Graf Star Trek - Classic: Feuersturm
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11744-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11744-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Föderation hat auf Rakatan eine Forschungsstation eingerichtet, die die vulkanische Tätigkeit des Mons Rakatan beobachten soll - immerhin ist er der größte Stratovulkan der bekannten Galaxis. Doch seit kurzem entfalten die Elasianer eine hektische Bergbautätigkeit am Fuße dieses Giganten. Ein Landeteam der Enterprise unter Uhuras Leitung soll klären, wessen Ansprüche älter sind, gerät dabei aber zwischen die Fronten eines Machtkampfes. Die Enterprise wird plötzlich von einer Armada feindlicher Schiffe bedroht. Und dann beginnt der Mons Rakatan, Feuer zu speien ...
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Kapitel 1
Captain James T. Kirk legte bei einer der schrägen Wände des Johnston-Observatoriums eine kurze Pause ein. Er presste beide Hände gegen das transparente Aluminium und stellte sich auf die Zehenspitzen, um so einen etwas weiteren Ausblick zu haben. Skaftar war ein ganz gewöhnlicher Mond. Kirk hatte schon viel merkwürdigere Landschaften gesehen. Die längst erloschenen Vulkane und kilometerweiten Basaltbecken Skaftars wirkten auf ihn wenig einladend. Alle Mondbewohner, mit denen er bisher gesprochen hatte, behaupteten, dass Mondlandschaften generell schöner wären als die Oberflächen von Planeten. Man müsse eben nur lernen, sie aus dem richtigen Blickwinkel zu betrachten. Kirk hat diesen Ratschlag seit vielen Jahren zu beherzigen versucht. Bislang konnte er aber nichts Schönes entdecken an schroffen Felsen, öden Staubfeldern und einem Terminator, der scharf wie der Schnitt eines Phasers die Landschaft durchtrennt.
Jemand näherte sich von rechts. Kirk wusste, dass es Uhura war, bevor sie in sein Gesichtsfeld trat und ebenfalls ihre Handabdrücke an diesem häufig berührten Fenster hinterließ. Ihm war schon seit langem bekannt, dass er unbewusst wahrnehmen konnte, wo sich die Mitglieder seines Landetrupps gerade befanden. McCoy sagte irgendwann einmal, dass diese Fähigkeit aus ihm einen guten Kommandanten machen würde. Der Captain spürte plötzlich, wie die Anspannung in ihm wuchs.
»Sieht nicht gerade wie bei uns zu Hause aus, oder?« Uhura stellte sich auf die Zehenspitzen, um auf die Mondlandschaft hinter Kirk zu sehen. Durch diese Bewegung brachte sie ihren Kopf aber lediglich auf die Höhe der Schulter des Captains. Mit einem Seufzer ließ sie sich auf ihre Sohlen zurücksinken.
»Machen Sie sich nichts daraus, Commander. Viel zu sehen gibt es hier ohnehin nicht«, versicherte Kirk ihr lächelnd.
Uhura zuckte mit den Achseln, versuchte aber weiterhin einen Blick auf die Öde außerhalb des Observatoriums zu erhaschen. »Hier vielleicht nicht.« Sie lenkte Kirks Aufmerksamkeit auf den Planeten, der gerade groß und blau über Skaftars zerrissenem Horizont aufging. »Rakatan hat zumindest eine Atmosphäre.«
Kirk konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen. Uhura hob fragend ihre Brauen, und er bemerkte: »Klar, eine Atmosphäre hat Rakatan schon. Irgendwie. Wenn auch keine besonders einladende.« So kristallklar, wie die Ozeane Rakatans von hier oben aussahen, konnte man den Berichten des Observatoriums durchaus Glauben schenken. Die Meere waren kalt und bar jedes Lebens, das über die Größe von Mikroben hinausging. Bedeckt wurden die Weltmeere von einer Atmosphäre, die einen extrem hohen Anteil an Kohlendioxid aufwies und zudem ständig durch Emissionen vulkanischen Ursprungs angereichert wurde. Sogar als sie jetzt hinsahen, hatten sie den Eindruck, als ob sich ein Tropfen grauer Farbe rund um eine der winzigen Landmassen des Planeten herum im Wasser ausbreitete. Ein Anzeigenfeld unterhalb des Fensters erwachte zum Leben und zog die Aufmerksamkeit des Captains auf sich: VULKANISCHE AKTIVITÄT AUF RAKATAN.
