E-Book, Deutsch, 456 Seiten
Grünmandl / Piok / Tanzer Der Einmannstammtisch
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7099-3986-4
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Stücke und Hörspiele. Werkausgabe Band 3
E-Book, Deutsch, 456 Seiten
ISBN: 978-3-7099-3986-4
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Otto Grünmandl war Dichter und Denker, Entertainer und satirischer Geist. Als Autor und Volksschauspieler schrieb er mit seinen absurd-komischen Kabarett-Programmen Geschichte und wirkte an zahlreichen Fernseh- und Radioprogrammen mit. Für sein vielgestaltiges Schaffen wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Österreichischen Förderungspreis für Literatur (1969) und dem Deutschen Kleinkunstpreis (1978 und 1992). Otto Grünmandl verstarb 2020.
Autoren/Hrsg.
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ROCHADE
Spiel in einem Akt
PERSONEN:
Wachtmeister
Pyjama
Brille
dessen Frau
Passanten
ORT:
die Bühne
ZEIT:
Datum und Dauer der Aufführung
1. AUFTRITT
Wachtmeister :
Pyjama! … Pyjama! … Verdammt nocheinmal … Pyjama!! Weg ist er. Das mir. Egal, ich muß es melden. Pyjama! Komm her! Na, komm schon. Was schnaufst du denn so?
Pyjama:
Vom Laufen.
Wachtmeister:
Vom Laufen … vom Davonlaufen!
Pyjama :
Ist nicht wahr, Herr Wachtmeister, ich wollte nur …
Wachtmeister:
Still! Jetzt rede ich.
Pyjama:
Jawohl, Herr Wachtmeister.
Wachtmeister:
Immer ruhig Blut, Pyjama.
Pyjama:
Zu Befehl, Herr Wachtmeister.
Wachtmeister:
Na siehst du, geht doch auch so.
Pyjama:
Jawohl, Herr Wachtmeister, geht auch so.
Wachtmeister:
Also, du wolltest nicht?
Pyjama:
Was?
Wachtmeister: Echappieren?
Pyjama:
Verstehe ich nicht.
Wachtmeister:
Nun … türmen … verstehst du? Abhauen, verschwinden, verduften, dich ganz plötzlich dünne, dünne machen, husch, husch, hast du nicht gesehen? Pyjama ist nicht mehr da.
Pyjama:
Das meinen Sie, Herr Wachtmeister?
Wachtmeister: Jawohl! Das meine ich!
Pyjama:
Daran habe ich wirklich nicht gedacht, Herr Wachtmeister.
Wachtmeister :
Ach, daran hast du ja noch nie gedacht, was?!
Pyjama:
Hab tatsächlich noch nie daran gedacht, Herr Wachtmeister.
Wachtmeister:
Und warum fängst du dann auf einmal zu laufen an, he?!
Pyjama:
Kann sein, daß ich einfach laufen mußte.
Wachtmeister:
Mensch, erzähl mir keine Märchen. Hast du mich nicht schreien gehört?!
Pyjama:
Doch.
Wachtmeister:
Und warum bleibst du dann nicht stehen?!
Pyjama:
Bin ich ja, Herr Wachtmeister.
Wachtmeister:
Bist du ja, bist du ja, natürlich bist du stehengeblieben, hätte es dir auch nicht anders geraten. Da! Schau dir das gut an. Das nächstemal knallt’s.
Pyjama:
Jawohl, Herr Wachtmeister.
Wachtmeister:
Kann sein, daß ich einfach laufen mußte … Du bist vielleicht ein verrücktes Aas.
Wachtmeister:
Da!
Pyjama:
Bin so frei, Herr Wachtmeister. – Hoffe, Sie nehmen es nicht übel, wenn ich sie nicht gleich rauche. Früher habe ich eine Zeitlang immer abends eine Zigarre geraucht. Füße gebadet und dabei in aller Ruhe meine Zigarre …
Wachtmeister:
Schon gut. Jetzt mal ganz offen. Von Mann zu Mann. Sag, stimmt das? Hast du wirklich noch nie daran gedacht?
