E-Book, Deutsch, Band 2, 500 Seiten
Reihe: Der Sagittarius-Krieg
Gerwinski Vorstoß in die Antike
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7583-4374-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 500 Seiten
Reihe: Der Sagittarius-Krieg
ISBN: 978-3-7583-4374-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Markus Gerwinski, geboren 1972 in Essen, schrieb bereits als Jugendlicher SF- und Fantasy-Geschichten. Parallel zu seinem Studium der Physik und seiner späteren Tätigkeit als Softwareentwickler erschienen seine ersten beiden Romane "Mjöllnirs Erben" (1999, MG-Verlag) und "Das Lied der Sirenen" (2006, Blitz-Verlag). Letzterer liegt seit 2016 bei BoD in Neuauflage vor. Seit 2011 konzentriert sich Markus Gerwinski ganz auf seine künstlerischen Tätigkeiten. Neben dem Romanschreiben betätigt er sich unter anderem als Zeichner und, gemeinsam mit seiner Frau Sandra Gerwinski, als Rollenspieldesigner.
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2
Aus der Luke im Boden des Habitatrings streckten sich ein peroxidblonder Bürstenhaarschnitt und ein breites Gesicht hervor. „Private Reon von der Wachsamkeit meldet sich zum Dienst, Ma’am.“
„Willkommen auf der Wahrhaftigkeit, Private“, erwiderte Dr. Jannigan die Meldung. „Rühren.“
Sekunden später hatte Reon Skayle zur Begrüßung in eine freundschaftliche Umarmung an seine weibliche Brust gezerrt. „Skayle“, lachte der Transmann herzlich. „Schön, dich wiederzusehen!“
„Schön, dich hierzuhaben“, grinste Skayle, ehe er seinen Freund losließ. „Wie sieht’s aus, willst du erst in dein Quartier?“
Reon winkte ab. „Die sehen doch eh alle gleich aus. Lass uns sofort zu den anderen gehen. Häuslich einrichten kann ich mich später auch noch.“
„Dann dort entlang, Private Reon“, sprach Jannigan und deutete mit einer schlanken, bleichen Albinohand an ihm vorbei, den Korridor entlang. „Raum 240.“
Während Reons Raumsack in einer Schleierblase in entgegengesetzter Richtung davonschwebte, folgten sie zu dritt dem Habitatring, in dem momentan eher mäßiger Betrieb herrschte. Hinter der Panoramascheibe umrundeten das bestirnte Weltall und das farbenfrohe Juwel von Magellan gemächlich die Schiffsachse. Beständig flackerten rund um den Planeten kleine Lichtblitze.
„He, du bist doch von der Logistik“, sprach Skayle Reon an, und indem er mit dem Daumen auf den Planeten deutete, fragte er: „Weißt du, wie lange deine Kollegen noch brauchen werden?“
Reon hob die breiten Schultern und ließ sie herabfallen. „Schwer zu sagen. Du weißt ja, wie es ist: Nach der Schlacht die Trümmer aus dem Orbit zu pflücken, dauert zehnmal länger als die Schlacht selbst.“
„Tja, das haben wir über Drake 4 gemerkt“, pflichtete Skayle ihm bei. „Aber habt ihr irgendeine Schätzung, bis wann wenigstens ein sicheres Landefenster freigeräumt ist?“
Mit einer vagen Geste antwortete Reon: „Zwei, drei Wochen vielleicht. Der Abwehrgürtel von Magellan war richtig dick und es kam ein Haufen ziviler Satelliten dazu, die lange vor Ende der Schlacht allesamt mit pulverisiert wurden – erstaunlich viele, wenn man bedenkt, dass die Kolonisten am Boden überhaupt nicht über Technik verfügen. Ist das da vorn schon der Raum?“
„Da, von wo du Yuran hörst?“, schmunzelte Skayle. „Rate mal.“
Wenig später hing der kleine Junge Reon am Hals, während Jadie ihren Kameraden mit Schulterklopfern willkommen hieß und die alte Captain Blance breit grinsend, mit verschränkten Armen im Türrahmen lehnte. Aus dem Raum tönte ein Schimpfen von Geara, dass nicht immer alle quer durch ihr Display latschen sollten, gefolgt von einer gemurmelten Entschuldigung von Mee. Es dauerte einige Minuten, bis sich der Trubel gelegt hatte und sich alle einigermaßen zivilisiert in den kleinen Konferenzraum gezwängt hatten. Zu Skayles heimlicher Freude kam er selbst neben Jadie zu sitzen, ihr Geliebter Toranor hingegen als Mitglied des Missionskontrollteams auf der anderen Seite des Tischs.
„Es freut mich zu sehen“, eröffnete Dr. Jannigan die Besprechung, „dass Sie alle sich nach dem gemeinsamen Training so herzlich verstehen. Das wird zwingend nötig sein – nicht nur für den Zusammenhalt der Kommandomission vor Ort, sondern auch für die Kooperation mit der Missionskontrolle hier oben an Bord.“
Die Historikerin ließ eine bleiche Hand deutend über die Displays an den Wänden fahren, während sie fortfuhr: „Von diesem Raum aus werden wir Ihre Fortschritte unten auf Magellan verfolgen und Sie, falls nötig, mit Informationen versorgen. Private Geara war so freundlich, hier die benötigte Hardware und Software einzurichten. Momentan koppeln die Schnittstellen natürlich an den Schleier der Simulationshalle im Fock-Steuerbord-Rad, aber sobald wir in der Lage sind, Beobachtungssatelliten im Orbit um Magellan zu postieren, werden wir von hier aus den Verlauf Ihrer Mission beobachten.“
Automatisch ging Skayles Auge wieder zum Fenster. Unverändert funkelten über dem Planeten die Explosionen, wo die Räumungsteams des Geschwaders damit beschäftigt waren, den Schrott der Schlacht aus dem Orbit zu strahlen.
