Gercke | Auf Leben und Tod | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 8, 173 Seiten

Reihe: Ein Fall für Bella Block

Gercke Auf Leben und Tod

Ein Fall für Bella Block 8 | Eine Hamburger Privatermittlerin auf Mörderjagd in Spanien
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-688-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Fall für Bella Block 8 | Eine Hamburger Privatermittlerin auf Mörderjagd in Spanien

E-Book, Deutsch, Band 8, 173 Seiten

Reihe: Ein Fall für Bella Block

ISBN: 978-3-98952-688-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der achte Fall der Kultermittlerin Bella Block jetzt neu im eBook!Sonne, Lügen und ein tödliches Geheimnis ... Als die Hamburger Privatdetektivin Bella Block beauftragt wird, in Spanien nach dem verschwundenen Mann einer Freundin zu suchen, scheint der Fall für sie ein leichtes Spiel zu sein: Ein paar Tage im sonnigen Andalusien verbringen, ein paar Nachforschungen über den Verschwundenen anstellen - nur allzu gerne lässt die Ermittlerin sich darauf ein. Doch schnell merkt Bella, dass hinter der Fassade des vermeintlich harmlosen Urlaubsidylls ein gefährliches Geheimnis verborgen liegt. Als Bella tiefer in die düstere Welt der spanischen Provinz eintaucht, trifft sie auf einen alten Feind aus ihrer Vergangenheit. Plötzlich werden nicht nur ihre Ermittlerfähigkeiten, sondern auch ihr Leben auf eine tödliche Probe gestellt ... Der achte Fall der legendären Kommissarin Bella Block, der unabhängig gelesen werden kann - ein bitterböser Kriminalroman für die Fans von Susanne Mischke.In Band 9 reist Bella Block nach Odessa und gerät in einen Wettlauf gegen die Zeit, um das Leben ihrer Auftraggeberin zu retten ...

Doris Gercke, 1937 in Greifswald geboren, ist eine der bekanntesten Krimi-Autorinnen Deutschlands. Berühmt wurde sie durch ihre Reihe um die Kultermittlerin Bella Block, im ZDF verfilmt mit Hannelore Hoger in der Titelrolle. Auf der Criminale 2000 erhielt sie den »Ehrenglauser« für ihr Gesamtwerk. Doris Gercke lebt in Hamburg. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre 17-teilige Reihe »Ein Fall für Bella Block«. Folgende Fälle sind als Hörbücher bei Saga Egmont erschienen: »Du musst hängen«, »Das lange Schweigen«, »Schlaf, Kindchen, schlaf« und »Das zweite Gesicht«.
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Kapitel 1


Um neun Uhr, als die Sonne die Schlucht erreicht hatte, trat die alte Frau vor die Haustür. Sie trat jeden Morgen um die gleiche Zeit vor die Tür und sah auf die Straße. Eines Tages würde der Sohn wiederkommen. Er war immer wiedergekommen. Auf dieser Straße würde er gehen. Sie würde die Erste sein, die ihn sah.

Erst auf dem Bahnhof von Aguilas, als niemand außer ihm den Zug verließ und niemand auf dem Bahnhofsgelände zu sehen war, außer dem schlafenden Fahrkartenverkäufer hinter der halb blinden Scheibe, war er sicher, dass ihm niemand gefolgt war. Langsam, aber dennoch mit leichten Schritten überquerte er den Bahnsteig, ging vorbei an dem dösenden Mann hinter der Scheibe und trat vor die Tür des Bahnhofs. Tief durchatmen. Da war die gelbe, zerbröckelnde Mauer der Rampe. Da vor ihm lagen die schweren Feldsteine, mit denen die Auffahrt gepflastert war. Schräg lag sie vor ihm in der Sonne. Eukalyptusbäume, eine sterbende Agave, kein Laut, seit der Zug in seinem Rücken endgültig angehalten hatte. Er konnte das Meer riechen. Langsam ging er über die Feldsteine nach unten. Der Platz vor der Bahnhofsrampe lag gelb und staubig unter den Bäumen. Die Tür unter der Rampe in der Mauer war verschlossen. Er warf einen flüchtigen Blick darauf. Es war Mittagszeit. Die beiden Männer, die hinter der Tür das kleine Eisenbahnmuseum betreuten, waren nach Hause gegangen und hatten sich zum Schlafen hingelegt. Flüchtig dachte der Mann, der gerade mit dem Zug angekommen war, an das feierliche Zeremoniell, mit dem vor Jahren das Museum eröffnet worden war.

