Goodnight | Das Flüstern der Magnolien | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: HarperCollins

Goodnight Das Flüstern der Magnolien


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95967-974-9
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: HarperCollins

ISBN: 978-3-95967-974-9
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Binden will Julia Presley sich aus gutem Grund nicht mehr. In ihrem Leben dreht sich alles um ihre Pension am Ende der Magnolienallee - bis ihr eines Tages ein Fremder seine Hilfe bei den Sanierungsarbeiten anbietet. Dass Eli Donovan ebenso wie sie dunkle Geheimnisse hat, spürt Julia schnell. Doch es braucht erst einen staubigen Stapel alter Liebesbriefe aus der Zeit des Bürgerkriegs, damit sie versteht: Die Zeit der Zärtlichkeit und die Chance auf ein glückliches Familienleben verjähren nie.
'Eine wunderbare, großherzige und unvergessliche Geschichte.' RaeAnne Thayne New York Times-Bestsellerautorin
'Zwei Zeitebenen, ein großartiger Plot und ein hochemotionaler Lesegenuss!' Romantic Times Book Reviews



Linda Goodnight stammt aus einer ländlichen Region in Oklahoma, wo sie auch heute noch lebt. Zwei Anliegen hat die Bestsellerautorin: Ihre Romane sollen ebenso emotional berühren wie unterhalten. Die Quelle ihrer Inspiration ist dabei ihre eigene Patchwork-Familie, zu der auch zwei Adotivkinder aus der Ukraine gehören, sowie die Erfahrungen, die sie als Krankenschwester und Lehrerin gemacht hat.

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2. KAPITEL


Peach Orchard Inn

Heute

Ganz bestimmt hatte sie ihm an jenem letzten Morgen zum Abschied einen Kuss gegeben. Hatte sie doch, oder? Das war schließlich fester Bestandteil der Routine gewesen. Ihm den Rucksack aufsetzen, die Lunchbox in die Hand drücken und ihm noch schnell einen Kuss geben, bevor er zum Bus rannte. Und dann zusehen, wie er einstieg. So hatte sie es immer gemacht, trotzdem stellte sie sich später wieder und wieder die gleichen Fragen: Was, wenn sie ihn selbst zur Schule gefahren oder ihn zu Hause behalten hätte, denn war er nicht noch ganz verschlafen gewesen an jenem letzten wundervollen, schrecklichen Morgen?

Sechs Jahre waren seitdem vergangen, doch das Entsetzen und der Schmerz hielten immer noch an. Es war die Ungewissheit, die Julia Presley langsam, aber sicher in den Wahnsinn trieb. In Momenten, in denen sie einsam war, besonders kurz vor dem Einschlafen oder wie jetzt beim Aufwachen, stürzten die Gedanken mit gnadenloser Wucht auf sie ein und ließen sich unmöglich abwehren. Und das, obwohl sie mittlerweile außerordentlich geübt darin war.

Die meisten Tage überlebte sie irgendwie und manchmal ging es ihr sogar gut. Aber Tage wie heute waren die schlimmsten. Michaels Geburtstag. Er war noch am Leben. Das musste sie einfach glauben. Sich dann allerdings auch fragen zu müssen, bei wem er war und was passiert war oder noch passierte, war kaum zu ertragen. Und doch ertrug sie es, denn was blieb ihr anderes übrig? Irgendwann würde irgendjemand ihn irgendwo in der Menge erkennen oder er würde endlich von seinen Entführern freigelassen und könnte nach Hause kommen. Solche Wunder gab es ja tatsächlich und diese verschwundenen und dann doch wiedergefundenen Kinder gaben Julia Hoffnung.

Heute wurde er vierzehn Jahre alt, war schon lange nicht mehr der kleine Junge mit den großen Augen, der Baden hasste und Matschpfützen liebte. War er jetzt hochgewachsen und drahtig wie sein Vater? Und bräche es ihm nicht das Herz, wenn er wüsste, dass die Beziehung seiner Eltern nicht einmal ein Jahr nach seinem Verschwinden in die Brüche gegangen war? Dass er derjenige gewesen war, der ihre zerrüttete Ehe zusammengehalten hatte, und dass sie einander nicht hatten trösten können? Stattdessen hatten sie eine Schuld bei sich gesucht, wo keine zu finden war. Eine dumme Reaktion auf so ein abscheuliches Verbrechen. Schuldig war schließlich einzig und allein jenes böse Wesen, das einen fröhlichen kleinen Jungen aus einer friedlichen Stadt entführt hatte, in der nie etwas Schlimmes geschah. Und doch fühlte Julia sich verantwortlich. Als Mutter war es ihre wesentliche Pflicht, ihr Kind zu begleiten und zu beschützen, und genau dabei hatte sie versagt.

