E-Book, Deutsch, Band 152021, 144 Seiten
Reihe: Julia
Hardy Süßer Ruf der Sehnsucht
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7337-1890-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 152021, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-1890-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Vittorias Krönung steht kurz bevor! Was ihr als zukünftiger Königin von San Rocello noch fehlt, ist ein standesgemäßer Ehemann. Doch als sie dem jungen Fotografen Liam MacCarthy gegenübersteht und in seine kornblumenblauen Augen blickt, flammt ein verbotenes Verlangen in ihr auf. Mehr als einen harmlosen Flirt darf es zwischen ihr und dem bürgerlichen Briten nicht geben, das weiß Vittoria. Denn die Pflicht kommt in ihrem Leben immer an erster Stelle. Auch wenn sie davon träumt, nur ein einziges Mal ihrem Herzen folgen zu dürfen ...
Kate Hardy wuchs in einem viktorianischen Haus in Norfolk, England, auf und ist bis heute fest davon überzeugt, dass es darin gespukt hat. Vielleicht ist das der Grund, dass sie am liebsten Liebesromane schreibt, in denen es vor Leidenschaft, Dramatik und Gefahr knistert? Bereits vor ihrem ersten Schultag konnte Kate Hardy fließend lesen. Mit blühender Fantasie dachte sie sich Geschichten aus und schrieb sie auf einer Schreibmaschine nieder, die sie zu ihrem sechsten Geburtstag bekommen hatte. Ihren ersten Liebesroman, der niemals veröffentlicht wurde, schrieb sie mit dreizehn Jahren. Kate Hardy studierte englische Literatur des Mittelalters, heiratete und bekam zwei Kinder. Sie arbeitete freiberuflich als Journalistin im Gesundheitsbereich, doch ihre wahre Berufung fand sie erst, als sie ihr Interesse für Medizin mit Romantik verband und ihren ersten Arztroman schrieb, der auf Anhieb das Lesepublikum begeisterte. Seitdem hat sie weitere 33 Arztromane, einige erotische Liebesromane und mehrere Sachbücher zum Thema Gesundheit geschrieben.
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1. KAPITEL
Der Ausblick von der Fähre war so atemberaubend, dass Liam sich ernsthaft versucht fühlte, von Porträtfotografie auf Landschaftsaufnahmen umzusteigen. Ein türkisfarbenes Meer, das den tiefroten Ball der untergehenden Sonne reflektierte, ein Himmel, der am Horizont vom dunstigen Blau bis zu tiefem Pfirsichton changierte, während die Sonne hinter der Inselsilhouette von San Rocello versank.
Nie zuvor hatte er so etwas Wundervolles gesehen.
Aber er war nicht hergekommen, um Ferien zu machen, sondern offizielle Fotos von Prinzessin Vittoria di Sarda, die nach dem bevorstehenden Rücktritt ihres Großvaters die Herrschaft über das kleine Königreich am Mittelmeer übernehmen sollte. Obwohl man ihm versicherte, dass er diesen Auftrag allein aufgrund seiner hervorragenden Arbeiten bekommen hatte, kam es ihm doch ein wenig wie Vetternwirtschaft vor. Denn Isabella, die jüngere Schwester von Prinzessin Vittoria, war gleichzeitig die beste Freundin seiner eigenen kleinen Schwester, Saoirse. Und Izzy, wie Prinzessin Isabella auch genannt wurde, hatte ihn für diesen Job ihrem Großvater vorgeschlagen.
Liam holte tief Luft. Dieses Nervenflattern war absolut lächerlich. Seit Jahren hatte er unzählige Portraitaufnahmen für Hochglanzmagazine und Sonntagsbeilagen abgeliefert, von Super-Promis bis hin zu hochrangigen Politikern. Einige seiner Arbeiten hingen sogar in der National Portrait Gallery in London. Im Laufe seiner Tätigkeit hatte er zunehmend mehr Sicherheit und Souveränität gewonnen, sodass er sich in jeder Gesellschaft zu bewegen wusste und wohlfühlte.
Ein Mitglied des Königshauses zu fotografieren war allerdings eine Premiere. Und zugleich eine Gratwanderung.
Laut Aussage des königlichen Privatsekretärs wünschte seine Hoheit ein formelles Portrait der zukünftigen Königin. Worauf Izzy gespottet hatte: „Nonno stellt sich Vittoria inmitten eines steifen, verstaubten Szenarios vor, in ein schickes Kleid mit Schärpe gehüllt und mit Juwelen behängt.“
„Hört sich doch ziemlich normal für eine Prinzessin an“, hatte Liam eingewandt.
