E-Book, Deutsch, 276 Seiten
Harm Mit einem Tanz begann das Unglück
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-3057-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Fall für den Privatdetektiv Tobias Alff
E-Book, Deutsch, 276 Seiten
ISBN: 978-3-7526-3057-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Es begann mit einem Tanz und am Ende steht ein Mord. Der Privatdetektiv Tobias Alff und seine Partnerin suchen in der Vergangenheit der verdächtigen Frau und finden weitere rätselhafte Todesfälle. Aber das Unglück nimmt seinen weiteren tragischen Verlauf.
Uwe Harm, Jahrgang 1952, lebt im Herzen Schleswig-Holsteins und ist als Diplom-Rechtspfleger bekannter Autor in der juristischen Fachliteratur, insbesondere zum Betreuungs- und Erbrecht. Seit zwei Jahren befindet er sich im Ruhestand und widmet sich nun spannenden Kriminalgeschichten. Dieser dritte Roman hat einen wahren Kern, deren Figuren und Handlungen natürlich phantasievoll verändert wurden. Kurzweilig, amüsant und spannend zugleich sind die Markenzeichen seiner Krimis.
Autoren/Hrsg.
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Karin war bei ihrer Mutter zu Besuch und ließ sich die zweite Tasse Kaffee einschenken. Ihre Mutter war etwas deprimiert. Sie hatte sich vor wenigen Tagen von ihrem letzten Lebensgefährten getrennt. Mit dem erfolglosen Kunstmaler war sie kein ganzes Jahr zusammen. Sie hatte viel von ihren Ersparnissen zur Unterhaltung der kleinen Künstlerwerkstatt im Karolinenviertel in Hamburg gegeben. Alles war vergeblich. Die Erkenntnis kam zu spät. Er hatte sie nur ausgenutzt. Jetzt war sie empört und erzählte ihrer Tochter so manche eigenartige Begebenheit und Enttäuschung. Karin mochte das alles eigentlich nicht hören, aber in dieser Situation wollte sie ihrer Mutter beistehen. Also hörte sie kommentarlos zu. Doch das Thema änderte sich bald, nachdem zum Sekt noch zwei Kirsch-Liköre verkostet wurden. Dann kam ein altes Thema auf den Tisch: Karins Beziehung zu dem Privatdetektiv Tobias Alff, den ihre Mutter für einen Versager hielt. „Du bist Mitte 30! Da muss eine Frau über ihre Zukunft nachdenken!“ ermahnte sie ihre Tochter wie so oft schon zuvor. „Dieser Detektiv liegt dir doch nur auf der Tasche. Und dauernd musst du ihn auch finanziell unterstützen. Wie lange soll das weitergehen?“ – „Ja, ja, das höre ich mir schon lange an. Ich bin keine Frau zum Heiraten und Kinderkriegen. Mit Tobias bin ich glücklich.“ – „Ich hatte dir auch schon zwei oder dreimal erzählt, dass hier ein Stock höher ein so netter junger Rechtsanwalt ganz allein lebt. Der würde dir eine Zukunft geben! Da währest du versorgt und könntest ohne Sorgen eine Familie gründen. Schau ihn dir doch wenigstens einmal an!“ Die Mutter schüttelte dabei mehrmals mit dem Kopf. Karin war trotz dieser immer wiederkehrenden leidigen Diskussion sehr entspannt und nach einem weiteren Glas von dem leckeren Kirsch-Likör dachte sie bei sich, dass sie diesen Knaben doch mal ansehen sollte. Sie lachte innerlich dabei und ihr kamen schon die ersten Ideen für einen Spaß dabei. „Was ist das denn für ein Mann, außer dass er Rechtsanwalt ist?“ fragte sie nun ihre Mutter. „Der mag etwas jünger sein, so 30 schätze ich. Aber so nett und immer ausgesucht höflich und eine gepflegte Erscheinung. Gut gekleidet. Vor drei Tagen war er bei mir zum Kaffee. Dabei fielen mir seine Hände auf. Er hat so schöne schlanke Hände wie ein Gynäkologe.