Sie quälte sich unter ihrer blassblauen Bettdecke hervor und griff als Erstes nach dem iPad auf ihrem Nachttisch. Mit einem Klick rief sie die Facebook-Seite auf, von der ihr Mikeys fröhliches achtjähriges Gesicht entgegenstrahlte, daneben ein computergeneriertes Foto von ihm als Teenager. Sah er inzwischen tatsächlich so aus?

Sie ging die neuesten Kommentare durch, warf einen Blick auf die paar Geburtstagsglückwünsche und schloss seufzend die Seite. Nichts Neues. Niemand hatte ihn gesehen. Wie bisher an jedem Tag, seit sie diese Seite mit der Unterstützung einer Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen hatte. Mit anderen Müttern, die darauf warteten, dass ihr Kind nach Hause kam. Julia beteiligte sich fast nie an den müßigen Forumsdiskussionen. Sie deprimierten sie und in diesen dunklen Tunnel konnte sie weiß Gott nicht noch einmal hinuntersteigen.

Sie atmete tief durch und bat inständig um die Kraft für einen weiteren Tag, dann zog sie sich an und verdeckte die dunklen halbmondförmigen Schatten unter ihren Augen mit Make-up. Obwohl es noch nicht einmal dämmerte, musste sie jetzt in die Gänge kommen. Sie hatte Frühstück vorzubereiten, Gäste zu bedienen und unzählige andere Aufgaben zu erledigen. Stete Beschäftigung war wichtig, war ihre Therapie. Kochtherapie – so nannte sie ihr besessenes Treiben in der Küche. Wenn sie tagsüber bis zur Erschöpfung arbeitete, konnte sie nachts schlafen, ohne dass die beklemmenden Albträume sie heimsuchten.

Seit vier Jahren war sie jeden Tag aufs Neue dankbar dafür, dass sie, ohne lange zu überlegen, das Peach Orchard Inn gekauft hatte, eine große alte Kuriosität von einer Südstaatenvilla, die mittlerweile eine Frühstückspension war. Dieses zweistöckige Gebäude, das einen Bürgerkrieg und die nachfolgenden eineinhalb Jahrhunderte überstanden hatte, strahlte etwas Wohlwollendes aus. An dem Tag, als Valery sie hier rausgeschleppt hatte, „nur um mal zu gucken“, hatte das Haus ihr sofort Geborgenheit vermittelt – sie sofort in eine warme Umarmung gehüllt. Obwohl alles von Spinnweben und Staub bedeckt gewesen war, hatte ihr Herz einen Sprung gemacht. Zum ersten Mal seit Monaten – seit Jahren – hatte sie etwas anderes gefühlt als Verzweiflung. Dieses herrliche alte Bed and Breakfast hatte sie buchstäblich gerettet. Sie hatte noch immer nicht ganz verstanden, wie, aber es war so.

An ihrem alten Haus in der Sage Street – Mikeys Zuhause – hatte sie zu lange festgehalten, aus Furcht, ihr Sohn könnte zurückkehren und sie wäre nicht da, doch sie ging dort zugrunde. Sie war deprimiert, morgens kaum in der Lage aufzustehen, und tat es an manchen Tagen auch nicht. Da sie nicht wollte, dass ihr Sohn irgendwann nur noch zu einer toten Mutter würde zurückkehren können, und weil ihre Familie sie gedrängt hatte, hatte Julia das moderne Backsteinhaus verkauft und war in ein Stück Geschichte gezogen, das dringend restauriert werden musste. In dieser Hinsicht glichen sie einander, sie und ihr Haus.

Jeder in Honey Ridge wusste von Mikeys Verschwinden, aber als echte Südstaatler sprachen die meisten darüber nur untereinander, nie mit ihr. Man ließ sie in Ruhe und tat genau wie Julias Familie so, als wäre sie eine ganz normale geschiedene Geschäftsfrau, die eine Pension führte und sehr an der Vergangenheit hing – an ihrer eigenen und an der dieser Vorkriegsvilla.

Sie steckte in der Vergangenheit fest, in der fernen und in der nahen. Sie steckte fest. Seit sechs Jahren Standbild, in Warteposition, unfähig, sich zu bewegen, und nicht bereit, den schwachen Funken Hoffnung aufzugeben, dass sie eines Tages aufwachen und Mikeys Verschwinden nichts als ein Albtraum gewesen sein würde.