„Und ist seit mindestens einem Jahrhundert out“, murrte Izzy daraufhin. „Fürchterlich, wie die steife Palastatmosphäre Rina zu ersticken droht! Man sollte der Öffentlichkeit lieber die Frau hinter dem Prunk präsentieren.“
Sämtliche Pressefotos und Paparazzi-Schnappschüsse, die Liam von Vittoria di Sarda, oder Rina, wie Izzy sie nannte, gesehen hatte, zeigten eine coole, sehr gesammelt wirkende junge Frau, Typ Business-Lady. Perfekt gepflegt und stets mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
Nicht ganz Mona Lisa, aber in dieser Richtung, und ganz sicher kein derart verpeiltes und überdrehtes Energiebündel wie ihre Schwester. Wenn er Izzy zusammen mit seiner Schwester in der Küche sitzen und überbackene Toasts futtern sah, wirkte sie wie jede andere Kunststudentin, aber nicht wie eine Prinzessin.
Vittoria hingegen war von Kopf bis Fuß absolut königlich. Die Portraitaufnahme, wie ihr Großvater sie sich vorstellte, würde perfekt funktionieren. Vittoria trug ihr dunkles Haar in einem klassischen, leicht altmodischen Stil, ähnlich dem von Grace Kelly. Zugleich erinnerten ihre zarte Figur und ihre seelenvollen violetten Augen an die junge Elizabeth Taylor. Die gewünschte traditionelle Pose mit schickem Kleid, Diamanten und königlichen Insignien hätte für sie erfunden sein können …
Aber dann hatte Izzy ihm auf ihrem Handy Selfies von Vittoria gezeigt, um ihre eigene Beschreibung zu untermauern. „Und? Strahlend wie die Sonne sieht sie aus, sobald sie sich unbeobachtet fühlt.“
Auf diesen Schnappschüssen wirkte Vittoria di Sarda viel weicher. Nicht wie eine Frau, die ein Land regieren wollte, sondern warm, zugewandt und …
Liam rief sich zur Ordnung. Abgesehen von seinem Prinzip, sich nie privat auf Kunden einzulassen, hatte er früh lernen müssen, wie schwierig es ist, Karriere und Beziehung unter einen Hut zu bringen.
Er war achtzehn, Saoirse gerade mal zwölf Jahre alt, da gab er sein Studium auf, verließ die Uni und suchte sich einen Job, damit er sich um seine kleine Schwester kümmern und für sie sorgen konnte. Eine Entscheidung, die er nie bereut hatte, die ihm seine jeweiligen Freundinnen aber extrem übelnahmen. Einige sagten: „Es liegt nicht an dir, sondern allein an mir …“, andere waren ehrlicher, bis hin zur Schmerzgrenze, und erklärten klipp und klar, dass sie keine Lust hätten, mit einem pubertären Teenager belastet zu sein, der kaum jünger war als sie. Sie wollten auf Partys gehen, Spaß haben und nicht zu Hause hocken. Dass seine Schwester seine einzige lebende Verwandte und ihm unglaublich wichtig war, törnte sie eher ab.
Und später, als Saoirse älter war und ihn nicht mehr so sehr brauchte, störte seine Freundinnen die immense Zeit, die er in den Aufbau seiner Karriere investierte. Dazu gehörten Reisen, Shootings, unzählige Stunden in seiner Dunkelkammer oder bei der Arbeit an einem digitalen Bild. Sie hatten es schnell satt, ständig auf ihn zu warten.
Und er selbst war es leid, hin- und hergerissen zu sein und sich dazu noch schuldig zu fühlen. Also hatte er sich in den letzten Jahren mit lockeren Beziehungen begnügt und lieber auf seine Karriere konzentriert – das erklärte Ziel stets vor Augen: der beste Portraitfotograf seiner Generation zu werden.
Vielleicht, aber auch nur vielleicht, würde Vittoria di Sarda ihm helfen, diesem Traum näher zu kommen …
Vittoria überflog noch einmal das Dossier: Liam MacCarthy, Fotograf und älterer Bruder der besten Freundin ihrer kleinen Schwester Izzy. Ein Mann, der nach dem Tod seiner Mutter einen Studienplatz abgelehnt hatte, um seine Schwester großzuziehen, und der immer noch mit ihr in London lebte. Ein netter Kerl, laut Izzy und Pietro, seines Zeichens Izzys Leibwächter, was sicher kein leichter Job war.
