E-Book, Deutsch, Band 3, 380 Seiten
Reihe: Dukes-Trilogie
Grasso Die Gefangene der Herzogs
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95885-668-4
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman. Die Dukes-Trilogie, Band 3 | Ein Cinderella-Märchen für alle »Bridgerton«-Fans
E-Book, Deutsch, Band 3, 380 Seiten
Reihe: Dukes-Trilogie
ISBN: 978-3-95885-668-4
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Als Schülerin las Patricia Grasso »Vom Winde verweht« - und war enttäuscht von dem unglücklichen Ende. Schließlich glaubt sie an die große Liebe und das Happy End! Deswegen schreibt sie nun selbst Liebesromane mit glücklichem Ausgang. Zunächst war das Schreiben für sie nur ein Ausgleich zum alltäglichen Arbeitsstress, inzwischen ist sie eine erfolgreiche Bestsellerautorin: Ihre Romane sind preisgekrönt, wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt und in zwanzig Ländern veröffentlicht. Patricia Grasso lebt in der Nähe von Boston, Massachusetts. Die Autorin im Internet: www.patriciagrasso.com Bei venusbooks veröffentlichte Patricia Grasso ihren Roman »Das Herz des Prinzen« sowie die Dukes-Trilogie: »In den Armen des Herzogs« »Die Liebe des Marquis« »Die Gefangene des Herzogs« Die drei Romane sind auch im Sammelband »Kissing the Duke« erhältlich. Außerdem erscheint bei venusbooks ihre Devereux-MacArthur-Reihe: »Die Schöne der Highlands« »Die Lady und der Highlander« »In den Händen des Wüstenprinzen« »Das Verlangen des Lords« »Lord meiner Träume« »Ein Rebell zum Verlieben« Die Reihe ist auch in den Sammelbänden »Kissing the Hero« und »Kissing the Lord« erhältlich.
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Prolog
Boston, September 1804
»Gütige Jungfrau, bitte für mich beim Heiligen Vater, dass meine Mutter sich von dieser schweren Geburt erholt.«
Die zehnjährige Lily Hawthorne stand im Eingang des Four Winds, der Schenke ihres Vaters. Sie trat zwei Schritte hinaus auf den Howell's Pier, wo sie der Geruch von Salzwasser empfing und die Sonne ihr das Gesicht wärmte.
Lily strich sich ein paar ebenholzfarbene Strähnen aus dem Gesicht und ließ den Blick über den Hafen von Boston schweifen. Tief durchatmend versuchte sie, die Hoffnungslosigkeit zu bekämpfen, die sich in ihrem Inneren auszubreiten begann. Schäfchenwolken zogen über den blauen Horizont, der sich so weit erstreckte, bis der Himmel mit der See verschmolz. Sie hörte das Kreischen der Möwen und sah ihnen zu, wie sie ins Wasser tauchten und wieder aufstiegen. Ein großer Schwarm Wildgänse flog in strenger Formation über Lily hinweg Richtung Süden.
Sorgen trübten ihre zarten Gesichtszüge. Das Herz war ihr schwer, und sie musste gegen die Tränen ankämpfen. Doch ihre Mutter würde es nur noch mehr belasten, wenn Lily dem Drang nicht widerstand, sich hinzuwerfen und hemmungslos zu schluchzen. Sie durfte nicht mit rot geweinten Augen vor ihre Mutter treten.
Ihre wundervolle Mutter lag im Sterben.
Ein tiefes Seufzen entrang sich Lilys Kehle. Ihr Herz kämpfte noch gegen das an, was ihr Verstand längst wusste. Ihre Mutter würde sterben, zu groß war der Blutverlust nach der Geburt ihres zweiten Kindes, einem Sohn.
Warum mussten ihre Eltern noch ein Kind bekommen?, dachte Lily. Schließlich hatte sie doch schon einen älteren Halbbruder! Das Leben ihrer Mutter für einen kleinen Bruder einzutauschen, das schien kein gerechter Handel. Aber nun konnte man nichts mehr ändern, nur das Ende abwarten.
Lily schloss die saphirblauen Augen und flüsterte inbrünstig: »Gütige Mutter Gottes, erhöre mein Gebet und bewahre meine Mutter vor dem Tod. Ich tue alles, wenn du dich beim Heiligen Vater für sie einsetzt.«
Ob Gott ein solches Angebot wohl als anmaßend empfand, fragte sich Lily, und plötzlich lief es ihr eiskalt den Rücken hinunter. Was, wenn er ihr zur Strafe auch noch den Vater und den Halbbruder nahm?