Pyjama:
Woran, Herr Wachtmeister?
Wachtmeister:
Na, du weißt schon, was du vorher gesagt hast. Ans Abhauen.
Pyjama:
Sie glauben mir das nicht, sonst würden Sie mich nicht noch einmal fragen, so ein Pyjama lügt ja immer.
Wachtmeister:
Sei doch nicht gleich beleidigt oder … tust du nur so, damit du mir nicht zu antworten brauchst?
Pyjama:
Herr Wachtmeister, von Mann zu Mann, es ist wahr, ich habe wirklich noch nie daran gedacht, ich kann’s beschwören, noch nie!
Wachtmeister:
Da sieht man wieder einmal, was für ein kurioser Kauz von einem Kriminellen du bist. Ist mir noch nicht untergekommen.
Pyjama:
Wie meinen Sie das, Herr Wachtmeister?
Wachtmeister:
Wie ich das meine? – Da sitzt der Mensch nun sage und schreibe schon über ein Jahr und denkt nicht an Flucht und fragt noch, wie ich das meine. – Über ein Jahr und denkt nicht an Flucht. – Schäm dich.
Pyjama:
Schäme ich mich eben.
Wachtmeister:
Schon wieder beleidigt?
Pyjama:
Ihnen kann man nichts recht machen, Herr Wachtmeister, das weiß ich schon.
Wachtmeister:
Jetzt mach aber einen Punkt.
Pyjama:
Ist doch wahr.
Wachtmeister:
Halt! Komm her! Na, komm schon! Was ist wahr?
Pyjama:
Weil es wahr ist.
Wachtmeister:
Was?
Pyjama:
Ihnen kann das doch nur recht sein, Herr Wachtmeister, wenn unsereins nicht an Flucht denkt. – Oder? – Ist ja viel einfacher für Sie.
Wachtmeister:
So – meinst du?
Pyjama:
Jawohl, das meine ich. Und ich sehe nicht ein, warum ich mich deshalb schämen sollte.
Wachtmeister:
Hier, nimm dir noch eine, aber die rauchst du jetzt gleich.
Pyjama:
Danke.
Wachtmeister:
Was glaubst du, wenn alle so dächten wie du, wozu ich dann überhaupt noch gut wäre?
Pyjama:
Ist doch viel bequemer für Sie, wenn ich nicht türme, es gar nicht erst versuche, ist auch für mich bequemer. Das sage nicht nur ich, das sagen alle. – Gar nicht erst daran denken, so ist es am bequemsten.
Wachtmeister:
Mensch, Pyjama, wenn ich dich so reden höre, das treibt mir den Angstschweiß aus allen Poren.
Pyjama:
Sie machen sich einen Spaß.
Wachtmeister:
Spaß?! Ja, Mensch!! Begreifst du das nicht?! – Mit der Einstellung bringst du mich um meine Existenz. Vergiß nicht, ich bin verheiratet, habe vier Kinder, fünftes unterwegs. – Was glaubst du, wenn ihr nicht einmal mehr daran denkt, was dann passieren wird?
Pyjama:
Keine Ahnung, Herr Wachtmeister.
Wachtmeister:
Kannst du dir das nicht vorstellen?
Pyjama:
Wozu? So ist es bequemer.
Wachtmeister:
Für dich und deinesgleichen vielleicht. Aber mehr wollt ihr ja nicht. Asoziales Element!
Pyjama :
Asoziales Element?! – Herr Wachtmeister, ich habe meine Frau umgebracht, stimmt, war aber Totschlag, nicht Mord, ich bin kein asoziales Element, ich nicht. – Asoziales Element – ! – Ach was! Ich brauche Ihre Zigarren nicht! – Da!
Wachtmeister:
Na, na, na, na, beruhige dich, Pyjama. Schau, das habe ich doch nicht so gemeint, so ein Wort kann einem doch einmal herausrutschen. Ich kenn dich ja. Ich weiß doch, daß du kein asoziales Element bist. Du nicht. – Komm! Na, komm schon!
Wachtmeister :
Mir geht es um etwas anderes,...




