E-Book, Deutsch, 212 Seiten
Foran Mehr Mut
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-432-10935-0
Verlag: Enke
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie Sie an Ihren Ängsten wachsen und mehr Selbstvertrauen gewinnen
E-Book, Deutsch, 212 Seiten
ISBN: 978-3-432-10935-0
Verlag: Enke
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Raus aus der Komfortzone - Wie Sie Ängste in Erfolg verwandeln!
Voll im Leben stehen, keine Schwächen zeigen und immer perfekt Job, Familie und modernes "Social Life" unter einen Hut bringen müssen - das kann selbst die stärkste Frau zum Wanken und Weinen bringen. Aber keine Bange vor der nächsten Herausforderung! Angstgefühle gehören zum Leben, und täglich grüßt das Haifischbecken. Beststeller-Autorin Caroline Foran vermittelt Techniken, Tipps und Strategien, wie Sie elegant und mutig drüber hinwegbalancieren.
Frei von der Leber weg, von Frau zu Frau, direkt und humorvoll öffnet sie Schritt für Schritt ihren erprobten Baukasten, um subjektive Ängste auszuschalten, Mut für neue Herausforderungen zu fassen und mentale Blockaden zu eliminieren. (Und auch mal "Sch... drauf!" zu sagen.) Den richtigen Umgang mit Angst münzt sie in die schärfste Waffe einer Frau um: Selbstvertrauen.
Zielgruppe
Gesundheitsinteressierte
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
1 Die Komfortzone
Ah! Die Komfortzone. Wir kennen sie nur zu gut. Ist sie ein unveränderlicher Zustand? Ganz und gar nicht. Glauben das dennoch viele? Leider ja. Ist die Komfortzone gut oder schlecht? Um es ganz genau zu sagen: weder – noch.
Die Komfortzone ist kein neues Konzept, aber um sich aus ihr hinauszumanövrieren, sollte man verstehen, was sie eigentlich ist. Das Modell der Komfortzone wurde von den Psychologen Robert M. Yerkes und John D. Dodson nach einem Experiment im Jahr 1908 geprägt. Sie fanden heraus, dass ein Zustand des relativen Komforts ein beständiges Leistungsniveau erzeugen konnte.
Der Begriff »Komfortzone« bezeichnet einen psychischen oder verhaltensbezogenen Zustand, in dem wir uns emotional sicher und entspannt fühlen. In der Komfortzone sind wir angstneutral. Es gibt keine Furcht, keine Risiken, keinen Stress. Alles darin ist uns vertraut.
Die meisten Menschen leben friedlich in ihrer Komfortzone und das ist auch nachvollziehbar: Sie ist wie ein riesiger, flauschiger UGG-Boot. Draufgänger und Adrenalin-Junkies sind Sonderfälle, aber ich glaube eher nicht, dass sie dieses Buch lesen.
Das Yerkes-Dodson-Experiment
Das bekannteste Experiment zur Komfortzone fand im Jahr 1908 statt. Robert M. Yerkes und John D. Dodson untersuchten das Verhalten und die Leistungsfähigkeit von Mäusen. In einer kleinen Box hatten die Mäuse die Wahl zwischen einem weißen und einem schwarzen Eingang. Die Forscher wollten, dass die Mäuse immer den weißen Eingang nahmen. Wenn die Mäuse den schwarzen Eingang wählten, erhielten sie leichte Stromstöße, sodass sie umkehrten und sich anders entschieden. Yerkes und Dodson bemerkten, dass die leichten Stromstöße die Leistungsfähigkeit der Mäuse verbesserten: Sie lernten, bessere Entscheidungen zu treffen. Wurden die Stromstöße verstärkt, steigerte sich die Leistung noch mehr – aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Darüber hinaus nahm die Leistung wieder stark ab. Auf einem Diagramm sieht diese Leistungskurve wie ein U, das auf dem Kopf steht, aus. Dieses umgekehrte U wurde zum – stark vereinfachenden – Standardmodell der Leistungsfähigkeit unter Stress (bei Menschen, nicht nur bei Mäusen). Heute gilt allgemein, dass die Leistung ohne Stress beständig bleibt (Komfortzone). Geringer Stress steigert generell die Leistung, während sie unter zu großem Stress einbricht. Mehr dazu gleich.(2)
Ihre Komfortzone entwickelt sich vom Moment Ihrer Geburt an. Sie formt und verformt sich mit der Zeit und mit zunehmender Lebenserfahrung; sie dehnt sich aus oder wird sogar kleiner. Sie ist untrennbar mit Ihnen, Ihren Ansichten, Ihrem Verhalten und Ihrem bisherigen Leben verknüpft. In dieser Zone handeln Sie gemäß den Fähigkeiten, die Sie bereits beherrschen, und das bereitet Ihnen fast keine Mühe. Ihre Komfortzone ist das, was für Sie normal ist. Für manche Menschen ist es normal, vor Publikum zu sprechen oder auf einer sechs Meter hohen Welle zu surfen, während andere ihre Komfortzone verlassen müssen, um soziale Kontakte zu pflegen. Wie letzteren Menschen ging es auch mir.