Bingo, ihr alternder Australian Shepherd, erhob sich von seinem Platz auf dem Vorleger am Fußende ihres Bettes. Als Julia innehielt und ihm kurz über den schwarzgrau gescheckten Kopf strich, entdeckte sie dort, wo er geschlafen hatte, einen Gegenstand auf dem Boden. Erst dachte sie, es wäre ein Stein, und bückte sich danach, um dann verdutzt festzustellen, dass es sich um ein weiteres der kleinen runden Kinderspielzeuge handelte. Eine Murmel, rötlich braun, aber keine von den normalen modernen. Diese hier war aus Ton, eine handgemachte Antiquität wie die anderen, die sie im Haus gefunden hatte.

„Ist die von dir, Bingo?“ Er brachte ihr immer mal wieder kleine Geschenke mit. „Auf jeden Fall besser als die tote Schlange letztens.“

Nachdenklich rollte sie das kleine Kinderspielzeug auf ihrer Handfläche hin und her. Sie und Valery hatten im Laufe der Restaurierung schon einige interessante historische Gegenstände gefunden, die dem alten Gebäude je eine weitere Schicht Geheimnis und Geschichte hinzufügten. Aber die Murmeln waren etwas anderes. Sie tauchten völlig zufällig auf, fast immer dort, wo sie gerade erst geputzt hatte, und ausschließlich an schlechten Tagen. Sie sprachen zu ihr, trösteten sie, und ihre Mutter bekäme sicher einen Anfall, wenn sie wüsste, dass ihre unausgeglichene Tochter jetzt schon mit Murmeln kommunizierte.

„Du hast ganz schön einen an der Murmel!“ Das würde sie sagen. Und vielleicht stimmte das auch.

Da sie jedes bisschen Trost gebrauchen konnte, steckte Julia die kleine Tonkugel in ihre Tasche und machte sich dann auf den Weg in die Küche.

Bingo trottete neben ihr her, vorbei an der prächtigen breiten Treppe, die zum oberen Stockwerk führte. Vielleicht nicht ganz so prächtig wie die aus Vom Winde verweht, aber Julia war bei ihrem Anblick gleich ganz hin und weg gewesen. Jetzt gerade hatte sie das Bild einer Braut aus dem neunzehnten Jahrhundert vor Augen, die mit einer behandschuhten Hand auf dem glänzenden Eichengeländer über den burgunderroten Teppich auf dieser Treppe hinunterschritt, während ihr Herz dem wahren Geliebten zuflog, der neben dem mächtigen Marmorkamin im Salon auf sie wartete.

Hirngespinste, klar, genau wie die tröstenden Murmeln, aber ein Haus wie dieses gab einem ja quasi den Freifahrtschein dazu. In den Südstaaten aufzuwachsen, brachte unter anderem den Glauben mit sich, dass die Wände Geschichte atmeten und altes Holz von Vergangenem flüsterte. Und wenn Julia schon an so wenig glaubte, das immerhin glaubte sie. Dieses Haus war lebendig, und Julia hatte ihm aufmerksam zugehört, während sie und Valery damit beschäftigt gewesen waren, eine Pension aus ihm zu machen, die den Weg in dieses abgelegene Städtchen im ländlichen Tennessee wert war. Eine Pension, in der die Menschen den Frieden finden konnten, der seiner Besitzerin verwehrt blieb.

Wenn Julia auf der großzügigen umlaufenden Veranda saß, war ihr manchmal, als hörte sie Hufgeklapper und das Knirschen von Kutschenrädern auf dem von Magnolien flankierten Zufahrtsweg. Sie hütete sich, jemandem davon zu erzählen. Oder davon, wie sie einmal nach einem grässlichen Albtraum über Mickey eine kühle, beruhigende Hand auf ihrer Stirn gespürt hatte. Oder von dem kleinen Jungen, den sie manchmal vom Flur der oberen Etage her...


Kröning, Christel
Linda Goodnight stammt aus einer ländlichen Region in Oklahoma, wo sie auch heute noch lebt. Zwei Anliegen hat die Bestsellerautorin: Ihre Romane sollen ebenso emotional berühren wie unterhalten. Die Quelle ihrer Inspiration ist dabei ihre eigene Patchwork-Familie, zu der auch zwei Adotivkinder aus der Ukraine gehören, sowie die Erfahrungen, die sie als Krankenschwester und Lehrerin gemacht hat.

Goodnight, Linda
Linda Goodnight stammt aus einer ländlichen Region in Oklahoma, wo sie auch heute noch lebt. Zwei Anliegen hat die Bestsellerautorin: Ihre Romane sollen ebenso emotional berühren wie unterhalten. Die Quelle ihrer Inspiration ist dabei ihre eigene Patchwork-Familie, zu der auch zwei Adotivkinder aus der Ukraine gehören, sowie die Erfahrungen, die sie als Krankenschwester und Lehrerin gemacht hat.



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