E-Book, Deutsch, Band 2
Reihe: Sasha Grey
Grey Die Janus-Kammer
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-17074-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Erotischer Roman
E-Book, Deutsch, Band 2
Reihe: Sasha Grey
ISBN: 978-3-641-17074-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Sasha Grey, geboren 1988 in Sacramento, Kalifornien, arbeitete nach der Highschool als Bedienung und entschloss sich 2005, ins Pornogeschäft einzusteigen. Mit 18 Jahren drehte sie ihren ersten Porno und wurde in der Branche schnell zur erfolgreichsten Porno-Newcomerin aller Zeiten. Isgesamt hat sie in mehr als 200 Hardcore-Filmen mitgespielt. Außerdem war sie in Jens Hoffmans vielgelobter Kino-Doku „9 to 5: Days in Porn“ zu sehen. Mit ihrer Hauptrolle für Steven Soderberghs „The Girlfriend Experience“ vollzog sie endgültig den Wandel zur Schauspielerin. Außerdem war sie als Musikerin unter dem Namen aTelecine aktiv und ist weltweit als DJ unterwegs. Für Furore sorgte ihr Engagement als Botschafterin der Tierschutzorganisation PETA, für die sie nackt posierte.
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Menschen, die in Hotels arbeiten, vermeiden es normalerweise, in Hotels zu übernachten, und folgen damit einem weitverbreiteten Trend innerhalb der Dienstleistungsbranche. Flughafenangestellte zum Beispiel haben eine ähnliche Regel, indem sie sich stets gut verpackte Pausensnacks von zu Hause mitbringen und niemals an den Imbissständen des Flughafens essen. Sie wissen nämlich etwas, das wir nicht wissen. Sie wissen, dass all die Essensreste, die aus den ankommenden Fliegern gekippt werden, Unmengen an Viehzeug, Ungeziefer und Kakerlaken anziehen.
Ähnlich läuft es bei den Hotelangestellten. Die übernachten nämlich nur in Hotels, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt, und dann vorzugsweise in großen. Je größer, desto besser – am besten in einer dieser riesigen Re-sortanlagen mit tausend Zimmern oder mehr. Warum?
Sie wissen, dass sie nur so eine Chance gegen die Regeln der Wahrscheinlichkeit haben.
Lassen Sie mich das kurz erläutern.
In jedem Hotel war irgendwann im Laufe der Jahre mal jemand zu Gast, der zwar ein-, aber nicht wieder ausgecheckt hat. Genauer gesagt hat er zwar ausgecheckt, aber nie die Rechnung bezahlt.
Wenn Sie schon mal in einem Hotel waren, wissen Sie, dass dies ein sehr unwahrscheinliches Szenario ist – außer man wurde eingeladen. Und in unserem Fall, so viel darf ich vorwegnehmen, wurde niemand eingeladen. Damit stehen wir vor einem Paradoxon, das sich nur auflösen lässt, wenn der Gast eine ganz bestimmte Bedingung erfüllt: Er ist während des Hotelaufenthalts aus dem Leben geschieden.
Wissenschaftler haben statistische Untersuchungen zu diesem Thema angestellt – die Zahl der in Hotelzimmern verstorbenen Menschen, die Anzahl der Hotels, in denen Menschen starben, und so weiter und so fort. Was ich sagen will: Es ist eine Tatsache. Es handelt sich nicht um einen gelegentlichen Unglücksfall, und es kommt viel häufiger vor als angenommen. Es passiert fast täglich.
Wenn wir zum Beispiel von einer Rentnergruppe ausgehen, die im Rahmen einer Pauschalreise in einem Hotel eincheckt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer dieser Rentner zwar aus dem Bus aus-, aber nie wieder einsteigt, verdammt hoch. Gut möglich sogar, dass er oder sie noch nicht mal mehr dazu kommt, eine komplette Runde Minigolf zu spielen.
