E-Book, Deutsch, Band 3, 528 Seiten
Force Mein Herz gehört dir
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-10-490158-9
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lost in Love Die Green-Mountain-Serie 3
E-Book, Deutsch, Band 3, 528 Seiten
Reihe: Lost in Love. Die Green-Mountain-Serie
ISBN: 978-3-10-490158-9
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Marie Force Urlaub in Vermont, USA, machte, spürte sie sofort, dass diese wunderschöne, unberührte Landschaft die perfekte Kulisse für unwiderstehlichen Lesestoff bietet. Auf der Suche nach Souvenirs entdeckte sie in einer idyllischen Kleinstadt den Green Mountain Country Store und lernte dessen Besitzer kennen: eine moderne und sympathische Familie, die mit großer Freude heimische Produkte verkauft. Und schon sah Marie Force das Setting für die Romane vor sich. Fehlt nur noch die Liebe ... aber die findet sich in Butler, dem fiktiven Städtchen in dieser Serie, zum Glück an jeder Ecke. Marie Force lebt mit ihrer Familie in Rhode Island, USA, sie ist New-York-Times- sowie SPIEGEL-Bestsellerautorin, und allein in den USA verkauften sich ihre Bücher über 4 Millionen Mal.
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1
Die Sirup-Hersteller von Vermont sind diesen Winter ziemlich misstrauisch, was das Wetter angeht, nachdem letztes Jahr im März eine Hitzewelle den Saftfluss abrupt gestoppt hat. Als Reaktion darauf haben wir beschlossen, so früh wie noch nie mit dem Anzapfen zu beginnen: am 6. Februar. Was sind schon zwei Wochen? Es klingt unbedeutend, doch es fühlt sich an, als würde man Weihnachten auf den 11. Dezember verlegen.
Colton Abbotts Sirup-Tagebuch, 11. Februar
Colton Abbott hatte sich nie für einen besonders verschlossenen Menschen gehalten. Allerdings hatte er bisher auch noch keine Geheimnisse vor seiner liebevollen, aber äußerst neugierigen Familie gehabt. Seine sechs Brüder und drei Schwestern, genau wie seine Eltern und sein Großvater brannten alle darauf, zu erfahren, mit wem er in letzter Zeit seine Wochenenden verbrachte. Und es freute ihn ungemein, dass sie nicht die leiseste Ahnung hatten.
Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, während er durch Nordvermont fuhr, von seinem Zuhause in der Kleinstadt Butler im Northeast Kingdom nach Burlington, wo seine Familie ein Haus am See besaß und wo er in ein paar Stunden seine »heimliche« Freundin treffen würde. Er wollte etwas früher dort sein, um noch einkaufen zu gehen, so dass sie sich dann entspannen und einfach die Zeit miteinander genießen konnten.
Colton hatte für dieses Wochenende große Pläne. Es war das sechste, das er mit ihr zu zweit verbrachte. In dieser Zeit hatten sie sich über jedes erdenkliche Thema unterhalten, sich viel geküsst und auch ordentlich rumgemacht. Letztes Wochenende waren sie sogar so weit gegangen, sich gegenseitig zum Höhepunkt zu bringen. Doch der erste richtige Sex stand ihnen noch bevor.
Das wollte er dieses Wochenende unbedingt ändern, ehe er vor Begierde nach ihr noch den Verstand verlor. Er hatte sich alle Mühe gegeben, ihren Wunsch, »es langsam anzugehen«, zu respektieren, damit sie sich nicht »kopflos in etwas stürzten«, wo sie so weit voneinander entfernt wohnten und so wenig Zeit miteinander verbringen konnten. Natürlich kannte er genug Leute, die über Fernbeziehungen jammerten, doch erst jetzt, wo er es am eigenen Leib erfuhr, wusste er, wie beschissen so eine Situation tatsächlich war.
