Gracie | Nur einen Kuss, Kate! | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

Gracie Nur einen Kuss, Kate!


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6472-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-7337-6472-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dass die hinreißende Kate sich sträubt, mit der alten Lady Cahill zu deren Enkel Jack zu fahren, um dort als Haushälterin zu arbeiten, nützt ihr gar nichts: Kurz entschlossen entführt Lady Cahill die entkräftete junge Dame, die Schlimmes erlebt hat. Kaum bei Jack Carstairs angekommen, fällt Kate prompt in Ohnmacht. Als sie wieder zu sich kommt, blickt sie direkt in Jacks blaue Augen. So viel steht in ihnen geschrieben: Er weiß, wie es ist, wenn man ganz allein auf der Welt dasteht und mutlos in die Zukunft schaut. Doch plötzlich geht der Stern der Liebe strahlend auf. Denn von diesem ersten Augenblick an sind Jack und Kate voneinander fasziniert. Noch ist es eine Frage des Stolzes, wer es dem anderen zuerst eingesteht...



Schon als junges Mädchen begeisterte sich Anne Gracie für die Romane von Georgette Heyer - für sie die perfekte Mischung aus Geschichte, Romantik und Humor. Geschichte generell, aber auch die Geschichte ihrer eigenen Familie ist Inspirationsquelle für Anne, deren erster Roman für den RITA Award in der Kategorie beste Erstveröffentlichung nominiert war. Ihr Urgroßvater, ein Seemann, ging Ende des 19. Jahrhunderts in Australien an Land und blieb dann für immer weil er sich dort in ein Mädchen verliebt hatte, das er später heiratete. Anne selbst lebt in Melbourne in einem kleinen Holzhaus und widmet sich in ihrer Freizeit der Imkerei. Zudem unterrichtet sie an einem College Englisch um so ihre Liebe zur englischen Literatur weiterzugeben und in einem Programm zur Bekämpfung des Analphabetentums erteilt sie Erwachsenen Unterricht. Das Faszinierendste am Schreiben ist für Anne die Entstehung der Charaktere und die Entwicklung ihrer Leben. Oft wacht sie mitten in der Nacht auf und hat eine bestimmte Szene im Kopf, die dann häufig der Beginn des nächsten Romans ist.

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PROLOG

“Nein, Papa. Das kannst du nicht von mir verlangen!”

“Bitte, mein Liebes. Es dauert doch nicht lange, und ich befürchte, dass er mir sowieso nicht glauben wird.”

Der hochgewachsene dunkelhaarige Mann, der allein im Empfangssalon wartete, reagierte mit einer derart unvermittelten Drehung seines Körpers auf die nebenan hörbar gewordenen Stimmen, dass sein Gesicht sich vor Schmerz verzerrte und er eine leise Verwünschung ausstieß. Auf den Stock gestützt, bewegte er sich nun mit größerer Vorsicht.

Er warf einen Blick in die Richtung, aus der die Unterhaltung kam, und zupfte nervös an seiner Krawatte. Die Kleidung, die er trug, war von feinster Qualität, wenn auch ein wenig aus der Mode, und schien für einen viel stattlicheren Mann gefertigt, da die Jacke ihm zu groß war und nur um die Schultern gut saß. Der Gentleman selbst bot einen auffallenden Anblick, wie er so dastand und aus dem Fenster starrte, groß, breitschultrig und gut aussehend, wenn auch so schmal, dass es an Hagerkeit grenzte.

Jack Carstairs war mit seiner Geduld am Ende, da er nach stundenlanger Fahrt nun bereits eine halbe Ewigkeit im Salon zu warten schien, zu lange jedenfalls für einen Mann, der als Offizier in Wellingtons Armee in Spanien die letzten drei Jahre meist unter freiem Himmel verbracht hatte. Er öffnete die Tür zur Terrasse und trat hinaus. Hier war die melodiöse Stimme seiner Verlobten deutlicher zu hören.

Ungeduldig ging Jack weiter. In wenigen Minuten würde er sie wieder in den Armen halten. Eilig hinkte er zur offenen Flügeltür, aus der die Unterhaltung zu ihm herüberdrang.

“Nein, Papa, du musst es ihm sagen. Ich will ihn nicht sehen.” Julias Stimme klang trotzig und abwehrend. So hatte Jack sie nie erlebt.

“Schon gut, Liebes, ich werde mit ihm sprechen, aber du musst dabei sein, sonst glaubt er es nicht.”