Dem Internet zufolge gibt es weltweit ungefähr 17,3 Millionen Hotelzimmer in 187000 Hotels. Das bedeutet: Ganz gleich, wohin die Reise geht und welche Hotelkategorie gewählt wird, ob während oder außerhalb der Hochsaison – die Chancen, mit den Toten zu nächtigen, stehen bei 1:93.
Sie mögen nun denken, dass es sich um ein akzeptables Risiko handelt, eine Wahrscheinlichkeit, mit der Sie leben könnten.
Moment …
Sie wissen nämlich nicht, wie die Person ums Leben kam.
Es gibt verschiedene Szenarien, und ich warne Sie besser jetzt schon, denn es wird von Mal zu Mal schlimmer.
Zuerst sind da die natürlichen Tode. Dazu zählen Fälle plötzlich eintretender und tödlich verlaufender Krankheiten sowie Tod durch Viren, Superbakterien, Herzinfarkte, Aneurysmen, Embolien, massive Hirnblutungen oder – und jetzt bitte anschnallen – spontane menschliche Selbstentzündung.
Lachen Sie besser nicht, von Fällen dieser Art wird immer wieder berichtet. Der Spaß hört spätestens dann auf, wenn man selbst die Person ist, die anschließend die Schweinerei wegmachen darf. Aber dazu kommen wir gleich.
Dann gibt es noch Tod durch Unfall. Ein ungeschickter Handgriff mit dem Elektrogerät im Badezimmer, und ein heftiger Stromschlag kann tödliche Folgen haben. Einmal ausgerutscht nach einer langen Nacht an der Hotelbar, und ein schweres Schädeltrauma, eine heftig blutende Platzwunde oder ein abgetrenntes Körperglied setzen dem Hotelaufenthalt ein Ende. Ein letzter Drink, um den Medikamentencocktail vor der Nachtruhe runterzuspülen, und der Weckruf am nächsten Morgen bleibt unbeantwortet.
Bei Selbstmord gibt es ein paar Aspekte, die im Allgemeinen als, und ich bitte Sie, diese unglückliche Wortwahl zu entschuldigen, todsicher gelten dürften. Erstens, der Tod tritt definitiv im Zimmer selbst ein, weil eine Leiche für gewöhnlich nicht das Fenster öffnet, um sich davonzustehlen. Zweitens, die gewählte Methode muss angesichts der geringen Anzahl der in Hotelzimmern zur Verfügung stehenden Utensilien sowohl kreativ als auch effektiv sein. Drittens, die Leiche wird erst relativ spät gefunden, denn Personen, die sich entscheiden, in einem Hotelzimmer aus dem Leben zu treten, hängen als Allererstes ein »Bitte nicht stören«-Schild an den Türknauf.
Schlussendlich bleibt noch Mord. Statistisch gesehen rangiert das Hotelzimmer als Tatort hinter der häuslichen Umgebung auf Platz zwei. Aber vielleicht überspringen wir einfach die blutigen Details und überlassen den Rest Ihrer Vorstellungskraft. Eines dürfte uns allen allerdings klar sein: Ein schnöder Mord ist niemals eine sonderlich schöne Angelegenheit.
An dieser Stelle sollten wir uns kurz etwas Zeit nehmen, um an die Person zu denken, die das Zimmer nach dem Desaster aufräumen und säubern muss – das Zimmermädchen. Was Jobs angeht, ist der des Zimmermädchens ein äußerst undankbarer. Man könnte sogar sagen, dass er richtig, richtig beschissen ist.
Menschen, die Tatorte säubern, werden als Spezialisten auf ihrem Gebiet angesehen. Sie reinigen Fußbodenbeläge, Teppiche, Bettwäsche und Einrichtungsgegenstände, entfernen unansehnliche Flecken, desinfizieren die gesamte Umgebung und sorgen für einen allgemeinen Wohlgeruch. Haben sie ihre Arbeit getan, sieht alles so aus, als wäre nie etwas geschehen. Deshalb haben die Besten unter ihnen auch ein sechsstelliges Jahreseinkommen. Selbst der arme Trottel, der nach einem Pornodreh sauber machen muss – und von allen insgeheim nur »jizz mopper« (sprich: der Wichsewischer) genannt wird –, bekommt ein akzeptables Gehalt.