“ – „Wie ein Gynäkologe?“ Karin schüttelte lachend den Kopf. – „Ja, jedenfalls wie bei meinem!“ – „Und neulich hatte ich seine Mutter kennengelernt. Das ist eine so nette Frau. Sie versorgt ihren Sohn regelmäßig, macht ihm die Wäsche und kümmert sich rührend um ihn.“ Karin musste schon wieder lachen. Das hörte sich nach einem klassischen Muttersöhnchen an. Den Spaß, ihn kennenzulernen, wollte sie sich jetzt unbedingt gönnen. „Ja, dann lade ihn ein und sage Bescheid. Ich komme dann dazu.“ Karin wollte jetzt nach Hause. Sie sah auf die Uhr und wusste, dass Tobias wohl schon in ihrer Wohnung wartete. Es gab auch noch einen aktuellen Fall zu besprechen. Sie lehnte einen weiteren Likör ab und verabschiedete sich von ihrer Mutter. Tobias Allf war schon aus seinem Büro in die gemeinsame Wohnung gekommen und hatte Rotwein mitgebracht. Zwei Flaschen trockenen spanischen Rioja. Karin hatte vom Vortag noch Kartoffelsalat und Buletten übrig. Als er den Tisch deckte, kam Karin gerade herein. Sie begrüßten sich zärtlich. Karin erzählte beim Essen vom Gespräch mit ihrer Mutter. Tobias amüsierte sich immer darüber. Karins Mutter war in seinen Augen einfach zu anstrengend. Als sie den Tisch abräumte und beide sich gemütlich in die schönen Cocktailsessel setzten, fing Tobias an, die neueste Entwicklung ihres aktuellen Falls zu berichten. „Diese Frau hat jetzt einen Anwalt beauftragt, der alle Fotos einfordert und die Löschung verlangt. Es ist auch eine Abmahnung und wir sollen seine Gebühren bezahlen.“ – „Das soll dann aber unser Auftraggeber erstatten. Das sind ja Kosten unserer Arbeit.“ Karin nahm das Anwaltsschreiben, das Tobias ihr reichte, entgegen und las selbst. Sie hatte die Fotos gemacht und die Frau mehrere Wochen beobachtet. Ja, die traf sich mit einem Mann, einem bekannten Makler, in eindeutigen Situationen. Mehrmals hatte Karin sie beim gemeinsamen Essen in einem Restaurant beobachtet. Dabei zeigten sie eine deutliche Vertrautheit und Zärtlichkeit. Mehr gaben die Fotos nicht her. Aber klar, ohne Zustimmung darf niemand einfach Fotos machen. Der Auftraggeber bat noch um ein Treffen. Er will den Auftrag erweitern. Beide waren gespannt, was jetzt noch zu ermitteln wäre. * Am nächsten Tag saß Tobias Alff um die Mittagszeit allein in seinem Büro. Es gab nur diesen einen Auftrag, der aber eigentlich erledigt war. Alff schaute sich die Notizen und die Fotos noch einmal an. Dann verabredete sich Tobias Alff telefonisch mit dem Auftraggeber. Sie sollten am Abend zu ihm kommen. Sein Mandant war Landwirt mit einem großen Pferdehof in dem Dorf Heist, zwischen Pinneberg und Uetersen. Er war erst seit 4 Monaten mit dieser Frau zusammen und bekam immer mehr das Gefühl, dass er betrogen werden sollte. Tobias Alff lieferte dann die Fotos. Der Landwirt warf daraufhin sofort diese Frau raus. Karin kam um 16 Uhr aus ihrem Fitness-Club und fuhr direkt ins Büro des Detektivs. Das Büro lag seit vielen Jahren in der Dorotheenstraße in Hamburg. Es bestand nur aus zwei Räumen. Ein Büroraum mit sehr alten Möbeln, ein kleines zweites Zimmer, das beide als Schlafzimmer nutzten, wenn es mal spät wurde und ein kleines Bad. Im