E-Book, Deutsch, Band 321, 64 Seiten
Reihe: Maddrax
Fröhlich Maddrax 321
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-1808-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In 80 Welten durch den Tag
E-Book, Deutsch, Band 321, 64 Seiten
Reihe: Maddrax
ISBN: 978-3-8387-1808-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Matthew Drax hat seit seinem Zeitsprung in eine apokalyptische Zukunft weiß Gott viel erlebt - aber dieses Abenteuer toppt alles. Nicht nur, dass er einem Unsterblichen begegnet und erfahren muss, dass es einen 'zeitlosen Raum' zwischen den Dimensionen gibt, der von Archivaren mit technischen Errungenschaften aus allen Jahrtausenden bestückt wird - er wird darüber hinaus Zeuge, wie diese Dimensionen unterzugehen drohen ...In diesem Band gibt es ein Wiedersehen mit Tom Ericson aus der Kurzserie '2012 - JAHR DER APOKALYPSE'!
Autoren/Hrsg.
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Die andere Hälfte des Hörsaals füllten Jungs, die aus einem ähnlichen Grund die Vorlesung besuchten. Natürlich wollten sie Tom nicht anschmachten. Aber sie hofften, hinter das Geheimnis seiner ewigen Jugend zu kommen und es vielleicht auf sich selbst anwenden zu können. Chirurgische Eingriffe? Ayurvedische Auffrischungsprodukte und Zellkuren aus der Technologieschmiede des Vereinigten Königreichs von Indien, Nepal und Sri Lanka?
Spätestens in zwei Wochen würde das geschehen, was bisher in jedem Semester geschehen war. Die Mädchen stellten fest, dass sie trotz kreativster Verführungsversuche auf Plastol bissen. Und auch die Jungs gaben ihr Vorhaben auf, Toms Geheimnis ergründen zu wollen. Denn natürlich erzählte er auch ihnen nichts vom Jungbrunnen, den er gegen Ende des 20. Jahrhunderts gefunden hatte und dessen Wirkstoffe seitdem sein Altern verhinderten. Er verstand ja selbst nicht, wie das möglich war.
Die Studenten würden nach und nach wegbleiben, die Kom-Boxen des Hörsaals zunehmend verwaisen. Wie in jedem Semester. Angesichts der neusten Unruhen im Irak, des fortwährenden Kampfs um die Straße von Hormus und des damit einhergehenden drohenden Krieges bewegte sich die Studierleidenschaft der Amerikaner ohnehin auf einem historischen Tiefstwert.
Am Ende blieb für gewöhnlich eine Handvoll junger Menschen übrig, die sich wirklich für Archäologie interessierten und sich dafür von ihren Kommilitonen der gängigeren Studienfächer Astrophysik, Metaphysik, Mathologie oder Subatomare Chemie als „nerdy mole“, also als absonderlicher Maulwurf, beschimpfen lassen mussten. Dabei wussten wahrscheinlich die wenigsten, wie dieses vor über hundert Jahren ausgerottete Tier aussah.
Tom seufzte. Unsterblichkeit und Alterslosigkeit mochten auf den ersten Blick verlockend erscheinen. Wenn man aber Jahr für Jahr für Jahr das Gleiche erlebte, kehrte irgendwann Langeweile ein. Natürlich könnte er auf die Avancen der Studentinnen eingehen. Aber letztlich würde ihn das nur an Abby erinnern. Seine Frau, spätere Ex-Frau und noch spätere Ex-Ex-Frau. Die Liebe seines Lebens, an der jede andere sich vergeblich würde messen lassen müssen.
„Du bist wie Obelix“, hatte sie stets zu ihm gesagt. „Er ist in den Zaubertrank gefallen, du in den Jungbrunnen.“
Sie liebten sich. Dennoch trennten sie sich. Der Gedanke, die Geliebte dem Tod entgegenaltern zu sehen, während er jung blieb, war für Tom unerträglich. Und sie wollte ihm das nicht zumuten.
Doch dann trafen sie sich eines Tages wieder.