Mit jedem Wochenende, das sie zusammen verbrachten, wurde es schlimmer. Wenn sie ging, blieb er mit dem Wunsch nach mehr zurück und im Wissen, dass er eine ganze Woche warten musste, bis er sie wiedersah. Bisher hatten sie Glück gehabt. Außer einem Wochenende, an dem er für die Beerdigung von Homer, dem Hund seiner Schwester, zu Hause geblieben war, hatten sie sechs Wochenenden miteinander gehabt, ohne dass andere Termine ihre Pläne durchkreuzt hätten. Doch er wusste, dass das über kurz oder lang nicht so bleiben würde. Sie hatten beide ein geschäftiges Leben, Familien und andere Verpflichtungen, die die romantische Idylle stören würden, an die sie sich in den vergangenen anderthalb Monaten gewöhnt hatten.
Sie hatten sich bisher immer in der Mitte der Strecke getroffen, heute würde sie zum ersten Mal zu ihm nach Vermont kommen. Da er noch nicht bereit war, sie dem einfachen Lebensstil auszusetzen, den er auf seinem Berg führte, hatte er seinen Dad um die Schlüssel zu dem Haus am See gebeten.
Und das war vielleicht ein seltsames Gespräch gewesen, das er am Tag zuvor mit ihm geführt hatte. Während der zweistündigen Autofahrt hatte er genug Zeit gehabt, noch einmal über alles nachzudenken, und er wurde den Verdacht nicht los, dass der Einzige, den er mit seiner heimlichen Romanze hinters Licht führen konnte, sein guter, alter Vater war.
Colton hatte sein Vorhaben mit Bedacht geplant, als er donnerstags, an einem für ihn ungewöhnlichen Tag, in die Stadt gefahren war, um seinen Dad im Büro zu besuchen. Er hatte im Auto gewartet, bis seine Geschwister in die Mittagspause gegangen waren – alle außer Hunter, der das Büro höchstens wegen eines Feueralarms zu verlassen schien. Nach einer Weile trat sein Dad aus dem Diner auf der anderen Straßenseite und ging auf den familienbetriebenen Green Mountain Country Store zu, der in der Innenstadt von Butler lag – wenn man die Elm Street als »Innenstadt« bezeichnen wollte.
Colton stieg aus dem Truck und folgte Lincoln zur Treppe im hinteren Teil des Ladens, die ins obere Stockwerk führte, wo er und fünf der Colton-Geschwister ihre Büros hatten. Mit gesenktem Kopf huschte Colton an Hunters Bürotür vorbei und klopfte bei seinem Dad.
»Hey«, grüßte Lincoln mit unverhohlener Freude. Sein Vater freute sich immer, ihn zu sehen, was zu den vielen Dingen zählte, auf die Colton sich in seinem Leben verlassen konnte. »Das ist aber eine schöne Überraschung. Komm doch rein.«
Colton schüttelte die ausgestreckte Hand seines Vaters und nahm auf einem der Besucherstühle Platz.
»Was verschafft mir die Ehre, dass du unter der Woche von deinem Berg herabsteigst?«
»Ich hatte ein paar Dinge in der Stadt zu erledigen und dachte, ich schaue kurz vorbei.«
»Alles in Ordnung bei dir da oben?«
»Alles okay. Schön ruhig und entspannt, wie immer um diese Jahreszeit.« Für Colton war der Frühsommer immer die Ruhe nach dem Sturm der Sirup-Hochsaison, in der er über fünftausend Gallonen Ahornsirup kochte, die dann im Familienladen verkauft wurden. Nachdem er nun schon seit neun Jahren für die Sirup-Herstellung der Familie zuständig war, verlief sein Leben nach einem vorhersehbaren Muster, das von fünfundzwanzigtausend Sirup produzierenden Bäumen vorgegeben wurde.
»Ich bin froh, dass du da bist. Ich wollte sowieso heute oder morgen zu dir hochfahren.«
»Wieso das?«
Lincoln kramte in den Papierstapeln und Ordnern auf seinem überladenen Schreibtisch. »Ah, da ist es ja.« Er zog ein hellblaues Blatt Papier hervor und reichte es Colton.
Er überflog die Ankündigung einer Fachausstellung in New York City und riss die Augen auf, als er bemerkte, was er da las. »Was zum Teufel, Dad? ? Was hab ich damit zu tun?« Fast hätte ihm der Gedanke, dass sein Vater denken könnte, er bräuchte solche Dinge, um seine Beziehung, von der niemand etwas wissen sollte, voranzubringen, einen Herzinfarkt beschert.