„Was ist mit Aufzeichnungsgeräten für die Beobachtung direkt am Boden?“, fragte Reon. Skayle wandte sich rechtzeitig wieder dem Konferenztisch zu, um Jannigans Kopfschütteln zu sehen.
„Solange wir die Verhältnisse auf dem Planeten nur aus dem persönlichen Log der Gefangenen kennen“, erklärte sie, „ist es unmöglich, eine überzeugende Tarnung für Beobachtungsroboter auszuarbeiten. Sicher zusagen kann ich Ihnen bis jetzt nur gut versteckte Bodycams in der Kleidung der Missionsteilnehmer. Und die Qualität der Datenübertragung vom Boden in den Orbit wird davon abhängen“, wandte sie sich an Skayle und Jadie, „wie nah Sie bei Ihrem Funkrelais bleiben.“
„Gibt es inzwischen einen Plan, wie wir das Ding transportieren sollen?“, fragte Jadie.
Jannigan nickte. „Ja. Sie werden einen Karren verwenden.“
„Ach, Doktorchen“, kam es daraufhin von Blance. „Das Thema hatten wir doch schon.“ Als die Historikerin sich ihr mit hochgezogener Augenbraue zuwandte, fuhr die alte Marketenderin fort: „Sie können dem Team keinen Karren aus Ihrem Materiekonverter mitgeben. Er mag dann zwar aussehen wie in den Aufzeichnungen Ihrer Tiefkühlprinzessin, aber sobald ein Einheimischer ihn anfasst, wird er auffliegen. Er wird sich nicht anfühlen wie echtes Holz von Magellan, er wird nicht so riechen ...“
„Oh, Captain Blance“, gab Jannigan mit hintergründigem Schmunzeln zurück, „wir reden nicht von einem Karren aus dem Konverter. Sie werden einen echten einheimischen Karren verwenden, von Hand gefertigt aus echtem magellanischem Holz.“
Stirnrunzelnd fasste Blance die Historikerin ins Auge. „Und wo wollen Sie den hernehmen, bevor Sie uns da unten einkaufen schicken können?“
Freundlich lächelte Jannigan sie an. „Captain Blance, Sie wissen doch von den Vorauskommandos, die wir hinuntersenden werden für ... die medizinische Vorbereitung Ihrer Mission?“ Während des kurzen Zögerns warf sie einen Seitenblick auf Mutter Hensley. Die Ärztin und Priesterin von der Kurflotte verfolgte das Meeting wortkarg wie immer, mit verschlossener Miene und ohne jeden Ausdruck in den leicht geschlitzten Augen.
„Naja, sicher“, brummte Blance achselzuckend. „Lässt sich nicht umgehen. Sobald Sie endlich eine Lücke im Trümmergürtel offen haben, werden ein paar Ihrer Leute in irgendeiner abgelegenen Gegend runtergehen und ... oh.“
Langsam nickte Jannigan. „Ganz recht, Captain Blance. Einige geeignete Versuchspersonen haben wir bereits vom Orbit herab ausgemacht. Und eine davon wird auch gleich unser Problem mit dem authentisch magellanischen Karren lösen.“
Das wiederholte Quietschen der Achse erinnerte Marudaq daran, dass nicht allein die Steigung seinen alten Knien so sehr zusetzte. Zum dritten Mal, seit er den Hügelpfad angetreten hatte, der sich in Serpentinen durch das hüfthohe Flaumkraut hinaufschlängelte, blieb er stehen und ruckelte den Karren hinter sich an den Handgriffen in eine Position, aus der er nicht von selbst wieder ins Rollen geriete. Erst, nachdem die Riemen des Zuggeschirrs an seinen Schultern erschlafft waren, hob er die Griffe an, bis sich der Bremszahn in den Boden drückte und zog das Tuch vor Mund und Nase auf das Kinn herab, um sich einen Schluck Wasser aus der Feldflasche am Gürtel zu gönnen.
Er hatte sich noch nicht die Tropfen aus dem Bart gewischt, als Loyro schon heran war, ihm vor den Beinen herumsprang und kläffend seinen Anteil verlangte. Seufzend löste Marudaq die hölzerne Schale vom Gürtel und stellte sie in einer Kuhle des steinigen, trockenen Pfades ab, um eine Handvoll Wasser hineinzuschütten. Sofort stürzte sich sein Hund darauf, um begierig das kostbare Nass in sich hineinzuschlabbern.
Gedankenverloren kraulte der Hausierer sein Tier zwischen den spitzen Ohren, ehe er die Flasche verkorkte und zurück an seinen Gürtel hängte. Als er sich zum Schutz vor dem Staub das Tuch wieder vors Gesicht zog, ging sein Blick nach oben. Die Sonne hatte bereits den Scheitel ihrer Bahn überschritten und schmolz mit ihren sengenden Strahlen die letzten Wolken vom Gold des Himmels. Es wurde höchste Zeit, dass Marudaq für sich und Loyro einen schattigen Rastplatz aufsuchte.
Doch nicht das allein war es, das den alten Mann stirnrunzelnd den Blick in der Höhe verweilen ließ. Am hellen Tag fielen sie kaum auf, doch wenn man genau hinsah, konnte man auch jetzt noch das Funkeln der kleinen Lichtblitze sehen, die wie Wellen oder flüchtige Wolken über den Himmel waberten. Ein Zeichen der Dämonen, hatte die Priesterin in der kleinen Dorfkapelle neulich verkündet, gefolgt von einer Tirade, mit welchen Sünden die Menschen...