Ein Zimmermädchen hingegen muss die gleiche Arbeit in weniger Zeit und bis zu dreißig Mal am Tag verrichten, und zwar zum Mindestlohn, zuzüglich der kleinen Aufmerksamkeiten, die einige Gäste unterm Kopfkissen hinterlassen – was nicht immer Geldscheine sein müssen.
Aber wenn das Zimmermädchen gute Arbeit geleistet hat, gibt es zwei Fragen, die Ihnen als Gast beim ersten Betreten des Zimmers garantiert nicht durch den Kopf gehen. Die erste lautet: Wer ist hier gestorben? Und die zweite ist: Wer hat zuletzt in diesem Bett gefickt?
Und bei diesem Stichwort kommen wir zu einer allerletzten Kategorie. Einer Kategorie, die aufgrund ihrer Besonderheiten definitiv eine nähere Betrachtung verdient: der finale Fick.
Falls Sie sich für dieses Thema interessieren – und Sie werden sich bereits denken können, dass ich mich sehr dafür interessiere –, dann sprechen Sie mit einem beliebigen Hotelangestellten. Von denen hat nämlich jeder eine deftige Geschichte auf Lager, die er gerne zum Besten geben will. Sie müssen bloß ein bisschen stochern. Ganz im Ernst, vom finalen Fick wird so oft berichtet, dass er sich in eine Art urbane Legende verwandelt hat. Sehen Sie mir also nach, wenn ich das Ganze hier und da ein wenig ausschmücke.
Die Story beginnt mit einem Mann und einer Frau, die in ein Hotel einchecken. Sie nehmen das beste Zimmer, die Penthouse Suite. Was er genau macht, ist nicht so wichtig. Er könnte Risikoanleger sein, Unternehmensanwalt, IT-Entrepreneur, vielleicht sogar Schwarzmarkthändler. Von Bedeutung ist lediglich, dass er reich ist – sehr reich sogar – und die Welt ihm zu Füßen liegt. Das ist gut für ihn, denn nur durch Aussehen oder Ausstrahlung allein würde er nie und nimmer einen Treffer landen.
Wenn man das Wort unattraktiv visualisieren müsste, bräuchte man sich nur dieser Kerl anzuschauen: groß, aber im grotesken Maße übergewichtig, mit dauerroter Gesichtshaut, kleinen Schweinsaugen und einem dünnen, leeren Lächeln. Außerdem hat er ein, nun ja, nennen wir es Transpirationsproblem: Er schwitzt. Viel. Daraus folgt, dass er von einer permanent übel riechenden Wolke umgeben ist und im Grunde stinkt wie eine vernachlässigte Herrentoilette.
Die Frau ist seine Freundin – aber nur für diese Nacht, wenn Sie verstehen – und das komplette Gegenteil von ihm. Sie ist so zierlich, dass sie glatt drei Mal in seinen Körper passen würde, und die personifizierte Sexyness. Ihr blondes Haar fällt ihr in süßen Shirley-Temple-Locken auf die Schultern und bildet einen perfekten Rahmen für ihr herzförmiges Gesicht und ihre vollen, weichen Lippen. Ein Körper wie ein Kunstwerk. Mit seiner perfekten S-Kurve ähnelt er der Venus von Milo: kleine, kesse Titten, schmale Taille und ein großer, kurviger Hintern, in dem jeder gern mal sein Gesicht versenken möchte.
Und just in diesem Moment, dem Zeitpunkt, an dem wir in diese Geschichte eintauchen, tut er genau das. Sie ist nackt, auf allen vieren, auf einem Doppelbett. Er befindet sich direkt hinter ihr und presst sein Gesicht in ihren Arsch (was, Sie werden es sich bereits gedacht haben, ihm auch im Alltag zur Routine geworden ist). Wie ein Trüffelschwein fährt er mit seiner Nase...