Wie lange liegt das inzwischen zurück? Zweihundert Jahre? Halt, ich weiß es! Das war 2011, im Jahr vor dem angeblichen Weltuntergang, der dann doch nicht stattfand.
Die alte Leidenschaft war trotz des körperlichen Altersunterschieds erneut entflammt. Sie warfen die früheren Bedenken über Bord und heirateten zum zweiten Mal. Der Rest war eine schöne, immerhin dreißig Jahre andauernde Geschichte.
Tom saß an Abbys Seite, als sie starb. Er hielt ihre faltige Hand, weinte und schwor, sich nie wieder zu verlieben.
Ein Signalton riss den Professor aus der Vergangenheit. Jemand, der über kein Immatrikulationsimplantat verfügte, betrat den Hörsaal.
Tom sah auf. Sein Blick blieb an dem großen hageren Mann hängen, dessen weißes Haar zu einem Zopf gebunden war. Er betrat den Hörsaal durch den Professoreneingang und drang damit in die Sicherheitszone ein. Eine bauliche Maßnahme, die man nach den Studentenrevolten des Jahres 2222 in allen Universitäten der USA, also auch im 59. Bundesstaat England, eingeführt hatte.
Aber niemand ohne Zugangsberechtigung konnte den Professoreneingang öffnen! Und der Weißhaarige war gewiss kein Professor, sonst hätte Tom ihn gekannt.
„Entschuldigen Sie.“ Toms Hand kroch instinktiv zum Alarmknopf neben dem Holowerfer. „Sie dürfen hier nicht rein. Bitte verlassen Sie umgehend die Sicherheitszone oder ich …“
Weißzopf blieb stehen. Er lächelte Tom an. Zugleich wirkte er unendlich traurig.
Mit einer raschen Bewegung zog er aus dem bodenlangen schwarzen Mantel ein Gerät, das wie ein altertümliches Mobiltelefon anmutete. Er richtete es auf Tom.
Das Ding sah harmlos aus, und doch spürte der Professor die Gefahr. Er hämmerte auf den Alarmknopf und wollte zur Seite hechten.
Aber er kam nicht mehr dazu.
Der Hagere betätigte einen Sensortaster. Ein weißglühender Strahl schoss hervor und traf den Professor zwischen den Augen.
Der Unsterbliche starb, ohne zu wissen, warum.
Dieses Mal war alles anders.
Das Zeitportal, in das sie im Alten Ägypten geflohen waren, spuckte sie nicht wieder aus. Stattdessen trieben sie in einem Meer aus schwarzen Schlieren dahin.
Sie?
Matt suchte nach Xij und Grao, seinen Begleitern auf einer Odyssee durch Raum und Zeit. Keine Spur von ihnen. Nur allumfassende Dunkelheit.
„Xij?“, rief er. Aber tat er das tatsächlich? Warum hörte er dann die eigene Stimme nicht?
Existierte er überhaupt noch? Hatte das Gewebe der Zeit genug von ihrem ständigen Hin und Her, Vor und Zurück? Hatte es beschlossen, die Störenfriede nicht wieder freizugeben? Oder lag es an dem letzten Portal, das geflackert hatte, immer wieder neu entstanden war? Matt hatte den unbestimmten Eindruck, als wäre es in dem Moment erloschen, als sie hineingesprungen waren.
Ein eisiger Schrecken kroch in Matts Bewusstsein. War das Portal fehlerhaft gewesen und hatte buchstäblich ins Nichts geführt? Würden sie nun auf ewig hilflos zwischen den Welten treiben? Er spürte, wie die Panik mit kalten Fingern nach ihm tastete.
Reiß dich zusammen, Matthew Drax! Reiß dich …
Da! Direkt vor ihm, zum Greifen nah und doch unendlich weit entfernt, entdeckte er einen Lichtpunkt. Den Ausgang des Portals?
Mit einem Mal verzerrte sich seine Perspektive. Der helle Fleck raste davon, ohne kleiner zu werden. Die ihn umgebende Dunkelheit zog sich zusammen und bedrängte Matt von allen Seiten. Er fühlte sich wie in einem Schlauch gefangen, den eine göttliche Macht in die Länge zog.