In Ihrer Komfortzone fühlen Sie sich nicht nur sicher und bewegen sich auf vertrautem Terrain; ein weiteres typisches Merkmal ist auch, dass Sie die Kontrolle haben: über Ihre Gefühle, über Ihre Stressreaktion und über Ihren Körper. Sie fühlen sich nicht befangen. Sie funktionieren langsam und beständig, ohne Körper und Geist herauszufordern. Wenn Sie Ihre Komfortzone grafisch in einem Diagramm darstellen würden, hätte die Linie gleichmäßige, sanfte Wellen ohne starke Höhen und Tiefen.
Die meisten Beschreibungen der Komfortzone klingen einladend, aber die Zone ist nicht immer ein schöner Ort. Darum nennt man sie oft auch die »Gewohnheitszone«. Wenn wir immer wieder das Gleiche tun und erleben, gewöhnen wir uns daran, aber das kann auch negativ sein. Man gewöhnt sich zum Beispiel auch an die Einsamkeit oder daran, dass man oft enttäuscht und zu wenig gewürdigt wird. In solchen Fällen sollte man sich aus seiner Situation befreien, um ein erfülltes Leben zu führen. Aber man hat sich vielleicht so an sein unbefriedigendes – und ja, komfortables – Leben gewöhnt, dass man dessen negativen Einfluss auf das eigene Wohlbefinden gar nicht bemerkt. Oft sieht man das in Langzeitbeziehungen, die uns keinen Nutzen mehr bringen. Vielleicht fragen Sie sich bei manchen Ihrer Freunde, warum sie nicht erkennen, wie ungesund ihre Beziehung eigentlich ist. Wahrscheinlich betrachten sie ihre Situation mittlerweile einfach als ganz normal.
Wir alle möchten uns die meiste Zeit in unserer Komfortzone bewegen. Warum auch nicht? Dort sind wir sicher und alles fällt uns leicht. Allerdings gibt es auch Nachteile: »Wenn es kein Ungleichgewicht im gegenwärtigen Denken oder Fühlen einer Person gibt, kann es keine geistige Entwicklung und kein persönliches Wachstum geben«(3). Sprich, Sie können keine großen Erfolge welcher Art auch immer haben, wenn Sie nie unter Ihrer gemütlichen Schutzdecke hervorkriechen. Wie Yerkes und Dodson gezeigt haben, genügt schon ein mildes Unwohlsein, damit wir unsere Leistung verbessern. Darum gibt es auch so viele Seminare und Erlebnisurlaube, die uns aus unserer Komfortzone schubsen wollen. Ich sage hier bewusst »schubsen«, denn um die Zone zu verlassen, braucht es eine aktive Kraft. Man fällt nicht einfach wie von allein aus seiner Komfortzone. Es kostet Mühe, und das ist für viele von uns ein Problem. Aber wenn wir unser gesamtes Leben in einer klar definierten Komfortzone verbringen, schränken wir unser Erfahrungsspektrum ein.
Warum wollen wir die Kontrolle haben?
