Frey | IRODIS' STERN | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 236 Seiten

Frey IRODIS' STERN

Magische Science-Fiction
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-95765-777-0
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Magische Science-Fiction

E-Book, Deutsch, 236 Seiten

ISBN: 978-3-95765-777-0
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wohin kannst du fliehen, wenn die Welt untergeht? Die Erde in ferner Zukunft. Der Mond ist längst zerborsten, die Wissenschaft hat sich in Bedeutungslosigkeit verloren und die Magie bestimmt über die Naturgesetze. Die Errungenschaften der alten Menschheit existieren nur noch als Artefakte oder im Verborgenen. Die Zeichen für das Ende der Erde mehren sich. Feuer brechen aus, Bodenlose Löcher reißen alles in den Abgrund. Die einzige Hoffnung besteht in einem unbekannten Himmelskörper und im Samen der Mondpflanze, durch den man dorthin reisen kann. Irodis, ein mächtiger Naturzauberer, lebt mit seinem mechanischem Diener Slawek abseits der großen Ansiedlungen in einem alten Anwesen. Nachdem sie den neuen Himmelskörper entdeckt und Albträume Irodis auf den Fundort des Samens der geheimnisvollen Mondpflanze aufmerksam gemacht haben, bereiten sie die Abreise vor. Was müssen Irodis und Slawek auf sich nehmen, um die Reise antreten zu können? Und was erwartet sie am Ziel?

Gerd Frey (* 18. Mai 1966 in Merseburg) ist ein deutscher Schriftsteller. -- Nach seiner Lehre im Druckgewerbe leitete er von 1986 bis 1991 den Phantastik-Literaturclub Andymon im Berliner Kulturbund, 1990 gehörte er zu den Mitbegründern von Alien Contact.[1] Als Autor debütierte er mit zwei Kurzerzählungen in dem von Michael Szameit herausgegebenen Erzählungsband Der lange Weg zum blauen Stern. Einige seiner Kurzgeschichten wurden für den Kurd-Laßwitz- und SFCD-Literaturpreis nominiert. -- Von 1996 bis 2014 veröffentlicht er eine jährliche Übersicht über die Computerspiele des Jahres in dem Heyne-Jahrbuch Das Science Fiction Jahr. Von Anfang 2006 bis Ende 2011 betreute Gerd Frey die Sparte Games View der inzwischen eingestellten Zeitschrift Space View. Nach einer Pause erschien 2011 die Kurzgeschichte Handlungsreisende von ihm im Wurdack-Verlag. -- Seit 2012 betreut er die PC-Games-Sparte des Medienmagazins Geek! aus dem Panini-Verlag.[2]
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1


Die Strahlen der Morgensonne schimmerten durch die trüben Scheiben des Arbeitszimmers. Feiner Staub schwebte fast regungslos im Licht. Winzige Staubpartikel leuchteten in der Sonne hin und wieder hell auf.

Obwohl sein Arbeitszimmer einmal sehr geräumig gewesen war, hatten Jahr für Jahr schwere und sperrige Bücherregale den Raum erobert. Sie standen nicht nur an den Wänden, sondern verteilten sich inzwischen kreuz und quer im Zimmer. Slawek hatte ihm schließlich ans Herz gelegt, nicht auch noch die Fenster mit Regalen zuzustellen. »Kerzenlicht schadet auf Dauer den Augen und verrußt zudem den Raum«, behauptete er.