Der Bürgermeister war da gewesen, Abgeordnete aller Parteien, Beauftragte der Provinzregierung und ein hoher Beamter der Bahn. In langen Reden war der wirtschaftliche und kulturelle Aufschwung beschworen worden, den Andalusien nehmen würde. War nicht das Museum ein deutliches Zeichen dafür, dass es voranging? Zum Schluss hatte der Bürgermeister sich eine rote Mütze aufgesetzt. Ein Mädchen hatte sie ihm hingehalten. Mit der roten Mütze auf dem Kopf und unter dem Beifall aller Anwesenden hatte er einen Schalter betätigt, und die kleine Modelleisenbahn war losgefahren. Wochenlang waren die Kinder der Umgebung in das Museum gekommen, um die Modelleisenbahn zu bewundern.

Der Mann, der einen Augenblick stehen geblieben war und jetzt weiterging, verzog verächtlich den Mund. Auch er war unter den Jugendlichen gewesen, die die Bahn angesehen hatten. Inzwischen konnte er andere Museen ansehen, wenn er wollte. Museen mit Bildern und irgendwelchen anderen Sachen, die wertvoll waren. Jedenfalls nicht mit Spielzeugeisenbahnen, die man in jedem Schaufenster sehen konnte.

Am Rand des staubigen, von Schlaglöchern zerbeulten Platzes blieb er noch einmal stehen und sah zurück. Er sah auf das gelbe, zerfallende Bahnhofsgebäude. Früher hatte es zwei Türme gehabt, Türme wie die auf den Burgen im Norden. Man hatte sie abgetragen, um die Menschen, die den Bahnhof noch nutzten, vor herabfallenden Steinen zu schützen. Der Bahnhof sah arm aus ohne seine Türme. Die Scheiben in den hohen Fenstern waren fast alle zerbrochen. Die Mauer der Bahnhofsrampe, die von zwei Seiten aus schräg nach oben führte, zerbröckelte unter den darüberhängenden lila und roten Bougainvilleen. Sehr große Geranienbüsche mit leuchtend roten Blüten verdeckten den Sockel des Bahnhofsgebäudes und zerschlagene Kellerfenster. Es roch nach Staub und Sonne und ein wenig nach Meer. Zufrieden wandte der Mann sich ab und ging über die leere Straße in die Richtung, aus der er das Geräusch der an den Strand schlagenden Wellen zu hören meinte. Niemand folgte ihm. Leer und verlassen lag der Platz vor dem Bahnhof in der Sonne.

Die Fenster der Häuser an den schmalen Straßen waren geschlossen. Vor den Ladentüren hingen die metallenen Ketten der Fliegenvorhänge ruhig und unbewegt. Manchmal war ein Kind zu hören, das im Schlaf weinte auf einer der kleinen, von Weinranken überdachten, weißgekalkten Terrassen.

Nur die Tür zu einer Bar an der Ecke eines ockerfarben gestrichenen Hauses war geöffnet. Lärm kam aus dem Innern, das Geräusch eines Fernsehers. Er zögerte nur einen winzigen Augenblick, bevor er weiterging, jetzt mit schnelleren Schritten auf das Meer zu. Den gelben Hund, der im Schatten einer Hauswand auf dem Bürgersteig schlief, stieß er mit dem Fuß beiseite. Er hörte sein Jaulen, bis er die Promenade am Meer erreicht hatte. Helles Licht ließ das Wasser fast silbern erscheinen. Er blieb einen Augenblick geblendet stehen. Hinter dem Licht war das Meer dunkel und blau wie der Himmel. Der Mann überquerte die Promenade, die steinern und viel zu groß und zu breit dalag. Eine Treppe führte hinunter in den schmutziggrauen Sand. Er fühlte das Bedürfnis, Schuhe und Strümpfe auszuziehen und barfuß durch den Sand zu gehen. Wenn er über sein Bedürfnis nachgedacht hätte, wäre ihm aufgefallen, dass der Sand schmutzig war, dass leere Plastikflaschen, zerrissene Einkaufstüten und der Dreck der Dorfhunde über dem Strand lagen. Aber er dachte nicht nach, er war eine Zeitlang von zu Hause fort gewesen und freute sich, wieder zurückgekommen zu sein. Er setzte sich auf die unterste Stufe der Treppe, streckte die nackten Füße in den Sand und hielt sein Gesicht mit geschlossenen Augen in die Sonne. Hinter ihm die Promenade blieb leer bis auf zwei oder drei Autos, die langsam, als seien die Fahrer von der Sonne geblendet, vorüberrollten.