Die meisten Menschen würden wohl lieber die Kontrolle über eine Situation haben, als sie nicht zu haben. Aber warum? Es geht dabei nicht nur um persönliche Autonomie oder Entscheidungsfreiheit. Die Wissenschaftler Leotti, Iyengar und Ochsner kamen zu dem Schluss, dass unser Wunsch nach Kontrolle wahrscheinlich eine »biologische Notwendigkeit für das Überleben« ist.(4) Dieser Wunsch basiert auf einem unbewussten Prozess, aber wenn wir die Kontrolle über eine Situation haben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir überleben. Wir üben die Kontrolle aus, indem wir Entscheidungen treffen, und jede Entscheidung beeinflusst unser Gefühl der Kontrolle und Selbstwirksamkeit, das den Wissenschaftlern zufolge ein wesentlicher Faktor des allgemeinen Wohlbefindens einer Person ist. Wenn ich die Kontrolle über mein Umfeld – und über meine Gefühle – habe und meine Existenz nicht bedroht ist, fühle ich mich selbstbewusster. Das klingt doch nachvollziehbar, oder?
1.1 Die Lernzone
Der »Schubs« aus der Komfortzone bringt uns in jenen Bereich, den Theoretiker als »Lernzone« oder manchmal auch »Erfolgszone« bezeichnen. Hier spielen sich die Veränderungen ab. Hier entwickeln wir uns weiter und bauen bestehende Fähigkeiten aus. Aber das kann auch sehr stressig sein. Denn in dieser Zone gibt es auch Risiken. Zwar sind die meisten davon nur emotionale oder soziale Risiken, aber wir wissen ja, dass unser Körper und Gehirn bei jeder Art von Bedrohung (ob körperlich oder emotional) eine Stressreaktion aktivieren. Daher verspüren wir Stress und Angst als Warnsignale. Auch für die Psychologin und Co-Autorin des Buchs The Power of Small, Dr. Aisling Leonard-Curtin(5), erfordert dieser Eintritt in die Lernzone »eine Bereitschaft, diese Angst zu spüren«. Und wie Sie sich vorstellen können, sind die wenigsten von uns darauf heiß. In der Lernzone befinden wir uns auf unerforschtem Gebiet – in Situationen, für die wir mehr als nur unsere Alltagsfähigkeiten brauchen. Wir wissen nicht, ob wir der Situation gewachsen sind, und fühlen uns, als hätten wir keine Kontrolle darüber (was unser Überlebensinstinkt gar nicht mag). Wir haben Angst vor dem Unbekannten und unser Körper schüttet Adrenalin aus, um unser Überleben zu sichern – selbst wenn die Situation keine echte Bedrohung für unser Leben ist. Es genügt schon, wenn Sie sich unwohl fühlen – auf einer Veranstaltung, in einem Meeting, bei einem unangenehmen Telefongespräch und in allen anderen Situationen, in denen Sie unsicher oder nervös sind und über die Sie keine Kontrolle haben.
Warum macht uns das Unbekannte Angst?
Die Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Sinead Lynch erklärte es mir folgendermaßen: Wenn wir uns Sorgen machen, zum Beispiel wegen etwas »Unbekanntem«, aktiviert sich die Verbindung zwischen dem emotionalen und dem kognitiven Bereich des Gehirns.(6) Neurologen fanden sogar heraus, dass die Verbindungen, die vom emotionalen in den kognitiven Bereich führen, stärker sind. Darum haben unsere Gefühle mehr Einfluss auf uns als unser Verstand, und darum machen wir uns Sorgen. Wenn es um das »Unbekannte« geht, spielen drei wesentliche Emotionen eine Rolle: Einsamkeit, Scham und Angst. Wir haben Angst vor dem Unbekannten, da es uns emotionales Leid zufügt.
»Wir wollen diese Situationen vermeiden, da sie uns emotionale Schmerzen verursachen«, sagt Dr. Lynch. »Wenn zum Beispiel der Besuch einer Party außerhalb Ihrer Komfortzone liegt, machen Sie sich vielleicht Sorgen, dass die anderen Gäste nicht mit Ihnen sprechen werden. Auf unbewusster Ebene entstehen diese Sorgen vielleicht aus Scham (Sie schämen sich für sich selbst) oder aus Einsamkeit oder Verlustängsten (aufgrund vergangener...