Irodis war am gestrigen Abend, wie schon viele Male zuvor, in seinem Arbeitszimmer vor einem aufgeschlagenen Buch eingeschlafen. Sanft berührte er mit seinen Fingerspitzen das trockene und vergilbte Papier. Es war eines der seltenen noch erhaltenen Exemplare über die Verzauberung von Rüstungen sowie weitere Tricks der Defensivmagie. Der größte Teil der Magier, die Irodis kannte, bevorzugte spektakuläre und laute Zaubereien: riesige Feuerbälle, tosende Wirbelstürme oder vor Energie knisternde Blitzgewitter. Sie liebten es, wenn dümmlich dreinblickende Bauern mit offenem Mund dastanden und sich vor Ehrfurcht in die Hosen schissen. Traten diese Zauberer aber einem Konkurrenten entgegen, entschieden meist die weniger auffälligen Zaubersprüche über Sieg oder Niederlage. Das Problem vieler Zauberer war ihr krankhafter Ehrgeiz, der ihrem mangelnden Selbstbewusstsein entsprang. Magiebegabte Menschen litten häufig unter körperlichen Gebrechen. Ihre Konstitution lag oft unter dem Durchschnitt und was ihren Charakter betraf, galten sie als hinterhältig und verschlagen. Deshalb litten viele Magier während ihrer Kindheit und Jugend unter dem Gespött der Gleichaltrigen. Sie wurden ausgeschlossen, verprügelt und gedemütigt, was sich erst im Laufe ihrer Ausbildung in einer Akademie für Magie änderte. Die Akademien galten als streng und jede hatte ihr eigenes Aufnahmeritual. Es gab nicht wenige, welche die perfide Prozedur mit dem Leben bezahlten. In den Akademien wurde den angehenden Magiern vermittelt, dass sie etwas ganz Besonderes seien. Magiebegabung sei ein großes Geschenk, das nur wenigen offenstand. Verschwiegen wurde dabei jedoch, dass sich der Quell der magischen Energien nicht einfach aus dem Nichts heraus speiste. Die enorme Kraft, auf die ein Magier zurückgreifen konnte und die er zu bündeln wusste, stammte aus der Welt der Dämonen und Geister. Es gab viele Begriffe für diesen unheilvollen Ort. Totenwelt, Hölle, Hort des Feuers oder Schlund des Todes. Es waren aus gutem Grund keine allzu vertrauenerweckenden Bezeichnungen. In jedem Fall galt für jeden Magier, der seine Kraft aus den Energien jener Sphäre heraus speiste, die Regel vom Geben und Nehmen. Diese Regel konnte nicht gebrochen werden. Es gab kein Entkommen, selbst über den Tod hinaus nicht. Der einzige Gegenwert, für die Fähigkeit, Magie wirken zu können, war eine spirituelle Substanz, die man profan als Seelenessenz bezeichnete. Schattenmagier lockten deshalb gern ahnungslose Reisende in die Falle, um nicht mit eigener Seelenessenz zahlen zu müssen. Weniger skrupellose Magier begannen jedoch mit einem verhängnisvollen Kreislauf der Selbstausbeutung, bis nur noch ein starrer und fast toter Geist in ihrem Körper hauste. Manche von ihnen, so erzählte man sich, zerfielen von einem Augenblick zum andern einfach zu Staub.

Es gab Dämonen, die ermöglichten es einigen Schattenmagiern, ihre Lebenszeit weit über die natürliche Grenze hinaus auszuweiten. Es gab Magier, die waren so alt, dass sie sich noch an die wandelbare Form des Mondes erinnerten, der einst die Erde umkreiste und nur nachts und hin und wieder in den Morgen- und Abendstunden zu bestaunen war. Eine blassgelbe Scheibe, die bei klarem Himmel die Nacht erhellte.

Irodis waren Darstellungen vom Mond nur aus alten Zeichnungen bekannt. Heutzutage war die Nacht dunkel und zu jeder neuen Nachtphase verschwanden mehr Sterne vom Firmament. Es gab Astronomen, die beschworen schon seit vielen Jahren den Untergang des Universums. Sterne erloschen. Galaxien und Galaxienhaufen entfernten sich immer weiter voneinander. Kosmologisch breitete sich eine alles verschlingende Kälte aus. Doch das Universum ließ sich Zeit … und was konnte man dieser Entwicklung auch entgegensetzen?

Andererseits gab es Magier, die sich allein den Kräften der Natur verschrieben. Naturkräfte waren nur selten zerstörerisch und man benötigte einen starken und klaren Geist, um sie zu bändigen und in einen Fokus zu zwingen.

Irodis rieb sich die Augen und schüttelte zögerlich den Kopf, als wolle er seine Gedanken neu ordnen. Schließlich erhob er sich und ging in seinen alten, löchrigen Pantoffeln zum Fenster. Das Glas des Fensters war alt und die Oberfläche uneben, sodass die dahinterliegende Landschaft aus mit dichten Wäldern bewachsenen flachen Bergen verzerrt hindurchschien. Irodis’ Anwesen war in ein unberührtes Naturpanorama eingebettet. Nur einen kurzen Spaziergang vom nördlichen Hauptturm entfernt – in dem sich auch sein Arbeitszimmer befand – glitzerte das Sonnenlicht in einem von einer unterirdischen Quelle gespeisten, kleinen See. Der See war fast kreisrund. Nur an seinem östlichen Rand beulte er ein wenig aus. Ein Bach suchte sich von dort seinen Weg in tiefer gelegene Ebenen. Mithilfe des abwärtsfließenden Wassers und einem alten Mühlenantrieb wurden dort Licht für seinen Garten und die Ladungsenergie für den Blitzspeicherturm erzeugt. Den Blitzspeicherturm benötigte er für den Betrieb seines mechanischen Hausdieners Slawek.

