E-Book, Deutsch, 118 Seiten
Franzen Die Apachen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7575-9659-0
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Guerillakrieg in der Wildnis
E-Book, Deutsch, 118 Seiten
ISBN: 978-3-7575-9659-0
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Michael Franzen, geboren 1965 in Böken, Schleswig-Holstein. Hauptschulabschluss. Gelernter Einzelhandelskaufmann und Werkzeugmechaniker. Seit der Jugendzeit Beschäftigung mit der amerikanischen Pioniergeschichte und seit 2017 freischaffender Autor. Zahlreiche Publikationen zum Thema Wilder Westen.
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Eine neue Heimat
Die ursprünglichen Wurzeln der als Apachen bekannt gewordenen Stammesgruppen reichen weit in die Vergangenheit zurück, bis in jene Zeit, als die ersten Amerikaner, aus denen die späteren Indianervölker hervorgingen, nach Nordamerika hin einwanderten. Dieses geschah während der letzten Eiszeit (Glazial), die am Ende dafür sorgte, dass der Meeresspiegel sank und damit eine feste Landbrücke bildete, auf der die ersten Menschen in mindestens drei Wellen von Sibirien aus nach Alaska hin einwanderten. Diese Wanderung begann vor ca. 25.000 Jahren, pausierte dann einige tausend Jahre lang und erfolgte vermutlich zwischen 15.000 und 7.000 Jahren v. Chr. weiter nach Alaska hinein, wobei sie vor ca. 5.000 Jahren v. Chr. im vollen Gange war. (Clovis First). Laut neuesten Forschungsergebnissen wanderten die ersten Amerikaner jedoch vor mindestens 30.000 Jahren von Afrika aus nach Südamerika ins Amazonasgebiet ein und widerlegen somit die Clovis-First-Theorie, bei der die ersten Menschen über die Beringstraße in den amerikanischen Kontinent einwanderten. In der Folge kam es zu einer Völkerwanderung über den gesamten amerikanischen Kontinent, die noch bis in das 19. Jahrhundert hinein anhielt. Schnell hatten sich diese ersten vorzeitlichen Indianer den kalten und rauen Umweltgegebenheiten ihrer neuen Heimat angepasst und lebten in den Gebieten der Meeresküste, Tundren, Gebirge und Flusstäler, wo sie sich von der Jagd nach Großwild, dem Fischfang, sowie dem Verzehr von Samen, Beeren, Wurzeln und Früchten ernährten.
Um etwa 1000 v. Chr. trennten sich die heutigen südlichen Athabasken von den im Süden Kanadas lebenden Sarcee und wanderten in mehreren Wellen durch das Great Bassin und an der östlichen Flanke der Rocky Mountains entlang nach Süden, lange bevor die ersten Europäer darangingen, einen Fuß auf den amerikanischen Kontinent zu setzen. Von anderen Indianergruppen vertrieben, erreichten die ersten Apachen im 14. Jahrhundert den Südwesten der USA, allen voran wahrscheinlich die westlichen Apachen, Chiricahua und Mescalero, gefolgt von den Jicarilla und Lipan, die verstärkt Elemente und Riten der Plains-, bzw. im Falle der Navajo, Pueblo-Kultur annahmen. Die Navajo, die sich selbst Diné („Mensch“, „Menschenvolk“) nannten, trennten sich um 1300, ebenso wie die Kiowa-Apachen, von den anderen Apache-Gruppen und entwickelten dabei eine völlig eigenständige Kultur.
Erstmals wurden die Apache de navahu in spanischen Berichten aus dem Jahre 1626 erwähnt. Um 1540 herum berichtete Coronadas Berichterstatter zum ersten Mal von einer Begegnung mit umherziehenden Apache-Gruppen im nördlichen Texas, die dort den Bison jagten. Sie wurden von den Spaniern Querechos bzw. Vaqueros genannt, später auch Vaquero Apaches, Apaches de Xila und Apaches de navahu.
Die Apachen selber nannten sich I´nde oder N´de, was übersetzt so viel wie „Volk“ bedeutet. Ein noch älterer Name lautete Nâizan = „Unsere Rasse.“ Der Name „Apache“ stammt aller Wahrscheinlichkeit nach von dem Pueblo-Stamm der Zûni ab, der von ihnen gegenüber den Spaniern von den „Apachu“ sprach, den „Feinden aus dem Norden.“ Die Yuma nannten die Apachen Apatieh = „Waschbären“, wegen der Kriegsbemalung der mit ihnen verbündeten Yawapai. Eine weitere, wenn auch nicht überzeugende Deutung kommt von den Spaniern selbst, die die Apachen als apacheurrar betitelten („zerschmettern, zerquetschen“), was sich auf die bei den Apachen beliebte Kampftechnik mit Kriegskeulen bezog.