Kirk schüttelte verwundert seinen Kopf und wandte seinen Blick wieder dorthin, wo die rollende, dunkle Masse mit düsteren Rauchschwaden die Oberfläche der Tagseite des Planeten verbarg. Aus dem Orbit, dachte er ungläubig! Wir können es von hier oben aus so detailliert sehen! »Das müsste Mons Rakatan sein.«
Die mürrisch klingende Stimme einer alten Frau ließ Kirk zusammenzucken. »Nicht ganz, Captain.«
Etwas abrupter als beabsichtigt drehte Kirk sich um und rammte fast die schrumpelige, weißhaarige Geologin, die so plötzlich hinter ihm stand. Sie drängte ihn resolut mit ihrem Ellenbogen zurück und schielte zu Rakatan hinauf. Kirks Überraschung überging sie kommentarlos. Spock, der mit der Geologin hereingekommen war, nahm mit verschränkten Armen seinen üblichen Platz an der Seite des Captains ein. »Mons Rakatan ist nicht der einzige Vulkan auf dem Planeten, müssen Sie wissen«, raunte er dem Captain zu.
Kirk warf einen belustigten Blick auf seinen ersten Offizier. »Dr. Bascomb, nehme ich an?«, fragte er den Vulkanier.
Spock nickte einmal und erwiderte ruhig: »So ist es!«
Konnte ja auch nicht anders sein, dachte Kirk. Spock und Bascomb hatten die Aufzeichnungen der Geologin bereits durchgesehen. Für diese umfangreiche Arbeit hatte er – wie erwartet – nicht sehr lange gebraucht.
»Das ist Mons Mazama«, verkündete Bascomb und tippte mit einem ihrer knorrigen Finger gegen das Fenster. »Sechstausend Meter hoch und einhundertundzwanzig Kilometer Durchmesser am Fuß.« Uhura versuchte ihren Standort zu verändern, um den Planeten besser sehen zu können. Bascomb umfasste kurzerhand ihr Handgelenk und zog sie wie einen Erstklässler, der sich beschwerte, dass er nichts sehen könne, zwischen sich und das Fenster. Ohne eine Pause zu machen, fuhr Bascomb fort: »Mons Mazama ist nahezu kontinuierlich aktiv, mit einem verheerenden Ausbruch etwa« – die Geologin zuckte dabei mit den Achseln – »äh, alle sechs Monate. Er ist wirklich einer der aktivsten Vulkane auf dem Planeten. Mons Rakatan zum Beispiel hat sich schon seit mehr als fünfzehntausend Jahren nicht mehr geregt.«
Weit davon entfernt, über die Kühnheit der Geologin verärgert zu sein, empfand Uhura für die alte Frau so etwas wie Bewunderung. Sie neigte ihren Kopf zurück, legte die Stirn in Falten und fragte: »Sie haben Ihr Wissen nur durch die 20-jährige Beobachtung der Vulkane aus dem Orbit gewonnen?«
Dr. Bascomb blickte flüchtig nach unten und schien erst jetzt von der Offizierin so richtig Notiz zu nehmen. »Nicht nur aus dem Orbit«, entgegnete sie und gab Uhura durch einen Schritt zur Seite wieder mehr Freiraum. »Wir haben hin und wieder mit einer Fähre Exkursionen auf die Oberfläche unternommen, um Proben zu entnehmen oder Aufzeichnungsgeräte zu warten. Rakatan ist schließlich einer der geologisch aktivsten Planeten im Föderationsgebiet.« Sie warf einen kurzen Blick auf Spock. »Wenn ich richtig informiert bin, sah der Planet Vulkan vor etwa vier oder fünf Milliarden Jahren ähnlich aus. Allerdings können wir aus verständlichen Gründen jeweils nur für kurze Zeit auf der Oberfläche Rakatans bleiben.«
Ein sehr tiefer Ton, fast wie von dem Impulstriebwerk eines Raumschiffs, brach ab, und Bascombs verwittertes Gesicht erhellte sich. Kirk brauchte einen Augenblick, um zu bemerken, dass der Ton aus dem Interkom des Observatoriums gekommen war. Die Geologin fasste ihn plötzlich an der Schulter und drehte Kirk in Richtung des Planeten. »Dr. Bascomb, ich …«, wollte er protestieren.