Slawek war etwas ganz Besonderes. Er hatte damals von einem Händler nur den Kopf des mechanischen Butlers erworben. Das Gesicht war außergewöhnlich. Keine Massenanfertigung, sondern ein aus Bronze und Gold handgefertigtes Einzelstück. Zum Kopf gehörte zudem ein kleiner schwarzer Behälter aus einem glatten, matt schimmernden Material. Obwohl er einen sehr robusten Eindruck machte, bestand der Behälter nicht aus Metall. Dafür war er viel zu leicht.

»Seine Seele …«, hatte der Händler damals spöttisch erklärt. Er klappte daraufhin den Deckel auf und Irodis’ Blick fiel auf eine blaue Kugel, die in einer mit Samt beschlagenen Fassung ruhte. Im Innern der durchsichtigen Kugel bewegten sich dunkle Schatten, die sich umkreisten. Ein unruhiger und unheimlicher Tanz.

»Ihr müsst die Kugel nur in die kleine Öffnung über seinem Nacken fallen lassen. Er ist dann sofort einsatzbereit. Natürlich benötigt Ihr vorher noch die fehlenden Teile seines Körpers. Bedauerlicherweise befindet sich nichts davon in meinem Besitz. Ich werde mich aber bei meinen nächsten Reisen danach umsehen.«

Der Händler wurde auch fündig und präsentierte ihm schon im Herbst darauf zwei fehlende Arme und den grauen Zylinder des Elektrizitätsspeichers. Es sollten jedoch noch sieben Sonnenumläufe vergehen, bevor Irodis alles beisammenhatte.

Die unzähligen mechanischen Wunderdinge der Vorzeit faszinierten ihn. Ein guter Freund, ebenfalls Magier, besaß einen Chronografen, der nicht nur die Zeit anzeigte, sondern auch den Verlauf der Gestirne sichtbar machte. Das Gerät, hinter dessen schwerer Verkleidung unzählige Zahnräder ratterten und klickten, befand sich innerhalb eines kuppelförmigen Bauwerks. Ins Innere drang kein Sonnenlicht. Befand man sich direkt unterhalb der Kuppel und wartete einen Augenblick – die Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen – wurden nach und nach unzählige Sterne sichtbar, die das Gerät an die Kuppelinnenseite projizierte. Ein weißer Kristall erzeugte das dafür notwendige Licht.

Die für diesen komplexen Vorgang entwickelte Mechanik funktionierte nun schon seit Hunderten von Jahren. Das lag einerseits an den speziell gehärteten Zahnrädern, die sich kaum abnutzten und andererseits an der automatischen Schmiereinrichtung, die dafür sorgte, dass keines der Teile heiß lief. Sollte das Gerät dennoch einmal ausfallen, bestand die Gefahr, es niemals wieder in Betrieb zu nehmen, weil der Bauplan der Maschine nicht mehr existierte oder in irgendwelchen Archiven abgelegt und vergessen worden war.

Irodis öffnete das Fenster und ließ kühle Morgenluft in den Raum. Eine Hummel, die sich versehentlich in das Arbeitszimmer verirrt hatte, jagte er schnell wieder hinaus. Wenn man nach rechts aus dem Fenster blickte, konnte man die schmale goldene Spitze seines Zeppelinbahnhofs erkennen, die dort in den Himmel ragte. Neben Slawek gehörte der betriebsfähige Zeppelin zu Irodis’ liebsten Habseligkeiten aus der Vormagischen Zeit. Der Zeppelin war eine Einzelanfertigung für einen superreichen Industriellen kurz vor dem Zeitalter der Dürre. Wie Irodis aus einem Geschichtsbuch erfahren hatte, war der Auslöser für das Zeitalter der Dürre kein weltumspannender Krieg. Eine der düstersten Zeitepochen der Menschheit war auf die stumpfsinnige Ausbeutung aller Rohstoffe zurückzuführen. Irgendwann war nichts mehr da, was man verbrennen und in Energie für die unzähligen Maschinen umsetzen konnte. Es folgten Elend, Hunger und Tod. Spöttisch wird unter einigen Altertumsforschern jene Epoche auch als das Zeitalter der Dummheit bezeichnet.

Eine Besonderheit des Zeppelins war seine einfache Handhabung. Eine Art elektrisches Gehirn arbeitete im Herz des Fluggerätes und übernahm alle Steuerungsaufgaben. Mithilfe speziellen Kartenmaterials, bei dem man Start- und Zielpunkt nur zu markieren brauchte, konnte man ohne Navigationskenntnisse durch die Welt reisen. Leider war das Kartenmaterial inzwischen veraltet, sodass Irodis über die letzten Jahre ein ganzes Buch mit Aktualisierungen zusammengestellt hatte, um vernünftige...



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