung auf ein Weiterleben aufrechtzuerhalten. Bei der Angst um das „Nichts“ handelt es sich um eine konkrete Form der Existenzangst, die durch den Glauben an ein Weiterleben gelindert werden kann. Die Auseinandersetzung mit Religion sowie die Durchführung von meditativen Übungen können helfen, sich mit der Endlichkeit des Lebens zu befassen und sich auf den eigenen Tod vorzubereiten. Die Angst vor einem schmerzvollen Tod
Die Angst vor Schmerzen während des eigenen Sterbeprozesses ist leider auch heutzutage noch weit verbreitet. Wenngleich durch die Fortschritte in der Palliativmedizin und Schmerztherapie ein nahezu schmerzfreies Sterben möglich ist, verbinden manche Menschen das Sterben automatisch mit dem Vorhandensein von Schmerzen. Das Erstellen einer Patientenverfügung gibt jedem mündigen volljährigen Bürger die Möglichkeit, über die Verabreichung von Therapien im Vorfeld zu entscheiden. Die Angst, die eigene Kontrolle abzugeben
Sterben heißt auch loslassen. Dabei erlebt der Sterbende einen Kontrollverlust, dem er sich nicht entziehen kann. Hilfreich hierfür kann vor allem ein Grundvertrauen sein und die Akzeptanz, dass der Tod zum Leben dazugehört und man ruhigen Gewissens dem entgegenblicken kann, was kommt. Auch eine intensive Auseinandersetzung und die Vorbereitung auf den Tod können für mehr innere Akzeptanz des Kontrollverlustes und somit zur Linderung der Angst beitragen. Die Angst vor dem Jüngsten Gericht
Im Christentum herrscht der Glaube an das Jüngste Gericht, das nach dem Tod darüber entscheidet, wer in das ewige Himmelreich aufgenommen wird beziehungsweise wer im Fegefeuer oder gar in der Hölle landet. Die Sorge, dass die eigenen guten Taten nicht ausreichen, um im Jenseits ein angenehmes Dasein erwarten zu können, stellt einen wichtigen Teil der Angst vor dem Tod dar. In der heutigen Wohlstandsgesellschaft spielen die Religion und ein Leben nach den Zehn Geboten allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Jene Menschen, die Angst vor dem Jüngsten Gericht haben, sollten zur Linderung dieser Angst ihr Leben immer wieder neu überdenken. Auch das Aufschreiben von Gedanken, das Setzen von persönlichen Zielen sowie die Anerkennung der eigenen guten und schlechten Taten können heilsam sein. Das fußt auf den Gedanken, dass jeder Mensch nach seinen Möglichkeiten so leben sollte, dass er jederzeit dem Schöpfer reinen Gewissens gegenübertreten kann. Die Angst, „zu wenig gelebt“ zu haben
Laut Befragungen bereuen Menschen in der Sterbephase eher die Dinge, die sie nicht realisiert haben, als die, die sie in ihrem Leben in die Tat umgesetzt haben. Manche Menschen berichten, dass sie sich ein Leben lang für die Familie aufgeopfert haben und nun traurig sind, nicht mehr die Möglichkeit zu haben, sich den einen oder anderen persönlichen Wunsch zu erfüllen. Der bevorstehende Tod hängt wie ein Damoklesschwert über ihren Wünschen und Träumen, die jetzt voraussichtlich für immer unerfüllt bleiben. Auch in diesem Fall kann es hilfreich sein, bereits früher im Leben die eigenen Wünsche, Träume und Hoffnungen immer wieder zu überdenken. Das schriftliche Auflisten von dem, was man im Leben noch gerne realisieren möchte, verschafft einen guten Überblick über die ausstehenden Wünsche. Ist der Tod bereits nah, kann in manchen Fällen auch durch den Einsatz des „Wünschewagens“ (siehe S. ?) noch der eine oder andere Lebenstraum verwirklicht werden. Die Angst vor dem Tod als psychische Erkrankung
Viele psychische Störungen gehen mit der Todesangst als Symptom einher. Dazu gehören die Hypochondrie oder auch Wahnstörungen wie das Cotard-Syndrom, bei dem Betroffene glauben, bereits tot zu sein. Diese und ähnliche...




