E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Funke / Paus Amor und Psyche
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7494-8923-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das antike Märchen paartherapeutisch gelesen - tanztherapeutisch bewegt
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-7494-8923-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. Dieter Funke, Psychologischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker (GPP), Gruppenlehranalytiker (D3G) und Paartherapeut, tätig in Einzel-, Paar- und Gruppentherapie in eigener Praxis in Düsseldorf.
Autoren/Hrsg.
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2. Entwicklungsaufgaben, die sich
Amor und Psyche stellen
Die Szenen des Märchens, das uns der römische Dichter Apuleius hinterlassen hat, erzählt in seiner Sprache, wie emotionale Nähe und Verbundenheit entstehen und welche Chancen und welchen Reichtum der jeweils andere für die eigene Entwicklung darstellt. Diese Chancen liegen besonders in konflikthaften und schwierigen Situationen einer Partnerschaft als Potential verborgen. Sie wollen nur entdeckt und bewusst wahrgenommen werden, um ihre entwicklungsfördernde Kraft entfalten zu können.
Um die in symbolischer Sprache beschriebene Entwicklung von Amor und Psyche zu verstehen, wird in diesem Kapitel ausführlich der beziehungsanalytische Hintergrund skizziert. Es geht dabei um die notwendigen Entwicklungsschritte hin zum Frau- und Mannsein, die auch von Amor und Psyche vollzogen werden wollen.
Verwicklungen und Entwicklungen
in Beziehungen
Amor und Psyche geht es wie fast allen Menschen: Sie müssen beide einen weiten Weg zurücklegen, bevor sie als Mann und Frau beziehungsfähig geworden sind. Die Fähigkeit, zwischenmenschliche Nähe sowie seelische und körperliche Intimität und Bezogenheit er- und ausleben zu können, ist den meisten Menschen nicht einfach in die Wiege gelegt, sondern das Ergebnis vielfältiger Beziehungserfahrungen, wie wir sie seit den ersten Jahren des Lebens machen. Wir Menschen sind, anderes als Tiere, nicht durch Instinkte gesichert, sondern müssen lernen, wie Leben-in-Beziehung geht. Und dabei haben wir in der Regel vielfältige Konflikte zu bewältigen, denen bestimmte Ängste zugrunde liegen wie z. B. der Angst, in Beziehungen die eigene Freiheit zu verlieren oder der Angst, weggestoßen und verlassen zu werden. Wenn diese frühkindlichen Ängste nicht bewusst verarbeitet werden, führen sie die Regie im späteren Beziehungsleben mit anderen. Weil die Grundformen dieser Ängste in der Ursprungsfamilie entstanden sind, verstehen wir sie oft erst dann, wenn wir uns aus dem Dunstkreis unserer Eltern und Geschwister entfernt haben. Dieses Heraustreten aus den primären Bindungen ist deshalb so wichtig, weil wir erst im Abstand erkennen können, welche Beziehungsmuster wir verinnerlicht haben. So geht es auch Amor und Psyche. Zu Beginn sind beide noch ganz gefangen im Bann der großen Göttin Aphrodite. Ihre beiden Entwicklungen hin zum eigenen Frau- und Mannsein werden eingeleitet durch den bereits erwähnten Tabubruch: Amor widersetzt sich dem Befehl seiner Mutter Aphrodite, Psyche an einen bösen Mann zu binden und sie ins Unglück zu stürzen. Stattdessen verliebt er sich in sie. Psyche ihrerseits wird später das Verbot des Amor, sie anzuschauen, brechen. Statt sich dem von ihm gesetzten Tabu zu unterwerfen, zündet sie ein Licht an, richtet ihre Augen auf ihn und erkennt ihn als den, der er ist. Diese Initialzündung der Überschreitung von Verbot und Tabu leiten alle weiteren Entwicklungsschritte ein. Hier ein tanztherapeutisches Beispiel für heilsamen Tabubruch:
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Zurück zum Märchen. Mit dem Tabubruch beginnt für beide ein Reifungsprozess hin zum Frau- und Mannsein. Für Psyche, der Hauptfigur unserer märchenhaften Geschichte, stellt sich dieser Entwicklungsweg so dar, dass sie vier Aufgaben zu bewältigen hat, die Aphrodite ihr in böser Absicht stellt, die Psyche aber zur Reifung verhelfen. Bei den ersten drei Aufgaben stehen ihr Helfer aus der Natur bei: Ameisen, die der Erde nahe sind und ein tiefes Wissen haben, wie man Körner sortiert; Schilfrohre, die im Wind wiegend, ihr Flexibilität zur Verfügungen stellen; der Adler, der sich über das Irdische emporschwingt und das Wasser aus der entlegenen Quelle besorgt und schließlich der Turm als Symbol menschlicher Kultur, der ihr hilft, den Weg in die verborgenen Räume ihre Seele zu finden, die durch die Unterwelt symbolisiert werden. All diese Helfer stellen Selbstanteile der Psyche dar wie z. B. Intuition oder Flexibilität, die entwickelt werden wollen und ihre Reifung zu einer individuellen Frau fördern.