»Lieber Gott, es tut mir schrecklich Leid, dass ich mit Dir handeln wollte«, murmelte Lily. »Ich wollte doch nur meine Mutter retten.«
»Ich habe gehört, deine Mutter stirbt«, ertönte eine Stimme hinter ihr.
Lily wirbelte herum und erblickte Hortensia MacDugal, ihre Erzfeindin. Die einzige Tochter eines Schankwirts auf dem nächsten Pier und der Hebamme ihrer Mutter. Obwohl sie beide gleich alt waren, überragte Hortensia sie um ein gutes Stück, und Lily hatte das andere Mädchen immer um die blonden Haare und die kornblumenblauen Augen beneidet. Doch jetzt beneidete sie Hortensia darum, dass ihre Mutter nicht im Sterben lag. Verglichen mit dem Verlust der Mutter schien es so unwichtig, ob man schwarzhaarig oder blond zur Welt kam.
Lily starrte das Mädchen an. Wahrscheinlich wäre der schwärzeste Tag ihres Lebens ohne Hortensia einfach nicht vollständig gewesen.
»Was willst du?«, fragte Lily.
»Ich warte auf meine Mutter«, antwortete Hortensia.
»Sie wird noch eine Weile brauchen«, erklärte Lily und schielte zur Küchentür. »Du kannst also ebenso gut nach Hause gehen.«
Hortensia erwiderte störrisch Lilys Blick. »Ich warte lieber.«
Misstrauisch verengte Lily die Augen und bemerkte: »So kenne ich dich gar nicht, du hängst doch sonst nicht so am Rockzipfel deiner Mutter.«
Hortensia lächelte vielsagend. »Ich hörte, dass Bradley Howell da drinnen bei Seth ist.«
Das war es also! Hortensia hatte ein Auge auf den wohlhabenden Freund ihres Bruders geworfen, den einzigen Sohn des Besitzers von Howell's Wharf.
Lily verdrehte die Augen. »Ich hätte wissen müssen, dass es einen anderen Grund gibt.«
»Bradley sieht so gut aus«, schwärmte Hortensia. »Eines Tages werde ich ihn heiraten.«
»Verschwinde von hier und belästige mich nicht weiter.«
»Eifersüchtig?«
Lily reckte die Nase in die Luft und erwiderte: »Wie könnte ich auf ein Flittchen wie dich eifersüchtig sein, von der jedermann weiß, dass sie nach altem Fisch stinkt?«
»Du wagst es ...« Hortensia kam auf sie zu, die Hände zu Fäusten geballt.
»Lily!«
Als sie sich umwandte, sah sie ihren Bruder zusammen mit Bradley Howell in der Tür stehen. »Ist es soweit?«, fragte sie.
Der fünfzehnjährige Seth nickte finster. Schweren Herzens schritt sie langsam zur Tür.
Bradley trat zur Seite und flüsterte ihr im Vorbeigehen zu: »Sei tapfer, Lily.« Sie würdigte seine Worte mit einem Nicken.
Hinter sich hörte sie Hortensia sagen: »O Bradley, könntest du mich nach Hause begleiten?«
»Es wäre mir eine Ehre«, antwortete er.
»Mögen mir die Schutzheiligen vergeben«, murmelte Lily, als sie an ihrem Bruder vorbeischlüpfte, »aber ich hasse dieses Mädchen.«
Lily und ihr Bruder gingen durch die Küche in die Gaststube der Schenke. Die Stille in der sonst so geschäftigen Stube lastete schwer auf ihr und erinnerte sie schmerzlich daran, dass ihre Mutter im Sterben lag.
Während sie die Stufen hoch stieg, verlangsamte Lily ihre Schritte. Wenn sie nicht in das Schlafzimmer ihrer Mutter ging, um sich von ihr zu verabschieden, würde sie vielleicht auch nicht sterben. Nein, das war Unfug!
»Ich will da nicht hinein.« Lily blieb zögerlich vor der Tür zum elterlichen Schlafzimmer stehen.
»Fürchtest du dich?«, erkundigte sich Seth und beugte sich zu ihr herab, um ihr in die Augen zu sehen.
»Du solltest es besser wissen«, erwiderte Lily. »Ich habe vor gar nichts Angst.«
»Du fürchtest dich im Dunkeln«, erinnerte er sie.
