Haensel | Mythor 181: Durch die Hirdanai | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 181, 64 Seiten

Reihe: Mythor

Haensel Mythor 181: Durch die Hirdanai


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9933-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 181, 64 Seiten

Reihe: Mythor

ISBN: 978-3-8453-9933-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Als Mythor in der durch ALLUMEDDON veränderten Welt zu sich kommt, dauert es geraume Zeit, bis unser Held in gewohnter Manier zu handeln vermag. Inseln des Lichts zu gründen und die Welt vor einer erneuten Invasion durch die Horden Xatans zu schützen ist sein Ziel. Und dieses Ziel erreicht er im Drachenland. Der weitere Weg unseres Helden ist verschlungen. Da geht es um die Spur der Albträume, um die Gründung weiterer Oasen des Lichts, um Coerl O'Marn, den Albtraumritter, der über das DRAGOMAE, das Werk der Weißen Magie, verfügt. Es geht auch um die anbrechende Auseinandersetzung zwischen Gorgan, dem Krieger, und Vanga, der Hexe, und um die Waffen des Lichtboten. Und es geht schließlich um das BUCH DER ALBTRÄUME, dessen einzelne Kapitel in Verstecken ruhen, die vor dem Zugriff der Finstermächte sicher zu sein scheinen. Wie trügerisch diese Sicherheit ist, bewies der Raub des ersten Kapitels durch den Dämon Trillum. Und auch das von Gorgan bewachte zweite Kapitel konnte entwendet werden. Dem Ewigen Krieger scheint es aber nicht viel auszumachen, dass er von Xatan überlistet wurde. Er rüstet sich zu neuen Taten und sucht den Kampf um des Kampfes willen. Das schlagkräftige Heer, das er um sich gesammelt hat, folgt Gorgan DURCH DIE HIRDANAI ...

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1.


Meine Füße schmerzten, die Arme taten mir weh, ich fror und war im Übrigen hundemüde. Dabei war es noch früh am Morgen.

Die letzte Nacht hatten wir in schroffem Fels, nur wenig unterhalb eines ausgedehnten Schneefelds verbracht. Wenn ich daran zurückdachte, spürte ich noch immer die schneidende Kälte in meinen Gliedern. Aber ein Beuteldrache jammert nicht wegen solcher Kleinigkeiten, auch wenn gehässige Menschen mitunter das Gegenteil behaupten. Hin und wieder blies ich kleine Flammen aus den Nüstern, um meine Hände zu wärmen.

»He«, rief ich den Freunden nach, die auf ihren Reittieren schon wieder einen beträchtlichen Vorsprung hatten, »wollt ihr mich in dieser Wildnis aussetzen?«

Sadagar zügelte sein Maultier und wandte sich zu mir um. Er grinste spöttisch.

»Wenn ich mich recht entsinne«, sagte er, »gibt es da einen Beuteldrachen, der wollte sogar die ganze Nacht hindurch marschieren. Schließlich müssen wir Gorgan und sein Heer bei den Gräbern von Laasq einholen.«

Ich machte mir meine eigenen Gedanken dazu. Obwohl Sadagar mehr als sechzig Winter zählte, war er erstaunlich rüstig und nahm es jederzeit mit weit jüngeren auf. Das heißt, bis zu jenem Augenblick, da wir zu viert nur über zwei Mulis und ein Pferd verfügten. Von da an hatte er sich aufs Jammern verlegt und verließ den Sattel nur noch zu den gelegentlichen Ruhepausen.

»Es ist wirklich an der Zeit, dass du mich aufsitzen lässt«, seufzte ich.

Ungerührt blickte Sadagar auf mich herab und vollführte eine Bewegung, als wolle er eine Mücke fangen. Als er dann langsam die Faust wieder öffnete und seine Handfläche betrachtete, huschte ein Ausdruck ungläubigen Erstaunens über sein Gesicht. Er musterte mich so eigenartig, dass ich gar nicht anders konnte, als ihn nach dem Grund dafür zu fragen.

»Du weißt, ich verfüge nur über geringe Körperkräfte«, sagte er zögernd. »Doch zum Ausgleich dafür verlieh mir das Schicksal die Gabe, in die Zukunft zu schauen.«

Er übertrieb maßlos. Vom Hörensagen hatte ich aufgeschnappt, dass Sadagar früher verschlagen und raffiniert gewesen war – alles hatte sich für ihn mehr oder weniger um Besitz und Sicherheit gedreht. Eine Zeitlang war er tatsächlich als Wahrsager aufgetreten, um den Dummen für seine Prophezeiungen klingende Münzen aus den Beuteln zu ziehen. Was Wunder, dass er an keinem Ort lange geduldet worden war.