Tatsächlich schien es, als habe Liam den Auftrag für ihr offizielles Portrait nicht deshalb bekommen, sondern weil er wirklich gut war. Um nicht zu sagen: ein exzellenter Fotograf, dessen Arbeiten in Fachmagazinen veröffentlicht und in der National Portrait Gallery in London ausgestellt wurden.
Trotzdem sah Vittoria dem anberaumten Fototermin mit gemischten Gefühlen entgegen. Er würde sie so fotografieren, wie ihr Großvater es wünschte, und er würde es gut machen. Trotzdem hätte sie die Sitzung am liebsten abgesagt oder dreist geschwänzt.
Gerade im letzten Jahr hatte sie sich im Palast zunehmend unwohl und gegängelt gefühlt. Nach dem tödlichen Jachtunfall ihres Vaters, als sie gerade mal elf war, hatte man sie als Thronerbin behandelt und quasi darauf trainiert. Und sie war ja auch bereit, als Königin ihrem Land und ihrem Volk zu dienen, doch jetzt drängten ihre Mutter und Großmutter sie, eine dynastische Ehe einzugehen … noch vor ihrer Krönung!
Dabei hatte sie heimlich davon geträumt, aus Liebe zu heiraten.
Rufus, ein Kommilitone, in den sie sich während ihres MBA-Studiums Hals über Kopf verliebt hatte, schien genau der Richtige zu sein. Er liebte sie um ihrer selbst willen, und nicht, weil sie Prinzessin Vittoria di Sarda von San Rocello war. Sie hatte gedacht, er würde sie bitten, ihn zu heiraten. Doch dann hatte er ihre Familie kennengelernt und schnell erfasst, dass ihr zukünftiges Leben quasi auf einer öffentlichen Bühne unter Flutlicht stattfinden würde. Danach hatte Rufus sich zurückgezogen, mit der Erklärung, er würde sie zwar lieben, könne sich aber nicht mit dem royalen Lebensstil abfinden.
Woraus sie für sich geschlossen hatte, dass Liebe und Pflicht unvereinbar waren.
Trotzdem konnte sie sich bisher nicht dazu durchringen, sich mit José zu verloben, dem Sohn eines spanischen Herzogs, den ihre Mutter und Großmutter für sie ausgesucht hatten. Ein paar Mal waren sie miteinander ausgegangen, hatten aber so gut wie nichts gemeinsam.
Doch die Zeit lief ihr langsam weg, und passende Partner waren leider rar. Sie musste eine Entscheidung treffen, und zwar schneller als gedacht, da ihr Großvater plante, zum Jahresende abzudanken.
Vittoria seufzte. Wenn sie doch nur für ein paar Tage fliehen könnte, um den Kopf frei zu bekommen. Um irgendwo in Ruhe und ohne Druck alles zu durchdenken …
Am nächsten Morgen machte sich Liam auf den Weg zum Palazzo Reale im Zentrum der Hauptstadt. Die hohen Fenster des riesigen Renaissancebaus wurden von Jalousien im selben Cremeton flankiert, den auch die massiven Mauern hatten. Über eine breite Marmortreppe gelangte man zum imposanten Eingangsportal aus schimmernder Bronze.
Liam überflog erneut die E-Mail mit den Anweisungen des Privatsekretärs Matteo Battaglia, begab sich pflichtschuldigst zum Sicherheitskontrollpunkt, um sich vorzustellen, durchlief dann das wahrscheinlich übliche Sicherheitsverfahren, bevor er von einer Hofwache zum Büro des Privatsekretärs geführt wurde.
„Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Mr. MacCarthy.“ Der Privatsekretär schüttelte ihm die Hand.
„Buongiorno, Signor Battaglia. Freut mich ebenfalls.“
Der Palastsekretär lächelte zustimmend und führte ihn zum Büro des Königs.
Liam erinnerte sich an das, was Izzy gesagt hatte, als er sie fragte, wie er ihre Familie ansprechen solle. Es sei dasselbe Protokoll wie bei der englischen Königsfamilie. Ihren Großvater beim ersten Mal Majestät und Vittoria Eure königliche Hoheit und danach Sir respektive Ma’am. Höflich wartete er darauf, dass der König zuerst...