»Da, Captain«, sagte sie, nahm sein Kinn und schob seinen Kopf etwas weiter nach links, »dort kommt er auf die Tagseite.« Mit unmissverständlichem Stolz und Vergnügen in ihrer Stimme verkündete Dr. Bascomb: »Das ist Mons Rakatan!«
Kirk vergab ihr beinahe augenblicklich ihr ungebührliches Benehmen, als er sah, wie der schneebedeckte Gipfel über den Terminator glitt und in der Sonne funkelnd aufleuchtete. »Mein Gott …!« Alles woran er denken konnte, war die Gewalt, die freigesetzt werden würde, wenn der gigantische Vulkan doch noch einmal aktiv werden sollte. »Der hat ja die Ausmaße eines kleinen Kontinents!«
»Fünf Achtel der Grundfläche Australiens«, bemerkte Spock höflich.
»Und er ist der ruhigste Berg des Planeten«, fügte Bascomb hinzu. Sie gab ein amüsiertes Schnauben von sich und zuckte dabei mit den Achseln. »Stellen Sie sich so einen Giganten einmal aus der Nähe vor.«
Kirk versuchte sich den Mount Everest auf der Erde als Vulkan vorzustellen; mit brennenden Flanken und dampfenden Schlammlawinen. Oder den Mount Seleya auf dem Planeten Vulkan, der vor zehntausend Jahren ausgebrochen war. Trümmer seines Gipfels hatten Krater in mehrere Lichtminuten entfernte Monde geschlagen. Die Vergleiche hinkten etwas, aber trotzdem kam ihm plötzlich Iowa mit seinen gelegentlichen Tornados und der Tendenz zu regelmäßigen Überflutungen richtig idyllisch und harmlos vor.
»Dr. Bascomb …« Uhura lehnte mit ihrer Schulter am Fenster und blickte gedankenschwer zu der alten Wissenschaftlerin hinüber. »Sind Sie sicher, dass die intelligenten Signale, die Sie empfangen haben …«
»Die angeblich intelligenten Signale, Commander.«
Sie nahm Spocks Korrektur mit einem Nicken zur Kenntnis, richtete aber ihre Aufmerksamkeit weiterhin auf Bascomb. »Sind Sie sicher, dass diese Signale tatsächlich aus dem Vulkan selbst stammen?« Sie machte eine Handbewegung in Richtung des Planeten. »Die Landmassen um den Vulkan herum sind sicherlich groß genug, um eine kleine Zivilisation zu beherbergen.«
Bascomb drehte sie in Richtung des fernen Vulkans zurück und forderte die anderen gestikulierend auf, es ihnen gleichzutun. »Bis jetzt, Commander, ist die höchste Lebensform, die wir auf Rakatan gefunden haben, ein grüner, kolonienbildender Schleimpilz, dessen Farbe zu einem lieblichem Pink wechselt, wenn man ihn zu lange dem Sonnenlicht aussetzt.« Die Wissenschaftlerin presste ihre Hand gegen das Sensorschloss einer fensterlosen Tür in der Nähe. »Es gibt nicht einmal Gras oder Algen auf diesem Planeten. Von Lebewesen mit einem Nervensystem kann gar keine Rede sein.«
Die Tür öffnete sich irisförmig und gab den Blick auf ein kleines, mit Steinen übersätes Labor frei. Zwischen den überall verstreuten Gesteinsproben standen Computerterminals. Eine blutjunge Frau – sie hatte bestenfalls das Alter einer Hochschulabsolventin – blickte flüchtig von ihrem Mikroskop auf; gerade lange genug, um die Uniformen der Besucher...