Lily schüttelte den Kopf. »Die Dunkelheit beunruhigt mich.«
»Bist du jetzt beunruhigt?«
»Ja.«
Ihre Offenheit brachte ihn beinahe zum Lächeln. »Deine Mutter will dir etwas geben, bevor sie ...«
Lily wusste, was er sagen wollte und biss sich auf die Unterlippe.
»Wirst du weinen?«
Lily schüttelte den Kopf, sprechen traute sie sich nicht, aus Sorge, die Tränen könnten sie überwältigen.
»Weinen würde sie nur aufregen«, erklärte Seth. »Kannst du um ihretwillen tapfer sein?«
Beherzt streckte Lily die schmale Brust heraus, hob das Kinn ein wenig und nickte. »Ich werde alles tun, um ihr das Sterben zu erleichtern.«
»Braves Mädchen«, sagte Seth und berührte sie zärtlich an der Schulter. Dann hielt er ihr die Tür auf und ließ sie vorbei.
Das Zimmer war abgedunkelt, und Mrs MacDugal, Hortensias Mutter, stand in einer Ecke, den Säugling in Armen. Lilys Vater saß bei ihrer Mutter auf der Bettkante.
»Emmet, sie ist da«, flüsterte ihre Mutter, als sie Lily erblickte.
»Also gut, Sarah«, meinte ihr Vater und erhob sich. Er sah Lily an und sagte: »Setz dich hier hin. Mutter hat auf dich gewartet.«
Lily durchquerte das Zimmer und ließ sich auf den Platz nieder, den ihr Vater eben verlassen hatte. Tränen schossen in ihre saphirblauen Augen, während sie ihre Mutter betrachtete. Eine Woge der Hoffnungslosigkeit überrollten sie, und sie hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen.
»Nicht weinen, mein Kind«, bat ihre Mutter und lächelte matt. »Niemand stirbt wirklich. Unser Geist kommt an einen besseren Ort und die Erinnerung an uns bleibt in den Herzen derer, die wir lieben.«
Der sanfte Ton ihrer Mutter und ihre trostreichen Worte überwältigten Lily. Ergriffen nahm sie die Hand ihrer Mutter und rief: »Verlass mich nicht, Mama!«
»Gott ruft mich zu sich«, antwortete sie schlicht.
»Sag Ihm, Er soll warten!
»Keiner kann dem Allmächtigen Befehle geben. Außerdem bin ich so müde.«
Lily betrachtete das Gesicht ihrer Mutter und prägte es sich noch einmal ganz genau ein. Ihre Mutter sah wirklich aus, als bräuchte sie viel Schlaf. Als ihr das bewusst wurde, schämte sich Lily für den Versuch, die Mutter bei sich zu behalten. Sie wusste, es war eigennützig, doch wie sollte sie leben, ohne das Gesicht ihrer Mutter zu sehen und ihre Umarmungen zu spüren? Wie sollte sie ohne deren liebevolle Sorge zurechtkommen?
»Ich bedaure nur, dass ich nicht miterleben werde, wie du zur Frau heranreifst«, sagte ihre Mutter, als würde sie die Gedanken ihrer Tochter erraten. Dann fuhr sie fort: »Ich habe ein Geschenk für dich.«
Lily sah zu, wie ihre Mutter die Kette abnahm, die sie immer um den Hals trug. Die Kette, die sie einst von ihrer Mutter bekommen hatte und diese davor von ihrer. An der feingliedrigen Goldkette hing ein goldenes Kreuz, das mit den griechischen Buchstaben Alpha und Omega verziert war.
Ihre Mutter winkte sie zu sich heran und legte Lily die Kette um den Hals. Beinahe ehrfürchtig berührte Lily das Kreuz, das Vermächtnis ihrer Mutter.
»Alpha und Omega bedeuten Anfang und Ende«, erklärte ihre Mutter. »Das, was ist, was war und was noch sein wird.«
»Das verstehe ich nicht«, entgegnete Lily verwirrt.
Liebevoll lächelte Sarah Hawthorne ihre Tochter an. »Das musst du nicht verstehen«, meinte sie. »Denk nur immer daran, dass deine große Liebe die erste und die einzige für dich sein wird. Alpha und Omega.«
Lily betastete das Kreuz und verkündete mit geschwellter Brust: »Das wird natürlich Bradley Howell sein!«
»Ich möchte, dass du den Namen für deinen kleinen Bruder auswählst«, bat ihre Mutter und beendete damit das Thema große Liebe. »Dann darfst du ihn halten.«
»Heute ist Sankt Michael«, sagte Lily...