Auch wenn die Geschehnisse zu ALLUMEDDON ihn in gewisser Weise geläutert hatten, mochte es mit seiner Wahrsagekunst noch immer nicht weit her sein.

»Ich habe soeben dein Schicksal gesehen, Gerrek«, fuhr er bedeutungsvoll fort. »Es wäre nicht gut, wenn du weiterhin mit uns haderst.«

Vorsichtig fuhr ich mit meinen Fingern durch den Kinnbart und zupfte die einzelnen Strähnen zurecht.

»Wie meinst du das?«, erkundigte ich mich lauernd.

»Du weißt es genau.«

»Nichts weiß ich. Immerhin bist du der Wahrsager.«

Sadagar nickte schwer. Sein Blick streifte Mythor und Ilfa, die darauf warteten, dass wir endlich zu ihnen aufschlossen.

»Also gut«, erklärte er. »Wenn du es nicht anders willst. Du solltest den Weg lieber zu Fuß fortsetzen. Sobald du eines der Tiere besteigst, wird dir Unheil widerfahren.«

Für einen Moment war ich tatsächlich sprachlos, dann tippte ich mir bezeichnend an die Stirn.

»Du hältst mich wohl für dumm?«

»Natürlich nicht«, bestätigte Sadagar ernsthaft.

»Was soll dann der Unfug mit dem Hellsehen?«, brauste ich auf. »Ich kann dir ebenfalls die Zukunft vorhersagen, Sadagar.« Ich ahmte seine Geste nach, nur öffnete ich die Faust nicht, sondern hielt sie ihm einfach unter die Nase. »Und ich schwöre dir, wenn du nicht sofort absteigst und einen Beuteldrachen mit wundgelaufenen Füßen aufsitzen lässt, wird besagtes Unheil dich treffen, und zwar in Form etlicher Beulen.«

»Wie kannst du nur«, ächzte er. »Aber bitte, wenn du unbedingt willst, es ist deine Entscheidung.« Schwerfällig schwang er sich aus dem Sattel, doch Mythors Stimme ließ ihn innehalten.

»Worauf wartet ihr beide eigentlich?« Das klang ungehalten.

»Gerrek kann nicht mehr«, grinste Sadagar.

Mythor betrachtete mich durchdringend. Er deutete auf meinen mannslangen Schwanz, der ohne mein Zutun über den Boden zuckte. Obwohl einiges an mir das Zerrbild eines Drachen widerspiegelte, auf den »Rattenschwanz« traf das in erster Linie zu.

»Ich dachte, du könntest damit nur schlecht reiten«, sagte Mythor.

»Lieber schlecht geritten, als noch schlechter gelaufen«, erwiderte ich. »Sieh dir die Blasen zwischen meinen Zehen an. Das ewige Geröll macht mich verrückt.«

»Ich könnte mir nichts Schlimmeres vorstellen.« Mythor, der Sohn des Kometen, saß ab. Ehe ich meine Verblüffung überwunden hatte, hielt ich bereits die Zügel seines Pferdes in der Hand. »Worauf wartest du?«, drängte er. »Mir ist alles recht, wenn wir nur endlich rascher vorankommen.«

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund zögerte ich. Warum musste ich ausgerechnet jetzt an Sadagars dumme Prophezeiung denken? Ich durfte mir nicht einreden, dass auch nur ein Körnchen Wahrheit darin verborgen lag.

»Willst du lieber, dass Sadagar zu Fuß geht, oder dass Ilfa sich ebenfalls Blasen holt?«, fragte Mythor schroff. »Also nimm mein Pferd und gib endlich Ruhe.«

Ich setzte einen Fuß in den Steigbügel und schwang mich auf den Rücken des Tieres, wobei ich beide Beine auf der einen Seite und den Schwanz auf der anderen herabbaumeln ließ. Keine sehr angenehme Art zu reiten, zumal ich ständig auf einen sicheren Halt bedacht sein musste.