Und der dadurch immer enger wurde!
Wenn du nicht bald hier rauskommst, wird dich die Finsternis zerquetschen!
Ein Spalt aus Licht entstand in der Dunkelheit. Dann, etwas höher, noch einer. Und der nächste, diesmal weiter links. Gleißende Strahlen schossen daraus hervor und durchschnitten die schwarzen Schlieren.
Der Schlauch riss!
Seine Panik fand neue Nahrung. Die Portale verliefen zwischen Zeiten und Welten. Wo würden sie landen, wenn der Verbindungstunnel zwischen den Toren aufbrach? Gab es dort überhaupt etwas, wo man landen konnte?
Immer mehr Strahlen durchfraßen die Dunkelheit. Auch wenn Matts Gedanke nur ein Sinnbild darstellte, traf er doch die Wahrheit. Der Schlauch riss und …
„Wo sind wir?“, erklang Xijs Stimme neben ihm.
Kein Fallen, kein Rutschen, kein Aufprall. Von einem Augenblick auf den nächsten stand Matt inmitten einer fremdartigen Umgebung. Eine Schachfigur, die ein höheres Wesen auf dem Spielbrett platziert hatte.
Matt blickte zu seiner Begleiterin. Er konnte sie wieder sehen! Neben ihr kauerte Grao’sil’aana. Die Schuppen auf seinem Echsenkörper verschoben sich, gruppierten sich neu, versuchten die Gestalt des Händlers Hermon anzunehmen, scheiterten, probierten es erneut und erzielten endlich Erfolg. Der Durchgang durch dieses … was auch immer es war, hatte die Gestaltwandlerfähigkeit des Daa’muren offenbar kurzzeitig durcheinandergebracht.
„Ich weiß es nicht“, beantwortete Matt Xijs Frage. „Aber ich bin froh, dass wir überhaupt irgendwo sind.“
Sein Blick glitt über Reihen von dreibeinigen Gestellen. Ein silbriger Schimmer umgab sie, als seien sie aus flüssigem Mondlicht in Form gegossen. Obenauf ruhte jeweils eine tellergroße Scheibe. Und auf der wiederum lagen die unterschiedlichsten Dinge.
Matt erkannte einen altertümlichen Sextanten, ein Mikroskop, einen Laptop und eine Kaffeemaschine. Es befanden sich aber auch fremdartige Dinge darunter. Ein Teller mit Einkerbungen beispielsweise oder ein stacheliger Ball, dessen Spitzen an die Federn eines Füllfederhalters erinnerten.
Und dann gab es da noch Dinge, von denen Matt nur eine verschwommene, ungewisse Form wahrnahm. Er streckte die Hand nach einem der Schemen aus, doch ein innerer Widerstand hielt ihn davon ab, ihn zu berühren.
„Braucht jemand eine Schlagbohrmaschine?“, fragte Xij, die neben einem der Gestelle stand und auf das Exponat hinabschaute.
Als dieser Begriff Matts Hirn durchgeisterte, glaubte er, der Wahrheit nahe zu kommen.
Exponat! Sie standen inmitten einer Sammlung technischer Gegenstände der Menschheitsgeschichte. Doch wer hatte sie angelegt? Warum und wann? Und vor allen Dingen: Wie kamen sie von hier weg?
Matt versuchte die Grenzen des Raums zu erfassen, aber es gelang ihm nicht. Er sah keinerlei Mauern oder eine Decke über sich. Selbst der Boden unter seinen Füßen wirkte merkwürdig unecht und schien pure Illusion zu sein.
Trotzdem reichte sein Blick nicht bis in die Unendlichkeit. In einer Entfernung, die er nicht zu bestimmen vermochte, versank der Raum in Dunkelheit. Wie in einem weitläufigen Keller, von dem nur die Region beleuchtet war, in der man sich aufhielt. Er war sich aber sicher, dass sie nur einen kleinen Teil dieses Archivs sahen.
„Ich sehe keine Lichtquelle. Warum ist es hier hell?“, stellte...