Es war das ruhige, gleichmäßige Geräusch der den Strand leckenden Wellen, das ihn nach einer Weile daran erinnerte, wie durstig er war. Der Zug war ohne Speisewagen gewesen. Es war lange her, dass er getrunken hatte. Ruhig, ein wenig betäubt von dem ungewohnten Aufenthalt in der Sonne, zog er Strümpfe und Schuhe an und verließ den Strand. Mit dem Essen konnte er warten, bis er zu Hause war. Trinken würde er jetzt, auf einer der Terrassen an der Promenade, die leer waren, weil die Ausländer, für die man sie gebaut hatte, nicht darauf saßen. Vielleicht schliefen sie, jetzt, in der Mittagszeit. Vielleicht waren sie gar nicht gekommen.

Die Terrassen waren nicht nur leer, sie waren auch nicht in Betrieb. Nach einer Weile fand der Mann eine kleine, dunkle Bar. Er bestellte ein Bier und sah, während der Junge hinter der Theke zapfte, den Bildern eines amerikanischen Fernsehfilms zu. Ein großer Unfall hatte sich ereignet, eine Massenkarambolage auf einem Highway. Viele Helfer bemühten sich, die grässlich verstümmelten Leichen, die blutüberströmten Verletzten abzutransportieren. Als überlaut und in einer Wolke von Staub ein Hubschrauber landete, schob ihm der Junge das Bier über die Theke. Er trank und sah dabei Männern in weißen Kitteln zu, die aus dem Hubschrauber gesprungen waren und, während sie liefen, Masken aus den Taschen ihrer Kittel zogen und sie sich über die Köpfe stülpten. Er hatte, vielleicht weil er müde war, vielleicht auch, weil der Lärm des Hubschraubers alles übertönte, nicht gehört, was gesprochen worden war. Aber er begriff, als er die Masken sah, was die Männer vorhatten. Aufmerksam sah er zu, wie diese Männer in den weißen Kitteln zwischen den Verstümmelten herumliefen, ein paar Helfer mit einer Maschinenpistole in Schach hielten und aus einem Kleintransporter eine Kiste holten, die sie in den Hubschrauber brachten, laufend, nach allen Seiten sichernd und unangefochten. Erst als der Hubschrauber abflog, das überlaute Geräusch verschwunden war, entspannte er sich und schob dem Jungen hinter der Theke das leere Glas hin.

Nicht schlecht, sagte der Junge, während er nach dem Glas griff und dabei noch immer auf den Fernseher sah. Der Mann antwortete nicht, legte das Geld für ein Bier auf den Tresen und verließ die Bar. Verwundert sah der Junge ihm nach. Er sah ihn ein paar Meter weiter stehen bleiben und die Fahrpläne an der verschlossenen Tür des Reisebüros studieren.

Da wird er wohl noch eine Weile warten müssen, sagte der Junge vor sich hin und setzte mechanisch das volle Glas an die Lippen. Er kannte den Fahrplan. Es fuhren zwei Busse am Tag in jede Richtung. Der erste war vor Stunden gefahren, und der zweite kam noch lange nicht. Auch der Mann vor der Tür des Reisebüros schien das jetzt begriffen zu haben. Er sah die leere Promenade hinauf und hinunter, tat unschlüssig ein paar kleine Schritte und ging los.

Er geht zum Dorf hinaus, dachte der Junge. Möchte wissen, wohin der will.

Am Ausgang des Dorfes sah sich der Mann, der mit dem Zug gekommen war und seine Füße in den Sand gehalten hatte, bevor er ein Bier trank, noch einmal um. Die Promenade war noch immer leer. An der Seite zum Dorfausgang war sie nicht fertiggebaut worden. Sie endete in einem Haufen aus Schutt und zerbrochenen Steinplatten. Danach begann die Dorfstraße. Ein kleines Stück lief neben der Dorfstraße eine halbhohe Mauer her. Auf der weißgekalkten Mauer lag bäuchlings ein gelber Hund. Sein linkes Hinterbein hing an der Straßenseite der Mauer herunter. Der Hund lag vollkommen still und unbeweglich da. Nur sein linkes Auge war halb geöffnet und beobachtete gleichgültig den Mann auf der Straße.

Niemand folgte ihm. Er würde zu Fuß gehen, bis der Bus ihn einholte oder ihn ein Auto mitnahm. Früher, noch zu Francos Zeiten, war es verboten gewesen, per Anhalter zu reisen. Vielleicht bestand das Verbot noch, er wusste es nicht, aber auf jeden Fall kümmerte sich niemand mehr darum.

Die Autos, die ihm begegneten, fuhren alle in die entgegengesetzte Richtung. Aber es machte ihm nichts aus, zu Fuß zu gehen. Irgendwann würde der Bus...



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