Jack erstarrte. Erst vor einem Monat, kurz vor seiner Verwundung, hatte er einen zärtlichen Brief von Julia erhalten, zugleich mit dem Schreiben, das ihn vom Tod seines Vaters in Kenntnis setzte.

Die geliebte Stimme wurde kindlich flehend. “Ich möchte ihn nicht sehen. Er ist so anders geworden.”

Ihr Vater, immer schon Wachs in den Händen seiner schönen Tochter, ließ sich diesmal nicht beirren. “Meine Liebe, das war zu erwarten. Der Krieg verändert einen Mann.”

“Er ist hässlich, Papa. Sein Gesicht ist verunstaltet.”

Unwillkürlich befingerte Jack die hervortretende, noch immer rote Narbe, die von seiner Schläfe bis zum Mund reichte.

“Und er kann kaum noch gehen.” Ihr Ton wurde noch flehender. “Bitte, Papa, verlange nicht, dass ich mit ihm spreche. Schon sein Anblick ist mir unerträglich. Es wäre besser, er wäre umgekommen. Ja, ich weiß, es klingt hart”, fuhr Julia fort, “aber wenn ich an meinen stattlichen Jack denke und ihn jetzt sehe, könnte ich weinen. Nein, Papa, es geht nicht.”

“Bist du sicher?”

“Natürlich. Du sagtest ja selbst, dass sein Vater ihm nichts hinterließ. Ich kann doch keinen Habenichts heiraten.” Sie stampfte mit dem Fuß auf. “Ich darf gar nicht daran denken, dass ich all die Zeit mit Warten vertan habe! Er kann ja kaum einen Schritt gehen und wird nie wieder in der Lage sein, mit mir zu tanzen.”

Sie hielt inne, in Gedanken bei den zauberhaften Momenten auf dem Tanzparkett, als sie die Blicke aller auf sich gezogen hatte und jede Frau im Ballsaal sie beneidete.

“Nein, Papa, ausgeschlossen! Ich bin nur froh, dass du unsere Verlobung nicht offiziell bekannt geben wolltest, obwohl es mir damals hartherzig erschien.”

Jack war bleich geworden. Mit grimmigem Gesicht zog er die Fensterdraperien zurück, die ihn verborgen hatten, und betrat den Raum. Er hatte genug gehört.

“Ich denke, damit ist alles gesagt”, bemerkte er leise und endgültig.

Verlegenes Schweigen trat ein, da die Belauschten nicht wissen konnten, wie viel er gehört hatte. Jack ging schleppenden Schrittes zur Tür und öffnete sie für Julias Vater.

“Würden Sie uns wohl allein lassen, Sir Phillip?”, sagte er.

“Carstairs”, brauste Sir Phillip Davenport auf. “In meinem Haus lasse ich mir nichts befehlen. Ich kann verstehen, dass es ein schrecklicher Schock für Sie sein muss, doch da Sie nicht mehr in der Lage sind, für meine Tochter zu …”

“Danke, Sir!”, unterbrach Jack ihn. “Ich weiß, was Sie sagen wollen, aber ich glaube, dass mir ein paar Augenblicke allein mit meiner Verlobten zustehen.”

Sein Befehlston, in jahrelangem Armeedienst erworben, tat seine Wirkung. Julias Vater tat verlegen ein paar Schritte auf die Tür zu.

“Aber …”, setzte Julia an.

“Was mich betrifft, so ist die Verlobung noch nicht gelöst. Es ist mein gutes Recht, persönlich davon in Kenntnis gesetzt zu werden.” Wieder bedeutete Jack Julias Vater zu gehen. Als er das Zögern und die Besorgnis Sir Phillips sah, verzog er spöttisch die Lippen und sagte: “Seien Sie versichert, Davenport, dass ich trotz aller Veränderungen noch immer ein Gentleman bin. Ihre Tochter ist bei mir sicher.”

Sir Phillip ging und ließ seine verlegene, wütende Tochter zurück. Schweigen trat ein, in dem das Rascheln ihrer Röcke das einzige Geräusch bildete, als Julia den Raum mit raschen und anmutigen Schritten zu durchqueren begann. Dabei brachten ihre geschmeidigen Bewegungen ihren vollkommenen Körper raffiniert zur Geltung, Kleid und Frisur waren modisch und elegant und der Schmuck an ihrem zarten Hals und an den feingliedrigen Handgelenken edel und kostbar. Schließlich setzte sie zum Sprechen an.