Vom Dorf aus, das wir gestern gegen Mittag verlassen hatten, zogen wir nach Südosten. Wenn wir die Richtung nicht verfehlten, mussten wir spätestens im Laufe des morgigen Tages auf die Gräber von Laasq stoßen, ein uraltes Schlachtfeld, von dem es hieß, dass die Seelen der Gefallenen noch immer dort wohnten. In jeder Pflanze und jedem Stein sollten sie sich manifestieren. So gerne ich mehr darüber erfahren hätte, Joranda hatte uns nicht mehr sagen können. Frühestens bei diesen Gräbern würden wir wieder mit dem Krieger Gorgan und seinen 500 Kämpfern aus dem Land der Heroen zusammentreffen. Ich verstand Mythor durchaus, wenn er zunehmend zur Eile drängte. Immerhin galt es, einen Triumph der Schattenmächte zu verhindern. Denn irgendwo wollte Xatan, der Heerführer der Finsternis, Gorgan und dessen Heer angreifen. Mit Hilfe des RADAMACCRA, des 2. Kapitels aus dem BUCH DER ALBTRÄUME, hatte er wohl längst einen tödlichen Hinterhalt aufgebaut. Es galt, Gorgan rechtzeitig zu warnen.

Ilfa blickte mich forschend an, als ich ziemlich rasch zu ihr aufschloss.

»Du hockst auf dem Pferd, als hättest du Magenkrämpfe«, spöttelte sie. »Warum verwandelst du dich nicht einfach in Mu?«

Ich versuchte in ihren Augen zu erkennen, ob sie es wirklich so meinte, oder ob sie sich nur über mich lustig machte. Aber sie wandte sich schnell wieder um und ritt weiter. Zu unserer Rechten ragten kahle, schroffe Felsen auf, linkerhand führte eine Böschung zu einem sich windenden Wildbach hinab. Das breite Bett mit den blankgeschliffenen Kieseln bewies, dass sich der jetzt gemächlich dahinplätschernde Wasserlauf zu anderen Jahreszeiten in einen reißenden Strom verwandelte.

Seltsamerweise fühlte ich mich nur als Beuteldrache in diesem Gebirge wohl.

Seit ALLUMEDDON besaß ich die Fähigkeit, beide Gestalten anzunehmen: die des blonden, kräftigen mandalischen Jünglings Mu, der ich früher gewesen war, oder die des glubschäugigen, purpurhäutigen Beuteldrachen, in den mich einst eine Hexe verwandelte.

Ich seufzte ergeben. Als Gerrek blieb mir offenbar nur die Wahl, mir entweder die Füße blutig zu laufen oder mein Hinterteil wundzureiten.

Zögernd blickte ich mich nach Sadagar und Mythor um, die dicht hinter mir folgten. Sie beachteten mich nicht.

Im nächsten Augenblick wurde ich wieder zu Mu. Um nicht den Halt zu verlieren, klammerte ich mich in der Mähne des Pferdes fest und zog mich vollends in den Sattel. Erschreckt wiehernd stieg das Tier auf der Hinterhand hoch. Ich hatte Mühe, mich auf seinem Rücken zu halten. In gestrecktem Galopp raste es die Böschung hinab, ohne auf meinen Schenkeldruck und die Zügel zu achten.

Hoch spritzte das eisige Wasser des Wildbachs auf. Aus den Augenwinkeln heraus nahm ich wahr, dass Ilfa und Sadagar mir folgten, doch ihre Maultiere waren zu störrisch und zu langsam. Dann hatte ich wieder genug mit mir zu tun, musste zusehen, dass ich nicht abgeworfen wurde. In wildem Ritt ging es weiter bachabwärts, dann das andere Ufer hinauf, über Geröll und durch dichtes, kniehohes Gestrüpp. Als ich das Pferd endlich zum Stehen brachte, hatte ich keine Ahnung, wo ich mich befand.

*

Soweit ich erkennen konnte, befand ich mich in einem engen Talkessel. Um die schneebedeckten Gipfel der Berge und die Sonne zu sehen, musste ich den Kopf weit in den Nacken legen. Fruchtbares Erdreich ließ nicht nur üppiges Gras wachsen, sondern weiter entfernt auch Getreide, das sanft im Wind wogte.

Schweißnass und mit bebenden Flanken verharrte das Pferd neben mir. »Musste das sein?«, fuhr ich es wütend an und gab ihm einen Klaps auf die Flanke. Wiehernd schüttelte das Tier den Kopf. Schaum tropfte aus seinem Maul, sein Atem stand wie eine dichte Wolke vor den Nüstern.

Ich riss Gras aus und begann, das Fell damit dürftig trockenzureiben. Immerhin war es auch hier nicht gerade angenehm warm.

Das Pferd stieß mich sanft mit dem Kopf an.

»Lass mich in Ruhe!«, schimpfte ich und rieb heftiger.

Wieder zog es die Lippen hoch und...



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