Flur zum Hinterausgang stand noch eine kleine Pantry-Küche. Karin zog ihre Sportkleidung aus, ein gelbes Tshirt mit Aufdruck „Frauen-Power Hamburg“ und ein schwarzer Minishorts. Dann eilte sie unter die Dusche. Das kleine Bad im Büro war allerdings seit Jahren modernisierungsbedürftig. Alte Objekte mit verkalktem Duschkopf und gelbe Fliesen bis unter die Decke zeugten von den 60er-Jahren. Das WC hatte noch einen Wasserbehälter ganz oben mit einer Kette zum Auslösen. Nach dem Duschen zog sie eine Jeans und ein schwarzes Oberteil an und beide fuhren los, um in Heist den Auftraggeber zu treffen. Die Fahrt dauerte durch den aufkommenden Berufsverkehr fast eine Stunde. Der Pferdehof in Heist bestand bis auf das traditionelle Bauern-Wohnhaus aus moderneren Hallen und Scheunen sowie einem großen Pferdestall. Auf dem Hof standen mehrere Pkw mit Pferdeanhängern. Anton Brüggen kam schon zur Tür. Er hatte sie schon erwartet. Der Mann war Mitte 50, groß und hager in typischer Reiter-Kleidung: Dunkle Reiterhose, ein kariertes Flanellhemd und eine grüne Jacke mit einigen Öl- und Erdflecken. Er hatte volles, aber sehr kurzes Haar. Vor dem Bauernhaus standen sein grüner Lada und ein älterer Mercedes auch in dunkelgrüner Farbe. Er bat beide ins Haus. In der großen Wohnküche bot er Platz auf einer Eckbank an. Alles war aus groben Holz, aber durchaus stilvoll und passend. Anton Brüggen hatte schon Bier und Wasser hingestellt. „Zuerst Herr Brüggen“, begann Karin, „sind noch weitere Kosten entstanden. Wir wurden von dem Anwalt ihrer Frau abgemahnt und er verlangt alle Fotos heraus.“ – „Kein Problem. Zahle ich ihnen. Die Fotos habe ich gesehen. Die können Sie auch gern herausgeben.“ Anton Brüggen äußerte sich immer kurz und knapp. „Und nun soll es weitergehen?“ fragte Tobias. „Ja, ich bin überzeugt, dass das alles eingefädelt wurde. Da steckt vielleicht dieser Mann auf den Fotos dahinter. Sie drängte mich, ein Testament zu errichten und argumentierte immer damit, dass sie vor der Eheschließung abgesichert sein will. Immerhin waren wir schon verlobt. Wir sollten uns gegenseitig zu Alleinerben einsetzen. Sie interessierte sich zu auffällig für die Katasterkarten und Werte des Hofes. Und sie wollte angeblich bald mit mir die Ehe eingehen. Im Bett spielte sie mir was vor. Mir wurde immer deutlicher, dass sie es nur auf mein Geld abgesehen hatte. So war jedenfalls mein Eindruck.“ – „Wie haben sie sich denn kennengelernt?“ fragte Karin. „Ein Gasthof in Neuenfelde organisiert schon lange Tanzveranstaltungen mit dem Motto Bauer sucht Frau. Der Gastwirt rief mich sogar einige Male an, um mich einzuladen. Flyer von ihm hatte ich vorher im Briefkasten. Und da bin ich dann hin und habe diese Frau kennengelernt. Die warf sich geradezu an mich. Das war ganz große Liebe, jedenfalls zuerst.“ - „Wie kam er denn überhaupt auf Sie? Der muss doch gewusst haben, dass Sie eine Frau suchen.“ Karin war das alles nicht so klar. Anton Brüggen atmete tief durch, schüttelte den Kopf und öffnete eine Bierflasche. „Ich glaube, dass dieser Versicherungsheini, der hier in der ganzen Gegend die Höfe versichert und im Grunde auch einen guten Service nach Abschluss leistet, dem Gastwirt das gesteckt hat. Der Versicherungsmakler hat zu Recht darauf hingewiesen, dass man sich...