“Es tut mir leid, wenn du etwas hörtest, das dir missfiel, Jack, aber du kennst ja das Sprichwort vom Lauscher an der Wand.” Es folgte ein lässiges Achselzucken, als sie zum Fenster glitt und dort stehen blieb, scheinbar völlig in den Anblick des Parks versunken.

Jacks Gesicht verriet Ingrimm. Die Narbe, die sich gezackt über seine Wange zog, hob sich frisch und rot von seiner Blässe ab.

“Verdammt, Julia, du hättest es mir zumindest ins Gesicht – oder was davon übrig ist – sagen können”, entgegnete er verbittert. “Schließlich bin ich nicht zuletzt deinetwegen in diese Situation geraten.”

Sie drehte sich verwundert um. “Aber, Jack, willst du mir etwa die Schuld geben?”

Um seine Lippen zuckte es ironisch. “Vielleicht nicht direkt. Aber als mein Vater mir befahl, unsere Verlobung zu beenden, hast du mich angefleht, standhaft zu bleiben.”

“Aber woher hätte ich wissen sollen, dass dieser schreckliche alte Mann dich tatsächlich enterben würde?”

Sein Ton war kühl, sein Blick eisig. “Der schreckliche alte Mann war mein Vater, und ich sagte es dir voraus.”

“Aber er hat dich so geliebt! Ich war sicher, es sei nur ein Bluff, damit du nach seiner Pfeife tanzt.”

Sein Ton war hart. “Wie du weißt, ging ich aus diesem Grund zur Armee.”

Sie betrachtete ihn von oben bis unten, wobei sie die narbige Wange und das steife Bein geflissentlich übersah.

“Ja, und das war dein Unglück!” Sie wich seinem Blick aus.

Eingedenk dessen, was sie zu ihrem Vater gesagt hatte, schwieg er. “Vermutlich werde ich nie wieder tanzen oder reiten können.”

“Richtig”, sagte sie. “Und ob die grässliche Narbe verblassen wird, bezweifle ich sehr.”

Sie merkte, wie gefühllos ihre Antwort war. “Ach, verzeih, Jack, aber du warst der attraktivste Mann von ganz London, ehe das da passierte.” Sie deutete auf die Narbe.

Mit jedem Wort zeigte sie mehr von ihrem wahren Wesen. Jack fühlte Schmerz und Wut in sich aufsteigen. Diesem schönen, leeren Geschöpf zuliebe hatte er sich seinem Vater entfremdet. Wie Julia hatte er nie geglaubt, sein Vater würde ihn wirklich enterben, doch war dieser unversöhnt gestorben. Und das war es, was Jack tiefer schmerzte als der Verlust seines Vermögens.

Unter seiner unbarmherzigen Musterung begann Julia sich unbehaglich zu fühlen. Sie ging ein paar Schritte ziellos durch den Raum, nahm geistesabwesend dies und das zur Hand, stellte es hin und nahm ihren rastlosen Rundgang wieder auf.

Jack beobachtete sie. Er dachte daran, wie die Erinnerung an ihre Anmut und Schönheit ihn in den schlimmsten Augenblicken seines Lebens aufrecht gehalten hatte. In der staubigen Hitze Spaniens, inmitten der Schlachtfelder, war ihm dieses reizvolle Geschöpf wie ein Traum erschienen. Und etwas anderes war es auch nicht, sagte er sich jetzt spöttisch. Die Wirklichkeit war dieses eitle und hohle Frauenzimmer.

“Sei doch ehrlich, Jack.” Sie drehte sich um und blieb vor ihm stehen. “Du bist nicht mehr der Mann, den ich heiraten wollte. Kannst du mir das Leben bieten, das wir planten? Nein.”

Sie zog die Schultern hoch. “Es tut mir leid, Jack. So schmerzlich es für uns beide ist, aber du musst einsehen, dass es nicht geht.”

“Was geht nicht?”, gab er sarkastisch zurück. “Der Verlust meines Vermögens? Mein entstelltes Gesicht? Oder die Vorstellung, sich an der Seite eines hässlichen Krüppels dem allgemeinen Gespött auszusetzen? Ist es das?”

Sein beißender Ton ließ sie zusammenzucken.

“Nein, das geht wirklich nicht”, höhnte er. “Und ich danke Gott dafür.”

Sie starrte ihn an, als ihr die Bedeutung seiner letzten Bemerkung aufging.

“Willst du damit sagen, dass mich nicht heiraten willst?” Vor Erstaunen und Entrüstung kippte ihre Stimme fast über.

Er verbeugte sich ironisch. “Nicht nur das, ich bin...



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