»Ich denke darüber nach, unser Sortiment entsprechend zu erweitern, und ich suche jemanden, den ich zu dieser Messe schicken kann. Da gerade keine Sirupsaison ist, bist du mir eingefallen.«
Während ihm die Vorstellung, »erotische Hilfsmittel und Sexspielzeug« in ihrem schlichten Laden anzubieten, doch sehr abwegig erschien, versuchte er seinen Gesichtsausdruck möglichst neutral zu halten. Auch wenn ihn der Grund der Reise schon fast entsetzte, reizte ihn doch das Ziel.
Weil er sein großes Geheimnis auch gern weiterhin geheim halten wollte, bemühte er sich um eine möglichst unbeteiligte, lockere Reaktion. »Was sagen denn die anderen zu einer solchen Erweiterung des Sortiments?«
»Ich habe sie noch nicht gefragt, um ehrlich zu sein. Ich dachte mir, du kannst dir das erst mal anschauen, ehe ich es ihnen vorschlage.«
»Warum denn ich?«
»Warum nicht du? Alle anderen stecken gerade bis zum Hals in Arbeit oder persönlichen Angelegenheiten, weshalb es mir sinnvoll erschien, dich zu fragen, jetzt, wo bei dir gerade die stressige Phase vorbei ist.« Lincoln zuckte mit den Schultern. »Aber wenn du keine Lust hast –«
»Das hab ich nicht gesagt.« Er wäre ein Vollidiot, wenn er sich die Chance entgehen ließe, eine ganze Woche mit ihr zu verbringen. »Ich kann es schon machen, aber unter dem Vorbehalt, dass ich nicht glaube, dass solche Produkte etwas in unserem Geschäft zu suchen haben.«
»Zur Kenntnis genommen.«
»Und ich denke, dir würde ein weiterer Kampf mit deinen Kindern bevorstehen.«
»Ab und zu eine ordentliche Auseinandersetzung mit meinen Kindern macht mein Leben doch erst lebenswert«, meinte Lincoln mit einem Grinsen, das seine blauen Augen verschmitzt funkeln ließ.
»Was du nicht sagst«, murmelte Colton. Grund des letzten Streits war die Webdesignerin gewesen, die Lincoln hinter dem Rücken seiner Kinder angestellt hatte, obwohl diese keinen Zweifel daran gelassen hatten, dass sie keinen Onlineshop wollten. Dann war Cameron Murphy in die Stadt gekommen und hatte die Herzen der gesamten Abbott-Familie im Sturm erobert, vor allem das von Coltons älterem Bruder Will, der bis über beide Ohren in Cam verliebt war und jetzt mit ihr zusammenwohnte, während sie die Homepage für den Laden konzipierte. Wenn Lincoln Abbott sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, fand er meistens einen Weg, es zu bekommen. Daher waren Colton und seine Geschwister mit der Zeit misstrauisch geworden, was die Motivation seines Handelns anging.
In diesem Fall allerdings war es Colton herzlich egal, ob sein Vater irgendwelche Hintergedanken hegte. Hier ging es immerhin um eine ganze Woche mit seiner Angebeteten.
»Wegen der Anmeldung zur Messe sprichst du am besten mit Hunter«, sagte Lincoln, sichtlich erfreut über Coltons Einlenken.
»Mach ich.« Colton faltete den Flyer zusammen, so dass die Fotos innen lagen, und schob ihn in die Hosentasche. »Da du mir jetzt einen Gefallen schuldig bist, habe ich mich gefragt, ob ich dieses Wochenende das Haus am See haben könnte?« Als sein Vater ihn mit einem seltsam wissenden Blick musterte, fügte Colton hinzu: »Ich hab mal wieder Lust zu angeln.«
Einen unangenehm langen Moment reagierte Lincoln gar nicht. Colton spürte, wie er unter dem durchdringenden Blick seines Vaters zu schwitzen begann.
»Natürlich, mein Sohn«, sagte Lincoln schließlich und holte ein...