Nach 1500 betrug die Anzahl der im Südwesten umherziehenden Apachen um die 6.000 Köpfe, die sich in mehrere Gruppen und noch mehr Clanverbände unterteilten. Bedeutende Gruppierungen bildeten dabei die Chiricahua (Chiwi Kawi oder Chihuicahui) = „Berg-Leute“, „Berg der wilden Truthühner“, die sich in die vier größeren Untergruppen der Nedni oder Ne-da-he = „feindliches Volk“, der Mogollon, Bedonkohe oder Bi-dan-ku = „die, die in erster Linie zum Feind stehen“, der Mimbreñjo oder Tci-he-n´de = „rot bemaltes Volk“ sowie der Chokonên oder Tso-ko-he-n´de = „Volk, von den Berghängen“ unterteilen. Zu diesen südlichen Apachen kamen die östlichen Gruppen der Mescalero-Apachen oder Shis-Inday = „Volk der Bergwälder“, bzw. Mashgalén´de = „Volk, das nahe der Berge wohnt“, die Lipan-Apachen oder Hieh-pai-n´de bzw. Lépai-n´de = „Das hellgraue Volk“, die Jicarilla-Apachen oder Haisndayin = „Korb-Leute“ und die Kiowa-Apachen hinzu. Zu den westlichen Apachen zählten die vier regionalen Gruppen der White Mountain Apachen oder Dzil-Ligai-Si-án-n´de = „Volk der weißen Berge“, der Cibecue oder Dishchii Bikoh = „Volk des roten Canyon“, der San Carlos Apachen oder Tsék´áádn = „Volk des Mahlsteines“ und der Tonto-Apachen oder Dilzhé´é = „Volk mit den hohen, hellen Stimmen.“ Die westlichen Apachen waren auch als Coyotero-Apachen bekannt, eine Bezeichnung, die ebenfalls von den Spaniern stammt.
Die Kiowa-Apachen oder Na-di´isha-de´na = „Räuber, Diebe“, bzw. Khat-tleen-n´de = „Zedernholz-Volk“, waren sprachlich und kulturell verwandt mit den anderen Apache-Gruppen, fühlten sich politisch aber den Kiowa und Pawnee verbunden. Sie lebten, genau wie die Jicarilla und Mescalero, in konischen Zelten und gingen der Bisonjagd nach. 1837 ließen sie sich an den Quellen des Red-, Arkansas- und Canadian Rivers nieder. Die östlichen Apachen gingen, genau wie die Kiowa-Apachen, der Bisonjagd nach, ohne dass sie dabei das Stadium der Bisonjäger-Nomaden, wie das der Cheyenne, Sioux oder Comanchen, erreicht hätten. Mit Ausnahme der sprachlich verwandten Kiowa-Apachen gab es keine zentrale Stammesorganisation bei den anderen Apache-Gruppen und nur bei größeren Raub- oder Kriegszügen schlossen sich die einzelnen Clans unter einem einflussreichen Anführer zusammen. Verstärkt unternahmen sie dabei auch Raubzüge gegen die sesshaft gewordenen Pueblo-Indianer, lernten von ihnen aber auch den Anbau von Gemüse, wie den Mais, Kürbisse oder Bohnen kennen und teilten, nunmehr halbsesshaft geworden, ihre Kräfte in die Jagd, dem Ackerbau und den obligatorischen Raubzügen auf.
Ein erstes Zusammentreffen mit den Indianern des Südwestens fand im Jahre 1540 statt, als eine gemischte Expedition von 288 spanischen Reitern und Fußsoldaten sowie 800 indianischen Verbündeten unter Don Francisco Vásquez de Coronada (1510–1554) von Compostela, an der mexikanischen Pazifikküste, aus am 23. Februar aufbrach, um im Südwesten der heutigen USA die „sieben goldenen Städte“ der Indianer zu finden, die aber lediglich in der Fantasie der nach Gold gierenden Spanier existierten. Coronada marschierte zunächst durch das Gebiet des heutigen New Mexicos, doch fand er dort weder Gold noch eine allzu freundlich eingestellte indianische Bevölkerung vor, wobei sich die Spannungen zwischen ihnen noch steigerten, als Coronada am 07. November 1540 eine Ansiedlung der Zûni dem Erdboden gleichmachen ließ, wobei zahlreiche Indianer getötet wurden. Angesichts der weiter anhaltenden Enttäuschungen schickte Coronada einen Erkundungstrupp in Richtung Norden und Westen aus, wobei eine Vorausabteilung unter dem Hauptmann Carciá Lôpez de Cârdenas bis zum Grand Canyon vorstieß. Nachdem Coronadas Armee die wasserlose Wüste der Llano Estacado in New Mexico durchquert hatte, wandte sie sich nach Norden, wo sie bis in das Gebiet des heutigen Kansas vorstieß. Anfang August 1541 erreichte die Expedition ihren nördlichsten...




